Turn 104: The sleeper
„Es ist weg…“ Murmelte Tom und sah den strahlend blauen Himmel an, der nur von ein paar kleinen Wölkchen bedeckt war.
Die Freunde und George standen inmitten des Schulhofs und starrten in die Höhe.
„Wo-wo ist es hin? Dieses Ding?“ Ängstlich sah Tara zu Edna.
„Als der Energiestrahl aufgehört hat, verschwand dieser Mond mit ihm.“ Antwortete die nachdenklich.
„Aber wo kam unser Mond auf einmal her? Matt, hast du ne Idee? Matt!“ Sofort schreckte er auf, als Tara seinen Namen rief.
„Ich weiß nicht…“
„War nicht anders zu erwarten.“ Lachte George abfällig und entfernte sich langsam von der Gruppe. „Ich werde mal nachschauen, ob ich etwas darüber herausfinde, sicher nichts Besonderes. Ihr seid für so was ja eher ungeeignet, bei eurem niedrigen Bildungsstand…“
„Du kannst doch jetzt nicht einfach gehen!“ Rief Tara ihm empört hinterher, während George sich auf das schwarze Gittertor zu bewegte, das offen stand, um die Schüler in die Freiheit zu entlassen.
„Es ist doch alles klar, ihr Schwachköpfe.“ Grinste George beim Weiterlaufen in sich hinein. „Matt und ich spielen hier, Sonntag um Mitternacht. Der Duellkönig der Schule wird nach diesem Duell endgültig feststehen. Ihr könnt euch meinetwegen weiter am blauen Himmel ergötzen, ich jedoch habe Besseres zutun. Bis dann.“ Damit bog er schon nach rechts ab und war hinter der Steinmauer verschwunden.
Die anderen starrten ihm ungläubig hinterher.
„Verdammt…“ Mit gesenktem Kopf entfernte sich nun auch Harris von der Gruppe.
„Warte…“ Edna lief ihm schleunigst hinterher und hielt den großen Kerl am Arm fest.
„Ich hab’s verbockt. Ich habe euch alle enttäuscht…“ Das Mädchen jedoch drehte ihn zu sich um und hielt ihn an den Armen fest.
„Mach dir nichts draus, er war eben besser.“ Jedoch wagte es der Rotschopf nicht, ihr in die Augen zu sehen.
„Ich hab Matt und Tara, auch dich Edna, einfach…“ Matt sah dem nur zu, es störte ihn nicht wirklich, dass Harris verloren hatte.
((Dieses Treffen am Hafen werde ich sowieso nicht wahrnehmen. Und bis Sonntag muss ich mir was Gutes einfallen lassen, wie ich diesen Arsch in die Schranken weise.))
Dann ging er zu Harris und klopft ihm auf die Schulter.
„Hast dich wacker geschlagen.“ Sprach er anerkennend und ging dann fort, weg von den anderen. Als er ging, sprach er jedoch noch weiter.
„Um Mitternacht gegen den Streber zu spielen hat was. Der wird es noch bereuen, mich zu einer Revanche herausgefordert zu haben.“ Dann winkte er ab und war um die Ecke verschwunden, Tom lief ihm hastig hinterher.
„Warte Matt, der Bus…“
Dann standen Edna, Tara und Harris alleine auf dem Schulhof.
„Siehst du, alles halb so wild.“ Strahlte Edna letzteren an und ließ los. Der große Kerl hob seinen Blick und lächelte verlegen.
„Das war nur Glück, was der hatte…“ Kicherte sie leise.
„Sein plötzlicher Schwächeanfall war schon seltsam.“ Murmelte Harris dann nachdenklich. Edna musterte ihn dabei mit großen Augen und wirkte verwirrt.
„In dem Moment hab ich daran nicht gedacht, aber nun wo du es sagst…“
Während die beiden sich über Georges seltsames Verhalten unterhielten, ging Tara gedankenverloren an den beiden vorbei.
„Der Bus fährt gleich, kommt ihr?“ Fragte sie die beiden im vorbeigehen.
Letztlich folgten ihr die beiden leise diskutierend über den Hof.
((Matt geht also nicht zu diesem Treffen. Vielleicht… sollte ich ja gehen?)) Unsicher schüttelte die Blondine beim Laufen den Kopf.
((Aber ich kann doch nicht einfach seinen Platz einnehmen…)) Wieder schwenkte sie jedoch um.
((Bloß wenn George diesen Zettel nicht geschrieben hat, wer dann? Vielleicht ist es wichtig?))
Bumm.
Sie knallte direkt gegen die Hofmauer, neben ihr das Ausgangstor. Benommen torkelte sie zurück und rieb sich die Nase.
„Tara…“ Stöhnte Edna und zog ihre Freundin am Arm zu sich. „…mal wieder in deiner eigenen Welt?“
„Ähm, ’tschuldigt, wenn ich nachdenke bin ich immer so ungeschickt…“ Kleinlaut wurde sie schließlich vom Schulhof gezerrt. Harris war jedoch nicht nach lachen zumute, denn seine Niederlage traf ihn schwer.
((Ich war so nah dran. Wieso? Ich hab alle enttäuscht… Wie soll ich mit Matt auf eine Stufe kommen, wenn ich schon bei dem Idioten versage?))
Die Gruppe lief über den Bürgersteig zur Bushaltestelle. Die Türen des Busses schlossen sich vor ihren Augen und das gelbe Gefährt startete ohne sie.
„Das gibt’s doch nicht!“ Schimpfte Edna und lief auf die Straße.
„Hey! … HEY!“ Sie versuchte, den Bus durch hinterher winken zum Stehen zu bewegen, doch dieser bog bereits in einer Kurve durch das recht grüne Viertel der Stadt ab.
„Toll, jetzt müssen wir laufen…“ Regte das dunkelhäutige Mädchen sich schließlich lauthals auf und kam auf den Bürgersteig zurück.
„…“ Harris ging an den beiden Mädchen vorbei, folgte dem dicht mit Bäumen bepflanzten Weg geradeaus.
„Kommst du?“ Nörgelte Edna, nachdem auch sie dazu ansetzte, den Vorhof der Schule zu verlassen.
„Ja…“ Tara holte ihre Freundin mit schnellen Schritten ein und lief mit ihr auf gleicher Höhe. Ihr stummer Anführer Harris gewann jedoch immer mehr Abstand zu den beiden.
((Oh man, was mach ich nur? Vielleicht sollte ich Matt fragen, ob ich zum Hafen darf?)) Sie schüttelte unbewusst den Kopf.
((Nein, dann würde er nur sauer werden.))
„Also irgendwie bist du heute ne echte Schlafmütze, Tara.“ Gluckste Edna los.
„Äh, ’tschuldigung…“
((Ich bin einfach zu neugierig, so ein Mist. Ich… werde ohne Matt etwas zu sagen gehen. Vielleicht kann ich ihm damit ja einen Gefallen tun?)) Beschloss sie schließlich lächelnd.
„Was machen wir heute eigentlich noch so?“ Fragte Edna beiläufig.
„Heute ist Donnerstag…“ Einen Augenblick überlegte sie dann. „…wie wär’s mit shoppen?“
Tara wusste nicht, was sie antworten sollte. „Äh…“
„Sag einfach ja. Komm schon, es wird sicher lustig.“ Grinste ihre beste Freundin und hakte sich unter Taras Arm ein.
„Also schön…“ Doch die Blondine klang nicht sehr überzeugt. „…aber das Einkaufszentrum ist doch so weit weg.“ Jammerte sie, um vielleicht doch nicht mitkommen zu müssen.
„Wir haben Zeit, ist gerade mal kurz nach eins.“
„Ich muss noch was essen.“ Doch bevor Tara sich versah, konterte Edna.
„Kannst du auch da, die haben da so was Ähnliches wie ein Restaurant.“
„Das ist da aber teuer…“
„TARA!“ Empörte sich das schwarzhaarige Mädchen laut und blieb abrupt stehen, Tara stolperte, da sie regelrecht mitgerissen wurde nach vorn und fiel fast hin.
„Wenn du nicht mitkommen willst, dann sag’s doch einfach!“ Entrüstet wartete Edna auf eine Antwort.
„…ich will mitkommen…“ Resignierte Tara panisch. „…sorry…“
„Na dann…“ Tönte Edna zufrieden. „…auf zum Shoppen. Wir werden alle Geschäfte durchschmökern, das wird super!“ Ohne Reaktionszeit zerrte sie ihre Freundin wieder vorwärts.
Harris war schon lange nicht mehr zu sehen.
- einige Zeit später im Kaufhaus -
„Mir tun die Beine weh…“ Jammerte Tara mit Tränen in den Augen.
„Noch das eine Geschäft, dann sind wir durch.“ Edna lief mit zwei rosa Tüten bepackt über den strahlenden, sandbraunen Parkettboden.
Das Einkaufszentrum war gigantisch. Überall strömten Leute um die beiden Schülerinnen in die säuberlich aneinander gereihten Läden oder verließen diese gerade.
„Ich hab Hunger…“ In der Tat knurrte Taras Magen recht laut.
„Das Restaurant ist oben, aber das eine Geschäft, in das ich noch will, befindet sich in dieser Etage…“ Kam die vertröstend gedachte Antwort.
Tara blickte nach oben, wo mehrere brückenartige Übergänge die eine Seite des zweiten Stocks mit der anderen verbanden. Genau über ihnen erstreckte sich ein besonders breiter.
Von oben konnte Tara klirrende Teller hören.
Über den Rand der Brücke rüberschielend, sah sie dort Tische eines Restaurants oder dergleichen stehen, sowie Gäste, die an diesen fröhlich aßen und sich unterhielten.
„Edna…“ Quiekte sie dann leidend nach rechts zu ihrer Freundin.
„Also schön.“ Edna rollte mit den Augen. „Auf nach oben.“
Sofort sprang die Gepeinigte vor Freunde in die Luft.
Die beiden sahen sich nach einem Fahrstuhl um, der nach oben führte. Sie entdeckten einen, welche sich zwischen zwei Geschäften befand.
Er war ganz aus Glas und man sah die hochmodernen Maschinen im Hintergrund.
„Da…“ Kicherte Tara
Sofort stiegen die beiden ein und ließen sich ein Stockwerk nach oben fahren. Dort angekommen, ging es für den Fahrstuhl wieder abwärts.
„Essen…“ Mit offenem Mund hielt sich Tara rechts vom Fahrstuhl aus, wo die breite Überbrückung schon auf sie wartete.
Das Restaurant selbst war nicht sehr groß.
Es gab eine Art Rezeption in einer Ausbuchtung, dazu standen in dem Raum einige kreisrunde Tische mit je vier braunen Holzstühlen.
Selbiges sah man auch auf der Brücke, die einige Meter lang war und die eigentliche Attraktion war.
Das Innenleben des Geschäfts machte einen warmen, gemütlichen Eindruck. Man vergaß fast, dass es ohne Trennwand mit der kühlen Einkaufsstraße verbunden war.
Die Wände waren gelb gestrichen, rotbrauner Faserteppich unter den Füßen der Gäste ließ eine romantische Stimmung aufkommen. Kerzen brannten auf den Tischen im Restaurant, das auf geheimnisvolle Weise recht düster wirkte.
„Ähm…“ Tara ging zu der Rezeption, um ihre Bestellung aufzunehmen.
Edna hingegen setzte sich an einen Tisch bei der Überbrückung und legte ihre Taschen auf einen der Stühle.
„Ich will einen kleinen Standardsalat und ein Wasser.“ Rief sie Tara zu.
Die schon recht alte Dame an der Rezeption tätschelte ihre, zu einem Dutt zusammengeknoteten, grauen Haare und fragte nach.
„Was soll’s sein?“ Raunte sie grimmig.
„Zwei Wasser, einen kleinen Standardsalat und…“ Sie sah sich kurz die breite Speisekarte an, die als Plakat über der Rezeption hing.
„…und eine Tomatensuppe.“ Hungrig sah sie die Dame lächelnd an.
„Kommt gleicht, setzen Sie sich solange.“ Tönte die und verschwand in einer Hintertür. Freudig kehrte Tara zu ihrer Freundin zurück und setzte sich auf den Stuhl gegenüber.
Der schlichte, braune Tisch war an das Geländer des Übergangs geschoben, was einen Blick auf die unten herumwandernde Menge gestattete. Das Dach über ihnen bestand ganz aus Glasplatten. Abends war dieser Ort nicht gerade unbeliebt, denn es vermittelte eine romantische Atmosphäre, unter dem Nachthimmel zu speisen.
„Heute ist hier ne Menge los.“ Sprach das dunkelhäutige Mädchen erstaunt und grinste über das Geländer herab.
„Ja, aber sag mal, Edna…“
„Ja?“ Aufmerksam hörte Taras Freundin ihr zu.
„Ich… habe einen Zettel an mich genommen, den Matt weggeworfen hat.“ Zögerlich holte sie ihn hervor.
((Hat sie’s kapiert, dass Matt in sie…?)) Doch als Edna den Zettel an sich nahm und ihn durchlas, stöhnte sie anschließend leicht auf.
„Um Mitternacht am Hafen? Sonntag?“
„Ja, aber Matt geht um diese Zeit ja zum Duell mit George…“
Edna konnte ihr nicht ganz folgen. „Ja und?“
„Naja, ich dachte ich könnte für ihn da hin gehen…“ Eine Weile blickte die Freundin verdutzt um sich, ehe sie sich über den Tisch rüber zu Tara beugte.
„Weiß er denn davon?“
„Also…“ Doch bevor die Blondine ihren Satz beenden konnte, nickte Edna bereits und antwortete.
„Nein…“ Seufzte sie, als hätte sie es geahnt und ließ sich zurückfallen.
Tara drehte sich um und sah die Rezeptionsfrau mit einem Teller Suppe, dem georderten Salat und zwei Gläsern Wasser auf einem Tablett ankommen.
Die Dame stellte es auf dem Tisch ab und reichte beiden ihre Bestellungen, bevor sie wieder ging. Die beiden bedankten sich hastig und fielen dann über das Essen her.
„Also willst du da einfach heimlich auftauchen? Als Matt-Ersatz?“ Hakte Edna nach und stichelte mit der Gabel in ihrem Salat rum.
„Äh, ja.“ Eine Weile zögerte Tara. „Meinst du, das ist richtig?“
„Ich weiß nicht, aber…“ Edna musterte ihre Freundin, wie sie die dampfende Tomatensuppe löffelte.
„…vielleicht solltest du das nicht tun? Du weißt ja gar nicht, ob diese Person mit dir reden will. Und Matt…“
„Stimmt schon…“ Tara sah nachdenklich auf. „…aber ich will ihm helfen, besonders weil es ihm im Moment nicht so gut geht. Vielleicht ist es ja wichtig?“
„Ich glaub nicht, dass es was bringt, dort hin zu gehen.“ Gab Edna ehrlich mit ihrer typischen Skepsis zu.
„Hmm…“
Doch bevor die beiden weiterreden konnten, hörten sie von unten etwas. Es klang, als würde da unten ein Duell stattfinden, denn man hörte irgendeinen Monsteraufruf.
Doch beide kümmerte das nicht weiter.
„Sag Tara…“
Edna stoppte, doch bevor sie ihre Worte, die sie so sorgsam gewählt hatte, aussprechen konnte, wurde sie vom Schrei eines Jungen unterbrochen.
„Die gehen ja ganz schön ab da unten.“ Kicherte das Mädchen schließlich.
„Ja…“ Eine Weile schwieg Tara und aß weiter.
Auch Edna tat sich ihren Salat zugute, doch mitten drin hörte sie wieder einen Schrei des Jungen.
„Also das geht mir langsam auf die Nerven…“ Beschwerte sich Taras Freundin und stand auf.
Mit geschwellter Brust beugte sie sich übers Geländer, doch sah kein Duell.
„Ich glaub, die spielen auf der anderen Seite…“ Mischte sich Tara ein.
Edna nickte grimmig und eilte genervt rüber zum gegenüberliegenden Geländer. Dort unten bekam sie einen Schreck und wandte sich zu Tara.
„Das da unten ist Tom!“ Rief sie ihr etwas verwirrt zu. Tara schob ihren Stuhl verwirrt zurück und lief eilig zu ihrer Freundin.
Die beiden sahen nach unten, wo sich auf der breiten Einkaufsstraße eine Menschentraube gebildet hatte. Genau in ihnen eingekreist standen der schüchterne Tom und eine Person die ganz in einen schwarzen Mantel gehüllt war. Die Kapuze über das Gesicht gezogen, machte es den Anschein, als wollte sie nicht erkannt werden.
Sie war geradezu gewaltig, mindestens zwei Meter groß, schätzte Edna.
Beide waren mitten im Duell.
Wie es aussah, war gerade der große Kerl am Zug, dessen Gesicht man nicht erkennen konnte.
[Tom: 100LP Unbekannt: 4000LP]
„Nun, Dark Prophecy (ATK/4000), schick ihn in den ewigen Schlaf!“ Sprach der Mann ruhig, aber deutlich vernehmbar mit tiefer Stimme.
Auf seiner Spielfeldseite befand sich nur ein gewaltiger Riese aus schwarzem Stein. Er war bekleidet mit einem braunen Kilt aus Leder, sonst war sein muskulöser Körper jedoch unbedeckt.
Auf der anderen Seite hatte der sichtlich angeschlagene Tom nur den ebenso pompösen Torwächter (DEF/3750) als Schutz vor dem Angriff, einem monströsen Wesen, das aus einem braungelben Oberteil, sowie aus einem grünen und blauen Segment bestand.
Der schwarzhaarige Tom schwang zittrig seinen Arm aus.
„Ich-ich aktiviere meine letzte verdeckte Karte, Sonnenlicht der Wüste. Das bringt mein Monster in die Verteidigungsposition!“ Ängstlich sah er mit an, wie der Riese bereits laut auf sein Monster (DEF/3400) zugestürmt kam und aus seinem Arm einen langen Stachel hervorschnellen ließ.
„Umsonst…“ Lachte sein Gegner leise.
Der Stachel bohrte sich durch den gewaltigen Körper des Torwächters und zeigte mit seiner Spitze auf Toms Brust, auch wenn sie weit entfernt schien.
„…denn egal ob Angriff oder Verteidigung, mein Monster richtet immer seinen Schaden an.“ Der Stachel schoss aus dem Armrücken in Toms Brust und warf ihn mit voller Wucht auf den Rücken.
[Tom: 0LP Unbekannt: 4000LP]
„Tom!“ Schrieen die beiden Mädchen von oben entsetzt herab.
Erst rührte sich der unscheinbare Junge nicht.
Plötzlich jedoch fing er an, stark zu zittern. Weißer Schaum sprudelte aus seinem Mund über seine Wangen, das Zittern wurde zu einem unruhigen Zappeln.
„Wa-wa-wa…“ Tara sah ungläubig hinab, Toms Gegner lachte kurz auf und drehte sich um.
„…leider nicht stark genug, aber dennoch zu gebrauchen…“ Murmelte der Hüne und lief ruhig auf die Zuschauertraube zu, die sofort panisch zur Seite wich.
Keiner traute sich, Tom auch nur anzufassen, jedoch rief eine junge Dame aufgebracht mit dem Handy einen Arzt.
„Was hat er?“ Fragte Tara hysterisch und sah sich nach ihrer Freundin um, die jedoch nicht da war.
„Warte, du Schwein!“ Hörte sie deren Stimme von unten und nun sah sie, wie Edna anscheinend aus dem Fahrstuhl nach unten gestürmt sein musste und zu Tom rannte.
Der Fremde blieb stehen und wandte sich zur Quelle des Lärms um.
„Was machst du da?!?“ Fragte Tara ihre Freundin aufgeregt vom oberen Stockwerk aus.
„Den krall ich mir!“ Verlautete Edna ehrgeizig und beugte sich runter zu Tom. „Das ist doch unterlassene Hilfeleistung!“ Rief sie vollkommen aufgelöst, aber genau wissend, was sie tun wollte.
„Was hast du ihm angetan?! Ich weiß genau, dass du dahinter steckst!“ Fast schon begann sie zu schreien, als das Mädchen sich an Toms Gegner richtete.
Sie konnte es sich selber nicht erklären, aber dass dieser Zusammenbruch ein Zufall war, daran glaubte sie nicht.
„Ich?“ Fragte der Kerl besonnen und kehrte zum Duellpunkt mit langsamen Schritten zurück.
„Können Sie sich bitte um meinen Freund kümmern?“ Fragte Edna leise einige der Einkaufenden, die zögerlich näher kamen, den Jungen aufrafften und fortbrachten. Sein Körper hatte sich beruhigt, doch seine nach innen verdrehten, leeren Augen ließen Edna aufschrecken.
Dann fiel ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Fremden zurück.
„Ja, du! Was sollte das heißen, ewiger Schlaf?! Das hast du doch gesagt!“ Sprudelte es aus dem aufgebrachten Mädchen, während sie sich aufraffte.
„Was hast du vor?“ Quiekte ihre Freundin zuweil aufgeregt von oben, nicht wissend, was sie tun sollte. Doch sie erhielt keine Antwort.
„Ewig währender Schlaf…“ Flüsterte der mysteriöse Mann leise. „…Edna, was meinst du, was bedeutet das?“
Ihr stand er Mund weit offen.
„Wo-woher…“
„…ich deinen Namen kenne, fragst du?“ Eine Weile wartete er ab, bevor er freundlich antwortete. „Weil wir uns kennen.“
„Ich kenn dich nicht!“ Schrie sie wütend und unruhig. Dennoch wollte sie jetzt nicht vom Thema abkommen. „Was hast du Tom angetan!?“
„Es war erforderlich.“ Rechtfertigte der Fremde sich stattdessen.
„Er…foderlich?“
„Genau. Was du heute gesehen hast, dafür sind nun einmal Opfer erforderlich.“ So unheimlich seine Stimme dabei auch klang, Edna unterdrückte ihre Angst.
„Redest… redest du von diesem Mond?“
„In der Tat, das tue ich…“
„Erzähl mir mehr!“ Verlangte sie schroff.
„Würde ich gerne… doch zu welchem Preis? Was kannst du mir geben, das ich begehr’?“
Überrascht von dieser Frage, schreckte sie zurück. „Ich-ich weiß nicht…“
„Tu’s nicht Edna!“ Mischte sich Tara abermals ein und sah ihre Freundin ratlos mit den Schultern zucken. Die Blondine schüttelte bettelnd den Kopf, doch Edna wandte den Blick wieder geradeaus.
„Aber ich. Gewähre mir die Gunst deines Spiels, zeig mir deine Eiseskälte.“ Langsam öffnete sich Ednas Mund. Doch nur stille Gedanken verließen sie, nichts konnte sie darauf antworten.
((Woher weiß er das alles? Meinen Namen, mein… Deck…?))
Dennoch willigte sie schließlich ein.
„Ich will meinem Freund helfen! Erzähl mir, wie ich das mache… am besten erzähl mir alles!“ Lautete ihre strenge Forderung.
Was tat sie da überhaupt, musste sie sich dennoch selbst fragen. Sie brachte sich vermutlich in Gefahr, aber der Drang, Tom zu helfen, machte sie förmlich blind vor Zorn auf diesen Mann.
„Alles sicher nicht… aber das ein oder andere… vielleicht. Geh in Position!“
„Edna!!!“
„Tara, ich muss das tun! Wer weiß was er mit Tom angestellt hat? Wir dürfen…“ Verzweifelt sah das mutige Mädchen zu ihrer Freundin hinauf. Die nickte langsam, mit der Angst, dass Edna dasselbe passieren könnte wie Tom.
Dann stellten sich die beiden Duellanten voreinander auf, umschwärmt von einer Menge hitzig murmelnder Schaulustiger.
„Duell!“ Riefen beide im Chor.
[Edna: 4000LP Unbekannt: 4000LP]
„Verrat mir erstmal deinen Namen!“
„Wer ich bin? Nun, meinen Namen erfährst du nur, wenn du dich auch erinnerst…“ Seine mysteriöse Art kam Edna jedoch nicht im Geringsten bekannt vor.
„Ich weiß nicht einmal, wie du aussiehst. Hör auf, dich unter deinem Mantel zu verstecken!“ Protestierte sie wütend.
„Diese Bitte muss ich ausschlagen, dein Herz soll sich erinnern, nicht deine Augen. Meine Stimme ist alles, was dir ein Indiz auf meine Identität sein kann…“
Sie schnaubte darauf zornig, diese Art wie er mit ihr spielte, brachte sie auf die Palme.
„Von mir aus! Ladies first!“ Sie zog der Reihe nach sechs Karten.
((Wenn der weiß, was ich spiele…)) Zögernd spielte sie ein Monster aus.
„Ich rufe Arctic Flare (ATK/200)!“
Aus dem Boden schoss eine blaue, große Flamme und bildete einen Zirkel um Edna. Jedoch flimmerte einzelne Teile des Feuerkreises manchmal in anderen, bunten Farben auf.
„Danach aktiviere ich noch die dauerhafte Zauberkarte White Blizzard und setze eine Karte verdeckt.“
„Dann ziehe ich…“ Verkündete ihr Gegner leise.
„Hexe vom Schwarzen Wald (ATK/1100)! Doch sie wird nicht lange verweilen, denn durch die Zauberkarte Fulfilling Darkness opfere ich sie sogleich…“
Die eben erst erschienene Hexe mit den braunen Eselsohren und dem dritten Auge löste sich in kleine, schwarze Partikel auf, die sich zu einer neuen Karte zusammenformten.
„Meine Zauberkarte bewirkt, dass ich ein Finsternis-Monster opfern muss, um so ein anderes, höherstufiges Finsternis-Monster aus meinem Deck meiner Hand hinzufügen zu können.“ Er zeigte demonstrativ die Karte seiner Wahl.
„Dark Creation (6). Und vergessen wir nicht, dass auch die Hexe vom Schwarzen Wald einen Effekt besitzt. Dieser gestattet mir nach ihrem Ableben, ein Monster mit dem Höchstwert von 1500 Verteidigungspunkten aus meinem Deck zu suchen und auch dieses auf mein Blatt zu nehmen.“ Sofort durchsuchte er seinen Kartenstapel erneut und zeigte zu Ednas Überraschung noch eine Dark Creation-Karte (DEF/1200).
„Nun solltest du wissen, dass ich Dark Creation als Spezialbeschwörung rufen kann, sollte ich keine Feldkarten besitzen.“
Ein schwarzer Energiezirkel mit fremd wirkenden Runen zeichnete sich auf dem Boden ab. In dessen Mitte führten einige Linien ein Pentagramm zusammen, aus dessen Zentrum eine schwarze Gestalt aus dem Boden brach. Völlig nackt war dieser Zyklop, auf dessen Brust ein rotes Zeichen gebrannt war, ein Kreis mit vier Strichen, die von ihm wegführten (ATK/2200).
„Los mein Monster, greif Arctic Flare an! Dark Laser Beam!“ Brüllte der Unbekannte, allerdings mit gelassenem Tonfall.
„So ein Pech, dein Monster wird sich an meinem die Finger verbrennen.“ Konterte Edna aufgewühlt. Der Zyklop schoss aus seinem Auge einen schwarzroten Lichtstrahl auf die schimmernden Flammen um das Mädchen ab. Diese schossen sogleich in die Höhe, als bildeten sie einen Schutzwall.
„Effekt aktivieren!“ Edna legte eine Karte aus ihrer Hand ab. „Wenn mein Monster kämpft, kann ich ein Wasser-Monster aus meiner Hand ablegen, um seine Angriffspunkte um die Angriffspunkte des abgelegten Monsters zu erhöhen!“
Arctic Flare (ATK/200 zu 2700) reflektierte den Laserstrahl ganz einfach mit einer bunten Spiegelung vor der eigentlichen Flamme und schleuderte die Attacke des Gegners direkt auf den Absender zurück, welcher sofort zersprang.
[Edna: 4000LP Unbekannt: 3500LP]
„Tja, leider wirkt der Effekt nur während dem Kampf.“ Doch Edna schien nicht besorgt.
Arctic Flare (ATK/200)
„Wahrlich, nicht schlecht.“ Doch dann begann ihr Gegner zu lachen.
Zwei schwarze Zirkel - vom Aussehen glichen sie dem vorherigen - bildeten sich vor dem Kerl auf seiner Spielfeldseite und aus den Kreisen brachen zwei neue Zyklopen hervor.
2 x Dark Creation (ATK/2200)
„Sollte Dark Creation eliminiert werden, ruft sie alle weiteren Exemplare von meiner Hand auf das Spielfeld.“ Eine Spur des Triumphes war in seinen Worten zu vernehmen.
((Deswegen hat er…)) Edna schluckte und sah auf ihr Blatt.
Keines ihrer anderen Monster hatte genug Angriffspunkte, um weitere Attacken dieser Monster erfolgreich zu kontern.
„Los!“ Befahl der Mann im schwarzen Mantel jedoch schon.
((Wenn ich gar nichts unternehme, bin ich erledigt. Seine Monster können meine Lebenspunkte mit einem Schlag auslöschen.))
„Ich werfe Ice Knight (ATK/1300) ab, um mein Monster zu stärken!“ Brachte sie verunsichert hervor und ließ ihren Worten Taten folgen.
Arctic Flare (ATK/200 zu 1500)
Der abgeschossene Laserstrahl des ersten Zyklopen umrandete die Flamme an der Vorderseite und brachte sie so zum Erlischen.
„AU…“ Schrie Edna und hielt sich den Kopf.
„Du… du hast… AHHHH… den Effekt von White Blizzard ausgelöst… wenn du eines meiner Monster im Kampf besiegst, verlierst du… 600 Lebenspunkte…“ Erklärte sie stöhnend, während rückwärts stolperte.
Ein heftiger Wind wehte aus ihrer Richtung. Der Mantel des Unbekannten flatterte unruhig vor sich hin, einige Schneeflocken der eisigen Bö setzten sich an ihm ab und lösten sich schließlich auf.
[Edna: 3300LP Unbekannt: 2900LP]
Die plötzlich eintretenden Kopfschmerzen machten Edna Angst. Sie fühlte sich schwindelig, doch hielt sich tapfer auf den Beinen.
Doch schon folgte der direkte Strahlen-Angriff des zweiten Zyklopen, der sie in die Brust traf und durch sie hindurch glitt. Mit weit geöffneten Augen torkelte sie zurück, unter den Aufschreien der Zuschauer und ihrer Freundin.
[Edna: 1100LP Unbekannt: 2900LP]
„Edna, was ist mit dir? Sag doch was…“ Tara war in größter Sorge, denn Edna hielt sich nun mit beiden Händen den Kopf fest.
„Dieses Quietschen, es tut so weh…“ Unter Schmerzen brachte Edna diesen Satz hervor.
„Was? Welches Quietschen?“
„In meinem… in meinem Kopf… macht, dass es aufhört…“ Qualvoll stürzte die Duellantin zu Boden und wippte mit dem Oberkörper vor und zurück, als könnte sie den Schmerz damit lindern.
„DU DRECKSKERL!“ Fauchte Tara den Mann an.
„Hab ich sie denn gezwungen?“ Entgegnete der jedoch kühl.
Somit verstummte Tara und vergoss eine verängstige Träne, doch zu ihrer Erleichterung ging es Edna nun besser, sie rappelte sich langsam auf und setzte einen kämpferischen Blick auf.
„Mehr hast du nicht drauf?“ Dennoch war sie völlig außer Atem. Spätestens jetzt sah sie ein, auf welche Dummheit sie sich da eingelassen hatte, doch um Toms Willen musste sie das jetzt durchziehen.
„Mehr willst du? Diesen Gefallen will ich dir gerne tun…“ Sprach er nun unbeeindruckt und zeigte eine Schnellzauberkarte vor.
„Abyss Polymerization! Recht wirksam, denn für Finsternis-Monster ist sie eine Fusionskarte und somit verschmelze ich meine beiden Dark Creations…“ Leise begann er zu lachen, unter seiner Kapuze huschte ein Grinsen hervor. Es war das erste Mal, dass man etwas von ihm sah.
Die beiden Körper der Zyklopen wurden zueinander gezogen und verschmolzen in einem dunklen Wirbel, der in die sandbraunen Fliesen des Einkaufszentrums verschwand. Dabei entstand genau an dieser Stelle ein breiter Bannkreis, der vom Boden aus wie ein Ring höher stieg und dabei ein Monster generierte.
„Lass deinem Wahn freien Lauf, Dark Prophecy (ATK/3000)!“
„Dieses Ding… ist das Monster, das Tom…“ Tara stockte vor Schreck der Atem.
((Oh nein!)) Edna war von der Größe des neuen, schwarzen Zyklopen beeindruck, wie auch eingeschüchtert.
Auf seiner Brust malte sich ein Symbol ab, ein blaues Dreieck mit drei Linien, die von ihm abgingen. Es begann zu leuchten.
„Meine spezielle Fusionskarte stärkt die Angriffskraft meines Monsters außerdem um 1000.“
Dark Prophecy (ATK/4000)
((4000 Punkte? Und sie hat kein Monster…)) Tara konnte das Ganze nicht mit ansehen. Am ganzen Leibe bibbernd, schloss sie die Augen.
Der Duellant befahl seinem Monster den Angriff.
((Tu doch was?!)) Langsam führte Tara mit wieder geöffneten Augen ihren Daumen zum Mund und biss vorsichtig hinein. Wie zuvor bereits bei Tom, stürmte der Gigant auf das benommene Mädchen zu und holte mit seiner Faust aus.
„So schnell wird das nichts, Ice Beam!“ Schrie Edna im letzten Moment und deckte ihre Falle auf.
„Ich muss nur ein Aqua-Monster, zum Beispiel Arctic Flare, vom Friedhof aus dem Spiel entfernen um den Angriff abzuwehren. Und dabei gehen die Punkte deines Monsters auch noch auf ihren Grundwert zurück!“
Das schwarzhaarige Mädchen atmete tief durch und sah zu, wie sich eine Wolke über dem Kopf des Zyklopen bildete. Erleichtert schüttelte sie ihre langen Zotten.
Aus der Wolke schoss ein frostiger Strahl, der durch seine Wucht und Kälte aus dem Monster eine Eisskulptur machte.
Dark Prophecy (ATK/3000)
„…ich hab noch eine schlechte Nachricht für dich!“ Ein zweiter Strahl wurde aus dem Gebilde abgefeuert, traf jedoch diesmal die Dueldisk von dem Kerl und hinterließ einige Frostspuren.
„Wenn ich noch ein Aqua-Monster, meinen Ice Knight, vom Friedhof entferne, kannst du bis zu deiner nächsten Standby Phase keine Zauber oder Fallen mehr benutzen!“
„Wie du meinst.“ Ließ sich ihr Gegner davon aber scheinbar nicht beeindrucken. „Das ist deine Chance, dich zu beweisen. Ich beende diesen Zug jetzt.“
((Ich muss unbedingt was Gutes ziehen.)) Zitternd berührten Ednas Fingerspitzen das Deck. Mit Schwung zog sie die Karte und konnte aufatmen.
„Immerhin etwas, Topf der Gier!“ Das bedeutete zwei neue Karten für sie, womit sie nun drei auf der Hand hielt.
((Das ist es! Dem wird das Lachen gleich vergehen!)) Dachte Edna schließlich, als sie die neu gewonnenen Karten durchging.
„Ich aktiviere Voreiliges Begräbnis und zahle 800 Lebenspunkte, um Ice Master (ATK/2500) vom Friedhof wiederzuerwecken!“ Das Summen in ihrem Kopf wurde wieder stärker, aber sie versuchte sich zu konzentrieren und es zu ignorieren.
[Edna: 300LP Unbekannt: 2900LP]
Große Schneeflocken tanzten vor Edna auf dem Spielfeld. Aus ihnen entstieg eine blonde, weiß bis himmelblau bekleidete Schönheit. Drohend hielt sie ihr langes Schneeflockenzepter in Richtung des Zyklopen.
„Dieses Monster… eines deiner stärksten.“
Edna fragte sich, woher der murmelnde Kerl das wusste. Diese Karte spielte sie ziemlich selten aus und dennoch, wenn sie den Typen so ansah, ging es ihr kalt den Rücken runter.
„Ja! Jetzt hör gut zu, denn ich platziere durch ihren Effekt nun eine Eis-Zählmarke auf dein Monster!“
Wie aus einer Pistole schoss ein gewaltiger Eis-Kristall aus dem Zepter der Hexe in die Brust von Dark Prophecy.
„Und dann opfere ich Ice Master durch ihren Effekt…“ Doch der Fremde beendete ihren Satz.
„…um alle Monster mit Eis-Zählmarken zu vernichten.“
Sie nickte erbost über diese Unterbrechung und schwang den Arm aus.
Der zu Eis erstarrte Zyklop zersprang darauf in tausende Brocken.
„Damit ist sein Feld frei! Toll gemacht, Edna!“ Jubelte Tara von oben. Auch das „Publikum“ freute sich für das Mädchen und klatschte eifrig.
„Danke, aber ich bin noch gar nicht fertig!“ Grinste dieses und spielte eine Zauberkarte aus.
Vor ihr schoss eine große Eissäule aus dem Boden.
„Du kennst doch sicher Icicle Sacrifice, wenn du schon so gut über mich Bescheid weißt.“ Diese provokante Frage beantwortete ihr Gegner jedoch nur mit einem erneuten Grinsen.
„Ich blockiere mit ihr eine meiner freien Monsterkartenzonen, kann aber im Gegenzug auf ein Eiszapfen-Token (ATK/0) zurückgreifen!“
Die erste Eissäule bekam Gesellschaft in Form einer exakten Kopie, aus welcher jedoch einige Eisstücke brachen und so eine Art Pfeiler darstellten, mit einem breiten Gesicht als Haupt.
„Dieses Token hat einen netten Nebeneffekt…“
„Es gilt als zwei Opfer bei einer Tributbeschwörung.“ Vollendete Tara den Satz. „Ruf den dicken Brocken!“
„Worauf du dich verlassen kannst!“
In weißem Licht verschwand das eben erst erschaffene Token und ließ einen sagenhaften Drachen im Gegenzug erscheinen.
Aus schimmerndem Eis bestand sein Körper, dünne aber standfeste Schwingen erleichterten ihm sein Gewicht. Er gab hohles, kreischendes Gebrüll von sich breitete demonstrativ seine Flügel aus.
„White Night Dragon (ATK/3000)!“ Sangen die beiden Mädchen fröhlich im Chor und streckten die erhobenen Daumen aus. Noch im selben Atemzug war Edna wieder völlig ernst.
„Nieder mit seinen Lebenspunkten!“
„Das war’s!“ Das Publikum war aufgrund des lauten Gemurmels selbiger Meinung wie Tara.
Langsam öffnete der Drache sein Maul und hauchte einen eisigen Wind auf sein Opfer.
Schützend hielt dieses seine Arme vor den Mantel und wurde regelrecht von dem Schneesturm bedeckt. Er stöhnte leicht, blieb aber ansonsten unberührt von dem Angriff.
[Edna: 300LP Unbekannt: 900LP]
„Moment mal?!“ Edna sah die Angriffspunkte ihres Monsters an.
((3000, es hat sich nichts geändert. Aber wie dann…?)) Sie bemerkte, dass er auch noch seine zwei Handkarten besaß.
„Warum stehst du noch?“ Fragte sie schließlich neugierig, wie auch verwirrt.
„Alles dank Dark Prophecy.“
„Der ist doch hinüber…“
„Ja, so kann man es sagen… dennoch dient er mir weiterhin. Als Schild, der mich einmal pro Zug den Kampfschaden um 1000 verringern lässt.“
Das hörte Edna gar nicht gern und verzog das Gesicht. ((Der hat vielleicht Nerven…)) Etwas wütend murrend, beendete sie ihren Zug schließlich.
„Ich spüre, das Duell neigt sich dem Ende entgegen…“ Murmelte der Mann seinerseits leise und spielte die Zauberkarte Seichtes Grab aus.
„Wir beide beleben eines unserer Monster vom Friedhof in verdeckte Verteidigungsposition wieder.“
Edna nickte verwirrt und legte Ice Master verdeckt aufs Feld. Gleichzeitig wählte ihr Gegenüber Dark Prophecy und spielte sie aus.
„Was hast du jetzt davon? Du kannst die Position deines Monsters diese Runde doch gar nicht ändern.“ Doch Edna war sich sicher, dass es einen Grund hatte. Sie fühlte sich überaus unwohl, alles was dieser Kerl tat, machte er immerhin mit unangenehmer Selbstsicherheit.
„Paradox Strike!“ Schrie ihr Gegner dann.
Er hielt eine weitere Zauberkarte in der Hand, auf der sich zwei Dark Creations gegenseitig angriffen mit Laserstrahlen.
„Sie zerstört ein verdecktes Monster auf meiner Spielfeldseite, aber auch auf deiner, solltest du eines kontrollieren.“
Die beiden horizontal liegenden Karten zersprangen, hinterließen dabei aber je einen geflügelten, grauen Zyklopendämon auf beiden Spielfeldseiten.
„Danach erschafft diese Karte ein Token für uns. Und dessen Angriffskraft wird durch die Verteidigung der zuvor zerstörten Monsterkarte errechnet.“
Striker-Token des Unbekannten (ATK/2400)
Striker-Token von Edna (ATK/2000)
„Edna!“ Schrie Tara erschrocken. „Das ist genug Power, um…“
Diesmal konnte sie nicht anders.
Sie löste ihre Blicke mit immer schneller schlagendem Herzen vom Duell und rannte hastig zurück, am Restaurant-Innenteil vorbei zum Fahrstuhl.
„Komm schon!“ Panisch drückte sie auf den Knopf, damit der Fahrstuhl bei ihr ankam.
Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis sich endlich die Türen öffneten und Tara einsteigen konnte.
„Attacke auf ihr Token!“ Hörte sie den Unbekannten bereits brüllen.
Es klingelte und der Fahrstuhl war unten angelangt.
Eilig rannte Tara zur Menschentraube und sah, wie der Dämon sich gerade auf den White Night Dragon stürzte.
„Oh…“ Sie blieb hinter den anderen Zuschauern stehen und lauschte Ednas Erklärung, obwohl sie sie durch die dichte Menschenmenge nicht erspähen konnte.
„Das hättest du wohl gern, aber daraus wird nichts!“ Verlautete die Duellantin kühl.
„Ich kann nämlich eine Zauber- oder Fallenkarte von meiner Spielfeldseite auf den Friedhof legen, um den Angriff umzulenken auf meinen White Night Dragon.“
((Welche Karte kann sie denn opfern? Ach ja, White Blizzard…)) Fiel es Tara erleichtert ein.
Sie blickte auf, denn der Drache schoss einen eisigen Strahl auf den beflügelten Dämon und fror ihn in der Luft ein.
Der erstarrte Körper fiel zu Boden und zersprang mit einem lauten Klatschen. Zeitgleich hörte man ein dumpfes Geräusch, als wäre noch etwas auf den Boden gefallen.
Die Leute schrieen auf.
((Was ist da los? Wie… oh nein!))
Die Hologramme verschwanden.
„Was-was ist da los?“ Sie zitterte am ganzen Leib, ein unheimliches Gefühl durchfuhr sie, denn etwas musste schief gelaufen sein. Ein Mann drehte sich geschockt zu Tara um.
„Das Mädchen ist gerade zusammengebrochen.“
„Edna? EDNA!!!! Oh nein...!!!“
Absolut in Panik geraten und laut den Namen der Freundin rufend, zwängte sich Tara nach und nach durch die Menschenmenge und lief zu dem Mädchen, das mit ausgebreiteten Gliedmaßen am Boden lag.
[Edna: 0LP Unbekannt: 900LP]
„Nein, nein… was…“
Tränen vergießend, bückte sie sich zu Edna, die mit weit offenen Augen da lag.
„Hätte ich ihr sagen sollen, dass sie den Kampfschaden davonträgt, sollte ich nur das Token kontrollieren?“ Fragte der Mann Tara provozierend, welches sie mit feuchten Augen zu ihm drehte, während sie den Kopf ihrer Freundin auf den Schoß liegen hatte und streichelte.
„Sie… sie hatte keine Chance?!“ Stellte das weinende Mädchen wütend fest.
„Natürlich nicht. Oder meinst du, ich würde die kleine Edna gewinnen lassen?“ Mit diesen Worten drehte der Kerl sich abrupt um und ging.
„Ach ja, ihr wolltet ja noch wissen, wie ihr eurem kleinen Freund helfen könnt…“ Der Mann blieb kurz stehen. „Gar nicht… er ist verloren auf ewig, schlafend.“
Wie schon einmal zuvor, machten die feigen Zuschauer sofort Platz und sahen hinterher, wie der Fremde schweigend durch den großen Haupteingang das Gebäude verließ.
„Ta…ra…“ Flüsterte eine leise Stimme.
Zunächst nicht begreifend, stammelte die Angesprochene dann: „Edna! Du…“
Das schwarze Mädchen richtete sich benommen auf und hielt sich den Schädel.
„Mir ist schwindelig… und ich hab Kopfschmerzen…“ Stöhnte sie.
„Dir geht’s gut? Du… oh…“ Laut heulend klammerte sich Tara an ihre Schulter.
„Sieht so aus. Aber Tom…“
Die beiden Mädchen sahen sich einen Moment lang an.
„Wo ist dieser Kerl?!“ Fragte Edna dann sofort erzürnt.
Tara schüttelte mit bedrückter Miene den Kopf, sie konnte das Glück im Unglück noch gar nicht fassen.
„Weg…“
Als sie das hörte, schrie Edna vollkommen verärgert und sprang auf, nur um benommen rückwärts zu stolpern.
Tara sah ihr dabei schluchzend zu.
„Er… er sagte man kann Tom nicht mehr helfen. Edna, woher kennst du den Mann?“
„Ich sagte doch schon, ich kenn ihn nicht. Jedenfalls erinnere ich mich nicht…“ Fauchte die voller Enttäuschung. Sie hatte verloren, und nun verstand sie, was Harris fühlte. Nur dass es hier noch tausendmal schlimmer war.
Was sollte denn jetzt aus Tom werden?
„Jedenfalls scheint es dir gut zu gehen, ich bin ja so froh…“ Tara fiel ihr wieder in die Arme.
„Was wollte der bloß von Tom? Was hat es nur mit… allem auf sich?“ Fragte Edna besorgt und streichelte den Rücken ihrer Freundin, bevor sie sich losließen.
„Egal was es war, Tom… ist…“ Schluchzte Tara erneut und rieb sich Tränen aus den Augen.
„WIESO HAT KEINER WAS GETAN?!“ Schrie die sonst so ruhige Schülerin dann die umstehenden Leute an, die sofort aufschreckten und das Weite suchten. Edna hielt sie sofort wieder fest.
„Wir müssen zurück zu ihm, der Arzt sollte bald kommen. Okay…?“ Schlug sie dann einfühlsam vor. Tara nickte nur benommen.
So liefen die beiden mit gesenktem Kopf und schweren Herzens in das Bekleidungsgeschäft, wo bereits ein Verkäufer und die junge Dame, die den Krankenwagen rief, vor dem Eingang warten. Dort hatte man Tom hingebracht.
Eins stand jedoch von vorneherein fest, die unter Schock stehenden Mädchen würden an diesen Tag noch lange denken...
Turn 105 - The journey
Tom ging es sichtlich schlecht. Er lag im Krankenhaus und hatte hohes Fieber. Keiner der Ärzte wusste, was der Junge überhaupt hatte. Dennoch hielt Tara an ihrem Plan fest und ging zu dem Treffen. Es erwartete sie am Hafen eine Frau namens Reika, die Tara bereits erwartet hatte…
Ednas Deckliste
Unbekannt Deckliste
Die Freunde und George standen inmitten des Schulhofs und starrten in die Höhe.
„Wo-wo ist es hin? Dieses Ding?“ Ängstlich sah Tara zu Edna.
„Als der Energiestrahl aufgehört hat, verschwand dieser Mond mit ihm.“ Antwortete die nachdenklich.
„Aber wo kam unser Mond auf einmal her? Matt, hast du ne Idee? Matt!“ Sofort schreckte er auf, als Tara seinen Namen rief.
„Ich weiß nicht…“
„War nicht anders zu erwarten.“ Lachte George abfällig und entfernte sich langsam von der Gruppe. „Ich werde mal nachschauen, ob ich etwas darüber herausfinde, sicher nichts Besonderes. Ihr seid für so was ja eher ungeeignet, bei eurem niedrigen Bildungsstand…“
„Du kannst doch jetzt nicht einfach gehen!“ Rief Tara ihm empört hinterher, während George sich auf das schwarze Gittertor zu bewegte, das offen stand, um die Schüler in die Freiheit zu entlassen.
„Es ist doch alles klar, ihr Schwachköpfe.“ Grinste George beim Weiterlaufen in sich hinein. „Matt und ich spielen hier, Sonntag um Mitternacht. Der Duellkönig der Schule wird nach diesem Duell endgültig feststehen. Ihr könnt euch meinetwegen weiter am blauen Himmel ergötzen, ich jedoch habe Besseres zutun. Bis dann.“ Damit bog er schon nach rechts ab und war hinter der Steinmauer verschwunden.
Die anderen starrten ihm ungläubig hinterher.
„Verdammt…“ Mit gesenktem Kopf entfernte sich nun auch Harris von der Gruppe.
„Warte…“ Edna lief ihm schleunigst hinterher und hielt den großen Kerl am Arm fest.
„Ich hab’s verbockt. Ich habe euch alle enttäuscht…“ Das Mädchen jedoch drehte ihn zu sich um und hielt ihn an den Armen fest.
„Mach dir nichts draus, er war eben besser.“ Jedoch wagte es der Rotschopf nicht, ihr in die Augen zu sehen.
„Ich hab Matt und Tara, auch dich Edna, einfach…“ Matt sah dem nur zu, es störte ihn nicht wirklich, dass Harris verloren hatte.
((Dieses Treffen am Hafen werde ich sowieso nicht wahrnehmen. Und bis Sonntag muss ich mir was Gutes einfallen lassen, wie ich diesen Arsch in die Schranken weise.))
Dann ging er zu Harris und klopft ihm auf die Schulter.
„Hast dich wacker geschlagen.“ Sprach er anerkennend und ging dann fort, weg von den anderen. Als er ging, sprach er jedoch noch weiter.
„Um Mitternacht gegen den Streber zu spielen hat was. Der wird es noch bereuen, mich zu einer Revanche herausgefordert zu haben.“ Dann winkte er ab und war um die Ecke verschwunden, Tom lief ihm hastig hinterher.
„Warte Matt, der Bus…“
Dann standen Edna, Tara und Harris alleine auf dem Schulhof.
„Siehst du, alles halb so wild.“ Strahlte Edna letzteren an und ließ los. Der große Kerl hob seinen Blick und lächelte verlegen.
„Das war nur Glück, was der hatte…“ Kicherte sie leise.
„Sein plötzlicher Schwächeanfall war schon seltsam.“ Murmelte Harris dann nachdenklich. Edna musterte ihn dabei mit großen Augen und wirkte verwirrt.
„In dem Moment hab ich daran nicht gedacht, aber nun wo du es sagst…“
Während die beiden sich über Georges seltsames Verhalten unterhielten, ging Tara gedankenverloren an den beiden vorbei.
„Der Bus fährt gleich, kommt ihr?“ Fragte sie die beiden im vorbeigehen.
Letztlich folgten ihr die beiden leise diskutierend über den Hof.
((Matt geht also nicht zu diesem Treffen. Vielleicht… sollte ich ja gehen?)) Unsicher schüttelte die Blondine beim Laufen den Kopf.
((Aber ich kann doch nicht einfach seinen Platz einnehmen…)) Wieder schwenkte sie jedoch um.
((Bloß wenn George diesen Zettel nicht geschrieben hat, wer dann? Vielleicht ist es wichtig?))
Bumm.
Sie knallte direkt gegen die Hofmauer, neben ihr das Ausgangstor. Benommen torkelte sie zurück und rieb sich die Nase.
„Tara…“ Stöhnte Edna und zog ihre Freundin am Arm zu sich. „…mal wieder in deiner eigenen Welt?“
„Ähm, ’tschuldigt, wenn ich nachdenke bin ich immer so ungeschickt…“ Kleinlaut wurde sie schließlich vom Schulhof gezerrt. Harris war jedoch nicht nach lachen zumute, denn seine Niederlage traf ihn schwer.
((Ich war so nah dran. Wieso? Ich hab alle enttäuscht… Wie soll ich mit Matt auf eine Stufe kommen, wenn ich schon bei dem Idioten versage?))
Die Gruppe lief über den Bürgersteig zur Bushaltestelle. Die Türen des Busses schlossen sich vor ihren Augen und das gelbe Gefährt startete ohne sie.
„Das gibt’s doch nicht!“ Schimpfte Edna und lief auf die Straße.
„Hey! … HEY!“ Sie versuchte, den Bus durch hinterher winken zum Stehen zu bewegen, doch dieser bog bereits in einer Kurve durch das recht grüne Viertel der Stadt ab.
„Toll, jetzt müssen wir laufen…“ Regte das dunkelhäutige Mädchen sich schließlich lauthals auf und kam auf den Bürgersteig zurück.
„…“ Harris ging an den beiden Mädchen vorbei, folgte dem dicht mit Bäumen bepflanzten Weg geradeaus.
„Kommst du?“ Nörgelte Edna, nachdem auch sie dazu ansetzte, den Vorhof der Schule zu verlassen.
„Ja…“ Tara holte ihre Freundin mit schnellen Schritten ein und lief mit ihr auf gleicher Höhe. Ihr stummer Anführer Harris gewann jedoch immer mehr Abstand zu den beiden.
((Oh man, was mach ich nur? Vielleicht sollte ich Matt fragen, ob ich zum Hafen darf?)) Sie schüttelte unbewusst den Kopf.
((Nein, dann würde er nur sauer werden.))
„Also irgendwie bist du heute ne echte Schlafmütze, Tara.“ Gluckste Edna los.
„Äh, ’tschuldigung…“
((Ich bin einfach zu neugierig, so ein Mist. Ich… werde ohne Matt etwas zu sagen gehen. Vielleicht kann ich ihm damit ja einen Gefallen tun?)) Beschloss sie schließlich lächelnd.
„Was machen wir heute eigentlich noch so?“ Fragte Edna beiläufig.
„Heute ist Donnerstag…“ Einen Augenblick überlegte sie dann. „…wie wär’s mit shoppen?“
Tara wusste nicht, was sie antworten sollte. „Äh…“
„Sag einfach ja. Komm schon, es wird sicher lustig.“ Grinste ihre beste Freundin und hakte sich unter Taras Arm ein.
„Also schön…“ Doch die Blondine klang nicht sehr überzeugt. „…aber das Einkaufszentrum ist doch so weit weg.“ Jammerte sie, um vielleicht doch nicht mitkommen zu müssen.
„Wir haben Zeit, ist gerade mal kurz nach eins.“
„Ich muss noch was essen.“ Doch bevor Tara sich versah, konterte Edna.
„Kannst du auch da, die haben da so was Ähnliches wie ein Restaurant.“
„Das ist da aber teuer…“
„TARA!“ Empörte sich das schwarzhaarige Mädchen laut und blieb abrupt stehen, Tara stolperte, da sie regelrecht mitgerissen wurde nach vorn und fiel fast hin.
„Wenn du nicht mitkommen willst, dann sag’s doch einfach!“ Entrüstet wartete Edna auf eine Antwort.
„…ich will mitkommen…“ Resignierte Tara panisch. „…sorry…“
„Na dann…“ Tönte Edna zufrieden. „…auf zum Shoppen. Wir werden alle Geschäfte durchschmökern, das wird super!“ Ohne Reaktionszeit zerrte sie ihre Freundin wieder vorwärts.
Harris war schon lange nicht mehr zu sehen.
- einige Zeit später im Kaufhaus -
„Mir tun die Beine weh…“ Jammerte Tara mit Tränen in den Augen.
„Noch das eine Geschäft, dann sind wir durch.“ Edna lief mit zwei rosa Tüten bepackt über den strahlenden, sandbraunen Parkettboden.
Das Einkaufszentrum war gigantisch. Überall strömten Leute um die beiden Schülerinnen in die säuberlich aneinander gereihten Läden oder verließen diese gerade.
„Ich hab Hunger…“ In der Tat knurrte Taras Magen recht laut.
„Das Restaurant ist oben, aber das eine Geschäft, in das ich noch will, befindet sich in dieser Etage…“ Kam die vertröstend gedachte Antwort.
Tara blickte nach oben, wo mehrere brückenartige Übergänge die eine Seite des zweiten Stocks mit der anderen verbanden. Genau über ihnen erstreckte sich ein besonders breiter.
Von oben konnte Tara klirrende Teller hören.
Über den Rand der Brücke rüberschielend, sah sie dort Tische eines Restaurants oder dergleichen stehen, sowie Gäste, die an diesen fröhlich aßen und sich unterhielten.
„Edna…“ Quiekte sie dann leidend nach rechts zu ihrer Freundin.
„Also schön.“ Edna rollte mit den Augen. „Auf nach oben.“
Sofort sprang die Gepeinigte vor Freunde in die Luft.
Die beiden sahen sich nach einem Fahrstuhl um, der nach oben führte. Sie entdeckten einen, welche sich zwischen zwei Geschäften befand.
Er war ganz aus Glas und man sah die hochmodernen Maschinen im Hintergrund.
„Da…“ Kicherte Tara
Sofort stiegen die beiden ein und ließen sich ein Stockwerk nach oben fahren. Dort angekommen, ging es für den Fahrstuhl wieder abwärts.
„Essen…“ Mit offenem Mund hielt sich Tara rechts vom Fahrstuhl aus, wo die breite Überbrückung schon auf sie wartete.
Das Restaurant selbst war nicht sehr groß.
Es gab eine Art Rezeption in einer Ausbuchtung, dazu standen in dem Raum einige kreisrunde Tische mit je vier braunen Holzstühlen.
Selbiges sah man auch auf der Brücke, die einige Meter lang war und die eigentliche Attraktion war.
Das Innenleben des Geschäfts machte einen warmen, gemütlichen Eindruck. Man vergaß fast, dass es ohne Trennwand mit der kühlen Einkaufsstraße verbunden war.
Die Wände waren gelb gestrichen, rotbrauner Faserteppich unter den Füßen der Gäste ließ eine romantische Stimmung aufkommen. Kerzen brannten auf den Tischen im Restaurant, das auf geheimnisvolle Weise recht düster wirkte.
„Ähm…“ Tara ging zu der Rezeption, um ihre Bestellung aufzunehmen.
Edna hingegen setzte sich an einen Tisch bei der Überbrückung und legte ihre Taschen auf einen der Stühle.
„Ich will einen kleinen Standardsalat und ein Wasser.“ Rief sie Tara zu.
Die schon recht alte Dame an der Rezeption tätschelte ihre, zu einem Dutt zusammengeknoteten, grauen Haare und fragte nach.
„Was soll’s sein?“ Raunte sie grimmig.
„Zwei Wasser, einen kleinen Standardsalat und…“ Sie sah sich kurz die breite Speisekarte an, die als Plakat über der Rezeption hing.
„…und eine Tomatensuppe.“ Hungrig sah sie die Dame lächelnd an.
„Kommt gleicht, setzen Sie sich solange.“ Tönte die und verschwand in einer Hintertür. Freudig kehrte Tara zu ihrer Freundin zurück und setzte sich auf den Stuhl gegenüber.
Der schlichte, braune Tisch war an das Geländer des Übergangs geschoben, was einen Blick auf die unten herumwandernde Menge gestattete. Das Dach über ihnen bestand ganz aus Glasplatten. Abends war dieser Ort nicht gerade unbeliebt, denn es vermittelte eine romantische Atmosphäre, unter dem Nachthimmel zu speisen.
„Heute ist hier ne Menge los.“ Sprach das dunkelhäutige Mädchen erstaunt und grinste über das Geländer herab.
„Ja, aber sag mal, Edna…“
„Ja?“ Aufmerksam hörte Taras Freundin ihr zu.
„Ich… habe einen Zettel an mich genommen, den Matt weggeworfen hat.“ Zögerlich holte sie ihn hervor.
((Hat sie’s kapiert, dass Matt in sie…?)) Doch als Edna den Zettel an sich nahm und ihn durchlas, stöhnte sie anschließend leicht auf.
„Um Mitternacht am Hafen? Sonntag?“
„Ja, aber Matt geht um diese Zeit ja zum Duell mit George…“
Edna konnte ihr nicht ganz folgen. „Ja und?“
„Naja, ich dachte ich könnte für ihn da hin gehen…“ Eine Weile blickte die Freundin verdutzt um sich, ehe sie sich über den Tisch rüber zu Tara beugte.
„Weiß er denn davon?“
„Also…“ Doch bevor die Blondine ihren Satz beenden konnte, nickte Edna bereits und antwortete.
„Nein…“ Seufzte sie, als hätte sie es geahnt und ließ sich zurückfallen.
Tara drehte sich um und sah die Rezeptionsfrau mit einem Teller Suppe, dem georderten Salat und zwei Gläsern Wasser auf einem Tablett ankommen.
Die Dame stellte es auf dem Tisch ab und reichte beiden ihre Bestellungen, bevor sie wieder ging. Die beiden bedankten sich hastig und fielen dann über das Essen her.
„Also willst du da einfach heimlich auftauchen? Als Matt-Ersatz?“ Hakte Edna nach und stichelte mit der Gabel in ihrem Salat rum.
„Äh, ja.“ Eine Weile zögerte Tara. „Meinst du, das ist richtig?“
„Ich weiß nicht, aber…“ Edna musterte ihre Freundin, wie sie die dampfende Tomatensuppe löffelte.
„…vielleicht solltest du das nicht tun? Du weißt ja gar nicht, ob diese Person mit dir reden will. Und Matt…“
„Stimmt schon…“ Tara sah nachdenklich auf. „…aber ich will ihm helfen, besonders weil es ihm im Moment nicht so gut geht. Vielleicht ist es ja wichtig?“
„Ich glaub nicht, dass es was bringt, dort hin zu gehen.“ Gab Edna ehrlich mit ihrer typischen Skepsis zu.
„Hmm…“
Doch bevor die beiden weiterreden konnten, hörten sie von unten etwas. Es klang, als würde da unten ein Duell stattfinden, denn man hörte irgendeinen Monsteraufruf.
Doch beide kümmerte das nicht weiter.
„Sag Tara…“
Edna stoppte, doch bevor sie ihre Worte, die sie so sorgsam gewählt hatte, aussprechen konnte, wurde sie vom Schrei eines Jungen unterbrochen.
„Die gehen ja ganz schön ab da unten.“ Kicherte das Mädchen schließlich.
„Ja…“ Eine Weile schwieg Tara und aß weiter.
Auch Edna tat sich ihren Salat zugute, doch mitten drin hörte sie wieder einen Schrei des Jungen.
„Also das geht mir langsam auf die Nerven…“ Beschwerte sich Taras Freundin und stand auf.
Mit geschwellter Brust beugte sie sich übers Geländer, doch sah kein Duell.
„Ich glaub, die spielen auf der anderen Seite…“ Mischte sich Tara ein.
Edna nickte grimmig und eilte genervt rüber zum gegenüberliegenden Geländer. Dort unten bekam sie einen Schreck und wandte sich zu Tara.
„Das da unten ist Tom!“ Rief sie ihr etwas verwirrt zu. Tara schob ihren Stuhl verwirrt zurück und lief eilig zu ihrer Freundin.
Die beiden sahen nach unten, wo sich auf der breiten Einkaufsstraße eine Menschentraube gebildet hatte. Genau in ihnen eingekreist standen der schüchterne Tom und eine Person die ganz in einen schwarzen Mantel gehüllt war. Die Kapuze über das Gesicht gezogen, machte es den Anschein, als wollte sie nicht erkannt werden.
Sie war geradezu gewaltig, mindestens zwei Meter groß, schätzte Edna.
Beide waren mitten im Duell.
Wie es aussah, war gerade der große Kerl am Zug, dessen Gesicht man nicht erkennen konnte.
[Tom: 100LP Unbekannt: 4000LP]
„Nun, Dark Prophecy (ATK/4000), schick ihn in den ewigen Schlaf!“ Sprach der Mann ruhig, aber deutlich vernehmbar mit tiefer Stimme.
Auf seiner Spielfeldseite befand sich nur ein gewaltiger Riese aus schwarzem Stein. Er war bekleidet mit einem braunen Kilt aus Leder, sonst war sein muskulöser Körper jedoch unbedeckt.
Auf der anderen Seite hatte der sichtlich angeschlagene Tom nur den ebenso pompösen Torwächter (DEF/3750) als Schutz vor dem Angriff, einem monströsen Wesen, das aus einem braungelben Oberteil, sowie aus einem grünen und blauen Segment bestand.
Der schwarzhaarige Tom schwang zittrig seinen Arm aus.
„Ich-ich aktiviere meine letzte verdeckte Karte, Sonnenlicht der Wüste. Das bringt mein Monster in die Verteidigungsposition!“ Ängstlich sah er mit an, wie der Riese bereits laut auf sein Monster (DEF/3400) zugestürmt kam und aus seinem Arm einen langen Stachel hervorschnellen ließ.
„Umsonst…“ Lachte sein Gegner leise.
Der Stachel bohrte sich durch den gewaltigen Körper des Torwächters und zeigte mit seiner Spitze auf Toms Brust, auch wenn sie weit entfernt schien.
„…denn egal ob Angriff oder Verteidigung, mein Monster richtet immer seinen Schaden an.“ Der Stachel schoss aus dem Armrücken in Toms Brust und warf ihn mit voller Wucht auf den Rücken.
[Tom: 0LP Unbekannt: 4000LP]
„Tom!“ Schrieen die beiden Mädchen von oben entsetzt herab.
Erst rührte sich der unscheinbare Junge nicht.
Plötzlich jedoch fing er an, stark zu zittern. Weißer Schaum sprudelte aus seinem Mund über seine Wangen, das Zittern wurde zu einem unruhigen Zappeln.
„Wa-wa-wa…“ Tara sah ungläubig hinab, Toms Gegner lachte kurz auf und drehte sich um.
„…leider nicht stark genug, aber dennoch zu gebrauchen…“ Murmelte der Hüne und lief ruhig auf die Zuschauertraube zu, die sofort panisch zur Seite wich.
Keiner traute sich, Tom auch nur anzufassen, jedoch rief eine junge Dame aufgebracht mit dem Handy einen Arzt.
„Was hat er?“ Fragte Tara hysterisch und sah sich nach ihrer Freundin um, die jedoch nicht da war.
„Warte, du Schwein!“ Hörte sie deren Stimme von unten und nun sah sie, wie Edna anscheinend aus dem Fahrstuhl nach unten gestürmt sein musste und zu Tom rannte.
Der Fremde blieb stehen und wandte sich zur Quelle des Lärms um.
„Was machst du da?!?“ Fragte Tara ihre Freundin aufgeregt vom oberen Stockwerk aus.
„Den krall ich mir!“ Verlautete Edna ehrgeizig und beugte sich runter zu Tom. „Das ist doch unterlassene Hilfeleistung!“ Rief sie vollkommen aufgelöst, aber genau wissend, was sie tun wollte.
„Was hast du ihm angetan?! Ich weiß genau, dass du dahinter steckst!“ Fast schon begann sie zu schreien, als das Mädchen sich an Toms Gegner richtete.
Sie konnte es sich selber nicht erklären, aber dass dieser Zusammenbruch ein Zufall war, daran glaubte sie nicht.
„Ich?“ Fragte der Kerl besonnen und kehrte zum Duellpunkt mit langsamen Schritten zurück.
„Können Sie sich bitte um meinen Freund kümmern?“ Fragte Edna leise einige der Einkaufenden, die zögerlich näher kamen, den Jungen aufrafften und fortbrachten. Sein Körper hatte sich beruhigt, doch seine nach innen verdrehten, leeren Augen ließen Edna aufschrecken.
Dann fiel ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Fremden zurück.
„Ja, du! Was sollte das heißen, ewiger Schlaf?! Das hast du doch gesagt!“ Sprudelte es aus dem aufgebrachten Mädchen, während sie sich aufraffte.
„Was hast du vor?“ Quiekte ihre Freundin zuweil aufgeregt von oben, nicht wissend, was sie tun sollte. Doch sie erhielt keine Antwort.
„Ewig währender Schlaf…“ Flüsterte der mysteriöse Mann leise. „…Edna, was meinst du, was bedeutet das?“
Ihr stand er Mund weit offen.
„Wo-woher…“
„…ich deinen Namen kenne, fragst du?“ Eine Weile wartete er ab, bevor er freundlich antwortete. „Weil wir uns kennen.“
„Ich kenn dich nicht!“ Schrie sie wütend und unruhig. Dennoch wollte sie jetzt nicht vom Thema abkommen. „Was hast du Tom angetan!?“
„Es war erforderlich.“ Rechtfertigte der Fremde sich stattdessen.
„Er…foderlich?“
„Genau. Was du heute gesehen hast, dafür sind nun einmal Opfer erforderlich.“ So unheimlich seine Stimme dabei auch klang, Edna unterdrückte ihre Angst.
„Redest… redest du von diesem Mond?“
„In der Tat, das tue ich…“
„Erzähl mir mehr!“ Verlangte sie schroff.
„Würde ich gerne… doch zu welchem Preis? Was kannst du mir geben, das ich begehr’?“
Überrascht von dieser Frage, schreckte sie zurück. „Ich-ich weiß nicht…“
„Tu’s nicht Edna!“ Mischte sich Tara abermals ein und sah ihre Freundin ratlos mit den Schultern zucken. Die Blondine schüttelte bettelnd den Kopf, doch Edna wandte den Blick wieder geradeaus.
„Aber ich. Gewähre mir die Gunst deines Spiels, zeig mir deine Eiseskälte.“ Langsam öffnete sich Ednas Mund. Doch nur stille Gedanken verließen sie, nichts konnte sie darauf antworten.
((Woher weiß er das alles? Meinen Namen, mein… Deck…?))
Dennoch willigte sie schließlich ein.
„Ich will meinem Freund helfen! Erzähl mir, wie ich das mache… am besten erzähl mir alles!“ Lautete ihre strenge Forderung.
Was tat sie da überhaupt, musste sie sich dennoch selbst fragen. Sie brachte sich vermutlich in Gefahr, aber der Drang, Tom zu helfen, machte sie förmlich blind vor Zorn auf diesen Mann.
„Alles sicher nicht… aber das ein oder andere… vielleicht. Geh in Position!“
„Edna!!!“
„Tara, ich muss das tun! Wer weiß was er mit Tom angestellt hat? Wir dürfen…“ Verzweifelt sah das mutige Mädchen zu ihrer Freundin hinauf. Die nickte langsam, mit der Angst, dass Edna dasselbe passieren könnte wie Tom.
Dann stellten sich die beiden Duellanten voreinander auf, umschwärmt von einer Menge hitzig murmelnder Schaulustiger.
„Duell!“ Riefen beide im Chor.
[Edna: 4000LP Unbekannt: 4000LP]
„Verrat mir erstmal deinen Namen!“
„Wer ich bin? Nun, meinen Namen erfährst du nur, wenn du dich auch erinnerst…“ Seine mysteriöse Art kam Edna jedoch nicht im Geringsten bekannt vor.
„Ich weiß nicht einmal, wie du aussiehst. Hör auf, dich unter deinem Mantel zu verstecken!“ Protestierte sie wütend.
„Diese Bitte muss ich ausschlagen, dein Herz soll sich erinnern, nicht deine Augen. Meine Stimme ist alles, was dir ein Indiz auf meine Identität sein kann…“
Sie schnaubte darauf zornig, diese Art wie er mit ihr spielte, brachte sie auf die Palme.
„Von mir aus! Ladies first!“ Sie zog der Reihe nach sechs Karten.
((Wenn der weiß, was ich spiele…)) Zögernd spielte sie ein Monster aus.
„Ich rufe Arctic Flare (ATK/200)!“
Aus dem Boden schoss eine blaue, große Flamme und bildete einen Zirkel um Edna. Jedoch flimmerte einzelne Teile des Feuerkreises manchmal in anderen, bunten Farben auf.
„Danach aktiviere ich noch die dauerhafte Zauberkarte White Blizzard und setze eine Karte verdeckt.“
„Dann ziehe ich…“ Verkündete ihr Gegner leise.
„Hexe vom Schwarzen Wald (ATK/1100)! Doch sie wird nicht lange verweilen, denn durch die Zauberkarte Fulfilling Darkness opfere ich sie sogleich…“
Die eben erst erschienene Hexe mit den braunen Eselsohren und dem dritten Auge löste sich in kleine, schwarze Partikel auf, die sich zu einer neuen Karte zusammenformten.
„Meine Zauberkarte bewirkt, dass ich ein Finsternis-Monster opfern muss, um so ein anderes, höherstufiges Finsternis-Monster aus meinem Deck meiner Hand hinzufügen zu können.“ Er zeigte demonstrativ die Karte seiner Wahl.
„Dark Creation (6). Und vergessen wir nicht, dass auch die Hexe vom Schwarzen Wald einen Effekt besitzt. Dieser gestattet mir nach ihrem Ableben, ein Monster mit dem Höchstwert von 1500 Verteidigungspunkten aus meinem Deck zu suchen und auch dieses auf mein Blatt zu nehmen.“ Sofort durchsuchte er seinen Kartenstapel erneut und zeigte zu Ednas Überraschung noch eine Dark Creation-Karte (DEF/1200).
„Nun solltest du wissen, dass ich Dark Creation als Spezialbeschwörung rufen kann, sollte ich keine Feldkarten besitzen.“
Ein schwarzer Energiezirkel mit fremd wirkenden Runen zeichnete sich auf dem Boden ab. In dessen Mitte führten einige Linien ein Pentagramm zusammen, aus dessen Zentrum eine schwarze Gestalt aus dem Boden brach. Völlig nackt war dieser Zyklop, auf dessen Brust ein rotes Zeichen gebrannt war, ein Kreis mit vier Strichen, die von ihm wegführten (ATK/2200).
„Los mein Monster, greif Arctic Flare an! Dark Laser Beam!“ Brüllte der Unbekannte, allerdings mit gelassenem Tonfall.
„So ein Pech, dein Monster wird sich an meinem die Finger verbrennen.“ Konterte Edna aufgewühlt. Der Zyklop schoss aus seinem Auge einen schwarzroten Lichtstrahl auf die schimmernden Flammen um das Mädchen ab. Diese schossen sogleich in die Höhe, als bildeten sie einen Schutzwall.
„Effekt aktivieren!“ Edna legte eine Karte aus ihrer Hand ab. „Wenn mein Monster kämpft, kann ich ein Wasser-Monster aus meiner Hand ablegen, um seine Angriffspunkte um die Angriffspunkte des abgelegten Monsters zu erhöhen!“
Arctic Flare (ATK/200 zu 2700) reflektierte den Laserstrahl ganz einfach mit einer bunten Spiegelung vor der eigentlichen Flamme und schleuderte die Attacke des Gegners direkt auf den Absender zurück, welcher sofort zersprang.
[Edna: 4000LP Unbekannt: 3500LP]
„Tja, leider wirkt der Effekt nur während dem Kampf.“ Doch Edna schien nicht besorgt.
Arctic Flare (ATK/200)
„Wahrlich, nicht schlecht.“ Doch dann begann ihr Gegner zu lachen.
Zwei schwarze Zirkel - vom Aussehen glichen sie dem vorherigen - bildeten sich vor dem Kerl auf seiner Spielfeldseite und aus den Kreisen brachen zwei neue Zyklopen hervor.
2 x Dark Creation (ATK/2200)
„Sollte Dark Creation eliminiert werden, ruft sie alle weiteren Exemplare von meiner Hand auf das Spielfeld.“ Eine Spur des Triumphes war in seinen Worten zu vernehmen.
((Deswegen hat er…)) Edna schluckte und sah auf ihr Blatt.
Keines ihrer anderen Monster hatte genug Angriffspunkte, um weitere Attacken dieser Monster erfolgreich zu kontern.
„Los!“ Befahl der Mann im schwarzen Mantel jedoch schon.
((Wenn ich gar nichts unternehme, bin ich erledigt. Seine Monster können meine Lebenspunkte mit einem Schlag auslöschen.))
„Ich werfe Ice Knight (ATK/1300) ab, um mein Monster zu stärken!“ Brachte sie verunsichert hervor und ließ ihren Worten Taten folgen.
Arctic Flare (ATK/200 zu 1500)
Der abgeschossene Laserstrahl des ersten Zyklopen umrandete die Flamme an der Vorderseite und brachte sie so zum Erlischen.
„AU…“ Schrie Edna und hielt sich den Kopf.
„Du… du hast… AHHHH… den Effekt von White Blizzard ausgelöst… wenn du eines meiner Monster im Kampf besiegst, verlierst du… 600 Lebenspunkte…“ Erklärte sie stöhnend, während rückwärts stolperte.
Ein heftiger Wind wehte aus ihrer Richtung. Der Mantel des Unbekannten flatterte unruhig vor sich hin, einige Schneeflocken der eisigen Bö setzten sich an ihm ab und lösten sich schließlich auf.
[Edna: 3300LP Unbekannt: 2900LP]
Die plötzlich eintretenden Kopfschmerzen machten Edna Angst. Sie fühlte sich schwindelig, doch hielt sich tapfer auf den Beinen.
Doch schon folgte der direkte Strahlen-Angriff des zweiten Zyklopen, der sie in die Brust traf und durch sie hindurch glitt. Mit weit geöffneten Augen torkelte sie zurück, unter den Aufschreien der Zuschauer und ihrer Freundin.
[Edna: 1100LP Unbekannt: 2900LP]
„Edna, was ist mit dir? Sag doch was…“ Tara war in größter Sorge, denn Edna hielt sich nun mit beiden Händen den Kopf fest.
„Dieses Quietschen, es tut so weh…“ Unter Schmerzen brachte Edna diesen Satz hervor.
„Was? Welches Quietschen?“
„In meinem… in meinem Kopf… macht, dass es aufhört…“ Qualvoll stürzte die Duellantin zu Boden und wippte mit dem Oberkörper vor und zurück, als könnte sie den Schmerz damit lindern.
„DU DRECKSKERL!“ Fauchte Tara den Mann an.
„Hab ich sie denn gezwungen?“ Entgegnete der jedoch kühl.
Somit verstummte Tara und vergoss eine verängstige Träne, doch zu ihrer Erleichterung ging es Edna nun besser, sie rappelte sich langsam auf und setzte einen kämpferischen Blick auf.
„Mehr hast du nicht drauf?“ Dennoch war sie völlig außer Atem. Spätestens jetzt sah sie ein, auf welche Dummheit sie sich da eingelassen hatte, doch um Toms Willen musste sie das jetzt durchziehen.
„Mehr willst du? Diesen Gefallen will ich dir gerne tun…“ Sprach er nun unbeeindruckt und zeigte eine Schnellzauberkarte vor.
„Abyss Polymerization! Recht wirksam, denn für Finsternis-Monster ist sie eine Fusionskarte und somit verschmelze ich meine beiden Dark Creations…“ Leise begann er zu lachen, unter seiner Kapuze huschte ein Grinsen hervor. Es war das erste Mal, dass man etwas von ihm sah.
Die beiden Körper der Zyklopen wurden zueinander gezogen und verschmolzen in einem dunklen Wirbel, der in die sandbraunen Fliesen des Einkaufszentrums verschwand. Dabei entstand genau an dieser Stelle ein breiter Bannkreis, der vom Boden aus wie ein Ring höher stieg und dabei ein Monster generierte.
„Lass deinem Wahn freien Lauf, Dark Prophecy (ATK/3000)!“
„Dieses Ding… ist das Monster, das Tom…“ Tara stockte vor Schreck der Atem.
((Oh nein!)) Edna war von der Größe des neuen, schwarzen Zyklopen beeindruck, wie auch eingeschüchtert.
Auf seiner Brust malte sich ein Symbol ab, ein blaues Dreieck mit drei Linien, die von ihm abgingen. Es begann zu leuchten.
„Meine spezielle Fusionskarte stärkt die Angriffskraft meines Monsters außerdem um 1000.“
Dark Prophecy (ATK/4000)
((4000 Punkte? Und sie hat kein Monster…)) Tara konnte das Ganze nicht mit ansehen. Am ganzen Leibe bibbernd, schloss sie die Augen.
Der Duellant befahl seinem Monster den Angriff.
((Tu doch was?!)) Langsam führte Tara mit wieder geöffneten Augen ihren Daumen zum Mund und biss vorsichtig hinein. Wie zuvor bereits bei Tom, stürmte der Gigant auf das benommene Mädchen zu und holte mit seiner Faust aus.
„So schnell wird das nichts, Ice Beam!“ Schrie Edna im letzten Moment und deckte ihre Falle auf.
„Ich muss nur ein Aqua-Monster, zum Beispiel Arctic Flare, vom Friedhof aus dem Spiel entfernen um den Angriff abzuwehren. Und dabei gehen die Punkte deines Monsters auch noch auf ihren Grundwert zurück!“
Das schwarzhaarige Mädchen atmete tief durch und sah zu, wie sich eine Wolke über dem Kopf des Zyklopen bildete. Erleichtert schüttelte sie ihre langen Zotten.
Aus der Wolke schoss ein frostiger Strahl, der durch seine Wucht und Kälte aus dem Monster eine Eisskulptur machte.
Dark Prophecy (ATK/3000)
„…ich hab noch eine schlechte Nachricht für dich!“ Ein zweiter Strahl wurde aus dem Gebilde abgefeuert, traf jedoch diesmal die Dueldisk von dem Kerl und hinterließ einige Frostspuren.
„Wenn ich noch ein Aqua-Monster, meinen Ice Knight, vom Friedhof entferne, kannst du bis zu deiner nächsten Standby Phase keine Zauber oder Fallen mehr benutzen!“
„Wie du meinst.“ Ließ sich ihr Gegner davon aber scheinbar nicht beeindrucken. „Das ist deine Chance, dich zu beweisen. Ich beende diesen Zug jetzt.“
((Ich muss unbedingt was Gutes ziehen.)) Zitternd berührten Ednas Fingerspitzen das Deck. Mit Schwung zog sie die Karte und konnte aufatmen.
„Immerhin etwas, Topf der Gier!“ Das bedeutete zwei neue Karten für sie, womit sie nun drei auf der Hand hielt.
((Das ist es! Dem wird das Lachen gleich vergehen!)) Dachte Edna schließlich, als sie die neu gewonnenen Karten durchging.
„Ich aktiviere Voreiliges Begräbnis und zahle 800 Lebenspunkte, um Ice Master (ATK/2500) vom Friedhof wiederzuerwecken!“ Das Summen in ihrem Kopf wurde wieder stärker, aber sie versuchte sich zu konzentrieren und es zu ignorieren.
[Edna: 300LP Unbekannt: 2900LP]
Große Schneeflocken tanzten vor Edna auf dem Spielfeld. Aus ihnen entstieg eine blonde, weiß bis himmelblau bekleidete Schönheit. Drohend hielt sie ihr langes Schneeflockenzepter in Richtung des Zyklopen.
„Dieses Monster… eines deiner stärksten.“
Edna fragte sich, woher der murmelnde Kerl das wusste. Diese Karte spielte sie ziemlich selten aus und dennoch, wenn sie den Typen so ansah, ging es ihr kalt den Rücken runter.
„Ja! Jetzt hör gut zu, denn ich platziere durch ihren Effekt nun eine Eis-Zählmarke auf dein Monster!“
Wie aus einer Pistole schoss ein gewaltiger Eis-Kristall aus dem Zepter der Hexe in die Brust von Dark Prophecy.
„Und dann opfere ich Ice Master durch ihren Effekt…“ Doch der Fremde beendete ihren Satz.
„…um alle Monster mit Eis-Zählmarken zu vernichten.“
Sie nickte erbost über diese Unterbrechung und schwang den Arm aus.
Der zu Eis erstarrte Zyklop zersprang darauf in tausende Brocken.
„Damit ist sein Feld frei! Toll gemacht, Edna!“ Jubelte Tara von oben. Auch das „Publikum“ freute sich für das Mädchen und klatschte eifrig.
„Danke, aber ich bin noch gar nicht fertig!“ Grinste dieses und spielte eine Zauberkarte aus.
Vor ihr schoss eine große Eissäule aus dem Boden.
„Du kennst doch sicher Icicle Sacrifice, wenn du schon so gut über mich Bescheid weißt.“ Diese provokante Frage beantwortete ihr Gegner jedoch nur mit einem erneuten Grinsen.
„Ich blockiere mit ihr eine meiner freien Monsterkartenzonen, kann aber im Gegenzug auf ein Eiszapfen-Token (ATK/0) zurückgreifen!“
Die erste Eissäule bekam Gesellschaft in Form einer exakten Kopie, aus welcher jedoch einige Eisstücke brachen und so eine Art Pfeiler darstellten, mit einem breiten Gesicht als Haupt.
„Dieses Token hat einen netten Nebeneffekt…“
„Es gilt als zwei Opfer bei einer Tributbeschwörung.“ Vollendete Tara den Satz. „Ruf den dicken Brocken!“
„Worauf du dich verlassen kannst!“
In weißem Licht verschwand das eben erst erschaffene Token und ließ einen sagenhaften Drachen im Gegenzug erscheinen.
Aus schimmerndem Eis bestand sein Körper, dünne aber standfeste Schwingen erleichterten ihm sein Gewicht. Er gab hohles, kreischendes Gebrüll von sich breitete demonstrativ seine Flügel aus.
„White Night Dragon (ATK/3000)!“ Sangen die beiden Mädchen fröhlich im Chor und streckten die erhobenen Daumen aus. Noch im selben Atemzug war Edna wieder völlig ernst.
„Nieder mit seinen Lebenspunkten!“
„Das war’s!“ Das Publikum war aufgrund des lauten Gemurmels selbiger Meinung wie Tara.
Langsam öffnete der Drache sein Maul und hauchte einen eisigen Wind auf sein Opfer.
Schützend hielt dieses seine Arme vor den Mantel und wurde regelrecht von dem Schneesturm bedeckt. Er stöhnte leicht, blieb aber ansonsten unberührt von dem Angriff.
[Edna: 300LP Unbekannt: 900LP]
„Moment mal?!“ Edna sah die Angriffspunkte ihres Monsters an.
((3000, es hat sich nichts geändert. Aber wie dann…?)) Sie bemerkte, dass er auch noch seine zwei Handkarten besaß.
„Warum stehst du noch?“ Fragte sie schließlich neugierig, wie auch verwirrt.
„Alles dank Dark Prophecy.“
„Der ist doch hinüber…“
„Ja, so kann man es sagen… dennoch dient er mir weiterhin. Als Schild, der mich einmal pro Zug den Kampfschaden um 1000 verringern lässt.“
Das hörte Edna gar nicht gern und verzog das Gesicht. ((Der hat vielleicht Nerven…)) Etwas wütend murrend, beendete sie ihren Zug schließlich.
„Ich spüre, das Duell neigt sich dem Ende entgegen…“ Murmelte der Mann seinerseits leise und spielte die Zauberkarte Seichtes Grab aus.
„Wir beide beleben eines unserer Monster vom Friedhof in verdeckte Verteidigungsposition wieder.“
Edna nickte verwirrt und legte Ice Master verdeckt aufs Feld. Gleichzeitig wählte ihr Gegenüber Dark Prophecy und spielte sie aus.
„Was hast du jetzt davon? Du kannst die Position deines Monsters diese Runde doch gar nicht ändern.“ Doch Edna war sich sicher, dass es einen Grund hatte. Sie fühlte sich überaus unwohl, alles was dieser Kerl tat, machte er immerhin mit unangenehmer Selbstsicherheit.
„Paradox Strike!“ Schrie ihr Gegner dann.
Er hielt eine weitere Zauberkarte in der Hand, auf der sich zwei Dark Creations gegenseitig angriffen mit Laserstrahlen.
„Sie zerstört ein verdecktes Monster auf meiner Spielfeldseite, aber auch auf deiner, solltest du eines kontrollieren.“
Die beiden horizontal liegenden Karten zersprangen, hinterließen dabei aber je einen geflügelten, grauen Zyklopendämon auf beiden Spielfeldseiten.
„Danach erschafft diese Karte ein Token für uns. Und dessen Angriffskraft wird durch die Verteidigung der zuvor zerstörten Monsterkarte errechnet.“
Striker-Token des Unbekannten (ATK/2400)
Striker-Token von Edna (ATK/2000)
„Edna!“ Schrie Tara erschrocken. „Das ist genug Power, um…“
Diesmal konnte sie nicht anders.
Sie löste ihre Blicke mit immer schneller schlagendem Herzen vom Duell und rannte hastig zurück, am Restaurant-Innenteil vorbei zum Fahrstuhl.
„Komm schon!“ Panisch drückte sie auf den Knopf, damit der Fahrstuhl bei ihr ankam.
Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis sich endlich die Türen öffneten und Tara einsteigen konnte.
„Attacke auf ihr Token!“ Hörte sie den Unbekannten bereits brüllen.
Es klingelte und der Fahrstuhl war unten angelangt.
Eilig rannte Tara zur Menschentraube und sah, wie der Dämon sich gerade auf den White Night Dragon stürzte.
„Oh…“ Sie blieb hinter den anderen Zuschauern stehen und lauschte Ednas Erklärung, obwohl sie sie durch die dichte Menschenmenge nicht erspähen konnte.
„Das hättest du wohl gern, aber daraus wird nichts!“ Verlautete die Duellantin kühl.
„Ich kann nämlich eine Zauber- oder Fallenkarte von meiner Spielfeldseite auf den Friedhof legen, um den Angriff umzulenken auf meinen White Night Dragon.“
((Welche Karte kann sie denn opfern? Ach ja, White Blizzard…)) Fiel es Tara erleichtert ein.
Sie blickte auf, denn der Drache schoss einen eisigen Strahl auf den beflügelten Dämon und fror ihn in der Luft ein.
Der erstarrte Körper fiel zu Boden und zersprang mit einem lauten Klatschen. Zeitgleich hörte man ein dumpfes Geräusch, als wäre noch etwas auf den Boden gefallen.
Die Leute schrieen auf.
((Was ist da los? Wie… oh nein!))
Die Hologramme verschwanden.
„Was-was ist da los?“ Sie zitterte am ganzen Leib, ein unheimliches Gefühl durchfuhr sie, denn etwas musste schief gelaufen sein. Ein Mann drehte sich geschockt zu Tara um.
„Das Mädchen ist gerade zusammengebrochen.“
„Edna? EDNA!!!! Oh nein...!!!“
Absolut in Panik geraten und laut den Namen der Freundin rufend, zwängte sich Tara nach und nach durch die Menschenmenge und lief zu dem Mädchen, das mit ausgebreiteten Gliedmaßen am Boden lag.
[Edna: 0LP Unbekannt: 900LP]
„Nein, nein… was…“
Tränen vergießend, bückte sie sich zu Edna, die mit weit offenen Augen da lag.
„Hätte ich ihr sagen sollen, dass sie den Kampfschaden davonträgt, sollte ich nur das Token kontrollieren?“ Fragte der Mann Tara provozierend, welches sie mit feuchten Augen zu ihm drehte, während sie den Kopf ihrer Freundin auf den Schoß liegen hatte und streichelte.
„Sie… sie hatte keine Chance?!“ Stellte das weinende Mädchen wütend fest.
„Natürlich nicht. Oder meinst du, ich würde die kleine Edna gewinnen lassen?“ Mit diesen Worten drehte der Kerl sich abrupt um und ging.
„Ach ja, ihr wolltet ja noch wissen, wie ihr eurem kleinen Freund helfen könnt…“ Der Mann blieb kurz stehen. „Gar nicht… er ist verloren auf ewig, schlafend.“
Wie schon einmal zuvor, machten die feigen Zuschauer sofort Platz und sahen hinterher, wie der Fremde schweigend durch den großen Haupteingang das Gebäude verließ.
„Ta…ra…“ Flüsterte eine leise Stimme.
Zunächst nicht begreifend, stammelte die Angesprochene dann: „Edna! Du…“
Das schwarze Mädchen richtete sich benommen auf und hielt sich den Schädel.
„Mir ist schwindelig… und ich hab Kopfschmerzen…“ Stöhnte sie.
„Dir geht’s gut? Du… oh…“ Laut heulend klammerte sich Tara an ihre Schulter.
„Sieht so aus. Aber Tom…“
Die beiden Mädchen sahen sich einen Moment lang an.
„Wo ist dieser Kerl?!“ Fragte Edna dann sofort erzürnt.
Tara schüttelte mit bedrückter Miene den Kopf, sie konnte das Glück im Unglück noch gar nicht fassen.
„Weg…“
Als sie das hörte, schrie Edna vollkommen verärgert und sprang auf, nur um benommen rückwärts zu stolpern.
Tara sah ihr dabei schluchzend zu.
„Er… er sagte man kann Tom nicht mehr helfen. Edna, woher kennst du den Mann?“
„Ich sagte doch schon, ich kenn ihn nicht. Jedenfalls erinnere ich mich nicht…“ Fauchte die voller Enttäuschung. Sie hatte verloren, und nun verstand sie, was Harris fühlte. Nur dass es hier noch tausendmal schlimmer war.
Was sollte denn jetzt aus Tom werden?
„Jedenfalls scheint es dir gut zu gehen, ich bin ja so froh…“ Tara fiel ihr wieder in die Arme.
„Was wollte der bloß von Tom? Was hat es nur mit… allem auf sich?“ Fragte Edna besorgt und streichelte den Rücken ihrer Freundin, bevor sie sich losließen.
„Egal was es war, Tom… ist…“ Schluchzte Tara erneut und rieb sich Tränen aus den Augen.
„WIESO HAT KEINER WAS GETAN?!“ Schrie die sonst so ruhige Schülerin dann die umstehenden Leute an, die sofort aufschreckten und das Weite suchten. Edna hielt sie sofort wieder fest.
„Wir müssen zurück zu ihm, der Arzt sollte bald kommen. Okay…?“ Schlug sie dann einfühlsam vor. Tara nickte nur benommen.
So liefen die beiden mit gesenktem Kopf und schweren Herzens in das Bekleidungsgeschäft, wo bereits ein Verkäufer und die junge Dame, die den Krankenwagen rief, vor dem Eingang warten. Dort hatte man Tom hingebracht.
Eins stand jedoch von vorneherein fest, die unter Schock stehenden Mädchen würden an diesen Tag noch lange denken...
Turn 105 - The journey
Tom ging es sichtlich schlecht. Er lag im Krankenhaus und hatte hohes Fieber. Keiner der Ärzte wusste, was der Junge überhaupt hatte. Dennoch hielt Tara an ihrem Plan fest und ging zu dem Treffen. Es erwartete sie am Hafen eine Frau namens Reika, die Tara bereits erwartet hatte…
Ednas Deckliste
Unbekannt Deckliste
-Aska- - 28. Apr, 13:10