Kapitel 1: Last Train Home
Lucie sah aus dem Fenster der Bahn.
Die Sonne ging langsam unter, das Abendrot strahlte auf die grüne Wiese, an der die Bahn langsam vorbei fuhr.
Sie war auf dem Weg nach Hause, so wie immer. Es war schon spät, doch da es Sommer war, ging die Sonne später unter.
Lucie seufzte. Dabei senkte sie ihren Kopf, und eine rote Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht. Sie pustete sie weg, und sah durch ihre Brille einen Mann, der ihr gegenüber saß. Dabei richtete sie ihre Brille zu Recht, wodurch ihre Sommersprossen deutlich auffielen. Ihre dünnen Lippen pressten sich zusammen, doch sie hielt den Mund.
Der Kerl gegenüber hatte dunkles Haar und war in ein Buch vertieft, es hieß „The Last Train Home“. Sein weißes Hemd hatte einen kleinen Weinfleck an der Hüfte, was Lucie ankotzte. Eigentlich kotzte sie im Moment alles an, ihr ganzes Leben war von ihrer Arbeit als Putzfrau bestimmt. Sie war doch erst Anfang 20, und hatte schon keine Perspektive mehr.
„Soll ich sterben?“ Fragte sie den Mann plötzlich, ihr Herz raste schneller. Warum hatte sie ausgerechnet jetzt so einen Gedanken?
Der legte das Buch zur Seite, und betrachtete sie eine Weile mit seinen braunen Augen.
„Wenn Sie sterben wollen, warum fragen Sie mich dann?“ Sprach er leise mahnend.
„Weil ich… ein „Nein“ erhofft hatte, doch selbst das bleibt mir verwehrt. Wissen Sie, meine Eltern sind krank, mein Vater liegt im Sterben. Meine Mutter ist immer gut zu mir, doch… macht mich das nicht glücklich. Freunde hab ich keine, geschweige denn einen Partner, als Putze reicht mein Einkommen kaum aus, die Familie zu ernähren.“ Der Mann lachte mitfühlend. Seine Art beruhigte die innerlich kaputte Frau ein wenig.
„Na und? Wer sagt, dass das so bleibt? Menschen sterben irgendwann sowieso. Verändern Sie sich doch und gehen Sie neue Wege…“ Lucie seufzte und sah aus dem Fenster. Es war schon nach 10, doch der Himmel erstrahlte noch immer im Abendrot. Lucie wunderte sich, warum es nicht schon dunkel war, aber es war ihr auch egal.
„Wenn meine Eltern tot sind, wer wird mich dann vermissen?“ Sprach sie mit unterdrückter Stimme, als würde gleich losheulen wenn sie sich nicht zusammenriss.
„Niemand? Dann nur, weil Sie niemanden kennen gelernt haben…“ Sprach der Mann lächelnd.
„Wie denn? Ich… habe Angst vor Menschen…“ Gestand sie schüchtern.
Sie sah ihm tief in die Augen, und Tränen sammelten sich in ihren eigenen. So ehrlich war sie noch nie, was sie sehr verwunderte. Ausgerechnet zu einem Fremden...
„Angst? Aber warum?“ Lucie lachte verächtlich auf.
„Menschen töten oder schänden alles, was nicht in ihr perfektes Bild passt, Menschen verletzen dich immer dann, wenn du ihnen vertraust, niemand ist ehrlich. So was wie Freundschaft ist eine Lüge.“ Sprudelte es aus ihr hinaus.
„Lüge? Klingt, als hätte man Sie schon oft verletzt.“ Lucie griff mit ihren Händen ihren Rock, und drückte ihre Hände so fest wie möglich auf die Schenkel. Sie sagte jedoch nichts und senkte ihren Kopf.
„Dann… kommen Sie mit mir.“ Sagte er freundlich.
„Wohin?“ Sie war irritiert. Er könnte ein Vergewaltiger sein, nur darauf wartend, sie zu töten? Warum sollte er sonst dieses Gespräch führen? Ihre Augen blitzten böse auf, sofort sah sie ihm wieder in die Augen.
„Da wo ich aussteigen werde, gibt es Menschen wie Sie…“ Lucie horchte auf. Sie begann sich zu fragen, was das für ein Ort sein soll. Ihr rotes, schulterfreies Top zurechtrückend, sah sie ihn misstrauisch an.
„Aber sicher doch…“ Sprach sie zynisch.
„Tja, Sie werden es erst erfahren, wenn Sie mir folgen…“ Sagte er mysteriös. Lucie sah wieder aus dem Fenster. Die grüne Wiese, sie sah so leer aus, so unheimlich. Keinerlei Bäume, schutzlos wie sie selbst.
„Ihr Herz hat entschieden, Sie werden mir folgen.“ Er lächelte sie an, doch Lucie sah stur aus dem Fenster. Als sie ihren Blick wieder auf die Sitzplätze vor sich richtete, war der Sitz leer. Als wäre nie jemand da gewesen. Auch das Buch des Mannes, welches er auf dem Platz neben sich gelegt hatte, war weg.
„Sieht so aus, als ob ich doch wieder allein wäre…“ Dachte sie, und seufzte innerlich. Jetzt halluzinierte sie also schon. Reif für die Klapsmühle.
Dann blieb die Bahn stehen, allerdings folgte keine Ansage. Lucie kämpfte mit sich, sie kannte außer ihrem Heimatdorf und der Stadt, in der sie arbeite keine anderen Orte in ihrer Umgebung. Langsam stand sie auf, und warf einen letzten Blick aus dem Fenster. Dort sah sie einige Autos auf einem Parkplatz.
„Was mich hier erwarten wird?“ Wunderte sie sich und war sich dabei sicher, diesen Ort nie zuvor gesehen zu haben.
Langsam schritt sie zur Tür und öffnete per Druck auf den Knopf das Tor in eine andere Welt.
Die Sonne ging langsam unter, das Abendrot strahlte auf die grüne Wiese, an der die Bahn langsam vorbei fuhr.
Sie war auf dem Weg nach Hause, so wie immer. Es war schon spät, doch da es Sommer war, ging die Sonne später unter.
Lucie seufzte. Dabei senkte sie ihren Kopf, und eine rote Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht. Sie pustete sie weg, und sah durch ihre Brille einen Mann, der ihr gegenüber saß. Dabei richtete sie ihre Brille zu Recht, wodurch ihre Sommersprossen deutlich auffielen. Ihre dünnen Lippen pressten sich zusammen, doch sie hielt den Mund.
Der Kerl gegenüber hatte dunkles Haar und war in ein Buch vertieft, es hieß „The Last Train Home“. Sein weißes Hemd hatte einen kleinen Weinfleck an der Hüfte, was Lucie ankotzte. Eigentlich kotzte sie im Moment alles an, ihr ganzes Leben war von ihrer Arbeit als Putzfrau bestimmt. Sie war doch erst Anfang 20, und hatte schon keine Perspektive mehr.
„Soll ich sterben?“ Fragte sie den Mann plötzlich, ihr Herz raste schneller. Warum hatte sie ausgerechnet jetzt so einen Gedanken?
Der legte das Buch zur Seite, und betrachtete sie eine Weile mit seinen braunen Augen.
„Wenn Sie sterben wollen, warum fragen Sie mich dann?“ Sprach er leise mahnend.
„Weil ich… ein „Nein“ erhofft hatte, doch selbst das bleibt mir verwehrt. Wissen Sie, meine Eltern sind krank, mein Vater liegt im Sterben. Meine Mutter ist immer gut zu mir, doch… macht mich das nicht glücklich. Freunde hab ich keine, geschweige denn einen Partner, als Putze reicht mein Einkommen kaum aus, die Familie zu ernähren.“ Der Mann lachte mitfühlend. Seine Art beruhigte die innerlich kaputte Frau ein wenig.
„Na und? Wer sagt, dass das so bleibt? Menschen sterben irgendwann sowieso. Verändern Sie sich doch und gehen Sie neue Wege…“ Lucie seufzte und sah aus dem Fenster. Es war schon nach 10, doch der Himmel erstrahlte noch immer im Abendrot. Lucie wunderte sich, warum es nicht schon dunkel war, aber es war ihr auch egal.
„Wenn meine Eltern tot sind, wer wird mich dann vermissen?“ Sprach sie mit unterdrückter Stimme, als würde gleich losheulen wenn sie sich nicht zusammenriss.
„Niemand? Dann nur, weil Sie niemanden kennen gelernt haben…“ Sprach der Mann lächelnd.
„Wie denn? Ich… habe Angst vor Menschen…“ Gestand sie schüchtern.
Sie sah ihm tief in die Augen, und Tränen sammelten sich in ihren eigenen. So ehrlich war sie noch nie, was sie sehr verwunderte. Ausgerechnet zu einem Fremden...
„Angst? Aber warum?“ Lucie lachte verächtlich auf.
„Menschen töten oder schänden alles, was nicht in ihr perfektes Bild passt, Menschen verletzen dich immer dann, wenn du ihnen vertraust, niemand ist ehrlich. So was wie Freundschaft ist eine Lüge.“ Sprudelte es aus ihr hinaus.
„Lüge? Klingt, als hätte man Sie schon oft verletzt.“ Lucie griff mit ihren Händen ihren Rock, und drückte ihre Hände so fest wie möglich auf die Schenkel. Sie sagte jedoch nichts und senkte ihren Kopf.
„Dann… kommen Sie mit mir.“ Sagte er freundlich.
„Wohin?“ Sie war irritiert. Er könnte ein Vergewaltiger sein, nur darauf wartend, sie zu töten? Warum sollte er sonst dieses Gespräch führen? Ihre Augen blitzten böse auf, sofort sah sie ihm wieder in die Augen.
„Da wo ich aussteigen werde, gibt es Menschen wie Sie…“ Lucie horchte auf. Sie begann sich zu fragen, was das für ein Ort sein soll. Ihr rotes, schulterfreies Top zurechtrückend, sah sie ihn misstrauisch an.
„Aber sicher doch…“ Sprach sie zynisch.
„Tja, Sie werden es erst erfahren, wenn Sie mir folgen…“ Sagte er mysteriös. Lucie sah wieder aus dem Fenster. Die grüne Wiese, sie sah so leer aus, so unheimlich. Keinerlei Bäume, schutzlos wie sie selbst.
„Ihr Herz hat entschieden, Sie werden mir folgen.“ Er lächelte sie an, doch Lucie sah stur aus dem Fenster. Als sie ihren Blick wieder auf die Sitzplätze vor sich richtete, war der Sitz leer. Als wäre nie jemand da gewesen. Auch das Buch des Mannes, welches er auf dem Platz neben sich gelegt hatte, war weg.
„Sieht so aus, als ob ich doch wieder allein wäre…“ Dachte sie, und seufzte innerlich. Jetzt halluzinierte sie also schon. Reif für die Klapsmühle.
Dann blieb die Bahn stehen, allerdings folgte keine Ansage. Lucie kämpfte mit sich, sie kannte außer ihrem Heimatdorf und der Stadt, in der sie arbeite keine anderen Orte in ihrer Umgebung. Langsam stand sie auf, und warf einen letzten Blick aus dem Fenster. Dort sah sie einige Autos auf einem Parkplatz.
„Was mich hier erwarten wird?“ Wunderte sie sich und war sich dabei sicher, diesen Ort nie zuvor gesehen zu haben.
Langsam schritt sie zur Tür und öffnete per Druck auf den Knopf das Tor in eine andere Welt.
-Aska- - 24. Apr, 18:12