Turn 14: Return to duel! Legendary Ace Duelist!
Einige Tage waren vergangen.
Anja und Mark saßen zusammen auf der Bank des Schulhofs unter dem Schatten des Baumes, der in der Ecke des, von Zäunen abgegrenzten Areals stand.
Die Hitze war mörderisch, über 30°, was sich schon seit einigen Tagen konsequent durchzog und so war es nicht verwunderlich, dass das Mädchen im weißen Minirock, dazu passenden Sandalen und Spagettiträgertop mit offenen Haaren zur Schule kam.
„Immer noch keine Spur von Frank?“ Erkundigte Mark sich.
Sein hellblaues Hemd war bis zur Brustmitte aufgeknöpft. Die Schülerin schüttelte nur den Kopf und fächerte sich weiter mit einem provisorisch, aus normalem Schreibpapier gebastelten Fächer Luft zu.
„Er war die ganze Woche nicht da.“ Grübelte Mark. „Scheinbar ist er da wirklich in etwas hinein geraten.“
„Mir doch egal...“ Stöhnte Anja. Ihr weißer Hut spendete ebenfalls noch etwas Schatten. Durch ihre Sonnenbrille sah sie Nick bereits auf sie zukommen, mit drei roten Cola-Dosen in der Hand.
„Ich hatte Wasser bestellt...“ Nuschelte das Mädchen, als er ankam und riss ihm eine der Dosen aus der Hand.
Mark hingegen verhielt sich wie üblich höflich. „Danke.“
„Oh man, die Hitze bringt einen noch um.“ Ächzte der große Nick und verzog das Gesicht. „Und Anja, nun erzähl uns endlich, was du uns sagen wolltest.“ Forderte er dann.
„Also... unsere namenlose Schönheit ist mir letzte Nacht im Schlaf begegnet.“ Fing das Mädchen dann an zu erzählen.
Anja stand in der Finsternis, wie sie es schon des Öfteren tat. Doch es war nicht, wie sonst üblich, absolute Dunkelheit. Diesmal leuchteten aus der Ferne die Sterne über ihrem Kopf, es war, als würde sie auf einer Aussichtsplattform stehen.
((Was sie nun wieder will?)) Ärgerte sich das Mädchen dabei und beobachtete die Unbekannte, wie sie in einem weißen Kimonokleid auf sie zu stolzierte. Ihr langes, schwarzes Haar reichte weit hinab, war offen und glatt wie eh und je.
„Hey du!“ Pflaumte Anja sie an, als die beiden sich in fünf Metern Entfernung gegenüber standen. „Du hast meinen schönen Traum von Russell Crowe unterbrochen! Was willst du diesmal? Ein Duell? Mir irgendwelche Szenen von Tod und Zerstörung zeigen? Heh?“
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Vergiss es, ich lass mich auf so was nicht mehr ein! Kannst du nicht einfach verschwinden!?“
„Ich fürchte, das ist nicht möglich...“ Antwortete die Fremde. Ihre grauen, traurigen Augen ließen Anja innehalten. Die Dame neigte ihren Kopf zur Seite, als würde sie der Schülerin ungern in die Augen sehen.
„’Tschuldigung.“ Reagierte Anja plötzlich kleinlaut. „War nicht so gemeint. Es ist nur...“
„Ich versteh dich.“ Sagte die Unbekannte, ohne rüber zu schauen. „Die Situation, in der wir uns befinden, ist unlösbar. Ich kann deinen Körper nicht verlassen, selbst wenn ich es wollte...“
Anja reagierte darauf äußert schockiert und hielt die eine Hand mit der anderen auf Kinnhöhe fest. „Das heißt, du bleibst für immer hier?“
„Diese Möglichkeit besteht. Es sei denn, wir gelangen in den Besitz meines wahren Körpers. Doch das ist... unmöglich.“ Bedrückt ließ sie den Kopf hängen.
„Das... das tut mir leid.“ Nicht wissend, ob sie wütend sein oder Mitgefühl haben sollte, versuchte Anja, das unangenehme Thema hinauszuschieben. „Warum treffen wir uns hier? Gibt es etwas Neues?“ Dabei blickte sie hoch in die Sterne.
„Nun, ich möchte dir etwas erzählen.“
„Schieß los!“ Forderte Anja sie keck auf und versuchte zu grinsen, doch es gelang ihr nicht recht, da sie im Hinterkopf noch über das vorher Gesagte nachdachte.
„Wie du dir bestimmt schon gedacht hast, komme ich aus einer anderen Welt.“
„Ja...“ Murmelte das Mädchen.
„Aber davon erzähle ich dir ein anderes Mal. Wichtiger ist das, was ich dir jetzt sage. Jede Welt... egal ob meine oder deine... hat einen Schutzschild um sich, einen ganz besonderen.“
„Huh?“ Anja versuchte sofort, sich das bildlich vorzustellen. „Du meinst so was wie die Ozonschicht und der ganze Kram?“
Doch die Frau schüttelte lachend den Kopf. „Nein, nein.“
„Etwa so’n Schutzschild vor Alienangriffen?“ Daraufhin wurde Anja völlig verdutzt angeschaut. Etwas irritiert lächelte die Fremde, hielt eine ihrer Hände vor sich und sprach weiter. „Nein, nichts dergleichen. Dieser Schutzschild dient nur zu einem Zweck: eine Welt im Gleichgewicht zu halten. Ich kann darauf jetzt nicht genauer eingehen, aber hör zu.“
Nun deutete sie hoch in den Sternenhimmel.
Als Anja ebenfalls nach oben blickte, sah sie neben den helleren, kleineren und größeren Sternen auch farbige. Sieben an der Zahl, die wie ein folgt angeordnet waren.
Zuerst waren sich ein roter und ein dunkelblauer Stern gegenüber. Auf selben Abstand weiter weg von ihnen leuchtete über dem roten ein grüner und über dem anderen ein gelblicher. Selbiges führte sich einmal mehr fort, denn über gelb thronte orange und über grün ein violetter Stern. Dann kam als Spitze noch ein hellblauer, was das Bildnis in entfernter Weise wie ein Haus erscheinen ließ.
„Haben die da eine bestimmte Bedeutung?“ Fragte Anja nach.
„Gewiss, denn sie sorgen für die Balance dieses Planeten mit einer ganz besonderen, anderen Welt. Und das in Form von sieben Auserwählten.“
„Oh man...“ Anja neigte ihren Kopf hinab und sah rüber zur Fremden. „Und wer sind die?“
„Ja, wer sind die?“ Fragte Nick schon ganz gespannt, während er vor Anja hockte.
„Weiß ich nicht, der Traum war an dem Punkt vorbei.“
Enttäuscht deswegen stöhnte Nick laut. „Das ist nicht fair. Immer wenn’s interessant wird, kommt was dazwischen.“ Dann gluckste er: „Das ist wie zwischen dir und mir.“
„Nur, dass es zwischen uns noch nie interessant war, du Trottel!“ Keifte Anja ihn wütend an.
„...aber was bedeutet das?“ Fragte Mark dann.
„Als wenn ich das wüsste. Ich hab keine Ahnung, ob überhaupt ein Zusammenhang mit dem Ärger in Livington und Umgebung besteht.“ Meinte Anja gleichgültig. „Immer nur mehr Fragen, keine Antworten. Das ist frustrierend!“
„Ich denke schon, dass da eine Verbindung vorhanden ist.“ Meinte Mark nachdenklich. Schließlich klingelte es schrill: die Hofpause war vorbei.
„Kommt, wir müssen wieder rein. Unterhalten wir uns ein anderes Mal weiter.“ Sagte Anja und sprang von der Bank auf, ging an Nick vorbei.
„Och neeeeee... bei solchen Temperaturen ist die Schule unerträglich.“ Jammerte Nick und merkte nicht mal, dass man ihn einfach sitzen beziehungsweise hocken ließ.
- derweil in Domino-City -
Ein kleiner Kartenladen.

Ein Junge kam gerade die Treppe runter gerannt. „Ich gehe zu Joey, Großvater…“
Ja, darauf freute er sich. Mit jeder Stufe wurde sein Lächeln breiter. Auf der vorletzten blieb er noch mal stehen und griff in seine Hosentasche.
Ein Deck kam hervor, aber nicht irgendeins. Der Junge mit den stacheligen Haaren, die an der Spitze ins rosarote übergingen fühlte, wie sein Herz schneller schlug. Dann machte er einen Sprung, wobei sein blonder Pony durch die Luft wehte und landete auf dem Boden, bevor er den Hauptteil des Ladens betrat.
„Mach das Yugi, aber weck mich nicht, wenn du heim kommst.“ Rief ihm sein Opa glücklich zu, während er den Tresen putzte. Den Lappen legte er dann weg und sah zu, wie sein Enkel sich kurz vor der Tür zu ihm umdrehte.
„Natürlich, Großvater.“
„Und richte Joey liebe Grüße aus.“
„Geht klar. Bye!“
Damit verließ Yugi Muto, von allen als der legendäre Duellant gefeiert, den Game Shop. Der alte Mann sah ihm etwas betrübt hinterher.
((Ach Yugi… fast ein Jahr ist vergangen, seit der Pharao in seine Welt zurückgekehrt ist. Du bist viel selbstbewusster geworden.)) Stolz lächelte Solomon Muto und atmete tief durch.
- auf dem Weg zu Joey’s Haus -
Es war bereits dunkel draußen. Dummerweise hatte Joey nicht eher Zeit, aber das machte Yugi nichts aus. Er wollte sein neu modifiziertes Deck unbedingt ausprobieren, besonders gegen Joey.
Und so zog er durch die Straßen. Hier in der Gegend wirkte die Landschaft eher wie eine Vorstadt. Schön gepflegte Gärten, bunte Häuser, die ein oder andere Mauer, welche als Zaun diente... ein schöner Anblick.
Der Junge dachte nach. ((Ich frage mich, was das zu bedeuten hat… in den Medien werden immer mehr Duellanten erwähnt, die bewusstlos in Seitenstraßen oder an dunklen Orten gefunden werden.))
Während er weiterging, sah er den Asphalt unter sich an. ((In dieser Gegend jedoch hört man gar nichts davon. Dennoch mache ich mir Sorgen...))
Yugi spürte einen kalten Schauder über den Rücken laufen und sah auf. Einige Meter weit von ihm entfernt stand eine Person, die eine schwarze Kutte trug. Die Kapuze war über das Gesicht gezogen, doch ein Blick auf die enorm langen Finger reichte, damit Yugi die Lage einschätzen konnte.
„Seid Ihr Yugi Muto?“ Fragte der Fremde höflich. „Der König der Spiele?“
Der kleine Jugendliche nickte. „Ähm… ja, der bin ich.“
„Ich habe die Anordnung und den Wunsch, Euch zu eliminieren…“
Yugi stieß einen leisen Entsetzensschrei los. „Warum?“
„Ich fürchte, Eure Seele ist ein wichtiger Bestandteil für unseren Plan. Demnach muss ich sie Euch wohl nehmen.“
Yugi verzog böse das Gesicht. „Meine Seele?“ Dann bemerkte er die Dueldisk am Arm des Fremden. „Verstehe, du willst dich um sie duellieren...“
„Ganz recht…“
Der Junge sah sich um. Hier war niemand, der ihm hätte helfen können. Die meisten Lichter in der Straße waren schon erloschen. Ihm blieb wohl keine andere Wahl.
Dennoch ließ er einer Überlegung freien Lauf. „Du steckst hinter die Leute im Koma!“
„Möglicherweise? Ich bin nur ein Diener meines Meisters.“
In der Tat hatte Yugi sich so etwas bereits gedacht. „Wer ist dein Meister?“ Wollte er wissen und die Antwort kam genauso prompt wie sie berechenbar war.
„Es liegt nicht an mir, Euch das zu sagen. Ich würde Euch zudem bitten, diese Fragerei zu unterlassen, sie schindet nur Zeit.“
„Okay... eine Frage habe ich aber noch.“ Es hatte keinen Sinn, dachte sich Yugi. „Wie ist dein Name?“
Zuerst antwortete der Fremde nicht. Er griff nach seiner Kapuze und zog sie langsam hinab. Zum Vorschein kam zuerst die selbstgefällige Visage, die geheimnisvoll lächelte. Viel ungewöhnlicher war seine Frisur. Ein langes Stück des Ponys fiel wie ein Pferdeschwanz nach vorne, während seine eigentlichen Haare nach hinten gekämmt waren. Zu beiden Seiten an der Stirn standen ebenfalls dicke Strähnen ab, die entfernt an Hörner erinnerten.
„Mein Name ist Seymour Guado. Und jetzt macht Euch zum Duell bereit...“ Verlautete der Mann wohlwollend. „...um Eure Seele.“ Sein blaues Haar schimmerte durch das Licht des Mondes.
Fragen über Fragen quälten Yugi zu diesem Zeitpunkt. Zumindest hatte es einen Vorteil, dass er von diesem Kerl überrumpelt wurde: er hatte nun die Gelegenheit, ihn aufzuhalten und vielleicht ließ der Fremde dabei zufällig die ein oder andere Information los.
„Schön, ich stelle mich dir! Zeit für ein Duell!“
Seymour verbeugte sich dankend.
[Yugi: 4000LP Seymour: 4000LP]
Beide Spieler zogen fünf Karten.
„Ich beginne!“ Rief Yugi entschlossen. ((Ich muss vorsichtig sein, denn ich kenne seine Strategie nicht. Aber mit dem Herz der Karten...))
Zuversichtlich starrte er sein Blatt an.
- Roter Apparat
- Stronghold, die mobile Festung
- Schweigsamer Schwertkämpfer LV3
- Spiegelkraft
- Letztes Angebot
Zusätzlich fügte er seine eben gezogene Karte „Schweigsamer Magier LV4“ noch hinzu. Einen Moment dachte er nach.
„Ich beschwöre Roter Apparat im Angriffsmodus (ATK/1300)!“ Schrie er dann und legte jene Karte auf seine Dueldisk.
Es dauerte einen kurzen Moment, bis das rote, kleine Männchen vor dem Jungen erschien. Auf dem Rücken trug es ein Zahnrad. „Damit darf ich mir nun den Gelben Apparat vom Deck suchen.“ Erklärte der Junge und zeigte das Effektmonster vor.
„Eine sehr interessante Eröffnung, werter Yugi. Ich erwarte schon mit Freude den Schwarzen Magier...“
„Ich muss dich enttäuschen.“ Sagte Yugi, während er drei Karten verdeckt ausspielte. Die Karten lagen vergrößert vor ihm und machten ein leises Zischgeräusch. „Der Schwarze Magier befindet sich im Moment nicht in diesem Deck.“
Seymour blickte daraufhin enttäuscht drein. „Das ist bedauerlich. War das die Idee des Pharaos?“
„Ihr wisst vom Pharao?“ Yugi erschrak. Sein Gegner hingegen war über diese Tatsache äußerst amüsiert.
„Ahahaha, Yugi… denkt Ihr wirklich, wir würden nicht über Euch Bescheid wissen? Wie naiv.“ Seymour lächelte tückisch. „Wir haben Euch beobachtet und kennen Euren Kampfstil. Ein paar neue Monster werden mich nicht aufhalten können...“
Der Junge jedoch setzte einen ersten Blick auf. „Scheinbar seid ihr nicht auf dem neuesten Stand. Der Pharao ist nicht mehr in dieser Welt.“
Damit hatte Seymour nicht gerechnet. Sein Gesicht erinnerte für einen kurzen Augenblick an eine erstarrte Maske, bevor er sprach. „...das ist...“ Doch dann lächelte er wieder zwielichtig. „...eine äußerst überraschende, aber positive Nachricht.“
Yugi seinerseits setzte zu einer neuen Frage an. „Wer seid ihr?“
Seymour kicherte. „Niemand und doch... Ihr werdet es sicher selbst noch erfahren. Aber nun beginnt mein Zug.“
Mit seinen langen Fingern griff er nach dem Deck in seiner schwarzen Dueldisk und zog die Karte. „Ich bin mir sicher, diese Karte wird kein großes Hindernis für euch sein. Ich beschwöre Deoxy Chimera (DEF/2300)!“
Ein dreiköpfiges Monster tauchte auf. Braunes Fell, ein an einem Hund orientierter Körper und je ein Adlerkopf, eine Schlange, ein Löwe mussten sich diesen teilen.
„Diese Karte muss im offenen Verteidigungsmodus gerufen werden. Je nach Situation kann dies ein Nachteil oder Vorteil sein. Damit endet mein Zug auch sogleich.“ Seymour war scheinbar äußerst entspannt. Diese Sicherheit ließ Yugi seinerseits umso vorsichtiger werden.
((Er hat nicht einmal eine Karte zum Schutz ausgespielt. Da ist etwas faul...)) „Ich aktiviere in der End Phase meine Stronghold, mobile Festungs-Fallenkarte! Diese wird zu einem Monster (DEF/2000)!“ Ein gewaltiger Roboter aus blankem Stahl tauchte vor Yugi auf. Sein gut gepanzerter Körperbau wies bei der Brust drei Vertiefungen auf, in die Zahnräder reinpassten.
„Ich bin beeindruckt. Eine Falle, die in Wirklichkeit ein Monster ist. Dieses Spiel verspricht äußerst spannend zu werden.“ Murmelte der Blauhaarige leise vor sich hin.
Yugi fühlte innerlich eine gewisse Aufregung, die sich entwickelte. „Mein Zug! Und ich beschwöre Gelber Apparat (ATK/1200) in die Angriffsposition!“
Neben dem roten Zahnradmännchen tauchte nun auch ein gelbes auf.
„Jetzt darf ich mir vom Deck den Grünen Apparat suchen.“ ((Er hat keinerlei Fallen gelegt... das ist die Chance!)) Überlegte Yugi und beruhigte sich, während er die Karte aus seinem Deck suchte. Dann schwang er den Arm aus und öffnete damit eine zweite, dauerhafte Falle neben seiner Stronghold-Karte. „Letztes Angebot! Nun darf ich jeden Zug so viele Monster als Normalbeschwörung rufen, wie ich will. Jedoch kostet mich das jedes Mal 500 Lebenspunkte.“ Doch das störte ihn nicht. Bevor er jedoch den Effekt benutzte, wechselte er sein Fallenmonster in den Angriffsmodus (ATK/0).
Dann legte er schlagartig den Grünen Apparat (ATK/1400) und Schweigsamer Schwertkämpfer LV3 (ATK/1000) auf die Dueldisk. Kurz darauf tauchte ein kleiner, blonder Krieger im stylischen, schwarzen Ledermantel vor Yugi auf und buckelte sein kurzes Breitschwert, während sich das neue, grüne Zahnradwesen zusammen mit seinen Artgenossen in die Brustpanzerung von Stronghold einbettete.
Stronghold, die mobile Festung (ATK/0 zu 3000)
Doch etwas stimmte nicht. Schlagartig schriee Yugi voller Schmerz auf. „GYAAAAAAAAHHHHHHH!“
[Yugi: 3000LP Seymour: 4000LP]
Dunkelheit umrandete Yugis Körper. Teile seiner Arme lösten sich auf, die Verbindung zwischen Schulter und Gelenk war fast vollkommen durchsichtig.
Geschwächt fiel der Junge auf die Knie und streckte die Arme aus, damit er sich vom Boden abstützten konnte. Der Schmerz in seinen Knochen war noch längst nicht vergangen, aber ihn beschäftigte nur ein Gedanke. „Das Reich der Schatten... wie ist das-!?“
Violetter Nebel huschte durch die Gassen. Alle Lichter der Häuser und Straßenlaternen waren erloschen, nur noch der Vollmond über ihnen spendete Licht. Es war kalt.
„Genau… und Ihr kennt ja die Regeln… für jeden Lebenspunkt, den wir verlieren, löst sich ein Teil unseres Körpers auf und wenn einer von uns verliert, bekommt das Reich der Schatten unsere Seele.“ Seymour lachte grausam. ((Aber das ist noch nicht alles, werter Yugi.))
((Oh nein!)) Dachte der Junge entsetzt. ((Wie kann er das Reich der Schatten rufen?))
„Rappelt Euch auf, mein Lieber.“ Bat Seymour freundlich. „Euch so zu sehen ist fast eine Schande. Ihr seid der König der Spiele.“
Erbost stand Yugi auf und atmete tief durch. „Bitte, wir dürfen nicht weiter machen. Das ist viel zu gefährlich!“
Doch sein Flehen wurde mit einem spöttischen Lachen abgeschmettert. „Das ist der Sinn.“
((Er meint es wirklich ernst.)) Dachte Yugi besorgt. ((Ich darf auf keinen Fall verlieren!))
Was Yugi Sorgen bereitete, war Seymours absolute Gelassenheit. Obwohl er im Angesicht vom Roten (ATK/1300), Grünen (ATK/1400) und Gelben Apparat (ATK/1200), sowie Stronghold (ATK/3000) und Schweigsamer Schwertkämpfer LV3 (ATK/1000) stand, war er die Ruhe selbst.
„Dann bleibt mir keine Wahl!“ Rief Yugi entschlossen. „Ich zerstöre mit Stronghold, der dank der drei verschiedenen Apparate auf dem Feld nun 3000 Angriffspunkte hat, Deoxy Chimera (DEF/2300)!“
Das dreiköpfige Ungetüm sah nur noch, wie der Maschinentitan seine Hände nach vorne richtete, und Raketenwerfer aus ihnen hervorschnellen ließ. Das Abfeuern passierte so schnell, dass die Schimäre nicht einmal schreien konnte, als sie explodierte.
Als der Rauch sich jedoch verzog, stand da ein neues Monster (DEF/0).
„Wo kommt-!?“ Yugi sah irritiert in Seymours blaue Augen. Der kicherte amüsiert.
In einen weißen Wintermantel verhüllt, stand eine kindliche Magierin mit silbernen Zepter dar und schüttelte ihr bonbonfarbenes Haar.
„Ihr wart mir gerade sehr behilflich, Yugi.“ Seymour lächelte falsch. „Es war dumm, Deoxy Chimera zu zerstören, während sie meine einzige Karte auf dem Feld war. Denn dadurch erlaubt sie die Beschwörung eines Monsters ohne Angriffs- oder Verteidigungspunkte von meinem Deck. Diese Karte hier nennt sich Young Summoner.“
Yugi stieß ein erschrockenes Stöhnen hervor. „Schweigsamer Schwertkämpfer LV3!“
Der kleine Krieger sprang in die Luft, vollführte einen Salto und raste mit der Klinge hinab auf den Feind. Er zerteilte die junge Beschwörerin, die leider nur eine Illusion war.
Das wahre Monster stand neben dem Gegner.
„Verzeiht, Yugi, aber ich habe den Angriff durch den Effekt von Young Summoner geblockt.“
Doch Yugi gab so schnell nicht auf. „Los, Gelber Apparat!“ Das Zahnrad schoss aus der Brust des Maschinenkoloss einen Energiestrahl aus seinen Augen und tötete die Magierin vor den Augen Seymours.
„Dieses Mal hat es die Attacke nicht abgewehrt.“ Erkannte Yugi erleichtert. „Grüner und Roter Apparat! Doppelter direkter Angriff!“
Seymour schloss die Augen, als die anderen beiden Zahnradkrieger ebenfalls Laserstrahlen aus ihren Augen auf ihn schossen. Direkt in der Brust trafen sie ihn, das Cape war verschmort und befleckt von Blut, doch der Mann schrie nicht einmal vor Schmerz.
[Yugi: 3000LP Seymour: 1300LP]
((Er ist ganz schön hart im Nehmen.)) Dachte Yugi beeindruckt, obwohl Seymours Arme und Beine, sowie sein Hals nun fort waren. „Mein Zug endet hier!“
Seymour lachte leise, fast schon unhörbar. Er steigerte seine Stimme, je länger er so fortfuhr und hielt sich die flache Hand vor den Mund. „Das wird wahrlich ein Vergnügen.“
Dann zog er.
„Es ist wirklich leicht, Euch zu manipulieren...“ Sagte der Mann dann. „So ein braves Kind, es schickt, wie es sich gehört, mein Monster auf den Friedhof.“
„Ah!“ Yugi sah erschrocken, wie eine Lichtsäule vor Seymour aus dem Boden stieg.
Bunte, kleine Sphären umrandeten sie und ließen die düstere, neblige Gegend etwas einlandender anmuten. Dann war es soweit, die Säule verschwand und es stand ein Monster da, es war die junge Beschwörerin.
„Durch das Entfernen von Young Summoner von meinem Friedhof, ist es mir gestattet, Skilled Summoner von meiner Hand speziell zu rufen (DEF/2200)!“
Etwas hatte sich an dem Mädchen verändert. Der Wintermantel wirkte aufwendiger, sie selbst viel älter und erwachsener. Das Silberzepter in ihrer Hand wies nun ein Kreuz an der Oberseite auf, wobei die Spitzen mit blauen Edelsteinen besetzt waren.
„Aber dies ist nur ein Vorgeschmack. Wisst Ihr, in meiner Welt gibt es mächtige Wesen... sie werden Bestia genannt...“
Yugi indes sah verwirrt drein. „In... deiner Welt?“
„Das tut nichts zur Sache. Aber diese Bestia konnten nur von bestimmten Menschen kontrolliert werden, genannt Medium. Und so eins siehst du vor dir, eine Beschwörerin alter Bestien.“
Ein starker Wind wehte über die Straße. Der Nebel des Schattenreichs wurde aufgewirbelt, es wurde noch kälter als zuvor. Ein Schrei hallte von weit oben in der Luft herab.
„Nun werde ich eine dieser Kreaturen beschwören. Es kostet mich zwar für jeden Stufenstern 100 Lebenspunkte, sechs davon besitzt meine Bestia, doch allein das ist es wert.“
Eine der dichten Wolken am Himmel wurde in ihrem Zentrum auseinander gerissen. Eine geflügelte Gestalt raste mit hoher Geschwindigkeit herab zu den beiden Duellierenden.
„...komm herbei! Aeon Valefor (ATK/2100)!!!“
[Yugi: 3000LP Seymour: 700LP]
Fast der ganze Körper von dem Blauhaarigen hatte sich aufgelöst, doch er lächelte nur verschmitzt.
Das Biest machte über den Köpfen von Seymour und seiner Beschwörerin Halt. Ein glockenheller, anmutiger Schrei kam aus dem Maul der finsteren Vogelbestie. Ihr Körper war lang und zierlich, die breiten Schwingen dünn und zerbrechlich, doch das grauschwarze Ungetüm machte einen sehr gefährlichen Eindruck.
„Nun werdet Ihr einen kleinen Eindruck von der Macht meines Decks gewinnen. Valefor, vernichte den Gelben Apparat!!!“
Das Monster öffnete seinen verhältnismäßig kleinen Schnabel und lud eine mächtige Energieattacke auf. Doch Yugis Blick verhärtete sich.
„Nein, das lasse ich nicht zu! Ich aktiviere meine Falle Spiegelkraft und reflektiere deinen Angriff damit! Dein Monster wird zerstört werden!“
Um Yugi und seine Monster herum zog sich ein gewaltiger Spiegel, der das Antlitz Valefors widerspiegelte, das gerade den Angriff abfeuerte.
„Das sehe ich in der Tat anders.“ Meinte Seymour lachend. „Denn ich kette auf deine Falle einen Zauber aus meiner Hand an! Sphero Break!“ Die Beschwörerin schnippte finster lächelnd mit dem Finger.
Der Spiegel zerbrach. Erschrocken sah Yugi mit an, wie Stronghold vom Laserstrahl in die Brust getroffen wurde und der Gelbe Apparat elendig darin verbrannte.
[Yugi: 2100LP Seymour: 1900LP]
„AHHHHHHHHHHHHHHHHHHH...“ Yugis ganzer Körper schmerzte. Er hielt es nicht aus, diese Qual. Erschöpft und stöhnend hielt er sich gerade so auf den Beinen. Schweiß von seiner Stirn tropfte auf den Boden.
„Dank Sphero Break konnte Skilled Summoner Eure Falle ausschalten. Und nun, wo Valefor ein Monster vernichtet hat, werden dessen Angriffspunkte in Lebensenergie umgewandelt, die auf mich übergeht.“
„Ghhhh...“ Yugi konnte kaum sprechen. „Das ist... nicht fair...“
Zusätzlich verlor seine Maschinenkreatur nun ihre Angriffspunkte, da der Gelbe Apparat ausgeschaltet war.
Stronghold, die mobile Festung (ATK/3000 zu 0)
„Nicht fair?“ Seymour zog eine seiner feinen Augenbrauen hoch. „Werter Yugi, ich werde Euch zeigen, was in der Tat nicht sehr fair ist. Mein Zauber Overdrive Attack!!!“
Valefor spreizte ihre Schwingen auf ein Maximum und stieg höher.
„Mit diesem Schnellzauber kann eine Aeon sooft angreifen, wie das von ihr zerstörte Monster Stufensterne besaß!“
Sie wedelte mit dem Kopf, sodass der lange Zopf nach vorne flog und einen Kreis zeichnete, der hinab auf Yugis Spielfeldseite gerichtet war.
„Das sind vier Angriffe!?!“ Schriee Yugi voller Entsetzen, da Gelber Apparat der Stufe vier angehörte. Seymour seinerseits grinste bösartig.
„Exakt! Jedoch fügt jede dieser Attacken nur 500 Punkte Schaden zu.“
In diesem Zirkel formten sich Runen zu einem Pentagramm und die Vogelbestie bereitete im Maul einen neuen, noch mächtigeren Energieangriff vor. Dieser wurde in Form eines gewaltigen Strahls durch jenen Kreis auf die vier Monster von Yugi abgefeuert.
Eines nach dem anderen ging in dieser gewaltigen Lichtspirale unter. Eine extrem mächtige Explosion erschütterte den Boden. Der Jugendliche ging darin unter.
„Mhmahahahahaha...“ Lachte Seymour größenwahnsinnig und starrte zur qualmenden Stelle hinüber. „Ich erhalte nun alle Angriffspunkte Eurer Monster zu meinen Lebenspunkten dazu! Ist das nicht fantastisch?“
[Yugi: 100LP Seymour: 5600LP]
Der Rauch verschwand.
Wie er es genoss, dachte sich Seymour und betrachtete Yugi, fast gänzlich verschwunden, nur noch Hände, Füße und der Kopf, wie er da am Boden lag. Offenbar hatte er das Bewusstsein verloren. Der Mann selbst hingegen hatte wieder seinen kompletten, in Schwarz verhüllten Körper.
Valefor derweil kam wieder hinab und schützte sich dann mit ihren Schwingen, während sie über Seymour schwebte.
Aeon Valefor (DEF/1400)
Obwohl er sich nicht sicher war, ob man ihn hörte, sagte Yugis Gegner. „Nach der Benutzung von Overdrive Attack wechselt eine Bestia in den Verteidigungsmodus, und kann erst am Ende meines nächsten Zuges diesen wieder verlassen.“ Dann hörte er den Duellanten kraftlos husten. „Yugi, Ihr werdet doch wohl nicht schon aufgeben, oder? Es hat gerade erst begonnen...“
((Meine Seele...)) Dachte der Junge erschöpft, die Kraft zum Aufraffen fehlte ihm einfach. ((...er darf sie nicht bekommen!))
Seymour blieb selbstsicher und verschränkte die Arme. ((Wenn ich ihn erst geschlagen habe, wird der Meister mich zu seinem Berater machen. Dann wird Kathea endlich einsehen müssen, dass ich mein neues Leben verdient habe!)) Seine Augen kniffen sich zu Schlitzen zusammen.
„...ich... kann noch... kämpfen...“ Yugi stand und versetzte damit seinen Gegner in Erstaunen. Doch sogleich antwortete er schnippisch.
„Sicher, das tut Ihr.“ Er schloss die Augen und zuckte mit den Schultern. „Doch schon bald werden Pegasus’ Karten Euch die verdiente Niederlage bescheren.“
„Pegasus!?“ Yugis Augen weiteten sich.
Der Name des Erfinders von Duelmonsters war gefallen...
Turn 15 - Unlimited Power!
Während sich Yugi weiterhin mit Seymour duellieren musste, bekam Anja mitten im Unterricht eine neue Vision. Sie traf wieder auf die Fremde, die nun endlich ihren Namen preisgab und von der anderen Welt erzählte...
Yugis Deckliste
Seymours Deckliste
Anja und Mark saßen zusammen auf der Bank des Schulhofs unter dem Schatten des Baumes, der in der Ecke des, von Zäunen abgegrenzten Areals stand.
Die Hitze war mörderisch, über 30°, was sich schon seit einigen Tagen konsequent durchzog und so war es nicht verwunderlich, dass das Mädchen im weißen Minirock, dazu passenden Sandalen und Spagettiträgertop mit offenen Haaren zur Schule kam.
„Immer noch keine Spur von Frank?“ Erkundigte Mark sich.
Sein hellblaues Hemd war bis zur Brustmitte aufgeknöpft. Die Schülerin schüttelte nur den Kopf und fächerte sich weiter mit einem provisorisch, aus normalem Schreibpapier gebastelten Fächer Luft zu.
„Er war die ganze Woche nicht da.“ Grübelte Mark. „Scheinbar ist er da wirklich in etwas hinein geraten.“
„Mir doch egal...“ Stöhnte Anja. Ihr weißer Hut spendete ebenfalls noch etwas Schatten. Durch ihre Sonnenbrille sah sie Nick bereits auf sie zukommen, mit drei roten Cola-Dosen in der Hand.
„Ich hatte Wasser bestellt...“ Nuschelte das Mädchen, als er ankam und riss ihm eine der Dosen aus der Hand.
Mark hingegen verhielt sich wie üblich höflich. „Danke.“
„Oh man, die Hitze bringt einen noch um.“ Ächzte der große Nick und verzog das Gesicht. „Und Anja, nun erzähl uns endlich, was du uns sagen wolltest.“ Forderte er dann.
„Also... unsere namenlose Schönheit ist mir letzte Nacht im Schlaf begegnet.“ Fing das Mädchen dann an zu erzählen.
Anja stand in der Finsternis, wie sie es schon des Öfteren tat. Doch es war nicht, wie sonst üblich, absolute Dunkelheit. Diesmal leuchteten aus der Ferne die Sterne über ihrem Kopf, es war, als würde sie auf einer Aussichtsplattform stehen.
((Was sie nun wieder will?)) Ärgerte sich das Mädchen dabei und beobachtete die Unbekannte, wie sie in einem weißen Kimonokleid auf sie zu stolzierte. Ihr langes, schwarzes Haar reichte weit hinab, war offen und glatt wie eh und je.
„Hey du!“ Pflaumte Anja sie an, als die beiden sich in fünf Metern Entfernung gegenüber standen. „Du hast meinen schönen Traum von Russell Crowe unterbrochen! Was willst du diesmal? Ein Duell? Mir irgendwelche Szenen von Tod und Zerstörung zeigen? Heh?“
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Vergiss es, ich lass mich auf so was nicht mehr ein! Kannst du nicht einfach verschwinden!?“
„Ich fürchte, das ist nicht möglich...“ Antwortete die Fremde. Ihre grauen, traurigen Augen ließen Anja innehalten. Die Dame neigte ihren Kopf zur Seite, als würde sie der Schülerin ungern in die Augen sehen.
„’Tschuldigung.“ Reagierte Anja plötzlich kleinlaut. „War nicht so gemeint. Es ist nur...“
„Ich versteh dich.“ Sagte die Unbekannte, ohne rüber zu schauen. „Die Situation, in der wir uns befinden, ist unlösbar. Ich kann deinen Körper nicht verlassen, selbst wenn ich es wollte...“
Anja reagierte darauf äußert schockiert und hielt die eine Hand mit der anderen auf Kinnhöhe fest. „Das heißt, du bleibst für immer hier?“
„Diese Möglichkeit besteht. Es sei denn, wir gelangen in den Besitz meines wahren Körpers. Doch das ist... unmöglich.“ Bedrückt ließ sie den Kopf hängen.
„Das... das tut mir leid.“ Nicht wissend, ob sie wütend sein oder Mitgefühl haben sollte, versuchte Anja, das unangenehme Thema hinauszuschieben. „Warum treffen wir uns hier? Gibt es etwas Neues?“ Dabei blickte sie hoch in die Sterne.
„Nun, ich möchte dir etwas erzählen.“
„Schieß los!“ Forderte Anja sie keck auf und versuchte zu grinsen, doch es gelang ihr nicht recht, da sie im Hinterkopf noch über das vorher Gesagte nachdachte.
„Wie du dir bestimmt schon gedacht hast, komme ich aus einer anderen Welt.“
„Ja...“ Murmelte das Mädchen.
„Aber davon erzähle ich dir ein anderes Mal. Wichtiger ist das, was ich dir jetzt sage. Jede Welt... egal ob meine oder deine... hat einen Schutzschild um sich, einen ganz besonderen.“
„Huh?“ Anja versuchte sofort, sich das bildlich vorzustellen. „Du meinst so was wie die Ozonschicht und der ganze Kram?“
Doch die Frau schüttelte lachend den Kopf. „Nein, nein.“
„Etwa so’n Schutzschild vor Alienangriffen?“ Daraufhin wurde Anja völlig verdutzt angeschaut. Etwas irritiert lächelte die Fremde, hielt eine ihrer Hände vor sich und sprach weiter. „Nein, nichts dergleichen. Dieser Schutzschild dient nur zu einem Zweck: eine Welt im Gleichgewicht zu halten. Ich kann darauf jetzt nicht genauer eingehen, aber hör zu.“
Nun deutete sie hoch in den Sternenhimmel.
Als Anja ebenfalls nach oben blickte, sah sie neben den helleren, kleineren und größeren Sternen auch farbige. Sieben an der Zahl, die wie ein folgt angeordnet waren.
Zuerst waren sich ein roter und ein dunkelblauer Stern gegenüber. Auf selben Abstand weiter weg von ihnen leuchtete über dem roten ein grüner und über dem anderen ein gelblicher. Selbiges führte sich einmal mehr fort, denn über gelb thronte orange und über grün ein violetter Stern. Dann kam als Spitze noch ein hellblauer, was das Bildnis in entfernter Weise wie ein Haus erscheinen ließ.
„Haben die da eine bestimmte Bedeutung?“ Fragte Anja nach.
„Gewiss, denn sie sorgen für die Balance dieses Planeten mit einer ganz besonderen, anderen Welt. Und das in Form von sieben Auserwählten.“
„Oh man...“ Anja neigte ihren Kopf hinab und sah rüber zur Fremden. „Und wer sind die?“
„Ja, wer sind die?“ Fragte Nick schon ganz gespannt, während er vor Anja hockte.
„Weiß ich nicht, der Traum war an dem Punkt vorbei.“
Enttäuscht deswegen stöhnte Nick laut. „Das ist nicht fair. Immer wenn’s interessant wird, kommt was dazwischen.“ Dann gluckste er: „Das ist wie zwischen dir und mir.“
„Nur, dass es zwischen uns noch nie interessant war, du Trottel!“ Keifte Anja ihn wütend an.
„...aber was bedeutet das?“ Fragte Mark dann.
„Als wenn ich das wüsste. Ich hab keine Ahnung, ob überhaupt ein Zusammenhang mit dem Ärger in Livington und Umgebung besteht.“ Meinte Anja gleichgültig. „Immer nur mehr Fragen, keine Antworten. Das ist frustrierend!“
„Ich denke schon, dass da eine Verbindung vorhanden ist.“ Meinte Mark nachdenklich. Schließlich klingelte es schrill: die Hofpause war vorbei.
„Kommt, wir müssen wieder rein. Unterhalten wir uns ein anderes Mal weiter.“ Sagte Anja und sprang von der Bank auf, ging an Nick vorbei.
„Och neeeeee... bei solchen Temperaturen ist die Schule unerträglich.“ Jammerte Nick und merkte nicht mal, dass man ihn einfach sitzen beziehungsweise hocken ließ.
- derweil in Domino-City -
Ein kleiner Kartenladen.

Ein Junge kam gerade die Treppe runter gerannt. „Ich gehe zu Joey, Großvater…“
Ja, darauf freute er sich. Mit jeder Stufe wurde sein Lächeln breiter. Auf der vorletzten blieb er noch mal stehen und griff in seine Hosentasche.
Ein Deck kam hervor, aber nicht irgendeins. Der Junge mit den stacheligen Haaren, die an der Spitze ins rosarote übergingen fühlte, wie sein Herz schneller schlug. Dann machte er einen Sprung, wobei sein blonder Pony durch die Luft wehte und landete auf dem Boden, bevor er den Hauptteil des Ladens betrat.
„Mach das Yugi, aber weck mich nicht, wenn du heim kommst.“ Rief ihm sein Opa glücklich zu, während er den Tresen putzte. Den Lappen legte er dann weg und sah zu, wie sein Enkel sich kurz vor der Tür zu ihm umdrehte.
„Natürlich, Großvater.“
„Und richte Joey liebe Grüße aus.“
„Geht klar. Bye!“
Damit verließ Yugi Muto, von allen als der legendäre Duellant gefeiert, den Game Shop. Der alte Mann sah ihm etwas betrübt hinterher.
((Ach Yugi… fast ein Jahr ist vergangen, seit der Pharao in seine Welt zurückgekehrt ist. Du bist viel selbstbewusster geworden.)) Stolz lächelte Solomon Muto und atmete tief durch.
- auf dem Weg zu Joey’s Haus -
Es war bereits dunkel draußen. Dummerweise hatte Joey nicht eher Zeit, aber das machte Yugi nichts aus. Er wollte sein neu modifiziertes Deck unbedingt ausprobieren, besonders gegen Joey.
Und so zog er durch die Straßen. Hier in der Gegend wirkte die Landschaft eher wie eine Vorstadt. Schön gepflegte Gärten, bunte Häuser, die ein oder andere Mauer, welche als Zaun diente... ein schöner Anblick.
Der Junge dachte nach. ((Ich frage mich, was das zu bedeuten hat… in den Medien werden immer mehr Duellanten erwähnt, die bewusstlos in Seitenstraßen oder an dunklen Orten gefunden werden.))
Während er weiterging, sah er den Asphalt unter sich an. ((In dieser Gegend jedoch hört man gar nichts davon. Dennoch mache ich mir Sorgen...))
Yugi spürte einen kalten Schauder über den Rücken laufen und sah auf. Einige Meter weit von ihm entfernt stand eine Person, die eine schwarze Kutte trug. Die Kapuze war über das Gesicht gezogen, doch ein Blick auf die enorm langen Finger reichte, damit Yugi die Lage einschätzen konnte.
„Seid Ihr Yugi Muto?“ Fragte der Fremde höflich. „Der König der Spiele?“
Der kleine Jugendliche nickte. „Ähm… ja, der bin ich.“
„Ich habe die Anordnung und den Wunsch, Euch zu eliminieren…“
Yugi stieß einen leisen Entsetzensschrei los. „Warum?“
„Ich fürchte, Eure Seele ist ein wichtiger Bestandteil für unseren Plan. Demnach muss ich sie Euch wohl nehmen.“
Yugi verzog böse das Gesicht. „Meine Seele?“ Dann bemerkte er die Dueldisk am Arm des Fremden. „Verstehe, du willst dich um sie duellieren...“
„Ganz recht…“
Der Junge sah sich um. Hier war niemand, der ihm hätte helfen können. Die meisten Lichter in der Straße waren schon erloschen. Ihm blieb wohl keine andere Wahl.
Dennoch ließ er einer Überlegung freien Lauf. „Du steckst hinter die Leute im Koma!“
„Möglicherweise? Ich bin nur ein Diener meines Meisters.“
In der Tat hatte Yugi sich so etwas bereits gedacht. „Wer ist dein Meister?“ Wollte er wissen und die Antwort kam genauso prompt wie sie berechenbar war.
„Es liegt nicht an mir, Euch das zu sagen. Ich würde Euch zudem bitten, diese Fragerei zu unterlassen, sie schindet nur Zeit.“
„Okay... eine Frage habe ich aber noch.“ Es hatte keinen Sinn, dachte sich Yugi. „Wie ist dein Name?“
Zuerst antwortete der Fremde nicht. Er griff nach seiner Kapuze und zog sie langsam hinab. Zum Vorschein kam zuerst die selbstgefällige Visage, die geheimnisvoll lächelte. Viel ungewöhnlicher war seine Frisur. Ein langes Stück des Ponys fiel wie ein Pferdeschwanz nach vorne, während seine eigentlichen Haare nach hinten gekämmt waren. Zu beiden Seiten an der Stirn standen ebenfalls dicke Strähnen ab, die entfernt an Hörner erinnerten.
„Mein Name ist Seymour Guado. Und jetzt macht Euch zum Duell bereit...“ Verlautete der Mann wohlwollend. „...um Eure Seele.“ Sein blaues Haar schimmerte durch das Licht des Mondes.
Fragen über Fragen quälten Yugi zu diesem Zeitpunkt. Zumindest hatte es einen Vorteil, dass er von diesem Kerl überrumpelt wurde: er hatte nun die Gelegenheit, ihn aufzuhalten und vielleicht ließ der Fremde dabei zufällig die ein oder andere Information los.
„Schön, ich stelle mich dir! Zeit für ein Duell!“
Seymour verbeugte sich dankend.
[Yugi: 4000LP Seymour: 4000LP]
Beide Spieler zogen fünf Karten.
„Ich beginne!“ Rief Yugi entschlossen. ((Ich muss vorsichtig sein, denn ich kenne seine Strategie nicht. Aber mit dem Herz der Karten...))
Zuversichtlich starrte er sein Blatt an.
- Roter Apparat
- Stronghold, die mobile Festung
- Schweigsamer Schwertkämpfer LV3
- Spiegelkraft
- Letztes Angebot
Zusätzlich fügte er seine eben gezogene Karte „Schweigsamer Magier LV4“ noch hinzu. Einen Moment dachte er nach.
„Ich beschwöre Roter Apparat im Angriffsmodus (ATK/1300)!“ Schrie er dann und legte jene Karte auf seine Dueldisk.
Es dauerte einen kurzen Moment, bis das rote, kleine Männchen vor dem Jungen erschien. Auf dem Rücken trug es ein Zahnrad. „Damit darf ich mir nun den Gelben Apparat vom Deck suchen.“ Erklärte der Junge und zeigte das Effektmonster vor.
„Eine sehr interessante Eröffnung, werter Yugi. Ich erwarte schon mit Freude den Schwarzen Magier...“
„Ich muss dich enttäuschen.“ Sagte Yugi, während er drei Karten verdeckt ausspielte. Die Karten lagen vergrößert vor ihm und machten ein leises Zischgeräusch. „Der Schwarze Magier befindet sich im Moment nicht in diesem Deck.“
Seymour blickte daraufhin enttäuscht drein. „Das ist bedauerlich. War das die Idee des Pharaos?“
„Ihr wisst vom Pharao?“ Yugi erschrak. Sein Gegner hingegen war über diese Tatsache äußerst amüsiert.
„Ahahaha, Yugi… denkt Ihr wirklich, wir würden nicht über Euch Bescheid wissen? Wie naiv.“ Seymour lächelte tückisch. „Wir haben Euch beobachtet und kennen Euren Kampfstil. Ein paar neue Monster werden mich nicht aufhalten können...“
Der Junge jedoch setzte einen ersten Blick auf. „Scheinbar seid ihr nicht auf dem neuesten Stand. Der Pharao ist nicht mehr in dieser Welt.“
Damit hatte Seymour nicht gerechnet. Sein Gesicht erinnerte für einen kurzen Augenblick an eine erstarrte Maske, bevor er sprach. „...das ist...“ Doch dann lächelte er wieder zwielichtig. „...eine äußerst überraschende, aber positive Nachricht.“
Yugi seinerseits setzte zu einer neuen Frage an. „Wer seid ihr?“
Seymour kicherte. „Niemand und doch... Ihr werdet es sicher selbst noch erfahren. Aber nun beginnt mein Zug.“
Mit seinen langen Fingern griff er nach dem Deck in seiner schwarzen Dueldisk und zog die Karte. „Ich bin mir sicher, diese Karte wird kein großes Hindernis für euch sein. Ich beschwöre Deoxy Chimera (DEF/2300)!“
Ein dreiköpfiges Monster tauchte auf. Braunes Fell, ein an einem Hund orientierter Körper und je ein Adlerkopf, eine Schlange, ein Löwe mussten sich diesen teilen.
„Diese Karte muss im offenen Verteidigungsmodus gerufen werden. Je nach Situation kann dies ein Nachteil oder Vorteil sein. Damit endet mein Zug auch sogleich.“ Seymour war scheinbar äußerst entspannt. Diese Sicherheit ließ Yugi seinerseits umso vorsichtiger werden.
((Er hat nicht einmal eine Karte zum Schutz ausgespielt. Da ist etwas faul...)) „Ich aktiviere in der End Phase meine Stronghold, mobile Festungs-Fallenkarte! Diese wird zu einem Monster (DEF/2000)!“ Ein gewaltiger Roboter aus blankem Stahl tauchte vor Yugi auf. Sein gut gepanzerter Körperbau wies bei der Brust drei Vertiefungen auf, in die Zahnräder reinpassten.
„Ich bin beeindruckt. Eine Falle, die in Wirklichkeit ein Monster ist. Dieses Spiel verspricht äußerst spannend zu werden.“ Murmelte der Blauhaarige leise vor sich hin.
Yugi fühlte innerlich eine gewisse Aufregung, die sich entwickelte. „Mein Zug! Und ich beschwöre Gelber Apparat (ATK/1200) in die Angriffsposition!“
Neben dem roten Zahnradmännchen tauchte nun auch ein gelbes auf.
„Jetzt darf ich mir vom Deck den Grünen Apparat suchen.“ ((Er hat keinerlei Fallen gelegt... das ist die Chance!)) Überlegte Yugi und beruhigte sich, während er die Karte aus seinem Deck suchte. Dann schwang er den Arm aus und öffnete damit eine zweite, dauerhafte Falle neben seiner Stronghold-Karte. „Letztes Angebot! Nun darf ich jeden Zug so viele Monster als Normalbeschwörung rufen, wie ich will. Jedoch kostet mich das jedes Mal 500 Lebenspunkte.“ Doch das störte ihn nicht. Bevor er jedoch den Effekt benutzte, wechselte er sein Fallenmonster in den Angriffsmodus (ATK/0).
Dann legte er schlagartig den Grünen Apparat (ATK/1400) und Schweigsamer Schwertkämpfer LV3 (ATK/1000) auf die Dueldisk. Kurz darauf tauchte ein kleiner, blonder Krieger im stylischen, schwarzen Ledermantel vor Yugi auf und buckelte sein kurzes Breitschwert, während sich das neue, grüne Zahnradwesen zusammen mit seinen Artgenossen in die Brustpanzerung von Stronghold einbettete.
Stronghold, die mobile Festung (ATK/0 zu 3000)
Doch etwas stimmte nicht. Schlagartig schriee Yugi voller Schmerz auf. „GYAAAAAAAAHHHHHHH!“
[Yugi: 3000LP Seymour: 4000LP]
Dunkelheit umrandete Yugis Körper. Teile seiner Arme lösten sich auf, die Verbindung zwischen Schulter und Gelenk war fast vollkommen durchsichtig.
Geschwächt fiel der Junge auf die Knie und streckte die Arme aus, damit er sich vom Boden abstützten konnte. Der Schmerz in seinen Knochen war noch längst nicht vergangen, aber ihn beschäftigte nur ein Gedanke. „Das Reich der Schatten... wie ist das-!?“
Violetter Nebel huschte durch die Gassen. Alle Lichter der Häuser und Straßenlaternen waren erloschen, nur noch der Vollmond über ihnen spendete Licht. Es war kalt.
„Genau… und Ihr kennt ja die Regeln… für jeden Lebenspunkt, den wir verlieren, löst sich ein Teil unseres Körpers auf und wenn einer von uns verliert, bekommt das Reich der Schatten unsere Seele.“ Seymour lachte grausam. ((Aber das ist noch nicht alles, werter Yugi.))
((Oh nein!)) Dachte der Junge entsetzt. ((Wie kann er das Reich der Schatten rufen?))
„Rappelt Euch auf, mein Lieber.“ Bat Seymour freundlich. „Euch so zu sehen ist fast eine Schande. Ihr seid der König der Spiele.“
Erbost stand Yugi auf und atmete tief durch. „Bitte, wir dürfen nicht weiter machen. Das ist viel zu gefährlich!“
Doch sein Flehen wurde mit einem spöttischen Lachen abgeschmettert. „Das ist der Sinn.“
((Er meint es wirklich ernst.)) Dachte Yugi besorgt. ((Ich darf auf keinen Fall verlieren!))
Was Yugi Sorgen bereitete, war Seymours absolute Gelassenheit. Obwohl er im Angesicht vom Roten (ATK/1300), Grünen (ATK/1400) und Gelben Apparat (ATK/1200), sowie Stronghold (ATK/3000) und Schweigsamer Schwertkämpfer LV3 (ATK/1000) stand, war er die Ruhe selbst.
„Dann bleibt mir keine Wahl!“ Rief Yugi entschlossen. „Ich zerstöre mit Stronghold, der dank der drei verschiedenen Apparate auf dem Feld nun 3000 Angriffspunkte hat, Deoxy Chimera (DEF/2300)!“
Das dreiköpfige Ungetüm sah nur noch, wie der Maschinentitan seine Hände nach vorne richtete, und Raketenwerfer aus ihnen hervorschnellen ließ. Das Abfeuern passierte so schnell, dass die Schimäre nicht einmal schreien konnte, als sie explodierte.
Als der Rauch sich jedoch verzog, stand da ein neues Monster (DEF/0).
„Wo kommt-!?“ Yugi sah irritiert in Seymours blaue Augen. Der kicherte amüsiert.
In einen weißen Wintermantel verhüllt, stand eine kindliche Magierin mit silbernen Zepter dar und schüttelte ihr bonbonfarbenes Haar.
„Ihr wart mir gerade sehr behilflich, Yugi.“ Seymour lächelte falsch. „Es war dumm, Deoxy Chimera zu zerstören, während sie meine einzige Karte auf dem Feld war. Denn dadurch erlaubt sie die Beschwörung eines Monsters ohne Angriffs- oder Verteidigungspunkte von meinem Deck. Diese Karte hier nennt sich Young Summoner.“
Yugi stieß ein erschrockenes Stöhnen hervor. „Schweigsamer Schwertkämpfer LV3!“
Der kleine Krieger sprang in die Luft, vollführte einen Salto und raste mit der Klinge hinab auf den Feind. Er zerteilte die junge Beschwörerin, die leider nur eine Illusion war.
Das wahre Monster stand neben dem Gegner.
„Verzeiht, Yugi, aber ich habe den Angriff durch den Effekt von Young Summoner geblockt.“
Doch Yugi gab so schnell nicht auf. „Los, Gelber Apparat!“ Das Zahnrad schoss aus der Brust des Maschinenkoloss einen Energiestrahl aus seinen Augen und tötete die Magierin vor den Augen Seymours.
„Dieses Mal hat es die Attacke nicht abgewehrt.“ Erkannte Yugi erleichtert. „Grüner und Roter Apparat! Doppelter direkter Angriff!“
Seymour schloss die Augen, als die anderen beiden Zahnradkrieger ebenfalls Laserstrahlen aus ihren Augen auf ihn schossen. Direkt in der Brust trafen sie ihn, das Cape war verschmort und befleckt von Blut, doch der Mann schrie nicht einmal vor Schmerz.
[Yugi: 3000LP Seymour: 1300LP]
((Er ist ganz schön hart im Nehmen.)) Dachte Yugi beeindruckt, obwohl Seymours Arme und Beine, sowie sein Hals nun fort waren. „Mein Zug endet hier!“
Seymour lachte leise, fast schon unhörbar. Er steigerte seine Stimme, je länger er so fortfuhr und hielt sich die flache Hand vor den Mund. „Das wird wahrlich ein Vergnügen.“
Dann zog er.
„Es ist wirklich leicht, Euch zu manipulieren...“ Sagte der Mann dann. „So ein braves Kind, es schickt, wie es sich gehört, mein Monster auf den Friedhof.“
„Ah!“ Yugi sah erschrocken, wie eine Lichtsäule vor Seymour aus dem Boden stieg.
Bunte, kleine Sphären umrandeten sie und ließen die düstere, neblige Gegend etwas einlandender anmuten. Dann war es soweit, die Säule verschwand und es stand ein Monster da, es war die junge Beschwörerin.
„Durch das Entfernen von Young Summoner von meinem Friedhof, ist es mir gestattet, Skilled Summoner von meiner Hand speziell zu rufen (DEF/2200)!“
Etwas hatte sich an dem Mädchen verändert. Der Wintermantel wirkte aufwendiger, sie selbst viel älter und erwachsener. Das Silberzepter in ihrer Hand wies nun ein Kreuz an der Oberseite auf, wobei die Spitzen mit blauen Edelsteinen besetzt waren.
„Aber dies ist nur ein Vorgeschmack. Wisst Ihr, in meiner Welt gibt es mächtige Wesen... sie werden Bestia genannt...“
Yugi indes sah verwirrt drein. „In... deiner Welt?“
„Das tut nichts zur Sache. Aber diese Bestia konnten nur von bestimmten Menschen kontrolliert werden, genannt Medium. Und so eins siehst du vor dir, eine Beschwörerin alter Bestien.“
Ein starker Wind wehte über die Straße. Der Nebel des Schattenreichs wurde aufgewirbelt, es wurde noch kälter als zuvor. Ein Schrei hallte von weit oben in der Luft herab.
„Nun werde ich eine dieser Kreaturen beschwören. Es kostet mich zwar für jeden Stufenstern 100 Lebenspunkte, sechs davon besitzt meine Bestia, doch allein das ist es wert.“
Eine der dichten Wolken am Himmel wurde in ihrem Zentrum auseinander gerissen. Eine geflügelte Gestalt raste mit hoher Geschwindigkeit herab zu den beiden Duellierenden.
„...komm herbei! Aeon Valefor (ATK/2100)!!!“
[Yugi: 3000LP Seymour: 700LP]
Fast der ganze Körper von dem Blauhaarigen hatte sich aufgelöst, doch er lächelte nur verschmitzt.
Das Biest machte über den Köpfen von Seymour und seiner Beschwörerin Halt. Ein glockenheller, anmutiger Schrei kam aus dem Maul der finsteren Vogelbestie. Ihr Körper war lang und zierlich, die breiten Schwingen dünn und zerbrechlich, doch das grauschwarze Ungetüm machte einen sehr gefährlichen Eindruck.
„Nun werdet Ihr einen kleinen Eindruck von der Macht meines Decks gewinnen. Valefor, vernichte den Gelben Apparat!!!“
Das Monster öffnete seinen verhältnismäßig kleinen Schnabel und lud eine mächtige Energieattacke auf. Doch Yugis Blick verhärtete sich.
„Nein, das lasse ich nicht zu! Ich aktiviere meine Falle Spiegelkraft und reflektiere deinen Angriff damit! Dein Monster wird zerstört werden!“
Um Yugi und seine Monster herum zog sich ein gewaltiger Spiegel, der das Antlitz Valefors widerspiegelte, das gerade den Angriff abfeuerte.
„Das sehe ich in der Tat anders.“ Meinte Seymour lachend. „Denn ich kette auf deine Falle einen Zauber aus meiner Hand an! Sphero Break!“ Die Beschwörerin schnippte finster lächelnd mit dem Finger.
Der Spiegel zerbrach. Erschrocken sah Yugi mit an, wie Stronghold vom Laserstrahl in die Brust getroffen wurde und der Gelbe Apparat elendig darin verbrannte.
[Yugi: 2100LP Seymour: 1900LP]
„AHHHHHHHHHHHHHHHHHHH...“ Yugis ganzer Körper schmerzte. Er hielt es nicht aus, diese Qual. Erschöpft und stöhnend hielt er sich gerade so auf den Beinen. Schweiß von seiner Stirn tropfte auf den Boden.
„Dank Sphero Break konnte Skilled Summoner Eure Falle ausschalten. Und nun, wo Valefor ein Monster vernichtet hat, werden dessen Angriffspunkte in Lebensenergie umgewandelt, die auf mich übergeht.“
„Ghhhh...“ Yugi konnte kaum sprechen. „Das ist... nicht fair...“
Zusätzlich verlor seine Maschinenkreatur nun ihre Angriffspunkte, da der Gelbe Apparat ausgeschaltet war.
Stronghold, die mobile Festung (ATK/3000 zu 0)
„Nicht fair?“ Seymour zog eine seiner feinen Augenbrauen hoch. „Werter Yugi, ich werde Euch zeigen, was in der Tat nicht sehr fair ist. Mein Zauber Overdrive Attack!!!“
Valefor spreizte ihre Schwingen auf ein Maximum und stieg höher.
„Mit diesem Schnellzauber kann eine Aeon sooft angreifen, wie das von ihr zerstörte Monster Stufensterne besaß!“
Sie wedelte mit dem Kopf, sodass der lange Zopf nach vorne flog und einen Kreis zeichnete, der hinab auf Yugis Spielfeldseite gerichtet war.
„Das sind vier Angriffe!?!“ Schriee Yugi voller Entsetzen, da Gelber Apparat der Stufe vier angehörte. Seymour seinerseits grinste bösartig.
„Exakt! Jedoch fügt jede dieser Attacken nur 500 Punkte Schaden zu.“
In diesem Zirkel formten sich Runen zu einem Pentagramm und die Vogelbestie bereitete im Maul einen neuen, noch mächtigeren Energieangriff vor. Dieser wurde in Form eines gewaltigen Strahls durch jenen Kreis auf die vier Monster von Yugi abgefeuert.
Eines nach dem anderen ging in dieser gewaltigen Lichtspirale unter. Eine extrem mächtige Explosion erschütterte den Boden. Der Jugendliche ging darin unter.
„Mhmahahahahaha...“ Lachte Seymour größenwahnsinnig und starrte zur qualmenden Stelle hinüber. „Ich erhalte nun alle Angriffspunkte Eurer Monster zu meinen Lebenspunkten dazu! Ist das nicht fantastisch?“
[Yugi: 100LP Seymour: 5600LP]
Der Rauch verschwand.
Wie er es genoss, dachte sich Seymour und betrachtete Yugi, fast gänzlich verschwunden, nur noch Hände, Füße und der Kopf, wie er da am Boden lag. Offenbar hatte er das Bewusstsein verloren. Der Mann selbst hingegen hatte wieder seinen kompletten, in Schwarz verhüllten Körper.
Valefor derweil kam wieder hinab und schützte sich dann mit ihren Schwingen, während sie über Seymour schwebte.
Aeon Valefor (DEF/1400)
Obwohl er sich nicht sicher war, ob man ihn hörte, sagte Yugis Gegner. „Nach der Benutzung von Overdrive Attack wechselt eine Bestia in den Verteidigungsmodus, und kann erst am Ende meines nächsten Zuges diesen wieder verlassen.“ Dann hörte er den Duellanten kraftlos husten. „Yugi, Ihr werdet doch wohl nicht schon aufgeben, oder? Es hat gerade erst begonnen...“
((Meine Seele...)) Dachte der Junge erschöpft, die Kraft zum Aufraffen fehlte ihm einfach. ((...er darf sie nicht bekommen!))
Seymour blieb selbstsicher und verschränkte die Arme. ((Wenn ich ihn erst geschlagen habe, wird der Meister mich zu seinem Berater machen. Dann wird Kathea endlich einsehen müssen, dass ich mein neues Leben verdient habe!)) Seine Augen kniffen sich zu Schlitzen zusammen.
„...ich... kann noch... kämpfen...“ Yugi stand und versetzte damit seinen Gegner in Erstaunen. Doch sogleich antwortete er schnippisch.
„Sicher, das tut Ihr.“ Er schloss die Augen und zuckte mit den Schultern. „Doch schon bald werden Pegasus’ Karten Euch die verdiente Niederlage bescheren.“
„Pegasus!?“ Yugis Augen weiteten sich.
Der Name des Erfinders von Duelmonsters war gefallen...
Turn 15 - Unlimited Power!
Während sich Yugi weiterhin mit Seymour duellieren musste, bekam Anja mitten im Unterricht eine neue Vision. Sie traf wieder auf die Fremde, die nun endlich ihren Namen preisgab und von der anderen Welt erzählte...
Yugis Deckliste
Seymours Deckliste
-Aska- - 17. Jun, 12:37