Turn 102: The friend
„…wach auf, Matt… MATT…“ So fern klang eine entsetzte, panische Mädchenstimme.
„…was ist mit dir? Leb…lebst du noch? MATT…“ Gemurmel um ihn herum.
Langsam öffnete Matt die Augen und wurde sofort geblendet.
Eine Lampe strahlte von der weißen Decke auf ihn herab.
„Wa-was is…“ Nuschelte er fast unverständlich.
„Hey, er lebt, Leute!“ Rief die Mädchenstimme erleichtert. Dann beugte sich jemand über ihn, doch Matt sah noch verschwommen.
Blond schien sie zu sein, hatte in etwa schulterlange Haare.
Erst jetzt spürte er einen festen Griff an seinem Oberarm, sein Oberkörper wurde hochgehoben.
„Au…“ Stieß er schmerzhaft von sich, denn lange Fingernägel bohrten sich in sein Hemd.
„Tschuldige…“ Grinste das Mädchen und ließ Matt los, sodass er auf den Boden knallte.
„AU…“ Mit einem Schlag war er hellwach. Einige Schüler um ihn herum fingen an zu lachen oder zu kichern.
Stöhnend richtete er sich auf und sah sich um. Tatsächlich hatte sich eine kleine Traube um ihn gebildet, bestehend unter anderem aus seinen Mitschülern Edna, Tom und Harris.
Alle drei sahen ihn stumm an.
Mühevoll stand Matt auf und drehte sich um.
„Tara…“ Stammelte er entsetzt, als er das Mädchen sah, das ihn festgehalten hatte.
„Tut mir Leid…“ Jammerte sie beklemmt und sah weg.
„Schon gut.“ Er spürte, wie Hitze in ihm hoch kroch.
„Was ist denn passiert?“ Fragte Edna erstaunt von hinten. Matt drehte sich zu ihr um und sah, wie einige Schüler bereits zu beiden Richtungen des orangefarbenen Ganges liefen, der nun gut beleuchtet war.
Matt sah sie nachdenklich an und rieb sein Kinn.
((Da war diese verrückte Schrulle…)) Er erinnerte sich, wie Buchstaben aus dem Boden stiegen.
((Wir… haben uns duelliert. Und sie hat gewonnen… verfluchte Hexe, wenn die weitererzählt, dass ich verloren habe…))
„Matt?“ Harris, der hinter Edna stand und sie um einen Kopf überragte, sah seinen Kumpel ebenso verwirrt an.
„Ach so…“ Murmelte er vor sich hin. „Mir ist kurz schwindlig geworden, bin wohl umgekippt.“
„Du siehst auch ganz blass aus Matt, geh lieber zur Schulschwester.“ Hörte er Tara hinter sich reden.
„Wieso wirst du so rot, Matt?“ Fragte Edna ihn skeptisch.
„Als wenn wir das nicht wüssten…“ Pfiff Harris grinsend.
„Was meint ihr?“ Fragte Tara daraufhin leicht verwirrt. Matt wandte sich sofort zu ihr um.
„Nichts, das… ist der Kreislauf, nichts weiter… der Kreislauf, ja…“ Versuchte er zu retten, was zu retten war.
„Oh, tut mir leid. Manchmal bin ich so dämlich…“ Entschuldigte sie sich mit einer Verbeugung.
„Aber nicht doch…“ Matt wedelte panisch mit den Armen.
„Ich bin so unsensibel, du musst ja todkrank sein, so rot bist du.“ Dann wanderte sie auf ihn zu und ergriff seinen Arm.
„Ich bring dich jetzt zur Schwester, dort wird man dir sicher helfen können…“ Dann zog sie ihn rückwärts hinter sich her.
Seine Freunde drehten sich zu ihm um und grinsten allesamt.
„Ob sie es jemals rafft?“ Lachte Harris leise.
„Was rafft?“ Gab diesmal Tom von sich und erntete Gestöhne von seinen Mitschülern.
Eine Weile ließ sich Matt so herumschleppen, bis die beiden vor der Treppe des Eingangs ankamen. Matt sah durch die Glastür nach draußen, mittlerweile gab es auf dem ganzen Hof Trauben von Schülern.
„Bitte, das muss nicht sein…“ Er befreite sich vorsichtig aus ihrem Griff.
„Tara, mir geht’s gut, wirklich.“
„Oh, hab wohl etwas überreagiert.“ Entschuldigte sie sich kleinlaut.
„Macht nichts.“ Versuchte er peinlich berührt, sie von ihrem Trip runter zu bringen.
„Aber wieso hast du deine Dueldisk umgeschnallt?“ Fragte sie ihn dann etwas verwirrt. „Hast du dich duelliert?“
„Das… nein… nur so… hab ich sie angezogen…“ Stotterte er. Niemals würde er es über die Lippen bringen, von seiner Niederlage zu erzählen.
„Wollen wir zurück ins Klassenzimmer?“ Fragte er und blickte in ihre Augen.
„Ja, ich hab deinen Rucksack schon an deinem Platz gebracht.“ Matt nickte dankend und ging mit ihr in die Richtung, aus der sie kamen.
((Aber seltsam ist das schon. Hat keiner diese Irre bemerkt?)) Wunderte sich Matt.
Plötzlich hörten sie über sich das Ringen der Schulglocke.
„Komm, beeilen wir uns, oder wir sind am ersten Tag schon zu spät.“ Sprach Tara hastig und rannte bereits den Gang entlang.
((Hmm… Gardenia…)) Er sah den Korridor entlang.
- nach der Schule -
In Massen strömten die Schüler von dem Eingang aus auf den Schulhof.
Matt war einer der letzten, der der Gruppe aus Edna, Tom, Harris und Tara mit einigem Abstand folgte.
Sein Blick war starr nach unten gerichtet. Er konnte sich bisweilen kaum an das Duell gegen Gardenia erinnern.
((Vielleicht war es nur ein Traum? Aber… nein, das muss real gewesen sein.)) Wunderte er sich.
„Wird endlich Zeit, dass du hier auftauchst!“ Lachte eine recht hohe Jungenstimme neben ihm.
Matt richtete seinen Blick nach rechts und erkannte einen Jugendlichen, den er schon seit jeher verabscheute.
„George…“ Zischte er angewidert.
Sofort eilten seine Klassenkameraden zu ihm und musterten den unliebsamen Schulbesten.
„Was willst du?“ Fragte Matt wütend.
Dabei fiel sein Blick auf die Stühle und Tische, die etwas weiter entfernt auf der Wiese des Schulhofs standen. Bewusst mied er den Blickkontakt.
„Was werd ich schon wollen? Eine Revanche für meine Blamage natürlich!“ Schnauzte George Matt an. Dabei nahm er seine Brille ab und putzte sie mit einem weißen Tuch.
„Versteh mich nicht falsch, ich hab nichts gegen dich…“ Redete er gedankenverloren und hauchte die Brillengläser an.
„…aber es kommt nicht oft vor, dass mich jemand besiegt. Und ich als bester Schüler dieser Schule, der bereits eine Klasse übersprungen hat…“
„Erspar uns das Gelaber, Brillenschlange!“ Mischte sich Harris ein und stellte sich neben Matt auf.
„Hey, beruhig dich Harris!“ Rief Edna ihm zu.
„Matt geht’s schlecht, lass ihn zufrieden.“ Matt wurde sofort rot, als Tara sich aufgebracht für ihn einsetzte.
„Das würde ich wirklich gern…“ Sprach George freundlich zu ihr.
„…bloß kann ich mein Ansehen nicht so dahinsiechen lassen. Ich bin auf dem besten Wege, ein Profi-Duellant zu werden. Eine Niederlage muss mit einem Sieg beglichen werden, verstehst du?“ Er setzte seine Brille wieder auf.
„Ich finde, wir sollten es bald hinter uns bringen, Matt.“ Sprach er seinen Konkurrenten direkt an.
„Nicht jetzt…“ Grollte der gereizt.
„Aber bald… oder die ganze Schule wird noch denken, du bist ein Feigling…“ Lachend setzte sich George in Richtung des Eingangstors in Bewegung.
Matt ließ den Kopf hängen.
„Kopf hoch, die Eiserne Jungfrau spuckt nur große Töne.“ Versuchte Harris ihn aufzumuntern.
((Eiserne Jungfrau…)) Den Spitznamen hatte George von Harris bekommen, denn er war der festen Überzeugung, dass George noch Jungfrau war. Zudem ähnelte seine Art in gewisser Weise dem Folterinstrument.
„Matt, lass dich doch nicht so provozieren. Das ist nicht gut für dein Herz, du könntest wieder rot werden und umfallen…“ Säuselte Tara belehrend.
Die anderen stöhnten genervt.
„Mir egal, der kriegt seine Abreibung noch!“ Entschlossen lief Matt nun vom Schulhof auf den Fußgängerweg, die anderen mussten regelrecht hinterher hasten.
„Seinen Kampfgeist hat er nicht verloren!“ Jubelte Edna von hinten.
„Jap, Ende der Woche ist George fällig!“ Schrie Matt nun selber euphorisch und stieg in einen gelben Bus ein, der vor dem Eingangstor der Schule parkte.
Als alle drin waren, setzte sich der Bus langsam in Bewegung.
Was keiner bemerkte, war ein schwarzer Rabe.
Dieser hockte auf dem Ast eines Baumes, der in der Fußgängerzone stand und sah dem gelben Bus hinterher. An seinem rechten Fuß war ein weißer Zettel gebunden.
Kreischend stieß er sich in die Luft ab und flog in die Richtung, in die der Bus unterwegs war.
- am Ende der Fahrt -
Matt stieg aus dem gelben Bus aus, zusammen mit Tom, der glatt aus der Tür stolperte.
((Oh man, heute ist’s wieder schlimm mit ihm.)) Dachte Matt und half seinem Klassenkameraden auf.
„Danke.“ Flüsterte Tom und rieb sich den Kopf beschämt.
Matt erinnerte sich daran, wie Tom mitten im Unterricht vom Stuhl gefallen war und zudem seine Federtasche zuhause vergessen hatte. Tom war ein sehr ungeschickter, schusseliger Typ, das konnte man einfach nicht bestreiten.
„Hier trennen sich unsere Wege.“ Erklärte Matt dann sichtlich froh.
„Ja, ich muss ja da lang nach Hause.“ Tom zeigte über den belebten Bürgersteig entlang.
((Sehr gut erkannt, Watson…)) Matt nickte knapp und ging dann langsam über die Straße.
„Wir sehen uns morgen.“ Rief Matt ihm den Rücken zugekehrt zu.
„Ähm ja… wann haben wir noch mal Schule?“ Fragte Tom leicht beschämt zurück.
„So wie heute…“ Solche Blödheit regte ihn auf, doch er war bereits zu weit von Tom entfernt, als dass dieser noch mehr dumme Fragen stellen könnte.
Auf der anderen, recht kahlen, Seite des Bürgersteigs angekommen, sah er sich kurz um.
Rechts von ihm führte eine Straße geradeaus nach Hause.
Irgendwie fühlte Matt sich seltsam.
Lag es daran, dass keine Autos hier lang fuhren, was sehr ungewöhnlich war? Die Bürgersteige waren auch nicht belebt.
Kopfschüttelt schob er diese Gedanken beiseite und lief zur Einbiegung direkt vor sich. Dort hielt er sich links und befand sich bereits auf der Straße, in der er wohnte.
Er lief die Straße hoch, denn es ging hier doch leicht steil nach oben.
Links von sich sah er in weiter Ferne das Meer, denn er wohnte in der Nähe eines Hafens. Er sah von weitem Schiff dort stehen, kleine Segelyachten, große Dampfer. Möwen gurrten leise über seinem Kopf und flogen in Richtung des Hafens.
Rechts siedelte sich ein prachtvoller Wohnblock an.
Matt ging an einem großen Grundstück vorbei, das von einem schwarzen Zaun umhüllt war. Eine mannshohe Hecke schützte das große Anwesen vor neugierigen Blicken, doch die blassrote Villa überragte sie dennoch mit Leichtigkeit.
Hier gab es nur solche Gebäude, nicht weit entfernt war Matts Zuhause.
Gedankenverloren starrte er auf den schwarzen Asphalt.
((Tara…)) Er seufzte.
Dann richtete er seinen Blick auf.
Er war fast zuhause angekommen und sah bereits das gewaltige, dreistöckige weiße Haus aus der Ferne. Es sah recht modern aus, eine großes Fenster im Erdgeschoss, doch es wurde durch Jalousien bedeckt. Es war das Fenster der Küche.
Weiter oben gab es kreisrunde Fenster, die alle offen standen.
Die Garage weiter hinten war verschlossen und das Auto seines Vaters war fort: beide Elternteile waren jetzt arbeiten und würden erst spät nachhause kommen.
Anders als bei den beiden Nachbahrgrundstücken, gab es bei Matts Haus keine hohen, weißen Mauern, die das Gebäude und den Garten schützten. Im Gegenteil, es gab weder Gartenzaun noch sonst etwas hier.
Die grüne Wiese vor dem Haus strahlte saftig in der Sonne.
Matt lief leicht erschöpft die letzten Meter hoch und überquerte die Wiese zur Haustür, die rechts an der Garage gelegen war.
Dann riss jäh eine Stimme ihn aus seinen Gedanken.
„Sieben lange Jahre, Matt…“ Der schwarzhaarige Jugendliche blieb wie angewurzelt stehen.
An der Mauer zum Nachbahrgebäude lehnte ein junger Mann.
Er trug einen kniehohen, schwarzen Mantel, sein Hemd, seine Hose, gar seine Schuhe waren ebenfalls schwarz.
Seine kurzen, schwarzen Haare standen am Pony leicht in die Luft gestreckt.
„A-Andrew…?“ Matts Stimme zitterte.
Sofort drehte er sich um, um sich zu überzeugen, wer da zu ihm sprach. Sein Blick fiel langsam über die leere Straße zur Hausmauer, zu dem Kerl.
„Du bist es wirklich!“ Schrie Matt regelrecht.
„Ja, ich bin’s…“ Lachte der junge Mann leise.
In Matt kamen Erinnerungen hoch.
Er und Andrew waren so etwas wie Sandkastenfreunde gewesen. Zwar war Andrew zwei Jahre älter als Matt, doch das störte die beiden damals nicht.
Andrew war immer sein Beschützer gewesen, denn da Matt nie beliebt in der Schule war, wurde ihm oft Prügel angedroht. Doch Andrew beschützte seinen „kleinen Bruder“.
Jedoch verschwand Andrew vor sieben Jahren spurlos.
Aus Verzweiflung zogen seine Eltern um und nun wohnte auf dem Grundstück jemand anderes, an dessen Mauer sich Andrew lehnte.
Ein Wechselbad der Gefühle ereilte Matt. Er hatte so viele Fragen im Kopf, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
„Freust du dich nicht, mich zu sehen?“ Fragte Andrew verwundert und zog eine Augenbraue hoch.
„D-d-doch…“
„Warum begrüßt du mich dann nicht auch so?“ Fragte Andrew mit seltsam anmutender Stimme. Matt blieb regungslos. Die beiden starrten sich tief in die Augen.
„Sieh an. Du hast wohl schon Bekanntschaft mit denen geschlossen.“ Stellte Andrew leicht zornig fest.
„W-was?“ Matt schüttelte unwillkürlich den Kopf. „Kannst du mir… kannst du mir sagen, warum du sieben Jahre, SIEBEN JAHRE weg warst?!“
„Ich hatte meine Gründe.“ Rechtfertigte Andrew sich knapp und ziemlich unterkühlt.
„Wir… wir sind Freunde, du hättest es mir doch sagen können! Weißt du, wie es sich anfühlt, den einzigen Freund, den man hat, auf einmal zu verlieren?!“ Matt war regelrecht von seiner Wut gepackt worden. Er fühlte sich völlig im Recht und erwartete, dass Andrew das einsah.
„Lassen wir das, ich bin nicht hier um meine Zeit mit Vorwürfen deinerseits zu verschwenden.“ Entgegnete Andrew scharf und stieß sich von der Mauer ab. Mit langsamen Schritten kam er auf Matt zu.
„Du hast… dich ganz schön verändert…“ Stellte Matt enttäuscht fest und ging einen Schritt zurück, während Andrew näher kam und kalt lachte.
„Ja, zum Besseren. Tut mir leid, dass ich dich all die Jahre nicht beschützen konnte, doch ich hol es nach, versprochen…“ Kurz vor Matt blieb er stehen und streckte seine Hand aus.
„Komm mit mir an einen Ort, der alle Sorgen ungeschehen macht.“ Seine Augen leuchteten dabei.
„Wie…?“ Matt schüttelte den Kopf.
„Alles was du tun musst, ist dich mit mir zu duellieren. Ob du siegreich bist spielt nicht mal eine Rolle. Aber beweise mir, dass du es wert bist.“ Erwartungsvoll blickte Andrew in Matts Augen.
„Ich… kann grad nicht einen klaren Gedanken fassen…“ Stotterte Matt jedoch.
„Überleg nicht, wag es einfach. Es wird dein Leben verändern.“
Obwohl ihn diese Worte stutzig machten, nickte Matt aus einem Reflex heraus.
Er vertraute Andrew noch immer, selbst nach sieben Jahren. Er kannte es auch, wenn Andrew log oder Hintergedanken hatte. Zudem war er neugierig geworden. Auch interessierte ihn, was mit Andrew geschah. So eine Chance bekam er vielleicht nicht so schnell wieder.
Zu verwirrt und verlockt von dem seltsamen Angebot, lächelte Matt langsam.
„Also… also schön. Wunder dich aber nicht, wenn ich die eiskalt besiege!“ Murmelte der Junge entschlossen und legte seinen Rucksack ab, um seine Dueldisk daraus hervor zu holen.
Andrew wandte sich ab und lief zur Straße hinüber.
Sein Blick fiel ebenfalls über eine weiße Mauer am Straßenrand weit weg auf den Hafen.
((Nichts hat sich hier wirklich verändert…)) Dachte er dabei.
Matt hastete hinterher auf die Straße und stellte sich mit passendem Abstand vor Andrew auf.
„Bereit?“ Fragte Matt entschlossen.
„Seit sieben Jahren…“ Murmelte Andrew und klappte eine rotsilberne Dueldisk an seinem Arm aus.
„Dann geht’s los, Duell!“ Schrie Matt.
[Matt: 4000LP Andrew: 4000LP]
„Ich mache den ersten Zug!“ Entschied Matt über Andrews Kopf hinweg und zog bereits seine sechste Karte.
„Ich beginne mit einem Monster und einer weiteren Karte verdeckt.“ Eine horizontal und eine vertikal verdeckte Karte tauchte vor seinen Füßen auf.
((Daran beißt er sich die Zähne aus.)) Dachte er dabei vergnügt.
„Zug beendet.“
„Mehr nicht? Aber was könntest du auch tun…“ Meinte Andrew gelassen und dachte dabei: ((Hochmut kommt vor dem Fall!))
„Ich aktiviere die Mystische Plasma-Zone!“ Rief er angespannt und steckte eine Karte in sein Spielfeldzauberkartenfach.
„Whoa!“ Matt erschrak.
Eine dicke, graue Wolke bildete sich über ihnen. Blitze knallten vor ihren Füßen auf den Boden, es wurde gleich viel dunkler. Im Kontrast dazu war es außerhalb des Spielfelds immer noch ein heller Sommertag.
„Sie stärkt alle Finsternis-Monster um 500 Angriffspunkte, nimm ihnen aber im Gegenzug 400 Verteidigungspunkte.“ Erklärte Andrew seinem alten Freund.
((Früher hat er ein anderes Deck gespielt.)) Bemerkte dieser unruhig.
Es war immer ein Leichtes für ihn gewesen, Andrew zu besiegen. Damals gab es aber auch viel weniger Karten. Melancholie verabscheute Matt jedoch zutiefst und warf die Gedanken beiseite.
((Egal, ich besiege ihn dennoch!))
„Dann mach ich weiter und rufe Schattengräber (ATK/1500 zu 2000)!“ Brüllte Andrew entschlossen.
Ein düsterer, vierbeiniger Schatten erhob sich leicht über dem Boden vor Andrew. Rote Augen huschten aus dem Kopf, doch weitere Details waren nicht erkennbar.
„Dies ist ein so genanntes Zwillings-Monster.“ Sprach Andrew und zeigte eine Zauberkarte hervor.
„…damit ich seinen Effekt nutzen kann, muss ich ihn durch eine zweite Normalbeschwörung heraufbeschwören. Da man aber nur eine Normalbeschwörung pro Zug hat, muss ich jetzt mit Doppelbeschwörung nachhelfen!“ Er steckte die Zauberkarte in seine Dueldisk.
Der Schatten leuchtete an seinen Umrissen rot auf.
„Nun habe ich eine zweite Normalbeschwörung, die ich für mein Monster geopfert hab.“
„Was soll das werden?“ Stöhnte Matt genervt.
„Das wirst du sehen… Angriff!“ Befahl Andrew böse lachend.
Der Schatten krabbelte langsam auf Matts Monster zu.
((Vergiss es, Gladiator Beast Hoplomus hat ein paar Verteidigungspunkte zuviel für dich!)) Lachte Matt in sich hinein.
Doch er sollte sich wundern. Der Schatten huschte unter der verdeckten Karte hinweg und sprang plötzlich ihn an.
„AHHHHHH…“ Matt wurde zu Boden geworfen und knallte hart mit dem Rücken auf den Asphalt. Das Schattenwesen drückte ihn mit seinen Gliedmaßen auf den Boden.
„Nein… lass… los…“ Schrie Matt erschrocken und zappelte wild.
Der Schattengräber jedoch öffnete ein zuvor nicht sichtbares Maul und schleckte Matts Gesicht mit einer langen, roten Zunge ab. Dann kehrte es um und verschwand im Boden, bevor das Wesen wieder vor Andrew auftauchte.
[Matt: 2000LP Andrew: 4000LP]
„Igitt…“ Angewidert fühlte sich Matt über die Wange, doch da war kein Speichel.
((Es fühlt sich anders an, als gegen diese Gardenia... ist dies also... wie nannte sie es, kein Spiel der Seele?)) Wunderte er sich und runzelte die Stirn. „Was ging da ab?“ Fragte er scharf.
„Schattengräber kann eines meiner Finsternismonster pro Zug direkt angreifen lassen, und da er selber eins ist…“ Erklärte sein Gegner lässig.
„Verstehe…“ Murmelte Matt genervt. Noch einen Angriff von dem Biest würde er nicht überstehen.
„Ich setze noch zwei Karten verdeckt.“ Sprach Andrew nachdenklich und sah seine letzte Handkarte an.
((Egal ob ich Glück habe oder nicht, du, mein lieber Matt, hast nicht den Hauch einer Chance.)) Erwartungsvoll sah Matt derweil auf sein Deck und zog.
„Halt!“ Rief Andrew und deckte mit einer Handbewegung eine seiner Karten auf.
„Sechster Sinn! Indem ich jetzt zwei Würfelergebnisse nenne, darf ich dieselbe Anzahl an Karten ziehen, sollte ich nach dem Wurf richtig liegen. Falls nicht, werden meine Deckkarten draufgehen!“ Sprach er und schnipste mit den Fingern.
Ein großer, roter Würfel fuhr von oben auf die Mitte des Spielfelds herab. Durch einen unsichtbaren Stoß in Matts Richtung getrieben, prallte er kurz vor ihm an einer unsichtbaren Mauer ab.
„Woah!“ Erschrocken sprang Matt zurück.
„Ich sage 5 und 6.“ Lachte Andrew kalt. Der Würfel prallte quer durchs ganze Spielfeld, immer wieder durch unsichtbare Barrieren begrenzt. Als er langsam in der Mitte des Spielfelds zum Stehen kam, war das Ergebnis bereits eindeutig: 4.
„Also muss ich vier Deckkarten auf den Friedhof schicken…“ Murmelte Andrew nicht sonderlich beeindruck.
Während er das tat, sah Matt seine gezogene Karte an.
„Zeit für einen Tapetenwechsel!“ Rief er entschlossen.
Kurz darauf klappte sein Spielfeldzauberkartenfach auf und er steckte eine Karte hinein.
Sofort verzog sich die graue Wolke über ihren Köpfen.
Aus dem Boden um das Spielfeld wuchs eine große, braune Steintribüne. Als das Gebilde fertig war, erinnerte es an ein Kolosseum. Doch es war ziemlich alt, einige Teile waren stark beschädigt. Zudem leuchteten blaue Linien um das Kampffeld auf dem Boden. Hinter Matt und Andrew gab es mit Strahlgittern versperrte Tore. Zuschauer gab es jedoch keine.
„Hier ist sie, die Heimat der Gladiatoren: Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts!“ Würdevoll sah sich Matt um.
„Dementsprechend verliert dein Monster nun seine Punkte!“ Sprach er und sah zu, wie der Schattengräber etwas kleiner wurde (ATK/1500).
„Und damit kann ich deinen Schattengräber locker auslöschen! Erscheine, Gladiator Beast Dimacari (ATK/1600)!“ Ein violetter, nur durch einen Kilt und Silberfäustlinge bekleideter, Stierkämpfer betrat durch den hochfahrenden Gittereingang zornig die Arena und lief an Matt vorbei.
„Attacke!“ Brüllte Matt sein Monster zu, während es an ihm vorbei lief.
Mit einem saftigen Stampfer der Stahlstiefel des Stierkriegers wurde der Schattengräber in den Boden gerammt und zerplatzte dort.
[Matt: 2000LP Andrew: 3900LP]
((Bald wirst du dich richtig wundern…)) Grinste Matt in sich hinein.
„Ich tausche nun Dimacari nach der Battle Phase mit einem neuen Gladiator Beast aus, und zwar mit Gladiator Beast Laquari (ATK/1800)!“
Ein Kämpfer, dessen Aussehen stark an einen Tiger erinnerte, sprang von der Tribüne des Kolosseums hervor. Um ihn herum brannte ein Ring aus Feuer, an dessen Seiten rote Spitzen hervorragten.
„Und nun bekommt er gleich zwei Power-Boni! Den ersten durch die Beschwörung eines Gladiator Beasts, was ihm 300 Punkte gibt (ATK/2100). Den zweiten durch eine Beschwörung aus dem Deck, was er meiner Spielfeldzauberkarte zu verdanken hat. Die bekommt für jedes aus dem Deck beschworene Monster eine Zählmarke und stärkt jedes Gladiator Beast um 100 Punkte für jede Zählmarke (ATK/2200).“ Überlegen sah Matt seinen alten Freund an.
Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts: [1]
„Ziemlich gutes Duell.“ Sprach Matt und legte eine Karte verdeckt. „Das war’s von mir.“
Andrew lachte auf.
„Hast dich kein bisschen verändert. Immer noch so scharf aufs Gewinnen wie eh und je.“
„Na und?“ Entgegnete Matt grinsend.
„Das wird dir sicher einmal den Arsch retten, du verfolgst dein Ziel bis zum bitteren Ende.“ Andrews geheimnisvolle Betonung auf ‚Ende’ gefiel Matt nicht.
„Wie darf man das verstehen?“ Fragte er nach.
„Nun… diese Welt ist gefährlich... du weißt nie, was dich erwartet. Weißt du, die Leute, für die ich arbeite, stellen nur gute Duellanten in ihre Dienste. Und wie ich das sehe, bist du einer, wenn auch nicht so gut wie ich…“ Matt biss die Zähne zusammen, widersprach aber nicht.
„Und was soll das heißen? Wollt ihr mich... anwerben?“ Erkundigte er sich skeptisch.
„...du weißt es also noch gar nicht?“ Reagierte Andrew aber erstaunt. „Dann will ich dir die Überraschung auch nicht nehmen.“ Lachte er geheimnisvoll.
„Was weiß ich nicht?“ Hakte Matt jedoch nach. Er blickte seinen Freund hilflos an.
„Vieles… alles… aber hab keine Angst, du findest es schon noch heraus. Aber erstmal will ich dieses Duell hinter mir haben.“ Wehrte Andrew ab.
„Zeit für meinen Plan: Voreiliges Begräbnis! Ich zahle 800 Lebenspunkte und bekomme dafür ein Monster aus meinem Friedhof aufs Feld.“
[Matt: 2000LP Andrew: 3100LP]
„Und welches Monster rufst du?“ Fragte Matt verwirrt.
„Eines, dass ich vorhin durch Sechster Sinn verloren habe: Glutflügel-Schmetterling (ATK/1500)!“ Vor Andrew erhob sich ein großer Schmetterling mit brennenden Flügeln in die Luft.
„Auch er ist ein Zwillings-Monster, dessen Effekt ich nun beschwören und anschließend verwenden werde…“ In einen brennenden Wirbel verschwand der Schmetterling sogleich.
„Ich biete ihn als Tribut an, um ein anderes Zwillingsmonster aus meinem Friedhof zu rufen. Und dieses erhält sofort seinen Effekt… komm zu mir, Chthonian Imperatordrache (ATK/2400)!“
Aus der Feuerbrunst erhob sich hoch in die Lüfte ein eleganter Drache. Seine Plattenrüstung erstrahlte in mattem Schwarz und stand im Kontrast zur blassgrünen Haut. Mit einem langen Hals und breiten Schwingen gesegnet, brüllte der Drache von oben herab majestätisch und peitschte mit seinem langen Schweif.
„Du hättest auch gleich den Drachen rufen können…“ Merkte Matt grummelnd an.
„Du verstehst nichts… die wahre Schönheit eines Decks entfaltet sich nicht, wenn man nur nach der effektivsten Methode sucht, einen Feind in die Knie zu zwingen…“
„Lasche Ausrede…“ Grinste Matt, doch Andrews Blick verriet, dass es durchaus kein Fehler war. Er sah Matt fast schon herabwürdigend an.
((Verstehst du denn nicht, Matt? Es ist Kunst… aber wer hat heutzutage noch ein Auge dafür?))
„Zeit, dein verdecktes Monster aus dem Weg zu räumen, mit Adliger der Auslöschung!“ Aus dem Himmel schnellte ein Schwert nach unten und durchstach Matts verdecktes Monster, sodass es verschwand.
„Nun, da dein Monster aus dem Spiel entfernt wurde, gibt es nur noch eine Sache zu tun… greif Gladiator Beast Laquari (ATK/2200) an!“ Brüllte Andrew aufgebracht.
Aus dem Rachen des Drachen erglühte eine Flamme, dessen Hitze seinen ganzen Körper verschwommen darstellte. Besorgt sah Matt mit an, wie der Drache die Flammenkugel auf seinen Gladiator abfeuerte.
Es gab einen heftigen Knall und schon war Matt von einer dichten, grauen Rauchwolke eingehüllt.
[Matt: 1800LP Andrew: 3100LP]
„Na, bist du bereit für das Ende?“ Hörte er Andrews Stimme, doch der Rauch verzog sich nicht.
„Das Ende?“ Fragte Matt verwirrt.
„Das Ende dieses Duells…“ Stöhne Andrew belustigt.
„Aber wie?“ Panisch sah Matt sich um, doch überall nur Rauch.
„Mein Chthonian Imperatordrache ist imstande, einen Doppelangriff hinzulegen, dank seiner Zwillingsfähigkeit. Tut mir Leid für dich, Matt… ATTACKE!“
Nur ein leises Zischen war zu vernehmen. Matt sah erschrocken hoch und sah, wie sich ein Teil der Rauchwolke über ihm auflöste und ein strahlender Feuerball einzuschlagen drohte.
Ein lauter Knall…
Andrew sah kaltherzig mit an, wie der Boden unter der Rauchwolke aufbrach und die Wolke sich in einer Schockwelle ausbreitete.
Ein triumphierendes Lächeln huschte über seine Lippen.
Doch plötzlich öffnete er weit seine Augen.
„NEIN!“ Ein heftiger Einschlag in seiner Brust schleuderte ihn gegen das Gittertor des Kolosseums. Er fiel erstarrt auf den Bauch und blieb liegen.
[Matt: 1800LP Andrew: 700LP]
„So leicht kriegst du mich nicht…“ Lachte Matts Stimme überlegen aus der Rauchwolke, die sich gerade auflöste. Er hatte eine seiner verdeckten Karten aktiviert, Dimensionsmauer.
„Mit dieser Karte wird dir der Kampfschaden zugefügt, den ich erleiden sollte.“
Mühsam stützte sich Andrew mit seinen Armen vom Boden ab und erhob sich langsam. Er klopfte seine Klamotten sorgfältig ab und lachte.
„Nicht schlecht, ‚kleiner Bruder’…“
((Kleiner Bruder… ja, wir waren wie Brüder…)) Ein kalter Schauer lief Matt bei dem Gedanken über den Rücken, irgendwie war jetzt alles so anders. So verwirrend und fremd.
Sein Verstand war immer noch nicht in der Lage, zu begreifen, dass Andrew wieder da war.
„Ich beende meinen Zug.“ Sprach der nun wieder voll bei der Sache.
„Los geht’s!“ Schrie Matt und zog.
Sogleich musste er verwundert auf seine Karte starren.
„Wird wohl Zeit für eine meiner Geheimwaffen! Gleich wirst du sie kennen lernen, doch vorher beschwöre ich erstmal durch Wiedergeburt Gladiator Beast Laquari aus dem Friedhof (ATK/1800)!“
Ein brennender Kreis schoss aus dem Boden, worauf sogleich der Tigerkrieger hervorsprang.
„Zwei mehr brauch ich allerdings, darum aktiviere ich Ties of the Brethren. Das kostet zwar 1000 Lebenspunkte, ist den Preis aber wert.“
[Matt: 800LP Andrew: 700LP]
Das Gittertor hinter Matt öffnete sich langsam.
„Denn nun kann ich zwei Stufe 4-Monster mit dem selben Typus wie Gladiator Beast Laquari aus meinem Deck rufen. Das Einfache dabei ist, dass ich mir nur zwei weitere Laquaris suchen muss…“ Würdevoll drehte er sich um und sah die zwei neuen Gladiator Beasts in die Arena rennen. Sie stellten sich neben dem Original auf.
„Und da sie aus dem Deck gerufen worden, bekommt das Kolosseum glatt eine weitere Zählmarke!“
Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts: [2]
3 x Gladiator Beast Laquari (ATK/2100 zu 2300)
„Und nun?“ Fragte Andrew fordernd.
„NUN verschmelze ich die drei…“ Flüsterte Matt kaum hörbar.
Die drei Gladiator Beasts schleuderten ihre Feuerringe in die Luft und sprangen hoch. Es gab eine gewaltige Feuerexplosion und eine strahlende Glutkugel senkte sich zum Boden herab. Drei weiße Lichtkugeln schossen derweil zurück in Matts Dueldisk.
„Vorteil hierbei ist, dass ich keine Fusionskarte brauche und meine Gladiator Beasts nur vom Feld zurück ins Deck schicken muss…“ Erklärte Matt aufgeregt.
„Es ist vollbracht, erscheine! Gladiator Beast Heraklinos (ATK/3000 zu 3200)!“
Ein prunkvoller Löwen-Gladiator betrat die Arena, bewaffnet mit einem Schild, an dem Löcher für Laserschüsse befestigt waren und einer goldenen Axt. Geschützt wurde er durch eine aufwendige, an einen Samurai erinnernde Rüstung.
„Das reicht aus, um dich zu besiegen, Angriff mit Battle Rush!“ Befahl Matt seinem Monster.
Heraklinos hob schützend seinen Schild vor den Oberkörper angewinkelt nach oben und schoss aus den Kanonenspitzen Lichtsäulen auf den in der Luft befindlichen Chthonian Imperatordrachen (ATK/2400) ab.
„So leicht wird das nicht! Zauberkarte aus dem Friedhof aktivieren: Power Balance! Ich entferne einfach zwei Finsternis-Monster aus meinem Friedhof, um meinen Drachen um 1000 Punkte zu stär…“ Doch seine Karte zersprang einfach und der Drache wurde mit voller Wucht in der Luft zerfetzt.
„…vergiss es!“ Lachte Matt auf. „Wenn ich eine Karte aus meiner Hand ablege, kann ich Aktivierungen von Zaubern oder Fallen ganz einfach negieren, selbst wenn es vom Friedhof geschieht…“
„Aber ich steh noch, Matt!“
„Was?“
„Tja…“ Grinste Andrew. „Auch wenn du die Benutzung meiner Karte verhindert hast, die Kosten hab ich bereits gezahlt. Und eines der entfernten Monster war Unsterbliche Erscheinung, eine Karte, die mich vor Schaden in der Runde bewahrt, in der sie entfernt wurde.“
„Das gibt’s doch nicht…“ Fluchte Matt. ((Der ist genau so hartnäckig wie ich…))
„Ich muss meinen Zug beenden…“ Murmelte er seufzend. Er hatte keine Karten mehr auf seiner Hand und nur noch eine verdeckte Karte neben Gladiator Beast Heraklinos und seinem Spielfeldzauber.
Andrew hingegen hatte nur eine verdeckte Karte, sonst nichts. Dann zog er.
„Hmm… es ist vorbei, Matt.“
„Halt keine Reden!“
„Wie du willst… ich aktiviere meine verdeckte Karte Rückkehr aus einer anderen Dimension. Für die Hälfte meiner Lebenspunkte rufe ich meine eben erst entfernten Monster wieder…“
[Matt: 800LP Andrew: 350LP]
Andrew stöhnte auf.
Matt bemerkte, dass es ihm sichtlich schlecht ging, er war ganz blass.
((Liegt das an diesem Duell? Vielleicht… vielleicht steckt er mit dieser Gardenia unter einer Decke?)) Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr Sinn machte es. Aber jetzt war es zu spät, sich Gedanken darüber zu machen, hätte er doch nur nicht so voreilig dem Duell zugestimmt...
Nebenbei tauchten der Schattengräber (ATK/1500) und eine schwarze, an eine Frau erinnernde Teerkreatur, die aus einer pechschwarzen Pfütze herausragte, auf. Es war allem Anschein nach die Unsterbliche Erscheinung (DEF/2000).
„Kannst du es dir denken, Matt?“ Andrews Augen leuchteten, als er aufsah.
„Du willst mich direkt angreifen…“
„Ganz genau… ich beschwöre Schattengräbers Effekt…“ Der Schatten huschte sofort unter Heraclenos hindurch und baute sich vor Matt auf, mit einem Schlag war er über zwei Meter hoch.
Matt starrte ihn mit großen Augen an.
„Beende es!“ Mit seinen Pranken kratzte das Monster über Matts Brust, welcher zurückgestoßen wurde und über den Boden geschleudert wurde.
[Matt: 50LP Andrew: 350LP]
„So… gahhhhh…“ Matt fasste sich mit zitternder Hand an die Stelle, welche den Treffer einstecken musste.
„So schnell wird das nichts… ich habe noch eine letzte Falle aktiviert, Redemption Barrier. Solange ich keine Handkarten besitze, wird jeder Kampfschaden an meinen Lebenspunkten halbiert.“ Keuchend richtete er sich auf.
„Dacht ich mir bereits…“ Flüsterte Andrew geheimnisvoll.
„Deswegen kommt mir diese Karte besonders gelegen: Finsteres Double, eine Schnellzauberkarte!“ Die Unsterbliche Erscheinung plätscherte zu einer gewaltigen Teepfütze zusammen, aus der plötzlich ein Abbild des Schattengräbers stieg.
Dieses huschte über den Boden, unter Heraklinos’ Beinen hindurch und sprang auf Matt zu.
„NEIN!“ Schrie dieser und schloss die Augen.
[Matt: 0LP Andrew: 350LP]
Dunkelheit… eine Stimme, so fern… was sagte sie… was fühlte sie…
„Dir fehlt etwas… man hat es dir genommen…“
((Andrew?))
„Du kannst nicht du selbst sein, solange du es nicht zurück erlangst…))
((Wovon redest du?))
„Wer bist du wirklich, Matt?“
Erschrocken öffnete Matt seine Augen. Es war Nacht und er lag auf der Straße.
Er erhob sich, die Hologramme waren längst verschwunden.
Dann sah er Andrew, wie sein Blick gen Himmel gerichtet war, er wandte Matt den Rücken zu.
„W-was? Wieso ist es so spät?“ Fragte Matt erschrocken und sprang auf.
„Es ist kein bisschen später… du warst nur ein paar Sekunden bewusstlos.“ Antwortete Andrew nachdenklich, ohne sich umzudrehen.
„Wie? Was hast du angestellt? Wie geht so was?“ Matt stürmte auf Andrew zu und packte ihn an den Schultern. Er zog ihn zu sich herum und sah tief in seine Augen.
„Das war nicht ich…“ Allein diese braunen, fest blickenden Augen vermittelten dem Jungen, dass Andrew aufrichtig war.
„Wer dann?“
„Die versuchen es schon wieder… aber sie werden scheitern…“ Dabei musste Andrew seufzen.
„Was versuchen sie? Wer sind die?“
„Forscher, die etwas zu neugierig sind…“ Dann stieß der junge Mann Matt von sich weg.
„Bald wird sich hier einiges verändern… bis dahin, denke darüber nach, was ich dir gesagt habe. Es gibt nur eine Wahl, entscheide weise.“
Matt sah ihn nur ratlos an.
„Du wirst verstehen, wenn die Zeit soweit ist… ich hoffe, du triffst die richtige Wahl, mein alter Freund. Mein kleiner Bruder…“ Dann drehte sich Andrew um und ging.
Matt sah ihm verzweifelt hinterher, versuchte zu begreifen.
((Gardenia sprach auch davon, sich zu entscheiden. Für eine Seite? Vielleicht… vielleicht sind die beiden ja doch keine Bekannten. Sondern… Feinde? Aber worum geht es?)) Als Matt aufblickte, war Andrew verschwunden.
Auch der Himmel leuchtete wieder blau, der schöne Sommertag war zurück.
((Andrew… Gardenia… was ist euer Geheimnis?))
Dann fluchte er in sich hinein. Er wusste noch immer nicht, was mit Andrew in den sieben Jahren geschehen war. Stattdessen stand er vor einem Berg voller Fragen, Dinge, die er nicht begriff und die ihn beunruhigten.
Zögerlich lief er zum Grundstück zurück…
((Ich habe das Gefühl, in irgendetwas hineingezogen zu werden… scheiße…))
Turn 103 - The moon
Einige Tage waren schon vergangen und Matt hörte weder etwas von Andrew, noch von dieser Gardenia. George wurde jedoch immer aufdringlicher mit seinem Wunsch nach einer Revanche. Matt jedoch zögerte es hinaus, zweifelte an seinem Können. Um seinem Freund auf die Beine zu helfen, forderte Harris George heraus…
Matts Deckliste
Andrews Deckliste
„…was ist mit dir? Leb…lebst du noch? MATT…“ Gemurmel um ihn herum.
Langsam öffnete Matt die Augen und wurde sofort geblendet.
Eine Lampe strahlte von der weißen Decke auf ihn herab.
„Wa-was is…“ Nuschelte er fast unverständlich.
„Hey, er lebt, Leute!“ Rief die Mädchenstimme erleichtert. Dann beugte sich jemand über ihn, doch Matt sah noch verschwommen.
Blond schien sie zu sein, hatte in etwa schulterlange Haare.
Erst jetzt spürte er einen festen Griff an seinem Oberarm, sein Oberkörper wurde hochgehoben.
„Au…“ Stieß er schmerzhaft von sich, denn lange Fingernägel bohrten sich in sein Hemd.
„Tschuldige…“ Grinste das Mädchen und ließ Matt los, sodass er auf den Boden knallte.
„AU…“ Mit einem Schlag war er hellwach. Einige Schüler um ihn herum fingen an zu lachen oder zu kichern.
Stöhnend richtete er sich auf und sah sich um. Tatsächlich hatte sich eine kleine Traube um ihn gebildet, bestehend unter anderem aus seinen Mitschülern Edna, Tom und Harris.
Alle drei sahen ihn stumm an.
Mühevoll stand Matt auf und drehte sich um.
„Tara…“ Stammelte er entsetzt, als er das Mädchen sah, das ihn festgehalten hatte.
„Tut mir Leid…“ Jammerte sie beklemmt und sah weg.
„Schon gut.“ Er spürte, wie Hitze in ihm hoch kroch.
„Was ist denn passiert?“ Fragte Edna erstaunt von hinten. Matt drehte sich zu ihr um und sah, wie einige Schüler bereits zu beiden Richtungen des orangefarbenen Ganges liefen, der nun gut beleuchtet war.
Matt sah sie nachdenklich an und rieb sein Kinn.
((Da war diese verrückte Schrulle…)) Er erinnerte sich, wie Buchstaben aus dem Boden stiegen.
((Wir… haben uns duelliert. Und sie hat gewonnen… verfluchte Hexe, wenn die weitererzählt, dass ich verloren habe…))
„Matt?“ Harris, der hinter Edna stand und sie um einen Kopf überragte, sah seinen Kumpel ebenso verwirrt an.
„Ach so…“ Murmelte er vor sich hin. „Mir ist kurz schwindlig geworden, bin wohl umgekippt.“
„Du siehst auch ganz blass aus Matt, geh lieber zur Schulschwester.“ Hörte er Tara hinter sich reden.
„Wieso wirst du so rot, Matt?“ Fragte Edna ihn skeptisch.
„Als wenn wir das nicht wüssten…“ Pfiff Harris grinsend.
„Was meint ihr?“ Fragte Tara daraufhin leicht verwirrt. Matt wandte sich sofort zu ihr um.
„Nichts, das… ist der Kreislauf, nichts weiter… der Kreislauf, ja…“ Versuchte er zu retten, was zu retten war.
„Oh, tut mir leid. Manchmal bin ich so dämlich…“ Entschuldigte sie sich mit einer Verbeugung.
„Aber nicht doch…“ Matt wedelte panisch mit den Armen.
„Ich bin so unsensibel, du musst ja todkrank sein, so rot bist du.“ Dann wanderte sie auf ihn zu und ergriff seinen Arm.
„Ich bring dich jetzt zur Schwester, dort wird man dir sicher helfen können…“ Dann zog sie ihn rückwärts hinter sich her.
Seine Freunde drehten sich zu ihm um und grinsten allesamt.
„Ob sie es jemals rafft?“ Lachte Harris leise.
„Was rafft?“ Gab diesmal Tom von sich und erntete Gestöhne von seinen Mitschülern.
Eine Weile ließ sich Matt so herumschleppen, bis die beiden vor der Treppe des Eingangs ankamen. Matt sah durch die Glastür nach draußen, mittlerweile gab es auf dem ganzen Hof Trauben von Schülern.
„Bitte, das muss nicht sein…“ Er befreite sich vorsichtig aus ihrem Griff.
„Tara, mir geht’s gut, wirklich.“
„Oh, hab wohl etwas überreagiert.“ Entschuldigte sie sich kleinlaut.
„Macht nichts.“ Versuchte er peinlich berührt, sie von ihrem Trip runter zu bringen.
„Aber wieso hast du deine Dueldisk umgeschnallt?“ Fragte sie ihn dann etwas verwirrt. „Hast du dich duelliert?“
„Das… nein… nur so… hab ich sie angezogen…“ Stotterte er. Niemals würde er es über die Lippen bringen, von seiner Niederlage zu erzählen.
„Wollen wir zurück ins Klassenzimmer?“ Fragte er und blickte in ihre Augen.
„Ja, ich hab deinen Rucksack schon an deinem Platz gebracht.“ Matt nickte dankend und ging mit ihr in die Richtung, aus der sie kamen.
((Aber seltsam ist das schon. Hat keiner diese Irre bemerkt?)) Wunderte sich Matt.
Plötzlich hörten sie über sich das Ringen der Schulglocke.
„Komm, beeilen wir uns, oder wir sind am ersten Tag schon zu spät.“ Sprach Tara hastig und rannte bereits den Gang entlang.
((Hmm… Gardenia…)) Er sah den Korridor entlang.
- nach der Schule -
In Massen strömten die Schüler von dem Eingang aus auf den Schulhof.
Matt war einer der letzten, der der Gruppe aus Edna, Tom, Harris und Tara mit einigem Abstand folgte.
Sein Blick war starr nach unten gerichtet. Er konnte sich bisweilen kaum an das Duell gegen Gardenia erinnern.
((Vielleicht war es nur ein Traum? Aber… nein, das muss real gewesen sein.)) Wunderte er sich.
„Wird endlich Zeit, dass du hier auftauchst!“ Lachte eine recht hohe Jungenstimme neben ihm.
Matt richtete seinen Blick nach rechts und erkannte einen Jugendlichen, den er schon seit jeher verabscheute.
„George…“ Zischte er angewidert.
Sofort eilten seine Klassenkameraden zu ihm und musterten den unliebsamen Schulbesten.
„Was willst du?“ Fragte Matt wütend.
Dabei fiel sein Blick auf die Stühle und Tische, die etwas weiter entfernt auf der Wiese des Schulhofs standen. Bewusst mied er den Blickkontakt.
„Was werd ich schon wollen? Eine Revanche für meine Blamage natürlich!“ Schnauzte George Matt an. Dabei nahm er seine Brille ab und putzte sie mit einem weißen Tuch.
„Versteh mich nicht falsch, ich hab nichts gegen dich…“ Redete er gedankenverloren und hauchte die Brillengläser an.
„…aber es kommt nicht oft vor, dass mich jemand besiegt. Und ich als bester Schüler dieser Schule, der bereits eine Klasse übersprungen hat…“
„Erspar uns das Gelaber, Brillenschlange!“ Mischte sich Harris ein und stellte sich neben Matt auf.
„Hey, beruhig dich Harris!“ Rief Edna ihm zu.
„Matt geht’s schlecht, lass ihn zufrieden.“ Matt wurde sofort rot, als Tara sich aufgebracht für ihn einsetzte.
„Das würde ich wirklich gern…“ Sprach George freundlich zu ihr.
„…bloß kann ich mein Ansehen nicht so dahinsiechen lassen. Ich bin auf dem besten Wege, ein Profi-Duellant zu werden. Eine Niederlage muss mit einem Sieg beglichen werden, verstehst du?“ Er setzte seine Brille wieder auf.
„Ich finde, wir sollten es bald hinter uns bringen, Matt.“ Sprach er seinen Konkurrenten direkt an.
„Nicht jetzt…“ Grollte der gereizt.
„Aber bald… oder die ganze Schule wird noch denken, du bist ein Feigling…“ Lachend setzte sich George in Richtung des Eingangstors in Bewegung.
Matt ließ den Kopf hängen.
„Kopf hoch, die Eiserne Jungfrau spuckt nur große Töne.“ Versuchte Harris ihn aufzumuntern.
((Eiserne Jungfrau…)) Den Spitznamen hatte George von Harris bekommen, denn er war der festen Überzeugung, dass George noch Jungfrau war. Zudem ähnelte seine Art in gewisser Weise dem Folterinstrument.
„Matt, lass dich doch nicht so provozieren. Das ist nicht gut für dein Herz, du könntest wieder rot werden und umfallen…“ Säuselte Tara belehrend.
Die anderen stöhnten genervt.
„Mir egal, der kriegt seine Abreibung noch!“ Entschlossen lief Matt nun vom Schulhof auf den Fußgängerweg, die anderen mussten regelrecht hinterher hasten.
„Seinen Kampfgeist hat er nicht verloren!“ Jubelte Edna von hinten.
„Jap, Ende der Woche ist George fällig!“ Schrie Matt nun selber euphorisch und stieg in einen gelben Bus ein, der vor dem Eingangstor der Schule parkte.
Als alle drin waren, setzte sich der Bus langsam in Bewegung.
Was keiner bemerkte, war ein schwarzer Rabe.
Dieser hockte auf dem Ast eines Baumes, der in der Fußgängerzone stand und sah dem gelben Bus hinterher. An seinem rechten Fuß war ein weißer Zettel gebunden.
Kreischend stieß er sich in die Luft ab und flog in die Richtung, in die der Bus unterwegs war.
- am Ende der Fahrt -
Matt stieg aus dem gelben Bus aus, zusammen mit Tom, der glatt aus der Tür stolperte.
((Oh man, heute ist’s wieder schlimm mit ihm.)) Dachte Matt und half seinem Klassenkameraden auf.
„Danke.“ Flüsterte Tom und rieb sich den Kopf beschämt.
Matt erinnerte sich daran, wie Tom mitten im Unterricht vom Stuhl gefallen war und zudem seine Federtasche zuhause vergessen hatte. Tom war ein sehr ungeschickter, schusseliger Typ, das konnte man einfach nicht bestreiten.
„Hier trennen sich unsere Wege.“ Erklärte Matt dann sichtlich froh.
„Ja, ich muss ja da lang nach Hause.“ Tom zeigte über den belebten Bürgersteig entlang.
((Sehr gut erkannt, Watson…)) Matt nickte knapp und ging dann langsam über die Straße.
„Wir sehen uns morgen.“ Rief Matt ihm den Rücken zugekehrt zu.
„Ähm ja… wann haben wir noch mal Schule?“ Fragte Tom leicht beschämt zurück.
„So wie heute…“ Solche Blödheit regte ihn auf, doch er war bereits zu weit von Tom entfernt, als dass dieser noch mehr dumme Fragen stellen könnte.
Auf der anderen, recht kahlen, Seite des Bürgersteigs angekommen, sah er sich kurz um.
Rechts von ihm führte eine Straße geradeaus nach Hause.
Irgendwie fühlte Matt sich seltsam.
Lag es daran, dass keine Autos hier lang fuhren, was sehr ungewöhnlich war? Die Bürgersteige waren auch nicht belebt.
Kopfschüttelt schob er diese Gedanken beiseite und lief zur Einbiegung direkt vor sich. Dort hielt er sich links und befand sich bereits auf der Straße, in der er wohnte.
Er lief die Straße hoch, denn es ging hier doch leicht steil nach oben.
Links von sich sah er in weiter Ferne das Meer, denn er wohnte in der Nähe eines Hafens. Er sah von weitem Schiff dort stehen, kleine Segelyachten, große Dampfer. Möwen gurrten leise über seinem Kopf und flogen in Richtung des Hafens.
Rechts siedelte sich ein prachtvoller Wohnblock an.
Matt ging an einem großen Grundstück vorbei, das von einem schwarzen Zaun umhüllt war. Eine mannshohe Hecke schützte das große Anwesen vor neugierigen Blicken, doch die blassrote Villa überragte sie dennoch mit Leichtigkeit.
Hier gab es nur solche Gebäude, nicht weit entfernt war Matts Zuhause.
Gedankenverloren starrte er auf den schwarzen Asphalt.
((Tara…)) Er seufzte.
Dann richtete er seinen Blick auf.
Er war fast zuhause angekommen und sah bereits das gewaltige, dreistöckige weiße Haus aus der Ferne. Es sah recht modern aus, eine großes Fenster im Erdgeschoss, doch es wurde durch Jalousien bedeckt. Es war das Fenster der Küche.
Weiter oben gab es kreisrunde Fenster, die alle offen standen.
Die Garage weiter hinten war verschlossen und das Auto seines Vaters war fort: beide Elternteile waren jetzt arbeiten und würden erst spät nachhause kommen.
Anders als bei den beiden Nachbahrgrundstücken, gab es bei Matts Haus keine hohen, weißen Mauern, die das Gebäude und den Garten schützten. Im Gegenteil, es gab weder Gartenzaun noch sonst etwas hier.
Die grüne Wiese vor dem Haus strahlte saftig in der Sonne.
Matt lief leicht erschöpft die letzten Meter hoch und überquerte die Wiese zur Haustür, die rechts an der Garage gelegen war.
Dann riss jäh eine Stimme ihn aus seinen Gedanken.
„Sieben lange Jahre, Matt…“ Der schwarzhaarige Jugendliche blieb wie angewurzelt stehen.
An der Mauer zum Nachbahrgebäude lehnte ein junger Mann.
Er trug einen kniehohen, schwarzen Mantel, sein Hemd, seine Hose, gar seine Schuhe waren ebenfalls schwarz.
Seine kurzen, schwarzen Haare standen am Pony leicht in die Luft gestreckt.
„A-Andrew…?“ Matts Stimme zitterte.
Sofort drehte er sich um, um sich zu überzeugen, wer da zu ihm sprach. Sein Blick fiel langsam über die leere Straße zur Hausmauer, zu dem Kerl.
„Du bist es wirklich!“ Schrie Matt regelrecht.
„Ja, ich bin’s…“ Lachte der junge Mann leise.
In Matt kamen Erinnerungen hoch.
Er und Andrew waren so etwas wie Sandkastenfreunde gewesen. Zwar war Andrew zwei Jahre älter als Matt, doch das störte die beiden damals nicht.
Andrew war immer sein Beschützer gewesen, denn da Matt nie beliebt in der Schule war, wurde ihm oft Prügel angedroht. Doch Andrew beschützte seinen „kleinen Bruder“.
Jedoch verschwand Andrew vor sieben Jahren spurlos.
Aus Verzweiflung zogen seine Eltern um und nun wohnte auf dem Grundstück jemand anderes, an dessen Mauer sich Andrew lehnte.
Ein Wechselbad der Gefühle ereilte Matt. Er hatte so viele Fragen im Kopf, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
„Freust du dich nicht, mich zu sehen?“ Fragte Andrew verwundert und zog eine Augenbraue hoch.
„D-d-doch…“
„Warum begrüßt du mich dann nicht auch so?“ Fragte Andrew mit seltsam anmutender Stimme. Matt blieb regungslos. Die beiden starrten sich tief in die Augen.
„Sieh an. Du hast wohl schon Bekanntschaft mit denen geschlossen.“ Stellte Andrew leicht zornig fest.
„W-was?“ Matt schüttelte unwillkürlich den Kopf. „Kannst du mir… kannst du mir sagen, warum du sieben Jahre, SIEBEN JAHRE weg warst?!“
„Ich hatte meine Gründe.“ Rechtfertigte Andrew sich knapp und ziemlich unterkühlt.
„Wir… wir sind Freunde, du hättest es mir doch sagen können! Weißt du, wie es sich anfühlt, den einzigen Freund, den man hat, auf einmal zu verlieren?!“ Matt war regelrecht von seiner Wut gepackt worden. Er fühlte sich völlig im Recht und erwartete, dass Andrew das einsah.
„Lassen wir das, ich bin nicht hier um meine Zeit mit Vorwürfen deinerseits zu verschwenden.“ Entgegnete Andrew scharf und stieß sich von der Mauer ab. Mit langsamen Schritten kam er auf Matt zu.
„Du hast… dich ganz schön verändert…“ Stellte Matt enttäuscht fest und ging einen Schritt zurück, während Andrew näher kam und kalt lachte.
„Ja, zum Besseren. Tut mir leid, dass ich dich all die Jahre nicht beschützen konnte, doch ich hol es nach, versprochen…“ Kurz vor Matt blieb er stehen und streckte seine Hand aus.
„Komm mit mir an einen Ort, der alle Sorgen ungeschehen macht.“ Seine Augen leuchteten dabei.
„Wie…?“ Matt schüttelte den Kopf.
„Alles was du tun musst, ist dich mit mir zu duellieren. Ob du siegreich bist spielt nicht mal eine Rolle. Aber beweise mir, dass du es wert bist.“ Erwartungsvoll blickte Andrew in Matts Augen.
„Ich… kann grad nicht einen klaren Gedanken fassen…“ Stotterte Matt jedoch.
„Überleg nicht, wag es einfach. Es wird dein Leben verändern.“
Obwohl ihn diese Worte stutzig machten, nickte Matt aus einem Reflex heraus.
Er vertraute Andrew noch immer, selbst nach sieben Jahren. Er kannte es auch, wenn Andrew log oder Hintergedanken hatte. Zudem war er neugierig geworden. Auch interessierte ihn, was mit Andrew geschah. So eine Chance bekam er vielleicht nicht so schnell wieder.
Zu verwirrt und verlockt von dem seltsamen Angebot, lächelte Matt langsam.
„Also… also schön. Wunder dich aber nicht, wenn ich die eiskalt besiege!“ Murmelte der Junge entschlossen und legte seinen Rucksack ab, um seine Dueldisk daraus hervor zu holen.
Andrew wandte sich ab und lief zur Straße hinüber.
Sein Blick fiel ebenfalls über eine weiße Mauer am Straßenrand weit weg auf den Hafen.
((Nichts hat sich hier wirklich verändert…)) Dachte er dabei.
Matt hastete hinterher auf die Straße und stellte sich mit passendem Abstand vor Andrew auf.
„Bereit?“ Fragte Matt entschlossen.
„Seit sieben Jahren…“ Murmelte Andrew und klappte eine rotsilberne Dueldisk an seinem Arm aus.
„Dann geht’s los, Duell!“ Schrie Matt.
[Matt: 4000LP Andrew: 4000LP]
„Ich mache den ersten Zug!“ Entschied Matt über Andrews Kopf hinweg und zog bereits seine sechste Karte.
„Ich beginne mit einem Monster und einer weiteren Karte verdeckt.“ Eine horizontal und eine vertikal verdeckte Karte tauchte vor seinen Füßen auf.
((Daran beißt er sich die Zähne aus.)) Dachte er dabei vergnügt.
„Zug beendet.“
„Mehr nicht? Aber was könntest du auch tun…“ Meinte Andrew gelassen und dachte dabei: ((Hochmut kommt vor dem Fall!))
„Ich aktiviere die Mystische Plasma-Zone!“ Rief er angespannt und steckte eine Karte in sein Spielfeldzauberkartenfach.
„Whoa!“ Matt erschrak.
Eine dicke, graue Wolke bildete sich über ihnen. Blitze knallten vor ihren Füßen auf den Boden, es wurde gleich viel dunkler. Im Kontrast dazu war es außerhalb des Spielfelds immer noch ein heller Sommertag.
„Sie stärkt alle Finsternis-Monster um 500 Angriffspunkte, nimm ihnen aber im Gegenzug 400 Verteidigungspunkte.“ Erklärte Andrew seinem alten Freund.
((Früher hat er ein anderes Deck gespielt.)) Bemerkte dieser unruhig.
Es war immer ein Leichtes für ihn gewesen, Andrew zu besiegen. Damals gab es aber auch viel weniger Karten. Melancholie verabscheute Matt jedoch zutiefst und warf die Gedanken beiseite.
((Egal, ich besiege ihn dennoch!))
„Dann mach ich weiter und rufe Schattengräber (ATK/1500 zu 2000)!“ Brüllte Andrew entschlossen.
Ein düsterer, vierbeiniger Schatten erhob sich leicht über dem Boden vor Andrew. Rote Augen huschten aus dem Kopf, doch weitere Details waren nicht erkennbar.
„Dies ist ein so genanntes Zwillings-Monster.“ Sprach Andrew und zeigte eine Zauberkarte hervor.
„…damit ich seinen Effekt nutzen kann, muss ich ihn durch eine zweite Normalbeschwörung heraufbeschwören. Da man aber nur eine Normalbeschwörung pro Zug hat, muss ich jetzt mit Doppelbeschwörung nachhelfen!“ Er steckte die Zauberkarte in seine Dueldisk.
Der Schatten leuchtete an seinen Umrissen rot auf.
„Nun habe ich eine zweite Normalbeschwörung, die ich für mein Monster geopfert hab.“
„Was soll das werden?“ Stöhnte Matt genervt.
„Das wirst du sehen… Angriff!“ Befahl Andrew böse lachend.
Der Schatten krabbelte langsam auf Matts Monster zu.
((Vergiss es, Gladiator Beast Hoplomus hat ein paar Verteidigungspunkte zuviel für dich!)) Lachte Matt in sich hinein.
Doch er sollte sich wundern. Der Schatten huschte unter der verdeckten Karte hinweg und sprang plötzlich ihn an.
„AHHHHHH…“ Matt wurde zu Boden geworfen und knallte hart mit dem Rücken auf den Asphalt. Das Schattenwesen drückte ihn mit seinen Gliedmaßen auf den Boden.
„Nein… lass… los…“ Schrie Matt erschrocken und zappelte wild.
Der Schattengräber jedoch öffnete ein zuvor nicht sichtbares Maul und schleckte Matts Gesicht mit einer langen, roten Zunge ab. Dann kehrte es um und verschwand im Boden, bevor das Wesen wieder vor Andrew auftauchte.
[Matt: 2000LP Andrew: 4000LP]
„Igitt…“ Angewidert fühlte sich Matt über die Wange, doch da war kein Speichel.
((Es fühlt sich anders an, als gegen diese Gardenia... ist dies also... wie nannte sie es, kein Spiel der Seele?)) Wunderte er sich und runzelte die Stirn. „Was ging da ab?“ Fragte er scharf.
„Schattengräber kann eines meiner Finsternismonster pro Zug direkt angreifen lassen, und da er selber eins ist…“ Erklärte sein Gegner lässig.
„Verstehe…“ Murmelte Matt genervt. Noch einen Angriff von dem Biest würde er nicht überstehen.
„Ich setze noch zwei Karten verdeckt.“ Sprach Andrew nachdenklich und sah seine letzte Handkarte an.
((Egal ob ich Glück habe oder nicht, du, mein lieber Matt, hast nicht den Hauch einer Chance.)) Erwartungsvoll sah Matt derweil auf sein Deck und zog.
„Halt!“ Rief Andrew und deckte mit einer Handbewegung eine seiner Karten auf.
„Sechster Sinn! Indem ich jetzt zwei Würfelergebnisse nenne, darf ich dieselbe Anzahl an Karten ziehen, sollte ich nach dem Wurf richtig liegen. Falls nicht, werden meine Deckkarten draufgehen!“ Sprach er und schnipste mit den Fingern.
Ein großer, roter Würfel fuhr von oben auf die Mitte des Spielfelds herab. Durch einen unsichtbaren Stoß in Matts Richtung getrieben, prallte er kurz vor ihm an einer unsichtbaren Mauer ab.
„Woah!“ Erschrocken sprang Matt zurück.
„Ich sage 5 und 6.“ Lachte Andrew kalt. Der Würfel prallte quer durchs ganze Spielfeld, immer wieder durch unsichtbare Barrieren begrenzt. Als er langsam in der Mitte des Spielfelds zum Stehen kam, war das Ergebnis bereits eindeutig: 4.
„Also muss ich vier Deckkarten auf den Friedhof schicken…“ Murmelte Andrew nicht sonderlich beeindruck.
Während er das tat, sah Matt seine gezogene Karte an.
„Zeit für einen Tapetenwechsel!“ Rief er entschlossen.
Kurz darauf klappte sein Spielfeldzauberkartenfach auf und er steckte eine Karte hinein.
Sofort verzog sich die graue Wolke über ihren Köpfen.
Aus dem Boden um das Spielfeld wuchs eine große, braune Steintribüne. Als das Gebilde fertig war, erinnerte es an ein Kolosseum. Doch es war ziemlich alt, einige Teile waren stark beschädigt. Zudem leuchteten blaue Linien um das Kampffeld auf dem Boden. Hinter Matt und Andrew gab es mit Strahlgittern versperrte Tore. Zuschauer gab es jedoch keine.
„Hier ist sie, die Heimat der Gladiatoren: Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts!“ Würdevoll sah sich Matt um.
„Dementsprechend verliert dein Monster nun seine Punkte!“ Sprach er und sah zu, wie der Schattengräber etwas kleiner wurde (ATK/1500).
„Und damit kann ich deinen Schattengräber locker auslöschen! Erscheine, Gladiator Beast Dimacari (ATK/1600)!“ Ein violetter, nur durch einen Kilt und Silberfäustlinge bekleideter, Stierkämpfer betrat durch den hochfahrenden Gittereingang zornig die Arena und lief an Matt vorbei.
„Attacke!“ Brüllte Matt sein Monster zu, während es an ihm vorbei lief.
Mit einem saftigen Stampfer der Stahlstiefel des Stierkriegers wurde der Schattengräber in den Boden gerammt und zerplatzte dort.
[Matt: 2000LP Andrew: 3900LP]
((Bald wirst du dich richtig wundern…)) Grinste Matt in sich hinein.
„Ich tausche nun Dimacari nach der Battle Phase mit einem neuen Gladiator Beast aus, und zwar mit Gladiator Beast Laquari (ATK/1800)!“
Ein Kämpfer, dessen Aussehen stark an einen Tiger erinnerte, sprang von der Tribüne des Kolosseums hervor. Um ihn herum brannte ein Ring aus Feuer, an dessen Seiten rote Spitzen hervorragten.
„Und nun bekommt er gleich zwei Power-Boni! Den ersten durch die Beschwörung eines Gladiator Beasts, was ihm 300 Punkte gibt (ATK/2100). Den zweiten durch eine Beschwörung aus dem Deck, was er meiner Spielfeldzauberkarte zu verdanken hat. Die bekommt für jedes aus dem Deck beschworene Monster eine Zählmarke und stärkt jedes Gladiator Beast um 100 Punkte für jede Zählmarke (ATK/2200).“ Überlegen sah Matt seinen alten Freund an.
Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts: [1]
„Ziemlich gutes Duell.“ Sprach Matt und legte eine Karte verdeckt. „Das war’s von mir.“
Andrew lachte auf.
„Hast dich kein bisschen verändert. Immer noch so scharf aufs Gewinnen wie eh und je.“
„Na und?“ Entgegnete Matt grinsend.
„Das wird dir sicher einmal den Arsch retten, du verfolgst dein Ziel bis zum bitteren Ende.“ Andrews geheimnisvolle Betonung auf ‚Ende’ gefiel Matt nicht.
„Wie darf man das verstehen?“ Fragte er nach.
„Nun… diese Welt ist gefährlich... du weißt nie, was dich erwartet. Weißt du, die Leute, für die ich arbeite, stellen nur gute Duellanten in ihre Dienste. Und wie ich das sehe, bist du einer, wenn auch nicht so gut wie ich…“ Matt biss die Zähne zusammen, widersprach aber nicht.
„Und was soll das heißen? Wollt ihr mich... anwerben?“ Erkundigte er sich skeptisch.
„...du weißt es also noch gar nicht?“ Reagierte Andrew aber erstaunt. „Dann will ich dir die Überraschung auch nicht nehmen.“ Lachte er geheimnisvoll.
„Was weiß ich nicht?“ Hakte Matt jedoch nach. Er blickte seinen Freund hilflos an.
„Vieles… alles… aber hab keine Angst, du findest es schon noch heraus. Aber erstmal will ich dieses Duell hinter mir haben.“ Wehrte Andrew ab.
„Zeit für meinen Plan: Voreiliges Begräbnis! Ich zahle 800 Lebenspunkte und bekomme dafür ein Monster aus meinem Friedhof aufs Feld.“
[Matt: 2000LP Andrew: 3100LP]
„Und welches Monster rufst du?“ Fragte Matt verwirrt.
„Eines, dass ich vorhin durch Sechster Sinn verloren habe: Glutflügel-Schmetterling (ATK/1500)!“ Vor Andrew erhob sich ein großer Schmetterling mit brennenden Flügeln in die Luft.
„Auch er ist ein Zwillings-Monster, dessen Effekt ich nun beschwören und anschließend verwenden werde…“ In einen brennenden Wirbel verschwand der Schmetterling sogleich.
„Ich biete ihn als Tribut an, um ein anderes Zwillingsmonster aus meinem Friedhof zu rufen. Und dieses erhält sofort seinen Effekt… komm zu mir, Chthonian Imperatordrache (ATK/2400)!“
Aus der Feuerbrunst erhob sich hoch in die Lüfte ein eleganter Drache. Seine Plattenrüstung erstrahlte in mattem Schwarz und stand im Kontrast zur blassgrünen Haut. Mit einem langen Hals und breiten Schwingen gesegnet, brüllte der Drache von oben herab majestätisch und peitschte mit seinem langen Schweif.
„Du hättest auch gleich den Drachen rufen können…“ Merkte Matt grummelnd an.
„Du verstehst nichts… die wahre Schönheit eines Decks entfaltet sich nicht, wenn man nur nach der effektivsten Methode sucht, einen Feind in die Knie zu zwingen…“
„Lasche Ausrede…“ Grinste Matt, doch Andrews Blick verriet, dass es durchaus kein Fehler war. Er sah Matt fast schon herabwürdigend an.
((Verstehst du denn nicht, Matt? Es ist Kunst… aber wer hat heutzutage noch ein Auge dafür?))
„Zeit, dein verdecktes Monster aus dem Weg zu räumen, mit Adliger der Auslöschung!“ Aus dem Himmel schnellte ein Schwert nach unten und durchstach Matts verdecktes Monster, sodass es verschwand.
„Nun, da dein Monster aus dem Spiel entfernt wurde, gibt es nur noch eine Sache zu tun… greif Gladiator Beast Laquari (ATK/2200) an!“ Brüllte Andrew aufgebracht.
Aus dem Rachen des Drachen erglühte eine Flamme, dessen Hitze seinen ganzen Körper verschwommen darstellte. Besorgt sah Matt mit an, wie der Drache die Flammenkugel auf seinen Gladiator abfeuerte.
Es gab einen heftigen Knall und schon war Matt von einer dichten, grauen Rauchwolke eingehüllt.
[Matt: 1800LP Andrew: 3100LP]
„Na, bist du bereit für das Ende?“ Hörte er Andrews Stimme, doch der Rauch verzog sich nicht.
„Das Ende?“ Fragte Matt verwirrt.
„Das Ende dieses Duells…“ Stöhne Andrew belustigt.
„Aber wie?“ Panisch sah Matt sich um, doch überall nur Rauch.
„Mein Chthonian Imperatordrache ist imstande, einen Doppelangriff hinzulegen, dank seiner Zwillingsfähigkeit. Tut mir Leid für dich, Matt… ATTACKE!“
Nur ein leises Zischen war zu vernehmen. Matt sah erschrocken hoch und sah, wie sich ein Teil der Rauchwolke über ihm auflöste und ein strahlender Feuerball einzuschlagen drohte.
Ein lauter Knall…
Andrew sah kaltherzig mit an, wie der Boden unter der Rauchwolke aufbrach und die Wolke sich in einer Schockwelle ausbreitete.
Ein triumphierendes Lächeln huschte über seine Lippen.
Doch plötzlich öffnete er weit seine Augen.
„NEIN!“ Ein heftiger Einschlag in seiner Brust schleuderte ihn gegen das Gittertor des Kolosseums. Er fiel erstarrt auf den Bauch und blieb liegen.
[Matt: 1800LP Andrew: 700LP]
„So leicht kriegst du mich nicht…“ Lachte Matts Stimme überlegen aus der Rauchwolke, die sich gerade auflöste. Er hatte eine seiner verdeckten Karten aktiviert, Dimensionsmauer.
„Mit dieser Karte wird dir der Kampfschaden zugefügt, den ich erleiden sollte.“
Mühsam stützte sich Andrew mit seinen Armen vom Boden ab und erhob sich langsam. Er klopfte seine Klamotten sorgfältig ab und lachte.
„Nicht schlecht, ‚kleiner Bruder’…“
((Kleiner Bruder… ja, wir waren wie Brüder…)) Ein kalter Schauer lief Matt bei dem Gedanken über den Rücken, irgendwie war jetzt alles so anders. So verwirrend und fremd.
Sein Verstand war immer noch nicht in der Lage, zu begreifen, dass Andrew wieder da war.
„Ich beende meinen Zug.“ Sprach der nun wieder voll bei der Sache.
„Los geht’s!“ Schrie Matt und zog.
Sogleich musste er verwundert auf seine Karte starren.
„Wird wohl Zeit für eine meiner Geheimwaffen! Gleich wirst du sie kennen lernen, doch vorher beschwöre ich erstmal durch Wiedergeburt Gladiator Beast Laquari aus dem Friedhof (ATK/1800)!“
Ein brennender Kreis schoss aus dem Boden, worauf sogleich der Tigerkrieger hervorsprang.
„Zwei mehr brauch ich allerdings, darum aktiviere ich Ties of the Brethren. Das kostet zwar 1000 Lebenspunkte, ist den Preis aber wert.“
[Matt: 800LP Andrew: 700LP]
Das Gittertor hinter Matt öffnete sich langsam.
„Denn nun kann ich zwei Stufe 4-Monster mit dem selben Typus wie Gladiator Beast Laquari aus meinem Deck rufen. Das Einfache dabei ist, dass ich mir nur zwei weitere Laquaris suchen muss…“ Würdevoll drehte er sich um und sah die zwei neuen Gladiator Beasts in die Arena rennen. Sie stellten sich neben dem Original auf.
„Und da sie aus dem Deck gerufen worden, bekommt das Kolosseum glatt eine weitere Zählmarke!“
Colosseum - Cage of the Gladiator Beasts: [2]
3 x Gladiator Beast Laquari (ATK/2100 zu 2300)
„Und nun?“ Fragte Andrew fordernd.
„NUN verschmelze ich die drei…“ Flüsterte Matt kaum hörbar.
Die drei Gladiator Beasts schleuderten ihre Feuerringe in die Luft und sprangen hoch. Es gab eine gewaltige Feuerexplosion und eine strahlende Glutkugel senkte sich zum Boden herab. Drei weiße Lichtkugeln schossen derweil zurück in Matts Dueldisk.
„Vorteil hierbei ist, dass ich keine Fusionskarte brauche und meine Gladiator Beasts nur vom Feld zurück ins Deck schicken muss…“ Erklärte Matt aufgeregt.
„Es ist vollbracht, erscheine! Gladiator Beast Heraklinos (ATK/3000 zu 3200)!“
Ein prunkvoller Löwen-Gladiator betrat die Arena, bewaffnet mit einem Schild, an dem Löcher für Laserschüsse befestigt waren und einer goldenen Axt. Geschützt wurde er durch eine aufwendige, an einen Samurai erinnernde Rüstung.
„Das reicht aus, um dich zu besiegen, Angriff mit Battle Rush!“ Befahl Matt seinem Monster.
Heraklinos hob schützend seinen Schild vor den Oberkörper angewinkelt nach oben und schoss aus den Kanonenspitzen Lichtsäulen auf den in der Luft befindlichen Chthonian Imperatordrachen (ATK/2400) ab.
„So leicht wird das nicht! Zauberkarte aus dem Friedhof aktivieren: Power Balance! Ich entferne einfach zwei Finsternis-Monster aus meinem Friedhof, um meinen Drachen um 1000 Punkte zu stär…“ Doch seine Karte zersprang einfach und der Drache wurde mit voller Wucht in der Luft zerfetzt.
„…vergiss es!“ Lachte Matt auf. „Wenn ich eine Karte aus meiner Hand ablege, kann ich Aktivierungen von Zaubern oder Fallen ganz einfach negieren, selbst wenn es vom Friedhof geschieht…“
„Aber ich steh noch, Matt!“
„Was?“
„Tja…“ Grinste Andrew. „Auch wenn du die Benutzung meiner Karte verhindert hast, die Kosten hab ich bereits gezahlt. Und eines der entfernten Monster war Unsterbliche Erscheinung, eine Karte, die mich vor Schaden in der Runde bewahrt, in der sie entfernt wurde.“
„Das gibt’s doch nicht…“ Fluchte Matt. ((Der ist genau so hartnäckig wie ich…))
„Ich muss meinen Zug beenden…“ Murmelte er seufzend. Er hatte keine Karten mehr auf seiner Hand und nur noch eine verdeckte Karte neben Gladiator Beast Heraklinos und seinem Spielfeldzauber.
Andrew hingegen hatte nur eine verdeckte Karte, sonst nichts. Dann zog er.
„Hmm… es ist vorbei, Matt.“
„Halt keine Reden!“
„Wie du willst… ich aktiviere meine verdeckte Karte Rückkehr aus einer anderen Dimension. Für die Hälfte meiner Lebenspunkte rufe ich meine eben erst entfernten Monster wieder…“
[Matt: 800LP Andrew: 350LP]
Andrew stöhnte auf.
Matt bemerkte, dass es ihm sichtlich schlecht ging, er war ganz blass.
((Liegt das an diesem Duell? Vielleicht… vielleicht steckt er mit dieser Gardenia unter einer Decke?)) Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr Sinn machte es. Aber jetzt war es zu spät, sich Gedanken darüber zu machen, hätte er doch nur nicht so voreilig dem Duell zugestimmt...
Nebenbei tauchten der Schattengräber (ATK/1500) und eine schwarze, an eine Frau erinnernde Teerkreatur, die aus einer pechschwarzen Pfütze herausragte, auf. Es war allem Anschein nach die Unsterbliche Erscheinung (DEF/2000).
„Kannst du es dir denken, Matt?“ Andrews Augen leuchteten, als er aufsah.
„Du willst mich direkt angreifen…“
„Ganz genau… ich beschwöre Schattengräbers Effekt…“ Der Schatten huschte sofort unter Heraclenos hindurch und baute sich vor Matt auf, mit einem Schlag war er über zwei Meter hoch.
Matt starrte ihn mit großen Augen an.
„Beende es!“ Mit seinen Pranken kratzte das Monster über Matts Brust, welcher zurückgestoßen wurde und über den Boden geschleudert wurde.
[Matt: 50LP Andrew: 350LP]
„So… gahhhhh…“ Matt fasste sich mit zitternder Hand an die Stelle, welche den Treffer einstecken musste.
„So schnell wird das nichts… ich habe noch eine letzte Falle aktiviert, Redemption Barrier. Solange ich keine Handkarten besitze, wird jeder Kampfschaden an meinen Lebenspunkten halbiert.“ Keuchend richtete er sich auf.
„Dacht ich mir bereits…“ Flüsterte Andrew geheimnisvoll.
„Deswegen kommt mir diese Karte besonders gelegen: Finsteres Double, eine Schnellzauberkarte!“ Die Unsterbliche Erscheinung plätscherte zu einer gewaltigen Teepfütze zusammen, aus der plötzlich ein Abbild des Schattengräbers stieg.
Dieses huschte über den Boden, unter Heraklinos’ Beinen hindurch und sprang auf Matt zu.
„NEIN!“ Schrie dieser und schloss die Augen.
[Matt: 0LP Andrew: 350LP]
Dunkelheit… eine Stimme, so fern… was sagte sie… was fühlte sie…
„Dir fehlt etwas… man hat es dir genommen…“
((Andrew?))
„Du kannst nicht du selbst sein, solange du es nicht zurück erlangst…))
((Wovon redest du?))
„Wer bist du wirklich, Matt?“
Erschrocken öffnete Matt seine Augen. Es war Nacht und er lag auf der Straße.
Er erhob sich, die Hologramme waren längst verschwunden.
Dann sah er Andrew, wie sein Blick gen Himmel gerichtet war, er wandte Matt den Rücken zu.
„W-was? Wieso ist es so spät?“ Fragte Matt erschrocken und sprang auf.
„Es ist kein bisschen später… du warst nur ein paar Sekunden bewusstlos.“ Antwortete Andrew nachdenklich, ohne sich umzudrehen.
„Wie? Was hast du angestellt? Wie geht so was?“ Matt stürmte auf Andrew zu und packte ihn an den Schultern. Er zog ihn zu sich herum und sah tief in seine Augen.
„Das war nicht ich…“ Allein diese braunen, fest blickenden Augen vermittelten dem Jungen, dass Andrew aufrichtig war.
„Wer dann?“
„Die versuchen es schon wieder… aber sie werden scheitern…“ Dabei musste Andrew seufzen.
„Was versuchen sie? Wer sind die?“
„Forscher, die etwas zu neugierig sind…“ Dann stieß der junge Mann Matt von sich weg.
„Bald wird sich hier einiges verändern… bis dahin, denke darüber nach, was ich dir gesagt habe. Es gibt nur eine Wahl, entscheide weise.“
Matt sah ihn nur ratlos an.
„Du wirst verstehen, wenn die Zeit soweit ist… ich hoffe, du triffst die richtige Wahl, mein alter Freund. Mein kleiner Bruder…“ Dann drehte sich Andrew um und ging.
Matt sah ihm verzweifelt hinterher, versuchte zu begreifen.
((Gardenia sprach auch davon, sich zu entscheiden. Für eine Seite? Vielleicht… vielleicht sind die beiden ja doch keine Bekannten. Sondern… Feinde? Aber worum geht es?)) Als Matt aufblickte, war Andrew verschwunden.
Auch der Himmel leuchtete wieder blau, der schöne Sommertag war zurück.
((Andrew… Gardenia… was ist euer Geheimnis?))
Dann fluchte er in sich hinein. Er wusste noch immer nicht, was mit Andrew in den sieben Jahren geschehen war. Stattdessen stand er vor einem Berg voller Fragen, Dinge, die er nicht begriff und die ihn beunruhigten.
Zögerlich lief er zum Grundstück zurück…
((Ich habe das Gefühl, in irgendetwas hineingezogen zu werden… scheiße…))
Turn 103 - The moon
Einige Tage waren schon vergangen und Matt hörte weder etwas von Andrew, noch von dieser Gardenia. George wurde jedoch immer aufdringlicher mit seinem Wunsch nach einer Revanche. Matt jedoch zögerte es hinaus, zweifelte an seinem Können. Um seinem Freund auf die Beine zu helfen, forderte Harris George heraus…
Matts Deckliste
Andrews Deckliste
-Aska- - 26. Apr, 14:01