Turn 8: Stalker
„...wir sind eins... vergiss das nie...“
Diese Worte ließen Anja sofort aus ihrem Schlaf hochschrecken. Ihr Herz klopfte schnell.
Es war bereits hell, erste Sonnenstrahlen schienen durch den Spalt der Vorhänge ihrer Fenster ins Zimmer.
Das Mädchen mühte sich in ihrem rosa Nachthemd aus dem Bett und setzte sich an den Schreibtisch samt PC, der zwischen den beiden Fenstern stand.
Vor ihrer Tastatur lagen ihre Karten, die sie dort mit den Kartenbildern nach oben verteilt hatte. Traurig nahm sie den White Knights Lord in die Hand und sah ihn an.
((Ich wünschte, es gäbe so einen Mann für mich.)) Dachte sie schweren Herzens. ((Aber für mich bleiben nur die Reste übrig, wie Frank... tzzzzz.))
Dann klopfte es an der Tür.
Anja drehte ihren Stuhl und blickte zur Tür, neben welcher sich ihr Kleiderschrank befand.
„Herein!“ Sagte sie förmlich, obwohl sie wusste, dass es ihre Mutter war.
Die Tür sprang einen Spalt auf und jene Frau streckte ihren dunkelblond gelockten Kopf durchs Zimmer und sah Anja fröhlich an.
„Telefon für dich. Es ist Nick.“
„Nick?“ Wunderte sich Anja und stand auf. „Was will der denn schon um diese Uhrzeit?“
„Hat er nicht gesagt.“ Antwortete die Mutter und machte Platz, als Anja an ihr vorbei lief, direkt durch den kleinen Flur die Treppen hinunter.
Kurze Zeit später befand sie sich in einem anderen Flur, wo das Telefon auf einem kleinen Tisch stand in einer Ecke neben der Treppe nach oben. Anja hatte den Hörer in einer Hand und stemmte die andere in ihre Hüfte.
Etwas missmutig sprach sie dann. „Was ist denn?“
„Die erste Stunde fällt aus. Ist das nicht toll?“ Gluckste Nick müde in den Hörer und gähnte anschließend.
„Woher weißt du das?“ Fragte Anja skeptisch und verzog das Gesicht.
„Mein einzigartiger Nicksinn sagt mir das. Und der liegt immer richtig, wenn’s um Ausfallstunden geht.“ Lachte ihr Freund stolz.
Darauf wusste Anja nur eine böse Fratze zu ziehen.
„Außerdem hat mich unser Klassenlehrer angerufen, um mir meine Vermutung zu bestätigen.“ Erklärte Nick weiter.
((Vollidiot...)) Keifte Anja im Gedanken. „Wenn das so ist, was machen wir jetzt?“
„Ich würde dich ja fragen, ob du Lust auf ein Duell hättest, aber 12 Stunden Schlaf sind einfach zu wenig für mich. Ich leg mich noch mal hin.“
„12 Stunden?!“ Wiederholte Anja entsetzt und machte große Augen. „Wann bist du denn gestern ins Bett gegangen!?“
„Gleich nach den Teletubbies.“
Anja war sprachlos und knallte ungläubig den Hörer aufs Telefon. Dann schüttelte sie den Kopf und ging weiter.
- nach dem Frühstück -
Anja und ihre Mutter befanden sich zusammen an der Spüle und wuschen ein paar Teller und Gläser mit der Hand ab, wobei Anja das Geschirr mit einem Handtuch abtrocknete.
„Ich glaube, ich werde in unserer Freistunde etwas spazieren gehen. Vielleicht unten am Fluss.“ Sagte sie im Gedanken vertieft und stellte ein Glas in den Schrank über ihr, dessen Glastüren geöffnet waren.
„Tu das, aber komm nicht zu spät zur Schule.“ Mahnte ihre Mutter gut gelaunt.
Anja nickte.
„Geh Schätzchen, ich schaff den Rest alleine.“ Lächelte die Frau dann gütig, denn Anja sollte ihre Freizeit genießen und nicht Hausarbeit verrichten.
„Danke!“ Strahlte Anja und rannte bereits zum weißen, quadratischen Tisch. Auf einem der drei Stühle, die um ihn herum standen, lag ihr Rucksack. Sie buckelte ihn und ging zur Tür, die ins Wohnzimmer führte.
Dort drehte sie sich noch einmal um.
„Wann kommt Dad endlich mal?“ Sie klang dabei etwas deprimiert.
„Er hat im Moment viel zutun. Ich weiß es nicht...“ Antwortete ihre Mutter ihr leise und sah sie dabei nicht an, sonder den Teller in ihrer Hand.
„Okay, dann bis später.“ Schon war Anja verschwunden.
- später am Fluss -
Nachdenklich lief das Mädchen auf dem gepflasterten Weg nahe des Flusses entlang und sah dabei das Wasser an, welches in der Sonne angenehm schimmerte.
Ein weißes Kleinboot schwamm sanft an ihr vorbei, was sie zum Lächeln brachte.
Sie sah nach rechts, wo nicht weit entfernt ein großes Gebäude stand. Eine Straße führte weiter in die Stadt hinein.
Anders als in der Innenstand war die Umgebung hier fast einem Wald gleich, besonders auf der anderen Uferseite links von ihr.
Eine Brücke führte in jenen Wald hinein, und Anja erinnerte sich, dass man irgendwo von diesem Wald aus zur Schule gelangen konnte, da der Parkplatz in direktem Kontakt mit dem Wald war.
Sie seufzte und ließ ihren Blick nach vorne schweifen.
Der Weg vor ihr schien unendlich lang, im regelmäßigen Takt standen nahe dem Fluss Laternen, die abends für romantische Stimmung sorgten. Damit niemand ins Wasser fiel, stand dort ein weißes Stahlgeländer. Anja beobachtete einen kleinen Jungen, der sich hinüberbeugte und das Boot beobachtete, das eben vorbei gezogen war.
((Nicht viel los hier…)) Dachte sie etwas enttäuscht und setzte sich auf eine Bank, nicht weit von ihr.
Sie ließ ihren Blick über ein Bootshaus samt Steg auf der anderen Uferseite schweifen und dachte dabei, wie schön es wohl wäre, mal eine Bootstour auf offener See zu machen.
Unwillkürlich wandte sich Anja nach rechts und guckte verdutzt.
Auf der nächstgelegenen Bank saß ein groß gewachsener Mann und zeichnete. Auf seinem Schoß lag ein Block und neben ihm lag eine gewaltige Palette an Farben, offenbar malte er sein Bild gerade aus.
Immer wieder wanderte sein Blick von seinem Bild zu dem Bootshaus und zurück, als wollte er den Farbton genau treffen. Sanft strich er mit dem Pinsel über die weiße Oberfläche und färbte das Häuschen braun ein.
„Das ist sehr schön.“ Ließ ihn Anjas Stimme hochschrecken.
Er drehte sich um und sah sie, wie sie mittlerweile hinter ihm stand und ihm über die Schulter lugte.
„Oh… Ich gebe mein Bestes.“ Der noch recht junge Mann lächelte sie dankbar an. Seine Augen waren ähnlich blau wie die ihren und auch sein blassblondes Haar war dem von Anja nicht ganz unähnlich. Man könnte fast meinen, sie wären Verwandte.
„Ich wünschte, ich könnte so gut zeichnen.“ Schwärmte Anja verträumt und starrte zu dem Bootshaus hinüber.
„Mit ein wenig Übung ist so was nicht schwer. Ich bin ja selber nur Hobbymaler.“ Erklärte er gelassen und malte weiter.
„Andererseits fehlt mir dafür bestimmt die Geduld.“ Kicherte Anja und sah ihn von der Seite an.
„Tja, die braucht man natürlich…“ Dabei lachte er herzlich auf.
Anjas Blick fiel auf seinen ausgewaschenen, ockerbraunen Mantel, den er auf der anderen Bankseite neben ihm lag. Sein weißes Hemd hatte nicht einen Farbklecks abbekommen, was Anja erstaunte, da ihr so etwas als Kind regelmäßig passierte.
„Ich heiße übrigens Vincent, und Sie sind?“ Sprach er sie dann an.
„Sie können mich duzen.“ Anja war regelrecht rot geworden und kicherte verlegen. „Ich bin zu jung fürs ‚Sie’.“
„Oh Verzeihung, wie unhöflich.“ Brachte er sein Lachen mit ein.
Das Mädchen reichte ihm die Hand rüber. „Ich bin Anja, schön dich kennen zu lernen.“
„Die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
Sein mildes Gesicht ließ Anja innerlich dahin schmelzen.
„Kommst du öfters hierher?“ Wollte sie neugierig wissen.
„Das ist das erste Mal.“ Gab er eine ernste Antwort. „Ich lebe noch nicht so lange hier.“
„Wo hast du denn vorher gewohnt?“
Während sie fragte, nahm er seinem Mantel beiseite, damit sie sich neben ihn hinsetzen konnte.
„...ein ferner Ort... sicher hast du nie davon gehört, es war sehr langweilig dort.“ Dann sah er sie lächelnd an. „Da würde sich niemand hin verirren.“
„Klingt ja wirklich schlimm.“ Meinte sie kindlich.
„Ja...“ Dann wechselte er das Thema. „Du bist noch Schülerin, oder? Müsstest du nicht in der Schule sein, anstatt mit einem einfachen Hobbymaler wie mir rumzuhängen?“
„Stimmt schon, aber ich habe eine Stunde frei.“ Grinste sie breit und kam mit ihrem Zeigefinger seiner Nase ganz nah. „Überschätz dich nicht, ich bin aus reiner Langeweile hier.“
Daraufhin lachte er laut los, dieses Mädchen war wirklich etwas Besonderes. Das hatte er schon gemerkt, als sie sich ihm näherte.
„Warum malst du eigentlich?“
„Oh...“ Reagierte er auf ihre Frage hin überrascht. „Tja... damit kann man die Schönheit der Welt einen Moment lang einfangen und für sich behalten.“
„Wie poetisch.“ Wieder musste er wegen ihr lachen.
„Was machst du gerne in der Freizeit?“
„Äh ich?“ Wunderte sich Anja und zeigte nun auf sich selbst. „Also... na ja...“
Jetzt, wo er sie das fragte, bekam sie regelrecht einen Blackout. Je länger sie mit der Antwort wartete, desto peinlicher wurde es ihr, bis ihr etwas einfiel.
„Duel Monsters.“
„Hmm... das also...“ Murmelte er vor sich hin und wandte seinen Blick dem fertigen Bild zu. Anja sah es an, es war fast eine genaue Kopie der Umgebung, nur dass die Farbe an einigen Stellen noch nicht trocken war.
„Wow, das ist wirklich gut!“ Staunte sie nicht schlecht.
„Duel Monsters...“ Wiederholte er stattdessen und sah sie freundlich an. „Dann soll es so sein.“
„Was?“
„Wollen wir spielen?“ Anja nickte verdutzt.
„Kl-klar warum nicht? Hab ja noch etwas Zeit.“ Beide standen auf.
Vincent nahm einen kleinen, roten Rucksack der an die Bank gelehnt war hervor und zog die Dueldisk heraus, ähnliches tat Anja mit ihrem Rucksack.
„Du spielst auch?“ Wunderte sich die Schülerin, als die beiden von der Band weggingen und sich inmitten des Pflasterweges einander gegenüberstellten.
„Man muss doch... wie heißt das? Mit der Zeit gehen.“ Antwortete er fröhlich.
((Man, der ist echt cool.)) Überlegte Anja fröhlich. ((Wer sind Bastian und Frank doch gleich? Hihi!))
„Fangen wir an.“ Meinte er dann entschlossen.
„Okidoki, hier komm ich!“ Anja sprang in die Luft und setzte eine Kämpfermimik auf.
[Anja: 4000LP Vincent: 4000LP]
„Du kannst gerne beginnen.“ Bot Vincent ihr an.
„Hmmm... das ist auch keine Falle?“ Scherzte Anja und streckte die Zunge raus.
„Oh... ahahaha... du bist ein wirklich lustiges Mädchen.“
„Danke, ich verzichte auf den ersten Zug.“ Entschied sie dann.
„Wie du meinst... also gut.“ Vincent zog seine sechste Karte und rief diese sogleich auf. „Ich beschwöre den Giftigen Wurzelkönig im Angriffsmodus (ATK/800)!“
Aus dem Boden brachen aschgraue Wurzeln hervor, die sich durch die Luft schlängelten und eine circa ein Meter große Kreatur mit dürren Wurzelschwingen bildeten. Auf seinem Kopf hafteten violette Laubblätter als Krone.
[Anja: 3500LP Vincent: 4000LP]
„Puh, was ist das für ein Gestank!?“ Beschwerte sie das Mädchen und kniff ihre Nase zu.
Ein faulig gelber Nebel hatte sich um das Spielfeld verbreitet und roch auch so.
„Das ist sein Gift, welches dich bei seiner Beschwörung 500 Lebenspunkte kostet.“
„Okay...“
Langsam verflüchtete sich der Nebel wieder.
„Dann setze ich noch drei Karten verdeckt. Du bist dran, Anja.“ Sagte er und die Karten lagen nun vor seinen Füßen.
((800 Angriffspunkte ist nicht sehr viel.)) Überlegte Anja und pickte aus ihrem Blatt eine Karte hervor. ((Aber da er drei Fallen gesetzt hat, werde ich wohl in die Vollen gehen müssen!))
„Hier kommt die Ritterin der Königin (ATK/1500)!“
Schon einen Moment später schwang eine blonde Kriegerin in einem roten Plattenpanzer ihr Schwert und machte ihren Schild zum Schutze bereit.
„Da fehlt mir ehrlich gesagt noch etwas, deswegen komm ich dem mit Doppelbeschwörung nach. Schon erlaube ich mir eine zweite Normalbeschwörung, und der Glückliche ist Ritter des Königs (ATK/1600)!“
Neben der Ritterin stellte sich ein älterer Herr mit blondem Bart in einer orangefarbenen Kürass und blauem Umhang.
Galant hielten beide Krieger ihre Schwerter in die Luft aneinander, sodass aus dem Nichts ein drittes Schwert erschien. Ein groß gewachsener, junger Ritter hielt es in der Hand.
„Tja, da ist der Jüngste unserer lieblichen Ritterfamilie wohl eingetrudelt, der Ritter des Buben (ATK/1900), der durch den Effekt seines Papis vom Deck gerufen werden kann, sollte sich Mami auf dem Spielfeld befinden.“ Erklärte Anja ohne Atempause.
„Jetzt hast du also drei mächtige Monster, die meine Lebenspunkte auslöschen können.“ Schlussfolgerte Vincent nachdenklich und sah Anja dabei an.
„Uh Uh.“ Kicherte sie und erhob ihren Zeigefinger. „Denk ja nicht daran, mir eine Falle stellen zu wollen. Ich gehe lieber auf Nummer sicher...“
„Das heißt?“ Wunderte sich ihr Gegner.
„Ich habe etwas ganz besonders Fieses auf Lager: Royal Straight!“
Alle drei Ritter verwandelten sich in pures Licht und wirbelten in der Luft zusammen.
Ein neues Monster schwebte auf den Boden hinab und nahm Gestalt an.

„Ein Ritter mit einer Maske?“ Wunderte sich Vincent.
„Nicht irgendein Ritter... Royal Straight Slasher (ATK/2400).“ Verbesserte Anja ihn mit ihrem großen Mundwerk und zeigte den Daumen nach oben. „Klar tut’s weh, meine drei Monster zu opfern, aber der Slasher hat einen fantastischen Effekt!“
Das blonde Mädchen nahm ihr Deck aus dem Dueldisk-Schacht und pickte sich fünf Karten hervor, die sie dann vorzeigte. „Ich kann jeweils ein Monster von den Stufen eins bis fünf wählen und auf den Friedhof schicken.“
Die Karten waren:
- White Knights Squire / 1
- White Knights Lady / 2
- White Knights Judge / 3
- White Knights Swordsman / 4
- Knight of the Black Order / 5
Einen Moment später erhallte ein lauter Knall und die Spielfeldseite von Vincent explodierte.
Brennende Papierfetzen glitten durch die Luft und als sich der düstere Rauch verzog, waren alle Karten von Vincent verschwunden.
„Und PENG, jetzt hat mein Ritter es dir gegeben und all deine Feldkarten vernichtet!“
„Ich weiß.“ Lachte Vincent amüsiert.
Royal Straight Slasher (ATK/2400 zu 1200)
„Uhhhhhhhhhhhhh...“ Mit großen Augen wunderte sich Anja über ihr Monster.
„...aber das heißt nicht, dass ich nur zusehe.“ Gab er dann ernst zurück. „Ich konnte rechtzeitig meinen Tropenvirus aktiveren, der für drei deiner Züge die Grundstärke deiner Monster halbiert.“
„Gut, dass Knight of the Black Order auf dem Friedhof liegt, dort stärkt er Krieger nämlich um 300 Punke!“
Royal Straight Slasher (ATK/1200 zu 1500)
„Und jetzt: direkte Attacke!“ Befahl Anja zielstrebig.
Ihr Ritter ließ ein langes Schwert in seinen Händen erscheinen und wagte einen Vorstoß, der Vincent eine Wunde in der Schulter verursacht hätte, wären dies nicht Hologramme gewesen.
[Anja: 3500LP Vincent: 2500LP]
Der Royal Straight Slasher zog sich zurück.
„Mehr kann ich nicht tun.“ Gestand Anja ein.
„Alles klar!“
Zum Entsetzen des Mädchens verbreitete sich aufs Neue der faulige Geruch, der durch den gelben Nebel verursacht wurde. Anja sah zu, wie sich erneut graue Wurzeln aus dem Boden hoch schlängelten, und ein altbekanntes Monster bildeten.
„Der Giftige Wurzelkönig (DEF/0)!“ Kam es aus Anja wie aus der Pistole geschossen.
[Anja: 3000LP Vincent: 2500LP]
„Ja.“ Sagte Vincent und fokussierte das Mädchen in seinem Blickfeld. Er mochte ihren leicht blassen Teint und diese schimmernden, aber feindseligen Augen. „Da er das einzige Monster auf meinem Friedhof ist und ich auch sonst keine Monster kontrolliere, kann ich ihn vom Friedhof beschwören.“
„Oh, wie nett!“ Zischte sie.
„Biologisches Dreieck!“ Rief er und zeigte eine Zauberkarte aus seiner Hand hervor. „Ich biete eine Pflanze von meinem Spielfeld und meinem Deck als Tribut an, und rufe dann eine neue Pflanze vom Deck, deren Stufe der meines alten Monsters auf dem Feld entspricht!“
Der Wurzelkönig verschwand.
Der große Mann legte von seinem Deck eine Karte auf den Friedhof und suchte sich dann ein Monster, das er beschwören wollte.
„Ich entscheide mich für Herrscher des Gifts (ATK/1500)!“ Verlautete er und rief ein wurmartiges Biest aus Holz mit dicken, schwarzen Stacheln über den Körper verteilt. Sein Oberkörper hingegen wirkte ähnlich eine Mumie.
„Ieh!“ Beschwerte sich Anja.
„Los, vernichte Royal Straight Slasher!“ Befahl Vincent gnadenlos.
Mit seinen Pranken schlug das Ungeheuer auf den Ritter ein und es gelang ihm, eine seiner Klauen durch das Herz des Opfers zu jagen, dabei kassierte er aber einen Schwerthieb, der ihm den Kopf abschlug. Beide Monster zersprangen.
„Jetzt wo Herrscher des Gifts den Kampf verloren hat, darf ich eine andere Pflanze als ihn vom Friedhof beschwören. Und ich dachte da an Feenkönig Wahrtal (ATK/2200)!“
Weißer Feenstaub wirbelte durch die Luft und verkündete die Ankunft eines kleinen Monsters mit durchsichtigen, bunten Schmetterlingsflügeln. In seiner Hand hielt es ein Zepter.
„Das muss das Monster sein, das du ablegt hast...“ Stammelte Anja.
„Korrekt... gute Kombo, nicht wahr?“ Das Mädchen nickte beeindruckt. „Attacke!“
Der Lichtstahl, der von der kleinen Fee auf Anja geschossen wurde, war alles andere als klein und wurde im Wasser des anliegenden Flusses reflektiert.
„AHHH!“ Schrie sie und stolperte geblendet zurück.
[Anja: 800LP Vincent: 2500LP]
Einige Leute liefen an den beiden Duellanten vorbei und sahen diese mit großen Augen an. Langsam kam Leben in die Gegend, denn die Straße war belebter und mehr Passanten genossen die angenehme Landschaft, sowie auch viele über die Brücke in den Wald spazieren gingen. Auch Jogger waren zu sehen.
Doch Anja hatte alles um sich herum vergessen, sogar die Zeit. „Noch bin ich nicht am Ende!“
„Natürlich nicht.“ Grinste Vincent schüchtern und setzte eine Karte. „Gib dein Bestens.“
„Mach ich, mein Zug!“
Als sie zog, machte sie große Augen. ((Ohhhh... Schwerer Sturm?))
Ihre anderen Handkarten betrachtend, konnte sie ihr Glück kaum fassen.
„Das wird mich retten!“ Ließ sie selbstbewusst verlauten und aktivierte ihre Zauberkarte Törichtes Begräbnis.
„Hiermit lege ich White Knights Guardna vom Deck auf den Friedhof!“ Anschließend legte sie eine Karte verdeckt aufs Spielfeld.
„Und nun siehe und staune, ich aktiviere Schwerer Sturm und zerstöre unsere verdeckten Karten!“
Heftiger Wind zog auf und riss die holografischen Zauber- und Fallenkarten mit sich. Vincent sah ihnen hinterher, wie sie davon flogen und sich auflösten.
„Das ist seltsam, wieso hast du deine eigene Karte zerstört?“
„Ganz einfach!“ Anja lachte finster.
Ein weißes, kreisrundes Siegel erschien auf dem Boden und aus ihm entschwebte ein weißer Ritter mit Schwert und Schild in der Hand.
„Die verdeckte Karte war The Sealed Gates, und wenn die zerstört wird, kann ich White Knights Swordsman, White Knights Lancer und White Knights Guardna aus dem Friedhof entfernen und White Knights Lord (ATK/2000) aus dem Deck rufen!“
Vincent sah das Mädchen erstaunt an.
„Aber auf deinem Friedhof lagen nur zwei der genannten Monster.“
„Falsch!“ Kicherte Anja böse und legte ihren Zeigefinger auf die Lippen. „White Knights Squire kann nämlich den Namen eines der genannten Monster annehmen, wenn er auf dem Friedhof liegt. Also ist das völlig legal!“
„Vergiss aber nicht, dass dein Monster die Hälfte seiner Angriffskraft einbüßt.“
White Knights Lord (ATK/2000 zu 1000 zu 1300)
„Das macht nichts, ich aktiviere nun den Effekt der White Knights Lady aus dem Friedhof!“
Hinter dem Rücken des Kriegers erschien eine schöne Prinzessin mit weißem Schleier vor dem Gesicht, die sich an den White Knights Lord ankuschelte.
„Sie kann die Zerstörung meines Lords verhindern, aber darauf will ich nicht hinaus! Wichtiger ist der White Knights Judge, der ebenfalls auf meinem Friedhof liegt. Auch ihn kann ich zu einer Ausrüstungszauberkarte werden lassen, nur muss ich dafür eine offene Zauber- oder Fallenkarte entfernen und wie gut, dass meine Lady nun so eine ist!“
Mit einem Schrei löste sich White Knights Lady auf und verwandelte sich in goldene Lichtfunken, die nun eine Waage bildeten. Jene stand im Gleichgewicht beider Seiten und ließ den White Knights Lord in goldener Aura erstärken.
White Knights Lord (ATK/1300 zu 2600)
„Sie verdoppelt die Punkte des ausgerüsteten Monsters!“ Erklärte Anja stolz.
„Deine Strategie ist nicht übel.“ Lobte Vincent sie.
„Find ich auch, und da ich jetzt ein stärkeres Monster habe als dein Wahrtal, kann ich ihn vernichten! Attacke!“
Noch ehe sich die kleine Fee versah, sauste ein Schwert auf sie hinab und zerteilte sie.
„Der Effekt meines Lords kostet dich noch 300 Extrapunkte!“
[Anja: 800LP Vincent: 2100 zu 1800LP]
Anja atmete tief durch. Sie fühlte sich gut, besonders, da die Zuschauer sie unterstützten und ihr zujubelten.
„Ich beende.“ Sagte sie schließlich und hinterließ Vincents Feld leer geräumt.
„Okay.“ Meinte der Mann nachdenklich und zog.
„Ich denke, ich rufe Lekunga (ATK/1700)!“
Zuerst erschien ein braunes Auge auf dem Spielfeld, welchem langsam überall grüne Tentakel wuchsen. An deren Spitzen ragten scharfe Dornen.
„Um seinen Effekt zu aktivieren, muss ich nur zwei Wasser-Monster aus meinem Friedhof entfernen.“ Vincent legte Giftiger Wurzelkönig und Herrscher des Gifts in ein Unterfach der Dueldisk.
„Jetzt ruft Lekunga ein Token aufs Feld (ATK/700)!“ Eine Miniversion des Pflanzenmonsters schwebte neben ihm, seine Tentakel waren viel kürzer als die des Originals.
„Ieh wie eklig!“ Beschwerte sich Anja und rümpfte die Nase.
„Nicht gerade, was ein Mädchen mag, oder?“ Lachte Vincent etwas enttäuscht. „Besonders, wenn sie dadurch verliert.“
„Hö?!“ Anja guckte dumm aus der Wäsche.
„Ganz einfach: Ich aktiviere Verlängerte Ranke, womit ich das Token opfere und Lekunga direkt angreifen lasse! Los!“
Bevor Anja es realisiert hatte, zischten Lekungas Tentakel auf sie zu und schlugen sie zusammen. Das Mädchen sank erschrocken in die Knie.
[Anja: 0LP Vincent: 1800LP]
„Das ging jetzt aber schnell...“ Murmelte sie erstaunt.
„Tja, man muss mit allem rechnen.“
Vincent ging auf sie zu und kniete sich vor ihr hin. Die paar Zuschauer gingen fort, sodass nur noch die beiden da waren.
„Du warst trotzdem gut.“ Lobte er das Mädchen.
Doch Anja sah verletzt weg.
„Ist etwas?“
„Es ist...“ In ihr brannte das Verlangen, einfach los zu weinen.
Sie konnte es sich nicht erklären, aber als sie so plötzlich verloren hatte, wurde ihr vor Augen gehalten, wie schlecht sie ihr Leben empfand. Bisher hatte sie nichts erreicht und zudem plagten sie nun diese Visionen.
„Ich...ich...“ Schluchzte sie mit den Tränen kämpfend.
„Sag nichts.“ Meinte Vincent dann aufmuntern und legte seine Hand auf ihre Schultern. „Du wirst stark sein, das weiß ich. Hab keine Angst vor der Zukunft, sondern leb deine Wünsche und verwirkliche deine Träume. Du kannst das schaffen, wenn du nur willst.“
„Woher...?“ Sie sah ihn an, und er lächelte milde.
„Man sieht in deinen Augen die Einsamkeit und den Groll, den du gegenüber dem Leben hegst.“
„Ich hasse das Leben nicht...“ Wich Anja aus und blickte den grauen Steinboden an. „Es ist nur unfair.“
„Willst du mir etwas über dich erzählen?“ Die blonde Schülerin sah dankbar auf, wobei ihr eine Strähne ins Gesicht fiel. Dann nickte sie.
- zeitgleich in einer Arena -
Da es in Japan schon Nacht war, war jene Arena bereits geschlossen und das Licht war abgeschaltet.
Doch auf dem Duellfeld stand jemand und sah sich scheinbar nervös um.
Obwohl in der kreisrunden Arena keinerlei Zuschauerbänke benutzt waren, warteten zwei Personen in dem kolloseumsgleichen Raum am oberen Eingang und unterhielten sich flüsternd, sahen dabei auf den Jungen auf dem Duellfeld herab, welcher wartete.
„Er ist etwas überpünktlich. Wie er sich wohl an den Wachen vorbei geschlichen hat?“ Wunderte sie eine Frau, deren schwarzes Haar bis zu den Schultern reichte. Sie lehnte an die Wand der Arena, neben ihr stand ein bulliger Kerl mit Glatze und Bart.
„Keine Ahnung. Meinst du, er ist gut, Kathea?“
„Er sollte es sein, wenn er für den Meister arbeiten will.“ Schnarrte sie genüsslich.
„Wo hast du ihn aufgetrieben?“
„Ach Greg, das hab ich dir doch schon mal gesagt.“ Stöhnte Kethea genervt. „Er hat mich beobachtet, als ich jemandem die Seele stahl. Anscheinend hat es ihn interessiert, er hat mich ausgefragt. Deswegen haben wir diesen ‚Termin’ ausgemacht.“
„Oh, stimmt ja.“ Murmelte der etwas dümmlich wirkende Greg und rieb sein Kinn.
„Geh jetzt nach unten und teste ihn.“ Befahl sie ihm dann harsch.
„Was ist, wenn er verliert?“ Fragte Greg nach und ging ein paar Stufen der Treppe neben ihm hinab.
„Das, was immer ist, wenn einer gegen uns verliert, Dummkopf!“
„Das wird lustig!“ Freute er sich und gingen die Treppen hinab.
Kethea lachte arrogant und verließ die Arena durch den Ausgang neben ihr.
Derweil war Greg unten bei dem geräumigen Spielfeld angelangt und stellte sich zu dem braunhaarigen Jungen.
„Hey, bist du Kyon?“ Fragte er ihn schroff.
„J-ja.“ Der Junge war nicht älter als 16 und hatte ziemlich verwuscheltes Haar. Seine Kleidung war schlicht, ein grauschwarz gestreifter Pullover bedeckte seinen Oberkörper. Seine Hose war dunkelblau.
„Und du bist?“ Fragte Kyon dann etwas mutiger und verzog seine braunen Augen etwas, da er durch die Dunkelheit wenig Details sah.
„Greg, ich werde dich testen.“ Dem Jungen war sein Gegner sehr unangenehm, denn Greg war fast einen Kopf größer, von seiner Statur gar nicht erst zu reden.
„Okay, machen wir es schnell, ich will nachhause.“ Bat Kyon und ging zum Ende des Spielfelds.
„Nach Hause will er.“ Äffte Greg ihn dabei spöttisch nach und grunzte. „Na das wollen wir erstmal sehen.“ Auch er ging ein paar Schritte zurück und warf seine Dueldisk an.
„DUELL!“ Schrieen beide.
[Kyon: 4000LP Greg: 4000LP]
„Ich beginne!“ Entschied der etwas eingeschüchterte Junge und nahm eine Karte aus seinem Blatt hervor und legte sie auf seine Battle City-Dueldisk.
„Die hier ist genau richtig, Erfahrener dunkler Magier (ATK/1900)!“
In finsterer Robe gehüllt, stand vor Kyon nun ein Magier mit Zepter in der Hand.
„Jetzt geht der Spaß erst richtig los!“ Sprach er enthusiastisch weiter. „Topf der Gier: schon ziehe ich zwei Karten.“
Nachdem er dies getan hatte, leuchtete an der linken Schulter des Magiers ein Kristall mit Pentagramm darin auf. „Oh, und immer wenn ein Zauber aktiviert wird, bekommt mein Monster eine Zauberzählmarke.“
Erfahrener dunkler Magier (1)
„Doch das war’s noch nicht, ich aktiviere zwei weitere Zauberkarten, Fusionsweiser und Wappen des Drachenzerstörers! Durch die erste darf ich eine Polymerisations-Karte auf die Hand nehmen und zweite bringt mir Busterblader auf die Hand. Beides geschieht dabei vom Deck aus!“
Auch der Kristall an der rechten Schulter und einer direkt unter dem Hals des Magiers begannen zu strahlen.
Erfahrener dunkler Magier (3)
„Bei drei Zauberzählmarken kann ich meinen Erfahrenen dunklen Magier opfern. Erscheine, SCHWARZER MAGIER (ATK/2500)!“
Aus Kyons Deck kam ein Licht geschossen, dass sich vor ihm materialisierte.
Ein Mann in violetter Kleidung richtete seinen spitzen Hut und schwang ein langes Zepter, welches er auf einen scheinbar gelangweilten Greg richtete.
„Jetzt aktiviere ich meine Fusionskarte und verschmelze den Schwarzen Magier mit Busterblader! Das ergibt meine Trumpfkarte: Schwarzer Paladin (ATK/2900)!“
Ein Krieger mit einem breiten Schwert und der Magier wurden in einem bunten Wirbel zusammengemischt und ergaben ein neues Monster.
Jenes sah anmutig aus und ähnelte dem schwarzen Magier, nur dass seine Haare grau waren und seine Kleidung düsterer. Zudem schwang er das Breitschwert des Busterbladers.
„Zuletzt noch eine Karte verdeckt!“ Schloss Kyon ab.
Er hatte ein gutes Gefühl, denn schon im ersten Zug ein so mächtiges Monster raus zu bringen hatte seine Vorteile. Innerlich war er sichtlich aufgeregt, denn er wusste nicht, was ihn erwarten würde, wenn er gewann. Sie würden ihn in ihre Gruppe aufnehmen, aber war er dazu bereit? Er wusste es selbst nicht genau.
„Hmpf, nicht schlecht.“ Grunzte Greg und zog selbst.
„Falle aktivieren!“ Schrie Kyon und deckte seine Karte auf, eine permanente Fallenkarte. „Königlicher Erlass! Damit werden ab sofort alle anderen Fallen wirkungslos!“
„Nicht mit mir Bürschchen, ich kette meinen Schnellzauber Twister an. Er kostet mich 500 Lebenspunkte, aber dafür darf ich deine Falle vernichten.
[Kyon: 4000LP Greg: 3500LP]
Ein Wirbelsturm zog vor Greg auf und huschte in schnellem Tempo zu Kyon hinüber, löste sich aber urplötzlich aus.
„Uh?“ Wunderte sich der Glatzkopf.
„Das war der Effekt meines Paladins! Wenn du einen Zauber aktivierst, lege ich eine Handkarte ab, und schon wird er wirkungslos. Und übrigens, die Karte die ich abgelegt habe, war Morphmagus. Auf dem Friedhof wird er zu einem Drachen, was meinem Paladin 500 weitere Angriffspunkte beschert!“
Schwarzer Paladin (ATK/2900 zu 3400)
„Damit kannst du einpacke, denn ohne Zauber- und Fallenkarten bist du aufgeschmissen!“ Verkündete Kyon selbstbewusst.
„Oh... ja, dann...“ Greg sah seine Karten an und grinste.
„Ich rufe Batteriemann - Prototyp (ATK/400)!“
Eine große Batterie mit einem Kopf, Armen und Beinen erschien. An ihr waren viele Kabel abgebracht, die an einem Schaltpult etwas abseits des Spielfelds mündeten.
„So ein schwaches Monster?“ Wunderte sich Kyon.
„Er ist nicht schwach! Effekt aktivieren!“ Greg zeigte Batteriemann C von seiner Hand vor und legte sie auf den Friedhof.
Dann nahm er sein Deck in die Hand und legte zwei weitere Exemplare jener Karte auf den Friedhof.
„Für jedes vom Deck abgelegte Monster erhält mein Batteriemann - Prototyp 800 Punkte.“
Batteriemann - Prototyp (ATK/400 zu 2000)
„Immer noch zu schwach!“ Stellte Kyon fest.
„Ich will ja auch gar keinen Kampf gewinnen.“ Gluckste Greg. „Ich brauch nur Monster auf meinem Friedhof! Und da ich jetzt zwei Batteriemänner von dort entfernen kann, kann ich Batteriemann - Industrietyp (ATK/2600) von meiner Hand beschwören!“
Kyon erschrak, als neben der zylinderförmigen Batterie auch noch eine Autobatterie erschien, welche ein rotes und ein blaues Kabel in den Händen hielt, welche wiederum beide aus seinem Rücken ragten. An der Spitze jener Kabel waren metallische Kneifzangen, welche elektrische Funken versprühten.
„Zeit für den mächtigen Effekt meines Monsters!“ Brüllte Greg stolz.
Der Industrietyp ließ die Spitzen des roten und blauen Kabels aufeinander treffen und bekam eine unglaublich starke, elektrische Aura.
Dann kniete er nieder und berührte damit den Boden. Ein Blitz schoss im Zickzack auf Kyons Paladin zu und schockte ihn, machte aber nicht Halt und elektrisierte zudem seine Falle.
„Hahaha, ich zerstöre deine Karten!“
„Wie?!?“ Fragte Kyon geschockt und sah Königlicher Erlass und seinen Paladin zerspringen.
„Muahahahaha, indem ich ein Donner-Monster aus meinem Friedhof entferne. Und jetzt, direkter Angriff, meine Batteriemänner!“
Beide Monster rückten zusammen und streckten ihre Arme in die Luft, erzeugten damit in der Luft eine Energiesphäre, die sie mit einer Handbewegung nach unten auf Kyon schleuderten.
Der schrie schmerzhaft auf, als er getroffen wurde und rollte über den Arenaboden.
Dampfend blieb er regungslos dort liegen.
[Kyon: 0LP Greg: 3500LP]
„Wuaha, was für ein Versager. Dich brauchen wir nicht!“ Grunzte Greg und schritt mit deaktivierter Dueldisk auf den Jungen zu. Die Hologramme seiner Batteriemänner verschwanden.
Vorsichtig trat er mit seinem Fuß gegen Kyons Bein, doch dieser rührte sich nicht mehr.
„Schön, deine Seele ist jetzt im Schattenreich.“
Fröhlich pfeifend drehte sich Greg um und rannte eilig durch einen Ausgang, der neben dem Duellfeld lag. Kyon blieb dort liegen.
Doch jemand hatte das alles mit angesehen und schritt bedächtig die Treppen von der anderen Seite der Arena hinab, den Blick auf Kyon gerichtet.
Das Kleid der Frau war sehr schlicht und weiß. Ihr schwarzes Haar war durch einen goldenen, ägyptisch anmutenden Reif nach hinten gekämmt, sowie jeweils ein Zopf auf jeder Seite ihr Gesicht betonte.
Sie ging ruhiger Miene zu Kyon und kniete vor ihm nieder.
„Wach auf.“ Flüsterte sie ihm zu.
Und wie durch ein Wunder, stöhnte Kyon und öffnete seine Augen. Er drehte sich zu ihr um und sah sie verwirrt an.
„Ich habe dich bereits erwartet…“ Sprach sie dann.
„Wie... was, wo ist denn...“ Kyon deutete zum Duellfeld.
„Lass mich dir erklären.“
- am Fluss -
„Danke, dass du mir zugehört hast.“ Anjas Blick war immer noch gen Boden geneigt.
Sie und Vincent saßen nun wieder auf der Bank und unterhielten sich. Er sah sie von der Seite mitfühlend an.
„Du hast es wirklich nicht leicht gehabt.“
„Ja, aber ich werde mich nicht für andere verändern!“ Selbstbewusst hob Anja ihr Haupt und sah Vincent entschlossen an.
„Das ist die richtige Einstellung.“ Lobte er sie.
„Ähm...“ Anja sah nun etwas verschüchtert weg. „Würdest du mir beibringen, wie man so gut zeichnet?“
Vincent reagierte ziemlich überrumpelt. „Da-das ist nichts, das man...“
„War nur’n Witz!“ Grinste Anja dann frech und klopfte dem erstarrten Mann auf die Schulter.
„Irgendwann wirst du es schon lernen.“ Machte er ihr dann Mut.
„Schön wär’s...“ Anja legte ihr Gesicht auf ihre zusammengefalteten Handrücken und starrte über den Fluss in den Wald.
„Sag mal, musst du nicht langsam los...?“ Fragte Vincent zögerlich.
Etwas überrascht sah Anja auf ihre blaue Armbanduhr und schreckte auf.
„Ohhhhhhhhhhhhh, scheiße ich komm zu spät!“ Schrie sie schrill und nahm ihren Rucksack, welcher an der Bank lehnte.
„Das tut mir leid, ich wollte dich nicht aufhalten.“ Entschuldigte sich Vincent.
„Nein. Ich wollte doch…“ Sie nahm ihr Handy aus der Hosentasche. „Sag mal würdest du mir deine Nummer geben? Dann können wir uns mal wieder zu einem Spielchen verabreden. Oder zum Malen...“ Zwinkerte sie dann noch.
„Öhhh… gut, wenn du willst…“ Vincent sagte ihr aus dem Kopf heraus seine Handynummer auf. Dann schnappte er sich von seinem Block einen Fetzen Papier und schrieb sich Anjas Nummer mit einem Bleistift auf.
„Wir sehen uns dann. Danke für alles.“ Grinste Anja und lief fort in Richtung der Brücke, welche in den Wald führte. Sie würde zu spät kommen, aber wenn sie die Abkürzung über den Wald nahm, würde sie immerhin noch die Pause miterleben.
„Keine Ursache.“ Rief er ihr etwas verlassen hinterher.
Anja drehte sich noch mal um und winkte ihm zu. „Bye.“
„Bye.“ Dann sah er sie schon über die Brücke hasten.
((Ein besonderes Mädchen mit besonderen Gaben... pass auf dich auf, Anja.)) Dachte Vincent fröhlich.
- später am Abend -
Vincent warf sich auf sein Bett und nahm das Handy, das auf seinem weißen Nachttisch lag in die Hand. Er hatte es vergessen mitzunehmen.
Sofort schreckte er hoch, als er auf das Display sah.
[Sie haben 47 neue Kurzmitteilungen]
„Grundgütiger, was in aller Welt?!?“ Während er erstmal die Liste durchging, bemerkte er, dass es immer dieselbe Nummer war. Anjas Nummer...
Dann begann er, sich die einzelnen Nachrichten durchzulesen.
[Na du, wie geht’s? Wann hast du denn mal wieder Bock auf ein Duell?]
[Oder wir könnten auch ins Kino gehen.]
[Oder ins Schwimmbad.]
...
...
[Halloooooo?]
[HAAAAALLLLLLLOOOOOO?!?]
...
...
[Du solltest schon antworten…sei nicht so schüchtern, ich beiße nicht. Jedenfalls nicht oft...]
[Ich bring dich um, wenn du nicht gleich antwortest!]
...
...
[Vielleicht habe ich mich grad im Kühlschrank versteckt und lauere dir auf.]
[Ich klettere gerade deinen Balkon hoch…]
[Ich bin gerade deinen Balkon hinuntergefallen, weil mich die Katze deines Nachbars erwischt hat!]
...
...
[Ich habe in deinem Zimmer keine Pornofilme oder Heftchen gefunden, bist du schwul?!?]
[Wieso gibt es hier keine Fotos von dir oder anderen Leuten? Sind die SO hässlich?]
[Mein Schatzzzzz… er gehört miiieeerrr… hehehehehe… mein mein… Anja Gollum…]
...
...
[Mir ist langweilig, ich verschwinde. Bye, und meld dich bitte...]
„Worauf hab ich mich da nur eingelassen?“ Wunderte sich Vincent und fragte sich, ob sie wirklich hier war. Doch dann lachte er genüsslich.
„Anja, du hast es drauf.“
Turn 9 - A new friend?
Anja spürte eine seltsame Aura um einen älteren Schüler namens Mark. Daraufhin versuchten sie und Nick, ihn kennen zu lernen. Der junge Mann ist ebenfalls ein Duellant und zudem eher schüchtern, aber auch sehr freundlich. Er forderte Nick sogar zu einem Duell heraus...
Anjas Deckliste
Vincents Deckliste
Kyons Deckliste
Gregs Deckliste
Diese Worte ließen Anja sofort aus ihrem Schlaf hochschrecken. Ihr Herz klopfte schnell.
Es war bereits hell, erste Sonnenstrahlen schienen durch den Spalt der Vorhänge ihrer Fenster ins Zimmer.
Das Mädchen mühte sich in ihrem rosa Nachthemd aus dem Bett und setzte sich an den Schreibtisch samt PC, der zwischen den beiden Fenstern stand.
Vor ihrer Tastatur lagen ihre Karten, die sie dort mit den Kartenbildern nach oben verteilt hatte. Traurig nahm sie den White Knights Lord in die Hand und sah ihn an.
((Ich wünschte, es gäbe so einen Mann für mich.)) Dachte sie schweren Herzens. ((Aber für mich bleiben nur die Reste übrig, wie Frank... tzzzzz.))
Dann klopfte es an der Tür.
Anja drehte ihren Stuhl und blickte zur Tür, neben welcher sich ihr Kleiderschrank befand.
„Herein!“ Sagte sie förmlich, obwohl sie wusste, dass es ihre Mutter war.
Die Tür sprang einen Spalt auf und jene Frau streckte ihren dunkelblond gelockten Kopf durchs Zimmer und sah Anja fröhlich an.
„Telefon für dich. Es ist Nick.“
„Nick?“ Wunderte sich Anja und stand auf. „Was will der denn schon um diese Uhrzeit?“
„Hat er nicht gesagt.“ Antwortete die Mutter und machte Platz, als Anja an ihr vorbei lief, direkt durch den kleinen Flur die Treppen hinunter.
Kurze Zeit später befand sie sich in einem anderen Flur, wo das Telefon auf einem kleinen Tisch stand in einer Ecke neben der Treppe nach oben. Anja hatte den Hörer in einer Hand und stemmte die andere in ihre Hüfte.
Etwas missmutig sprach sie dann. „Was ist denn?“
„Die erste Stunde fällt aus. Ist das nicht toll?“ Gluckste Nick müde in den Hörer und gähnte anschließend.
„Woher weißt du das?“ Fragte Anja skeptisch und verzog das Gesicht.
„Mein einzigartiger Nicksinn sagt mir das. Und der liegt immer richtig, wenn’s um Ausfallstunden geht.“ Lachte ihr Freund stolz.
Darauf wusste Anja nur eine böse Fratze zu ziehen.
„Außerdem hat mich unser Klassenlehrer angerufen, um mir meine Vermutung zu bestätigen.“ Erklärte Nick weiter.
((Vollidiot...)) Keifte Anja im Gedanken. „Wenn das so ist, was machen wir jetzt?“
„Ich würde dich ja fragen, ob du Lust auf ein Duell hättest, aber 12 Stunden Schlaf sind einfach zu wenig für mich. Ich leg mich noch mal hin.“
„12 Stunden?!“ Wiederholte Anja entsetzt und machte große Augen. „Wann bist du denn gestern ins Bett gegangen!?“
„Gleich nach den Teletubbies.“
Anja war sprachlos und knallte ungläubig den Hörer aufs Telefon. Dann schüttelte sie den Kopf und ging weiter.
- nach dem Frühstück -
Anja und ihre Mutter befanden sich zusammen an der Spüle und wuschen ein paar Teller und Gläser mit der Hand ab, wobei Anja das Geschirr mit einem Handtuch abtrocknete.
„Ich glaube, ich werde in unserer Freistunde etwas spazieren gehen. Vielleicht unten am Fluss.“ Sagte sie im Gedanken vertieft und stellte ein Glas in den Schrank über ihr, dessen Glastüren geöffnet waren.
„Tu das, aber komm nicht zu spät zur Schule.“ Mahnte ihre Mutter gut gelaunt.
Anja nickte.
„Geh Schätzchen, ich schaff den Rest alleine.“ Lächelte die Frau dann gütig, denn Anja sollte ihre Freizeit genießen und nicht Hausarbeit verrichten.
„Danke!“ Strahlte Anja und rannte bereits zum weißen, quadratischen Tisch. Auf einem der drei Stühle, die um ihn herum standen, lag ihr Rucksack. Sie buckelte ihn und ging zur Tür, die ins Wohnzimmer führte.
Dort drehte sie sich noch einmal um.
„Wann kommt Dad endlich mal?“ Sie klang dabei etwas deprimiert.
„Er hat im Moment viel zutun. Ich weiß es nicht...“ Antwortete ihre Mutter ihr leise und sah sie dabei nicht an, sonder den Teller in ihrer Hand.
„Okay, dann bis später.“ Schon war Anja verschwunden.
- später am Fluss -
Nachdenklich lief das Mädchen auf dem gepflasterten Weg nahe des Flusses entlang und sah dabei das Wasser an, welches in der Sonne angenehm schimmerte.
Ein weißes Kleinboot schwamm sanft an ihr vorbei, was sie zum Lächeln brachte.
Sie sah nach rechts, wo nicht weit entfernt ein großes Gebäude stand. Eine Straße führte weiter in die Stadt hinein.
Anders als in der Innenstand war die Umgebung hier fast einem Wald gleich, besonders auf der anderen Uferseite links von ihr.
Eine Brücke führte in jenen Wald hinein, und Anja erinnerte sich, dass man irgendwo von diesem Wald aus zur Schule gelangen konnte, da der Parkplatz in direktem Kontakt mit dem Wald war.
Sie seufzte und ließ ihren Blick nach vorne schweifen.
Der Weg vor ihr schien unendlich lang, im regelmäßigen Takt standen nahe dem Fluss Laternen, die abends für romantische Stimmung sorgten. Damit niemand ins Wasser fiel, stand dort ein weißes Stahlgeländer. Anja beobachtete einen kleinen Jungen, der sich hinüberbeugte und das Boot beobachtete, das eben vorbei gezogen war.
((Nicht viel los hier…)) Dachte sie etwas enttäuscht und setzte sich auf eine Bank, nicht weit von ihr.
Sie ließ ihren Blick über ein Bootshaus samt Steg auf der anderen Uferseite schweifen und dachte dabei, wie schön es wohl wäre, mal eine Bootstour auf offener See zu machen.
Unwillkürlich wandte sich Anja nach rechts und guckte verdutzt.
Auf der nächstgelegenen Bank saß ein groß gewachsener Mann und zeichnete. Auf seinem Schoß lag ein Block und neben ihm lag eine gewaltige Palette an Farben, offenbar malte er sein Bild gerade aus.
Immer wieder wanderte sein Blick von seinem Bild zu dem Bootshaus und zurück, als wollte er den Farbton genau treffen. Sanft strich er mit dem Pinsel über die weiße Oberfläche und färbte das Häuschen braun ein.
„Das ist sehr schön.“ Ließ ihn Anjas Stimme hochschrecken.
Er drehte sich um und sah sie, wie sie mittlerweile hinter ihm stand und ihm über die Schulter lugte.
„Oh… Ich gebe mein Bestes.“ Der noch recht junge Mann lächelte sie dankbar an. Seine Augen waren ähnlich blau wie die ihren und auch sein blassblondes Haar war dem von Anja nicht ganz unähnlich. Man könnte fast meinen, sie wären Verwandte.
„Ich wünschte, ich könnte so gut zeichnen.“ Schwärmte Anja verträumt und starrte zu dem Bootshaus hinüber.
„Mit ein wenig Übung ist so was nicht schwer. Ich bin ja selber nur Hobbymaler.“ Erklärte er gelassen und malte weiter.
„Andererseits fehlt mir dafür bestimmt die Geduld.“ Kicherte Anja und sah ihn von der Seite an.
„Tja, die braucht man natürlich…“ Dabei lachte er herzlich auf.
Anjas Blick fiel auf seinen ausgewaschenen, ockerbraunen Mantel, den er auf der anderen Bankseite neben ihm lag. Sein weißes Hemd hatte nicht einen Farbklecks abbekommen, was Anja erstaunte, da ihr so etwas als Kind regelmäßig passierte.
„Ich heiße übrigens Vincent, und Sie sind?“ Sprach er sie dann an.
„Sie können mich duzen.“ Anja war regelrecht rot geworden und kicherte verlegen. „Ich bin zu jung fürs ‚Sie’.“
„Oh Verzeihung, wie unhöflich.“ Brachte er sein Lachen mit ein.
Das Mädchen reichte ihm die Hand rüber. „Ich bin Anja, schön dich kennen zu lernen.“
„Die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
Sein mildes Gesicht ließ Anja innerlich dahin schmelzen.
„Kommst du öfters hierher?“ Wollte sie neugierig wissen.
„Das ist das erste Mal.“ Gab er eine ernste Antwort. „Ich lebe noch nicht so lange hier.“
„Wo hast du denn vorher gewohnt?“
Während sie fragte, nahm er seinem Mantel beiseite, damit sie sich neben ihn hinsetzen konnte.
„...ein ferner Ort... sicher hast du nie davon gehört, es war sehr langweilig dort.“ Dann sah er sie lächelnd an. „Da würde sich niemand hin verirren.“
„Klingt ja wirklich schlimm.“ Meinte sie kindlich.
„Ja...“ Dann wechselte er das Thema. „Du bist noch Schülerin, oder? Müsstest du nicht in der Schule sein, anstatt mit einem einfachen Hobbymaler wie mir rumzuhängen?“
„Stimmt schon, aber ich habe eine Stunde frei.“ Grinste sie breit und kam mit ihrem Zeigefinger seiner Nase ganz nah. „Überschätz dich nicht, ich bin aus reiner Langeweile hier.“
Daraufhin lachte er laut los, dieses Mädchen war wirklich etwas Besonderes. Das hatte er schon gemerkt, als sie sich ihm näherte.
„Warum malst du eigentlich?“
„Oh...“ Reagierte er auf ihre Frage hin überrascht. „Tja... damit kann man die Schönheit der Welt einen Moment lang einfangen und für sich behalten.“
„Wie poetisch.“ Wieder musste er wegen ihr lachen.
„Was machst du gerne in der Freizeit?“
„Äh ich?“ Wunderte sich Anja und zeigte nun auf sich selbst. „Also... na ja...“
Jetzt, wo er sie das fragte, bekam sie regelrecht einen Blackout. Je länger sie mit der Antwort wartete, desto peinlicher wurde es ihr, bis ihr etwas einfiel.
„Duel Monsters.“
„Hmm... das also...“ Murmelte er vor sich hin und wandte seinen Blick dem fertigen Bild zu. Anja sah es an, es war fast eine genaue Kopie der Umgebung, nur dass die Farbe an einigen Stellen noch nicht trocken war.
„Wow, das ist wirklich gut!“ Staunte sie nicht schlecht.
„Duel Monsters...“ Wiederholte er stattdessen und sah sie freundlich an. „Dann soll es so sein.“
„Was?“
„Wollen wir spielen?“ Anja nickte verdutzt.
„Kl-klar warum nicht? Hab ja noch etwas Zeit.“ Beide standen auf.
Vincent nahm einen kleinen, roten Rucksack der an die Bank gelehnt war hervor und zog die Dueldisk heraus, ähnliches tat Anja mit ihrem Rucksack.
„Du spielst auch?“ Wunderte sich die Schülerin, als die beiden von der Band weggingen und sich inmitten des Pflasterweges einander gegenüberstellten.
„Man muss doch... wie heißt das? Mit der Zeit gehen.“ Antwortete er fröhlich.
((Man, der ist echt cool.)) Überlegte Anja fröhlich. ((Wer sind Bastian und Frank doch gleich? Hihi!))
„Fangen wir an.“ Meinte er dann entschlossen.
„Okidoki, hier komm ich!“ Anja sprang in die Luft und setzte eine Kämpfermimik auf.
[Anja: 4000LP Vincent: 4000LP]
„Du kannst gerne beginnen.“ Bot Vincent ihr an.
„Hmmm... das ist auch keine Falle?“ Scherzte Anja und streckte die Zunge raus.
„Oh... ahahaha... du bist ein wirklich lustiges Mädchen.“
„Danke, ich verzichte auf den ersten Zug.“ Entschied sie dann.
„Wie du meinst... also gut.“ Vincent zog seine sechste Karte und rief diese sogleich auf. „Ich beschwöre den Giftigen Wurzelkönig im Angriffsmodus (ATK/800)!“
Aus dem Boden brachen aschgraue Wurzeln hervor, die sich durch die Luft schlängelten und eine circa ein Meter große Kreatur mit dürren Wurzelschwingen bildeten. Auf seinem Kopf hafteten violette Laubblätter als Krone.
[Anja: 3500LP Vincent: 4000LP]
„Puh, was ist das für ein Gestank!?“ Beschwerte sie das Mädchen und kniff ihre Nase zu.
Ein faulig gelber Nebel hatte sich um das Spielfeld verbreitet und roch auch so.
„Das ist sein Gift, welches dich bei seiner Beschwörung 500 Lebenspunkte kostet.“
„Okay...“
Langsam verflüchtete sich der Nebel wieder.
„Dann setze ich noch drei Karten verdeckt. Du bist dran, Anja.“ Sagte er und die Karten lagen nun vor seinen Füßen.
((800 Angriffspunkte ist nicht sehr viel.)) Überlegte Anja und pickte aus ihrem Blatt eine Karte hervor. ((Aber da er drei Fallen gesetzt hat, werde ich wohl in die Vollen gehen müssen!))
„Hier kommt die Ritterin der Königin (ATK/1500)!“
Schon einen Moment später schwang eine blonde Kriegerin in einem roten Plattenpanzer ihr Schwert und machte ihren Schild zum Schutze bereit.
„Da fehlt mir ehrlich gesagt noch etwas, deswegen komm ich dem mit Doppelbeschwörung nach. Schon erlaube ich mir eine zweite Normalbeschwörung, und der Glückliche ist Ritter des Königs (ATK/1600)!“
Neben der Ritterin stellte sich ein älterer Herr mit blondem Bart in einer orangefarbenen Kürass und blauem Umhang.
Galant hielten beide Krieger ihre Schwerter in die Luft aneinander, sodass aus dem Nichts ein drittes Schwert erschien. Ein groß gewachsener, junger Ritter hielt es in der Hand.
„Tja, da ist der Jüngste unserer lieblichen Ritterfamilie wohl eingetrudelt, der Ritter des Buben (ATK/1900), der durch den Effekt seines Papis vom Deck gerufen werden kann, sollte sich Mami auf dem Spielfeld befinden.“ Erklärte Anja ohne Atempause.
„Jetzt hast du also drei mächtige Monster, die meine Lebenspunkte auslöschen können.“ Schlussfolgerte Vincent nachdenklich und sah Anja dabei an.
„Uh Uh.“ Kicherte sie und erhob ihren Zeigefinger. „Denk ja nicht daran, mir eine Falle stellen zu wollen. Ich gehe lieber auf Nummer sicher...“
„Das heißt?“ Wunderte sich ihr Gegner.
„Ich habe etwas ganz besonders Fieses auf Lager: Royal Straight!“
Alle drei Ritter verwandelten sich in pures Licht und wirbelten in der Luft zusammen.
Ein neues Monster schwebte auf den Boden hinab und nahm Gestalt an.

„Ein Ritter mit einer Maske?“ Wunderte sich Vincent.
„Nicht irgendein Ritter... Royal Straight Slasher (ATK/2400).“ Verbesserte Anja ihn mit ihrem großen Mundwerk und zeigte den Daumen nach oben. „Klar tut’s weh, meine drei Monster zu opfern, aber der Slasher hat einen fantastischen Effekt!“
Das blonde Mädchen nahm ihr Deck aus dem Dueldisk-Schacht und pickte sich fünf Karten hervor, die sie dann vorzeigte. „Ich kann jeweils ein Monster von den Stufen eins bis fünf wählen und auf den Friedhof schicken.“
Die Karten waren:
- White Knights Squire / 1
- White Knights Lady / 2
- White Knights Judge / 3
- White Knights Swordsman / 4
- Knight of the Black Order / 5
Einen Moment später erhallte ein lauter Knall und die Spielfeldseite von Vincent explodierte.
Brennende Papierfetzen glitten durch die Luft und als sich der düstere Rauch verzog, waren alle Karten von Vincent verschwunden.
„Und PENG, jetzt hat mein Ritter es dir gegeben und all deine Feldkarten vernichtet!“
„Ich weiß.“ Lachte Vincent amüsiert.
Royal Straight Slasher (ATK/2400 zu 1200)
„Uhhhhhhhhhhhhh...“ Mit großen Augen wunderte sich Anja über ihr Monster.
„...aber das heißt nicht, dass ich nur zusehe.“ Gab er dann ernst zurück. „Ich konnte rechtzeitig meinen Tropenvirus aktiveren, der für drei deiner Züge die Grundstärke deiner Monster halbiert.“
„Gut, dass Knight of the Black Order auf dem Friedhof liegt, dort stärkt er Krieger nämlich um 300 Punke!“
Royal Straight Slasher (ATK/1200 zu 1500)
„Und jetzt: direkte Attacke!“ Befahl Anja zielstrebig.
Ihr Ritter ließ ein langes Schwert in seinen Händen erscheinen und wagte einen Vorstoß, der Vincent eine Wunde in der Schulter verursacht hätte, wären dies nicht Hologramme gewesen.
[Anja: 3500LP Vincent: 2500LP]
Der Royal Straight Slasher zog sich zurück.
„Mehr kann ich nicht tun.“ Gestand Anja ein.
„Alles klar!“
Zum Entsetzen des Mädchens verbreitete sich aufs Neue der faulige Geruch, der durch den gelben Nebel verursacht wurde. Anja sah zu, wie sich erneut graue Wurzeln aus dem Boden hoch schlängelten, und ein altbekanntes Monster bildeten.
„Der Giftige Wurzelkönig (DEF/0)!“ Kam es aus Anja wie aus der Pistole geschossen.
[Anja: 3000LP Vincent: 2500LP]
„Ja.“ Sagte Vincent und fokussierte das Mädchen in seinem Blickfeld. Er mochte ihren leicht blassen Teint und diese schimmernden, aber feindseligen Augen. „Da er das einzige Monster auf meinem Friedhof ist und ich auch sonst keine Monster kontrolliere, kann ich ihn vom Friedhof beschwören.“
„Oh, wie nett!“ Zischte sie.
„Biologisches Dreieck!“ Rief er und zeigte eine Zauberkarte aus seiner Hand hervor. „Ich biete eine Pflanze von meinem Spielfeld und meinem Deck als Tribut an, und rufe dann eine neue Pflanze vom Deck, deren Stufe der meines alten Monsters auf dem Feld entspricht!“
Der Wurzelkönig verschwand.
Der große Mann legte von seinem Deck eine Karte auf den Friedhof und suchte sich dann ein Monster, das er beschwören wollte.
„Ich entscheide mich für Herrscher des Gifts (ATK/1500)!“ Verlautete er und rief ein wurmartiges Biest aus Holz mit dicken, schwarzen Stacheln über den Körper verteilt. Sein Oberkörper hingegen wirkte ähnlich eine Mumie.
„Ieh!“ Beschwerte sich Anja.
„Los, vernichte Royal Straight Slasher!“ Befahl Vincent gnadenlos.
Mit seinen Pranken schlug das Ungeheuer auf den Ritter ein und es gelang ihm, eine seiner Klauen durch das Herz des Opfers zu jagen, dabei kassierte er aber einen Schwerthieb, der ihm den Kopf abschlug. Beide Monster zersprangen.
„Jetzt wo Herrscher des Gifts den Kampf verloren hat, darf ich eine andere Pflanze als ihn vom Friedhof beschwören. Und ich dachte da an Feenkönig Wahrtal (ATK/2200)!“
Weißer Feenstaub wirbelte durch die Luft und verkündete die Ankunft eines kleinen Monsters mit durchsichtigen, bunten Schmetterlingsflügeln. In seiner Hand hielt es ein Zepter.
„Das muss das Monster sein, das du ablegt hast...“ Stammelte Anja.
„Korrekt... gute Kombo, nicht wahr?“ Das Mädchen nickte beeindruckt. „Attacke!“
Der Lichtstahl, der von der kleinen Fee auf Anja geschossen wurde, war alles andere als klein und wurde im Wasser des anliegenden Flusses reflektiert.
„AHHH!“ Schrie sie und stolperte geblendet zurück.
[Anja: 800LP Vincent: 2500LP]
Einige Leute liefen an den beiden Duellanten vorbei und sahen diese mit großen Augen an. Langsam kam Leben in die Gegend, denn die Straße war belebter und mehr Passanten genossen die angenehme Landschaft, sowie auch viele über die Brücke in den Wald spazieren gingen. Auch Jogger waren zu sehen.
Doch Anja hatte alles um sich herum vergessen, sogar die Zeit. „Noch bin ich nicht am Ende!“
„Natürlich nicht.“ Grinste Vincent schüchtern und setzte eine Karte. „Gib dein Bestens.“
„Mach ich, mein Zug!“
Als sie zog, machte sie große Augen. ((Ohhhh... Schwerer Sturm?))
Ihre anderen Handkarten betrachtend, konnte sie ihr Glück kaum fassen.
„Das wird mich retten!“ Ließ sie selbstbewusst verlauten und aktivierte ihre Zauberkarte Törichtes Begräbnis.
„Hiermit lege ich White Knights Guardna vom Deck auf den Friedhof!“ Anschließend legte sie eine Karte verdeckt aufs Spielfeld.
„Und nun siehe und staune, ich aktiviere Schwerer Sturm und zerstöre unsere verdeckten Karten!“
Heftiger Wind zog auf und riss die holografischen Zauber- und Fallenkarten mit sich. Vincent sah ihnen hinterher, wie sie davon flogen und sich auflösten.
„Das ist seltsam, wieso hast du deine eigene Karte zerstört?“
„Ganz einfach!“ Anja lachte finster.
Ein weißes, kreisrundes Siegel erschien auf dem Boden und aus ihm entschwebte ein weißer Ritter mit Schwert und Schild in der Hand.
„Die verdeckte Karte war The Sealed Gates, und wenn die zerstört wird, kann ich White Knights Swordsman, White Knights Lancer und White Knights Guardna aus dem Friedhof entfernen und White Knights Lord (ATK/2000) aus dem Deck rufen!“
Vincent sah das Mädchen erstaunt an.
„Aber auf deinem Friedhof lagen nur zwei der genannten Monster.“
„Falsch!“ Kicherte Anja böse und legte ihren Zeigefinger auf die Lippen. „White Knights Squire kann nämlich den Namen eines der genannten Monster annehmen, wenn er auf dem Friedhof liegt. Also ist das völlig legal!“
„Vergiss aber nicht, dass dein Monster die Hälfte seiner Angriffskraft einbüßt.“
White Knights Lord (ATK/2000 zu 1000 zu 1300)
„Das macht nichts, ich aktiviere nun den Effekt der White Knights Lady aus dem Friedhof!“
Hinter dem Rücken des Kriegers erschien eine schöne Prinzessin mit weißem Schleier vor dem Gesicht, die sich an den White Knights Lord ankuschelte.
„Sie kann die Zerstörung meines Lords verhindern, aber darauf will ich nicht hinaus! Wichtiger ist der White Knights Judge, der ebenfalls auf meinem Friedhof liegt. Auch ihn kann ich zu einer Ausrüstungszauberkarte werden lassen, nur muss ich dafür eine offene Zauber- oder Fallenkarte entfernen und wie gut, dass meine Lady nun so eine ist!“
Mit einem Schrei löste sich White Knights Lady auf und verwandelte sich in goldene Lichtfunken, die nun eine Waage bildeten. Jene stand im Gleichgewicht beider Seiten und ließ den White Knights Lord in goldener Aura erstärken.
White Knights Lord (ATK/1300 zu 2600)
„Sie verdoppelt die Punkte des ausgerüsteten Monsters!“ Erklärte Anja stolz.
„Deine Strategie ist nicht übel.“ Lobte Vincent sie.
„Find ich auch, und da ich jetzt ein stärkeres Monster habe als dein Wahrtal, kann ich ihn vernichten! Attacke!“
Noch ehe sich die kleine Fee versah, sauste ein Schwert auf sie hinab und zerteilte sie.
„Der Effekt meines Lords kostet dich noch 300 Extrapunkte!“
[Anja: 800LP Vincent: 2100 zu 1800LP]
Anja atmete tief durch. Sie fühlte sich gut, besonders, da die Zuschauer sie unterstützten und ihr zujubelten.
„Ich beende.“ Sagte sie schließlich und hinterließ Vincents Feld leer geräumt.
„Okay.“ Meinte der Mann nachdenklich und zog.
„Ich denke, ich rufe Lekunga (ATK/1700)!“
Zuerst erschien ein braunes Auge auf dem Spielfeld, welchem langsam überall grüne Tentakel wuchsen. An deren Spitzen ragten scharfe Dornen.
„Um seinen Effekt zu aktivieren, muss ich nur zwei Wasser-Monster aus meinem Friedhof entfernen.“ Vincent legte Giftiger Wurzelkönig und Herrscher des Gifts in ein Unterfach der Dueldisk.
„Jetzt ruft Lekunga ein Token aufs Feld (ATK/700)!“ Eine Miniversion des Pflanzenmonsters schwebte neben ihm, seine Tentakel waren viel kürzer als die des Originals.
„Ieh wie eklig!“ Beschwerte sich Anja und rümpfte die Nase.
„Nicht gerade, was ein Mädchen mag, oder?“ Lachte Vincent etwas enttäuscht. „Besonders, wenn sie dadurch verliert.“
„Hö?!“ Anja guckte dumm aus der Wäsche.
„Ganz einfach: Ich aktiviere Verlängerte Ranke, womit ich das Token opfere und Lekunga direkt angreifen lasse! Los!“
Bevor Anja es realisiert hatte, zischten Lekungas Tentakel auf sie zu und schlugen sie zusammen. Das Mädchen sank erschrocken in die Knie.
[Anja: 0LP Vincent: 1800LP]
„Das ging jetzt aber schnell...“ Murmelte sie erstaunt.
„Tja, man muss mit allem rechnen.“
Vincent ging auf sie zu und kniete sich vor ihr hin. Die paar Zuschauer gingen fort, sodass nur noch die beiden da waren.
„Du warst trotzdem gut.“ Lobte er das Mädchen.
Doch Anja sah verletzt weg.
„Ist etwas?“
„Es ist...“ In ihr brannte das Verlangen, einfach los zu weinen.
Sie konnte es sich nicht erklären, aber als sie so plötzlich verloren hatte, wurde ihr vor Augen gehalten, wie schlecht sie ihr Leben empfand. Bisher hatte sie nichts erreicht und zudem plagten sie nun diese Visionen.
„Ich...ich...“ Schluchzte sie mit den Tränen kämpfend.
„Sag nichts.“ Meinte Vincent dann aufmuntern und legte seine Hand auf ihre Schultern. „Du wirst stark sein, das weiß ich. Hab keine Angst vor der Zukunft, sondern leb deine Wünsche und verwirkliche deine Träume. Du kannst das schaffen, wenn du nur willst.“
„Woher...?“ Sie sah ihn an, und er lächelte milde.
„Man sieht in deinen Augen die Einsamkeit und den Groll, den du gegenüber dem Leben hegst.“
„Ich hasse das Leben nicht...“ Wich Anja aus und blickte den grauen Steinboden an. „Es ist nur unfair.“
„Willst du mir etwas über dich erzählen?“ Die blonde Schülerin sah dankbar auf, wobei ihr eine Strähne ins Gesicht fiel. Dann nickte sie.
- zeitgleich in einer Arena -
Da es in Japan schon Nacht war, war jene Arena bereits geschlossen und das Licht war abgeschaltet.
Doch auf dem Duellfeld stand jemand und sah sich scheinbar nervös um.
Obwohl in der kreisrunden Arena keinerlei Zuschauerbänke benutzt waren, warteten zwei Personen in dem kolloseumsgleichen Raum am oberen Eingang und unterhielten sich flüsternd, sahen dabei auf den Jungen auf dem Duellfeld herab, welcher wartete.
„Er ist etwas überpünktlich. Wie er sich wohl an den Wachen vorbei geschlichen hat?“ Wunderte sie eine Frau, deren schwarzes Haar bis zu den Schultern reichte. Sie lehnte an die Wand der Arena, neben ihr stand ein bulliger Kerl mit Glatze und Bart.
„Keine Ahnung. Meinst du, er ist gut, Kathea?“
„Er sollte es sein, wenn er für den Meister arbeiten will.“ Schnarrte sie genüsslich.
„Wo hast du ihn aufgetrieben?“
„Ach Greg, das hab ich dir doch schon mal gesagt.“ Stöhnte Kethea genervt. „Er hat mich beobachtet, als ich jemandem die Seele stahl. Anscheinend hat es ihn interessiert, er hat mich ausgefragt. Deswegen haben wir diesen ‚Termin’ ausgemacht.“
„Oh, stimmt ja.“ Murmelte der etwas dümmlich wirkende Greg und rieb sein Kinn.
„Geh jetzt nach unten und teste ihn.“ Befahl sie ihm dann harsch.
„Was ist, wenn er verliert?“ Fragte Greg nach und ging ein paar Stufen der Treppe neben ihm hinab.
„Das, was immer ist, wenn einer gegen uns verliert, Dummkopf!“
„Das wird lustig!“ Freute er sich und gingen die Treppen hinab.
Kethea lachte arrogant und verließ die Arena durch den Ausgang neben ihr.
Derweil war Greg unten bei dem geräumigen Spielfeld angelangt und stellte sich zu dem braunhaarigen Jungen.
„Hey, bist du Kyon?“ Fragte er ihn schroff.
„J-ja.“ Der Junge war nicht älter als 16 und hatte ziemlich verwuscheltes Haar. Seine Kleidung war schlicht, ein grauschwarz gestreifter Pullover bedeckte seinen Oberkörper. Seine Hose war dunkelblau.
„Und du bist?“ Fragte Kyon dann etwas mutiger und verzog seine braunen Augen etwas, da er durch die Dunkelheit wenig Details sah.
„Greg, ich werde dich testen.“ Dem Jungen war sein Gegner sehr unangenehm, denn Greg war fast einen Kopf größer, von seiner Statur gar nicht erst zu reden.
„Okay, machen wir es schnell, ich will nachhause.“ Bat Kyon und ging zum Ende des Spielfelds.
„Nach Hause will er.“ Äffte Greg ihn dabei spöttisch nach und grunzte. „Na das wollen wir erstmal sehen.“ Auch er ging ein paar Schritte zurück und warf seine Dueldisk an.
„DUELL!“ Schrieen beide.
[Kyon: 4000LP Greg: 4000LP]
„Ich beginne!“ Entschied der etwas eingeschüchterte Junge und nahm eine Karte aus seinem Blatt hervor und legte sie auf seine Battle City-Dueldisk.
„Die hier ist genau richtig, Erfahrener dunkler Magier (ATK/1900)!“
In finsterer Robe gehüllt, stand vor Kyon nun ein Magier mit Zepter in der Hand.
„Jetzt geht der Spaß erst richtig los!“ Sprach er enthusiastisch weiter. „Topf der Gier: schon ziehe ich zwei Karten.“
Nachdem er dies getan hatte, leuchtete an der linken Schulter des Magiers ein Kristall mit Pentagramm darin auf. „Oh, und immer wenn ein Zauber aktiviert wird, bekommt mein Monster eine Zauberzählmarke.“
Erfahrener dunkler Magier (1)
„Doch das war’s noch nicht, ich aktiviere zwei weitere Zauberkarten, Fusionsweiser und Wappen des Drachenzerstörers! Durch die erste darf ich eine Polymerisations-Karte auf die Hand nehmen und zweite bringt mir Busterblader auf die Hand. Beides geschieht dabei vom Deck aus!“
Auch der Kristall an der rechten Schulter und einer direkt unter dem Hals des Magiers begannen zu strahlen.
Erfahrener dunkler Magier (3)
„Bei drei Zauberzählmarken kann ich meinen Erfahrenen dunklen Magier opfern. Erscheine, SCHWARZER MAGIER (ATK/2500)!“
Aus Kyons Deck kam ein Licht geschossen, dass sich vor ihm materialisierte.
Ein Mann in violetter Kleidung richtete seinen spitzen Hut und schwang ein langes Zepter, welches er auf einen scheinbar gelangweilten Greg richtete.
„Jetzt aktiviere ich meine Fusionskarte und verschmelze den Schwarzen Magier mit Busterblader! Das ergibt meine Trumpfkarte: Schwarzer Paladin (ATK/2900)!“
Ein Krieger mit einem breiten Schwert und der Magier wurden in einem bunten Wirbel zusammengemischt und ergaben ein neues Monster.
Jenes sah anmutig aus und ähnelte dem schwarzen Magier, nur dass seine Haare grau waren und seine Kleidung düsterer. Zudem schwang er das Breitschwert des Busterbladers.
„Zuletzt noch eine Karte verdeckt!“ Schloss Kyon ab.
Er hatte ein gutes Gefühl, denn schon im ersten Zug ein so mächtiges Monster raus zu bringen hatte seine Vorteile. Innerlich war er sichtlich aufgeregt, denn er wusste nicht, was ihn erwarten würde, wenn er gewann. Sie würden ihn in ihre Gruppe aufnehmen, aber war er dazu bereit? Er wusste es selbst nicht genau.
„Hmpf, nicht schlecht.“ Grunzte Greg und zog selbst.
„Falle aktivieren!“ Schrie Kyon und deckte seine Karte auf, eine permanente Fallenkarte. „Königlicher Erlass! Damit werden ab sofort alle anderen Fallen wirkungslos!“
„Nicht mit mir Bürschchen, ich kette meinen Schnellzauber Twister an. Er kostet mich 500 Lebenspunkte, aber dafür darf ich deine Falle vernichten.
[Kyon: 4000LP Greg: 3500LP]
Ein Wirbelsturm zog vor Greg auf und huschte in schnellem Tempo zu Kyon hinüber, löste sich aber urplötzlich aus.
„Uh?“ Wunderte sich der Glatzkopf.
„Das war der Effekt meines Paladins! Wenn du einen Zauber aktivierst, lege ich eine Handkarte ab, und schon wird er wirkungslos. Und übrigens, die Karte die ich abgelegt habe, war Morphmagus. Auf dem Friedhof wird er zu einem Drachen, was meinem Paladin 500 weitere Angriffspunkte beschert!“
Schwarzer Paladin (ATK/2900 zu 3400)
„Damit kannst du einpacke, denn ohne Zauber- und Fallenkarten bist du aufgeschmissen!“ Verkündete Kyon selbstbewusst.
„Oh... ja, dann...“ Greg sah seine Karten an und grinste.
„Ich rufe Batteriemann - Prototyp (ATK/400)!“
Eine große Batterie mit einem Kopf, Armen und Beinen erschien. An ihr waren viele Kabel abgebracht, die an einem Schaltpult etwas abseits des Spielfelds mündeten.
„So ein schwaches Monster?“ Wunderte sich Kyon.
„Er ist nicht schwach! Effekt aktivieren!“ Greg zeigte Batteriemann C von seiner Hand vor und legte sie auf den Friedhof.
Dann nahm er sein Deck in die Hand und legte zwei weitere Exemplare jener Karte auf den Friedhof.
„Für jedes vom Deck abgelegte Monster erhält mein Batteriemann - Prototyp 800 Punkte.“
Batteriemann - Prototyp (ATK/400 zu 2000)
„Immer noch zu schwach!“ Stellte Kyon fest.
„Ich will ja auch gar keinen Kampf gewinnen.“ Gluckste Greg. „Ich brauch nur Monster auf meinem Friedhof! Und da ich jetzt zwei Batteriemänner von dort entfernen kann, kann ich Batteriemann - Industrietyp (ATK/2600) von meiner Hand beschwören!“
Kyon erschrak, als neben der zylinderförmigen Batterie auch noch eine Autobatterie erschien, welche ein rotes und ein blaues Kabel in den Händen hielt, welche wiederum beide aus seinem Rücken ragten. An der Spitze jener Kabel waren metallische Kneifzangen, welche elektrische Funken versprühten.
„Zeit für den mächtigen Effekt meines Monsters!“ Brüllte Greg stolz.
Der Industrietyp ließ die Spitzen des roten und blauen Kabels aufeinander treffen und bekam eine unglaublich starke, elektrische Aura.
Dann kniete er nieder und berührte damit den Boden. Ein Blitz schoss im Zickzack auf Kyons Paladin zu und schockte ihn, machte aber nicht Halt und elektrisierte zudem seine Falle.
„Hahaha, ich zerstöre deine Karten!“
„Wie?!?“ Fragte Kyon geschockt und sah Königlicher Erlass und seinen Paladin zerspringen.
„Muahahahaha, indem ich ein Donner-Monster aus meinem Friedhof entferne. Und jetzt, direkter Angriff, meine Batteriemänner!“
Beide Monster rückten zusammen und streckten ihre Arme in die Luft, erzeugten damit in der Luft eine Energiesphäre, die sie mit einer Handbewegung nach unten auf Kyon schleuderten.
Der schrie schmerzhaft auf, als er getroffen wurde und rollte über den Arenaboden.
Dampfend blieb er regungslos dort liegen.
[Kyon: 0LP Greg: 3500LP]
„Wuaha, was für ein Versager. Dich brauchen wir nicht!“ Grunzte Greg und schritt mit deaktivierter Dueldisk auf den Jungen zu. Die Hologramme seiner Batteriemänner verschwanden.
Vorsichtig trat er mit seinem Fuß gegen Kyons Bein, doch dieser rührte sich nicht mehr.
„Schön, deine Seele ist jetzt im Schattenreich.“
Fröhlich pfeifend drehte sich Greg um und rannte eilig durch einen Ausgang, der neben dem Duellfeld lag. Kyon blieb dort liegen.
Doch jemand hatte das alles mit angesehen und schritt bedächtig die Treppen von der anderen Seite der Arena hinab, den Blick auf Kyon gerichtet.
Das Kleid der Frau war sehr schlicht und weiß. Ihr schwarzes Haar war durch einen goldenen, ägyptisch anmutenden Reif nach hinten gekämmt, sowie jeweils ein Zopf auf jeder Seite ihr Gesicht betonte.
Sie ging ruhiger Miene zu Kyon und kniete vor ihm nieder.
„Wach auf.“ Flüsterte sie ihm zu.
Und wie durch ein Wunder, stöhnte Kyon und öffnete seine Augen. Er drehte sich zu ihr um und sah sie verwirrt an.
„Ich habe dich bereits erwartet…“ Sprach sie dann.
„Wie... was, wo ist denn...“ Kyon deutete zum Duellfeld.
„Lass mich dir erklären.“
- am Fluss -
„Danke, dass du mir zugehört hast.“ Anjas Blick war immer noch gen Boden geneigt.
Sie und Vincent saßen nun wieder auf der Bank und unterhielten sich. Er sah sie von der Seite mitfühlend an.
„Du hast es wirklich nicht leicht gehabt.“
„Ja, aber ich werde mich nicht für andere verändern!“ Selbstbewusst hob Anja ihr Haupt und sah Vincent entschlossen an.
„Das ist die richtige Einstellung.“ Lobte er sie.
„Ähm...“ Anja sah nun etwas verschüchtert weg. „Würdest du mir beibringen, wie man so gut zeichnet?“
Vincent reagierte ziemlich überrumpelt. „Da-das ist nichts, das man...“
„War nur’n Witz!“ Grinste Anja dann frech und klopfte dem erstarrten Mann auf die Schulter.
„Irgendwann wirst du es schon lernen.“ Machte er ihr dann Mut.
„Schön wär’s...“ Anja legte ihr Gesicht auf ihre zusammengefalteten Handrücken und starrte über den Fluss in den Wald.
„Sag mal, musst du nicht langsam los...?“ Fragte Vincent zögerlich.
Etwas überrascht sah Anja auf ihre blaue Armbanduhr und schreckte auf.
„Ohhhhhhhhhhhhh, scheiße ich komm zu spät!“ Schrie sie schrill und nahm ihren Rucksack, welcher an der Bank lehnte.
„Das tut mir leid, ich wollte dich nicht aufhalten.“ Entschuldigte sich Vincent.
„Nein. Ich wollte doch…“ Sie nahm ihr Handy aus der Hosentasche. „Sag mal würdest du mir deine Nummer geben? Dann können wir uns mal wieder zu einem Spielchen verabreden. Oder zum Malen...“ Zwinkerte sie dann noch.
„Öhhh… gut, wenn du willst…“ Vincent sagte ihr aus dem Kopf heraus seine Handynummer auf. Dann schnappte er sich von seinem Block einen Fetzen Papier und schrieb sich Anjas Nummer mit einem Bleistift auf.
„Wir sehen uns dann. Danke für alles.“ Grinste Anja und lief fort in Richtung der Brücke, welche in den Wald führte. Sie würde zu spät kommen, aber wenn sie die Abkürzung über den Wald nahm, würde sie immerhin noch die Pause miterleben.
„Keine Ursache.“ Rief er ihr etwas verlassen hinterher.
Anja drehte sich noch mal um und winkte ihm zu. „Bye.“
„Bye.“ Dann sah er sie schon über die Brücke hasten.
((Ein besonderes Mädchen mit besonderen Gaben... pass auf dich auf, Anja.)) Dachte Vincent fröhlich.
- später am Abend -
Vincent warf sich auf sein Bett und nahm das Handy, das auf seinem weißen Nachttisch lag in die Hand. Er hatte es vergessen mitzunehmen.
Sofort schreckte er hoch, als er auf das Display sah.
[Sie haben 47 neue Kurzmitteilungen]
„Grundgütiger, was in aller Welt?!?“ Während er erstmal die Liste durchging, bemerkte er, dass es immer dieselbe Nummer war. Anjas Nummer...
Dann begann er, sich die einzelnen Nachrichten durchzulesen.
[Na du, wie geht’s? Wann hast du denn mal wieder Bock auf ein Duell?]
[Oder wir könnten auch ins Kino gehen.]
[Oder ins Schwimmbad.]
...
...
[Halloooooo?]
[HAAAAALLLLLLLOOOOOO?!?]
...
...
[Du solltest schon antworten…sei nicht so schüchtern, ich beiße nicht. Jedenfalls nicht oft...]
[Ich bring dich um, wenn du nicht gleich antwortest!]
...
...
[Vielleicht habe ich mich grad im Kühlschrank versteckt und lauere dir auf.]
[Ich klettere gerade deinen Balkon hoch…]
[Ich bin gerade deinen Balkon hinuntergefallen, weil mich die Katze deines Nachbars erwischt hat!]
...
...
[Ich habe in deinem Zimmer keine Pornofilme oder Heftchen gefunden, bist du schwul?!?]
[Wieso gibt es hier keine Fotos von dir oder anderen Leuten? Sind die SO hässlich?]
[Mein Schatzzzzz… er gehört miiieeerrr… hehehehehe… mein mein… Anja Gollum…]
...
...
[Mir ist langweilig, ich verschwinde. Bye, und meld dich bitte...]
„Worauf hab ich mich da nur eingelassen?“ Wunderte sich Vincent und fragte sich, ob sie wirklich hier war. Doch dann lachte er genüsslich.
„Anja, du hast es drauf.“
Turn 9 - A new friend?
Anja spürte eine seltsame Aura um einen älteren Schüler namens Mark. Daraufhin versuchten sie und Nick, ihn kennen zu lernen. Der junge Mann ist ebenfalls ein Duellant und zudem eher schüchtern, aber auch sehr freundlich. Er forderte Nick sogar zu einem Duell heraus...
Anjas Deckliste
Vincents Deckliste
Kyons Deckliste
Gregs Deckliste
-Aska- - 24. Apr, 01:44