Turn 130: The fury - Part II
„Nein! Sie leben, nicht wahr?!?“ Versuchte Matt verzweifelt, dieses betäubende Gefühl auszuschalten. Gardenia reagierte darauf überhaupt nicht, sondern sah ihn nur an. Dann ließ er den Kopf hängen, seine ganze Kraft verließ ihn.
Hier kniete er praktisch nieder vor der Mörderin zweier ihm wichtiger Menschen. Das konnte unmöglich sein! Anja war nicht die Person, die einfach so sterben würde.
((Niemals!)) „Ich glaube dir kein Wort!“ Schrie er Gardenia hasserfüllt an und fand die Kraft, wieder auf die Beine zu kommen.
„Es ist nicht so, als ob es mir nichts bedeutet, dass dieses Mädchen tot ist. Kein Kämpfer war in der Lage, es mit den beiden aufzunehmen, ein außergewöhnliches Herz, ein außergewöhnliches Schicksal.“ Erklärte sie mit Bedauern. „Aber sie stellte eine ernsthafte Bedrohung dar, doch... Aber du solltest wissen, nachdem Gineva Ruud dazu gebracht hat, sie zu küssen, ist der Zauber um die beiden verflogen.“ Matts Augen wurden größer und größer, als er dies erfuhr. „Anja wehrte sich bis zum Schluss, aber... ihr Körper löste sich auf, wie der ihres Liebsten. Zumindest sind sie gemeinsam verblasst, und müssen nicht die Qual ertragen, die wertvollste Person ihres Lebens zu vermissen...“ Beendete sie die Geschichte mit Bedacht, um es möglichst schmerzlos für ihn zu machen. Ihr war klar, dass dies natürlich nichts bringen würde...
Unmöglich konnte Gardenia das erfunden haben, dachte er und suchte nach irgendeinem Strohhalm, an den er sich klammern könnte. ((Es sei denn...))
Matt zitterte am ganzen Leibe. Ihm war so egal, dass Gineva offenbar eine Spionin Gardenias war. Alles war so egal, doch langsam formte sie in ihm ein Bedürfnis. Tränen fielen sein Gesicht hinab. ((Das... nein... nein...!))
Hass, Wut, alles was von seiner geschundenen Seele verfügbar war, würde er jetzt erstmal für diesen Wunsch einsetzen.
Was immer ihm die benötigte Kraft gab, egal woher dieser Energieschub in seinem Körper gerade herkam, er würde alles davon für den einzigen Zweck verwenden...
„Rache...!“ Knurrte er und blickte Gardenia in die Augen. Sein ganzes Gesicht war in Falten der Wut unterlegt, grenzenloser Wut. Er würde sie zerquetschen, bis der letzte Tropfen Blut aus ihrem Körper entschwunden war.
Doch alles was sie tat, war mitfühlend eine traurige Mimik zu ziehen. „Deine Gefühle sind zu verständlich. Nimm diese Gelegenheit wahr, Matt, und räche deine verlorenen Freunde. Du bist am Zug, denn bald kannst du es nicht mehr.“ Wenn ihr Raquel zurückkehrt...
Sich das nicht zweimal sagen lassend, riss der Junge förmlich die Karte von seinem Deck.
Er stand Arcana Force XV - The Devil (ATK/2500) und einer verdeckten Karte gegenüber, selber hatte er nur den Spielfeldzauber draußen. Sein Plan von vorhin jedoch würde er weiterhin ausführen können.
„Du wirst es bereuen, all diese Verbrechen getan zu haben! Heute ist dein letzter Tag auf Erden, ich werde dein Henker und Richter sein!“ Brüllte er wie ein Löwe.
„Meine Sünden im Kampf gegen einen noch größeren Sünder, lieber Raquel...“ Nuschelte Gardenia allerdings nur. Matt überhörte sie jedoch einfach in seinem Zorn.
„Ich aktiviere Wiedergeburt! Damit belebe ich Gladiator Beast Torax (ATK/1400) von meinem Friedhof!“
Bereits einen Augenblick später tauchte der Kugelfisch gähnend aus einer Wasserlache am Boden auf. „Nun ist es wieder Zeit für eine Evolution!!! Steige in den Rang der Elite auf, Torax!!!“
Mit einem tiefen Brummen blies sich das Monster auf und wurde größer und runder, bald schon überragte es Matt und stellte eine unüberwindbare Hürde dar. Seine Schuppen nahmen einen blassblauen Ton an, der Dreizack verschwand aus seinen Händen.
Place of Evolution - Training Field: [5]
„Elite Gladiator Torax (ATK/1400)!“ Rief Matt gedämpft durch die enorme Körpermasse des Gladiators zu Gardenia rüber. „Dadurch ziehe ich sofort drei Karten!“
Somit besaß er nun vier auf der Hand, genau wie er es sich vorgestellt hatte.
Elite Gladiator Torax (ATK/1400 zu 2400)
„Da ich noch kein Monster normal beschworen habe, hole ich dies sofort nach und rufe Gladiator Beast Secutor (ATK/400)!“ Doch noch bevor das erste Monster auftauchte, erschien an Matts Seite ein Tiger, dessen Körper durch eine Rüstung geschützt wurde, welche mit orangefarbenen und blauen Wellen geprägt war. Kurz darauf tauchte der echsenartige Gladiator auf. „Sobald ich ein Gladiator Beast kontrolliere, kann ich auch Test Tiger (ATK/600) beschwören. Und wenn ich diesen nun opfere und Secutor zurück ins Deck schicke, darf ich einen weiteres Gladiator Beast aus meinem Deck rufen, dieser erhält zudem seinen Effekt!“
Gardenia war nicht überrascht von Matts hastiger Spielweise. Ihr war klar, dass er sie so schnell wie möglich vernichten wollte, aber soweit würde sie es nicht kommen lassen.
((Was immer du tust, du wirst scheitern...)) Dabei sah sie entspannt zu ihrer Dueldisk. ((Hier lauert eine Dunkelheit, die deiner ebenbürtig ist.))
Die Frau konnte natürlich nicht sehen, welches Monster Matt aus seinem Deck gerufen hatte. Es war ein ebenholzfarbenes Pferd, das auf den Hinterbeinen stand und eine Peitsche schwang.
„Gladiator Beast Darius (ATK/1700)!“ Benannte Matt es.
Place of Evolution - Training Field: [6]
„Seine Fähigkeit ruft einen toten Gladiator zurück auf mein Feld!“ Aus einer Wasserfontäne schoss Murmillo, der blaue Fisch mit den Hochdruckdüsen auf den Schultern.
Elite Gladiator Torax (ATK/1400 zu 2600)
Gladiator Beast Darius (ATK/1700 zu 2900)
Gladiator Beast Murmillo (ATK/800 zu 2000)
„Jetzt besitze ich drei mächtige Monster!“ Verlautete er schließlich mit arroganter Stimme. „Schluss mit deinen Spielchen! Torax, vernichte The Devil!!!“
Aus den geschwollenen Lippen des Gladiators schoss ein dünner Wasserstrahl, der sich jedoch locker durch den Körper des Tentakelwesens bohrte und es so zerstörte.
„Ugh!“ Stöhnte Gardenia.
[Matt: 2600LP Gardenia: 3900LP]
„Das war’s aber noch lange nicht! Der nächste bitte...“ Lachte der Junge schadensfroh.
Gardenia sah sich um, doch konnte keine Angriffsquelle ausmachen. Es war ihr dennoch zu ruhig.
Bis sie bemerkte, dass unter ihren Füßen Wasser hoch quoll, mitten aus dem Bürgersteig.
Doch die Erkenntnis kam zu spät.
Eine gewaltige Wassersäule stieß unter ihr hervor und hob sie gut einen halben Meter in die Höhe, nahm ihr die Luft zum Atmen. Dennoch schloss sie im Wasser ruhig ihre Augen und sammelte sich, nur leichte Luftbläschen kamen aus ihrer Nase hervor.
((Wenn du denkst, dass ich ersticken werde, täuscht du dich...)) Dachte sie energisch und öffnete ihre blauen Augen, die noch mehr strahlten, als sowieso schon. Das Wasser wurde zu allen Seiten weggedrückt und sie landete elegant auf dem Trockenen.
[Matt: 2600LP Gardenia: 1900LP]
„War das alles?“ Provozierte sie Matt. „Raquel, ich erwarte mehr von dir.“
„Zur Hölle, HALT-DEIN-MAUL!!!“
Der Duellant schwang seinen Arm aus und schrie: „Darius, ich will sie bluten sehen! Hör erst auf, wenn sie tot ist! LOS, räche Anja und Ruud!!!“ Ihm kamen fast die Tränen, als er den Befehl gab... er würde sie nie wieder sehen...
„Nun zeigst du dein wahres Gesicht.“ Hörte Matt seine eigene Stimme, und doch war nicht er es, der sprach. Raquel stand in seiner strahlend weißen Rüstung hinter ihm und sah ziemlich zufrieden aus. Während Darius in die Höhe sprang, um seinen Angriff auszuführen, wandte Matt sich abrupt um. „Verschwinde!“
„Mitnichten.“ Lehnte sein altertümliches Spiegelbild die Aufforderung kühl ab. „Du spielst ein Spiel, dass du unmöglich gewinnen kannst. Gardenia kann jeden deiner Züge vorhersehen. Lass mich die Sache übernehmen...“
„Wa-was?!“ Matt wusste gar nicht, was ihn mehr schockierte. Dass man ihm Hilfe anbot, oder dass diese von ihm so sehr gehasste Frau angeblich dieselbe Gabe hat wie jener Nero, der damals dem Professor half. Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Vergiss es! Als ob ich auf einen so billigen Trick reinfallen würde!“
„Aber du fürchtest dich... dass es wahr ist.“ Lässig schritt Raquel auf Matt zu. „Du kennst diese Situation, diese Machtlosigkeit.“ Der wich zurück. Vor ihm blieb der Ritter stehen. „Sieh her!“
Verwirrt drehte Matt sich um.
Darius war in der Zwischenzeit auf den Kopf Torax’ gesprungen und schleuderte seine lange Peitsche, an deren Ende ein kleiner Bolzen befestigt war, direkt hinab zu der Frau.
Da schepperte etwas. Matt wusste natürlich nicht, was das war, doch Raquel legte seine leicht durchsichtige Hand auf die Schulter des Jungen.
„Deine Kreatur ist gescheitert. Wenn du sie wirklich loswerden willst... lass mich das übernehmen. Denn es ist allein meine Angelegenheit...“ Mit diesen Worten verschwand er einfach.
Wie bestellt und nicht abgeholt, blieb Matt stehen. Irgendwie machte ihn das Angebot nervös, besonders da es so unlogisch war. ((Die beiden sind Bekannte... warum sollte er sie... kacke!)) Er bemerkte, dass er sich viel zu sehr verunsichern ließ.
„Bist du endlich besiegt?“ Schrie er aufgebracht in Gardenias Richtung.
„Ich fürchte, dies verneinen zu müssen.“
Matt biss sich auf die Lippe, als er das hörte. „Was hast du getan!?“
„Es gibt eine Arcana Force-Karte, die einmalig Kampfschaden annullieren kann. Genannt wird sie Arcana Force XIV - Temperance, die Mäßigung. Deine grenzenlose Wut, die dich drängt, mich zu töten, scheiterte an diesem Monster, dass ich nur von meiner Hand abwerfen musste, um dir entgegen zu wirken.“
((Wie Tara sagte... sie hat scheinbar für alles eine Antwort. Verdammt, hat dieser Scheißkerl etwa Recht?)) Dieses Gefühl der Unsicherheit wuchs ungewollt an. ((Nein! Selbst wenn, ich gehe lieber unter, als mir von dem helfen zu lassen! Das ist eine ganz linke Falle!))
„Ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte!“ Knurrte der Junge und erklärte weiter: „Darius ins Deck zurück zu schicken wäre fatal, denn dann würde Murmillo ebenfalls gehen! Dessen Effekt ist nebenbei blockiert durch Darius, wodurch ich auch ihn nicht zurückschicken kann! Wenn ich aber in jedem Falle umtauschen muss, ist Elite Gladiator Torax! Er ruft mir ein neues Gladiator Beast, ich wähle Laquari (ATK/1800 zu 2100)!!!“
Der Riesenkugelfisch löste sich auf und an seiner Stelle stand nun wieder der Tigerkämpfer mit seinem Feuerring um den Körper.
Place of Evolution - Training Field: [7]
Gladiator Beast Laquari (ATK/2100 zu 3500)
Gladiator Beast Darius (ATK/1700 zu 3100)
Gladiator Beast Murmillo (ATK/800 zu 2200)
((Durch meine Feldzauber wird selbst eines meiner schwachen Monster nun zum absoluten Tier! Egal was sie ruft, ich vernichte es!))
„Ich habe keine andere Wahl, wie es scheint. Dieser Zug wird dir all die Hoffnungen auf eine eigene Zukunft nehmen! Du bist nur ein ungewolltes Wesen, entstanden durch den Verrat, den Raquels treuester Freund begann!“ Rief Gardenia über alle Maße aufgebracht.
„Ach ja? Das will ich sehen!“ Entgegnete Matt entschlossen. Doch die Frau lächelte unscheinbar, schier hoffnungsvoll.
((Sein Wille wird schwächer. Wenn ich ihn weiter angreife, wird Raquel schon bald genug Nährboden haben, um Matts Bewusstsein zu verdrängen! Ich verstehe nicht, wie er überhaupt jemals ein eigenes gewinnen konnte. Ist Dawners Macht so groß gewesen?)) Vor ihr sah sie das Bild eines schwarzen Ritters, ihr den Rücken zugekehrt. ((Dir haben wir es zu verdanken, dass unsere Welt ein Trümmerhaufen ist! Dir habe ich es zu verdanken, dass auch meine Zukunft...!)) Es war nicht zuletzt die Rage, die sie all die Jahre über antrieb und ihr soeben die Tränen in die Augen steigen ließ. Allein die Suche nach Raquels neuem Körper verschlang soviel Zeit, soviel Zeit in der sie sich nach den simpelsten Dingen sehnte.
Und dann musste Gardenia auch darüber hinaus sogar feststellen, dass dieser vermaledeite Dawner auch noch ein ausgeklügeltes Siegel um Raquel und Tabithar mit seinem letzten Atemzug errichtet haben musste. Wie sie ihn dafür hasste! Aber sie hatte einen Vorteil: sie lebte noch!
Gardenia war entschlossen, das Siegel zu brechen und ihre Welt mit Raquel zusammen wieder aufleben zu lassen, hier! Die Prinzessin von Zheben, Tabithar, würde sie durch eine List töten, sobald Raquel zurück war. Für sie hatte Gardenia keine Verwendung, schließlich könnte sie durch ihre Liebe zu Raquel alles in Gefahr bringen, schlimmer noch, dann hätte sich seit damals nichts verändert und der wahre Kampf wäre umsonst...
„Wird das heute noch was? Oder hast du Schiss bekommen?“ Erkundigte sich Matt großmäulig und riss Gardenia aus den Gedanken an die Vergangenheit und Zukunft.
„Du wirst gleich eine Furcht verspüren, wie sie noch nie da gewesen war...“ Entgegnete die Frau schließlich und zog.
„Pah!“
„Ich sehe sie vor mir, die Finsternis.“
„Mach die Augen auf, Mädel!“ Scherzte Matt böswillig. Seine Gegnerin reagierte mit einem Seufzer. „Du bist es, dessen Augen geöffnet werden müssen. Nun sieh her... meine verdeckte Falle, Arcana Diviner!“
((Ghh... die hab ich glatt vergessen.)) Erinnerte sich der Junge. „Was bewirkt die jetzt!?“
„Ich werde die Zukunft vorhersagen... dabei nenne ich den Namen des nächsten Arcana Force-Monsters, das sich auf meinem Deck befindet. Erliege ich einem Irrtum, so wird es auf den Friedhof geschickt... doch stimmt die Vermutung, so wird es ohne Beschränkung aufgerufen.“
„Ahja...“
„Ich entscheide mich für Arcana Force EX - The Dark Ruler!“
((Verdammt, die hat doch was vor...))
Gardenia nahm derweil die erste Karte von ihrem Deck auf und präsentierte sie: Arcana Call, eine Falle. Die nächste war ebenfalls kein Monster, sondern nur der Spielfeldzauber Light Barrier. Doch als die Frau ihren Zeigefinger auf die nun oberste Karte ihres Decks lag, lächelte sie finster.
Über Matts Körper ging ein kalter Schauder. Kein Zweifel, sie hatte richtig geraten.
„Nun erscheine, Arcana Force EX - The Dark Ruler (ATK/4000)!“
Das Gras unter Matts Füßen verdorrte in Sekundenschnelle und zerfiel teilweise zu Staub. Die dunkle Umgebung verfinsterte sich noch mehr. Aus den Fenstern der umliegenden Gebäude leuchtete ein rötliches Licht.
Im Einklang dazu stieg ein bulliges Wesen herab, schwarze Panzerung mit zwei langen Hälsen an den Schultern. Es waren zwei Drachenköpfe, die es dort besaß und welche es sehr bedrohlich gestalteten. Zudem besaß das Monster zwei dünne Schlangenschwänze und mächtige Krallen, in gebückter Haltung stand es vor Gardenia.
„Sagte ich nicht, dass sie in die Zukunft sehen kann?“ Hörte Matt seine eigene Stimme im Ohr. „Ich habe dich gewarnt. Jetzt ist es zu spät.“
„Sei leise!“ Befahl Matt Raquel und suchte verwirrt nach ihm, dieser aber hielt sich nirgendwo sichtbar auf. „Sie hat nur richtig geraten!“
„Nun, wie drücke ich es am besten aus. Gardenia kennt die Zukunft nur begrenzt. Sie kann Schicksale aller Menschen lesen, die mit ihr verkehren. Natürlich nicht absolut akkurat, da das Schicksal sich ändern kann...“ Als Matt hörte, wie hoch geschwollen Raquel redete, wollte er wieder losschreien, aber dann zwang die Neugier ihn, den verhassten Kerl ausreden zu lassen. „...dennoch sieht sie genau, dass du dich erinnern wirst, wer du warst. Entweder hier oder später... also gib auf und lass mich das regeln!“
Das hätte Matt auch gleich kommen sehen können. „LASS-MICH-ENDLICH-IN-RUHE!“ Schrie er, wobei Gardenia mitleidig über den Jungen lachte, der scheinbar die Kontrolle über sich verlor. Als er sie bemerkte, versuchte er hastig, die Situation zu überspielen.
„Ich meine dich!!! Nett... aber ein paar Punkte beeindrucken mich nicht! Geh lieber nachhause!“
„Ich habe kein Zuhause!“ Antwortete sie getroffen, sodass Matt eine Sekunde sogar etwas wie Mitgefühl verspürte, nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Situation, nur um sich dann aber daran zu erinnern, wie sie es sich zurückholen wollte.
„Dein Monster beeindruckt mich trotzdem nicht.“ Sagte er verhalten mit leichten Schuldgefühlen.
„Gewiss...“ Die brünette Dame gewann ihre Fassung wieder, denn über den Kopf des finsteren Herrschers drehte sich seine eigene Miniaturkarte. Ihre eigenen Gefühle durften sie nicht übermannen.
„Ach der Müll wieder... Halt an!“ Laberte Matt gelangweilt dazwischen, um ihren Stimmungswechsel mit einem eigenen zu übergehen. Das Bild der Karte zeigte nach unten, also die umgekehrte Position.
„Wie ich es erwartet habe... nun sieh her! Ich attackiere deinen Murmillo!“
„Trauriger Versuch, wirklich... ich lass mich weder von dir, diesem Freak noch von irgendwelchen Monstern unterkriegen lassen! Ich hab auch ne Falle, Battle Strategy of the Gladiator Beast!“ Zwar musste er seine letzte Handkarte, Gladiator Beast Hoplomus, zurück ins Deck mischen, aber das war es wert! „Damit zerstöre ich das angreifende Monster!“
Es knallte unerwartet plötzlich.
So heftig, dass Matt glaubte, taub zu werden. Die Luft erbebte förmlich von der gewaltigen Explosion, die vor Gardenia stattfand. Sie selbst war von einer Rauchwolke eingehüllt.
Doch dabei blieb es nicht.
„Wa-!“ Noch ehe Matt weiter denken konnte, explodierte der schwarze Funken auf seiner Spielfeldseite, der eben erst erschienen war, und schleuderte ihn über mehrere Meter direkt durch das Fenster des Friseursalons auf der anderen Straßenseite.
Noch ganz verwirrt, lag Matt in den Scherben vor einem der Stühle und sah hinüber zu Gardenia, die aus dem Qualm wieder auftauchte und zurückhaltend lachte.
Nebenbei bemerkte der Junge die vielen Schnitte an den Unterarmen und an den Händen, Blut floss. Auch sein Gesicht hatte auf der Stirn einen langen Kratzer abbekommen. Das Rot lief über eines seiner Augen.
„Mir scheint, du hast die Situation unterschätzt.“ Sprach Gardenia seelenruhig. „Es mag stimmen, dass du The Dark Ruler zerstört hast, doch in seiner umgekehrten Position nimmt er alles auf dem Feld Existierende mit sich, sollte dies passieren.“
Matt stockte der Atem. Nicht etwa, weil er alles verloren hatte.
Nein, das Schlimmste war, dass hinter Gardenia ein Schatten auftauchte. Nicht irgendein Schatten, sondern der des eben erst vernichteten Dark Rulers.
Das Monster stand, über seinem Kopf drehte sich die eigene Karte.
„Es... wie? WIE!?“ Brauste er auf, kam mit leichtem Schwindelgefühl auf die Beine und sprang aus dem zertrümmerten Fenster des Friseursalons. Er musste seine Schritte bremsen, als sich Gardenias Monster erhob und eine Druckwelle von sich gab. Es schwebte nun einige Meter in der Luft.
„Das kann nicht sein...“ Kraftlos sank er in die Knie und stützte sich vorne über.
„Deine eigene Besessenheit von einem eigenen Willen hat dich übersehen lassen, dass Arcana Diviner eine dauerhafte Falle war!“
„War sie?“ Er sah irritiert auf.
„Dem ist so! Wird sie vernichtet, wenn das gewählte Monster sich auf dem Feld befindet, reißt sie es in den Tod! “ Selbstbewusst starrte die Frau hoch zu ihrer Karte. „Doch wenn es sich anders verhält, und das gewählte Monster sich auf dem Friedhof oder auf der Hand befindet, während Arcana Diviner eliminiert wird, so ruft sie es ohne Beschwörungsbedingungen auf!“
„So kam es wieder... durch meine Unachtsamkeit... aber das hätte doch nichts geändert...“ Resignierte der Duellant und ließ den Kopf hängen.
„Ja.“ Antwortete Gardenia nur, die ihrem Ziel immer näher kam.
„Stopp...“ Sagte Matt schwach, dem einfiel, dass sich die Karte noch drehte. Diesmal zeigte das Bild nach oben.
„Dadurch kann The Dark Ruler zweimal angreifen... jedoch hast du noch eine Runde Zeit, eine Runde der Hoffnung.“ Erklärte Gardenia sanft.
Matt blickte zu ihr und war verwirrt. „Es ist immer noch deine Battle Phase... du kannst mich angreifen?“
„Eben nicht, dies verbietet Arcana Diviner. Dein letzter Zug bricht an.“
Nichts würde sie aufhalten können. Matt war am Ende, es war nur eine Frage der Zeit, bis Raquel die Oberhand gewann. Kaltherzig starrte sie auf ihn herab, der Tag auf den sie seit Ewigkeiten wartete, war endlich gekommen. Selbst das Mitleid mit dieser Kreatur würde sie nicht davon abbringen können.
Ungeduld wäre jetzt jedoch fatal, mahnte sie sich.
„Verdammt...“ Flüsterte Matt derweil leise vor sich hin und schlug mit der blutigen Faust auf den verdorrten und staubigen Grasboden. „Verdammt...“ Noch einmal. „Verdammt!“ Immer wieder reagierte er sich so ab, das Rot spritzte leicht in alle Richtungen.
Wieder am Boden. Wieder so schwach, unfähig etwas zu tun. Er hatte es schon lange eingesehen, er war nicht, wofür er sich so lange Zeit gehalten hatte. Schulchampion... leere Worte!
((Das kann nicht das Ende sein!))
„Das ist es nicht, wenn du-!“ Begann Raquel wieder, welcher schlagartig, durchsichtig wie er war, vor Matt niederkniete und ihm seine Hand reichte.
„Niemals! Eher sterbe ich, als von dir Hilfe anzunehmen!“ Wurde er jedoch angefaucht und mit voller Wucht schlug der schwarzhaarige Junge mit seinem anderen Arm durch den Ritter hindurch.
„Raquel!“ Mahnend schaute Gardenia zu ihm hinüber.
„Nenn mich nicht so, verdammte Scheiße!“ Regte sich ihr Gegner sofort auf.
Ihre Blicke gingen durch Matts altertümliches Ebenbild hindurch. Dieses sah die Frau kurz ohne Mimik an und blickte danach wieder rüber zu Matt.
„Sie wird uns beide zu ihren Sklaven machen, wenn du jetzt nicht handelst.“
„Was?“ Matt sah nur herab, sah das Blut von seiner Stirn hinab laufen.
„Ich will diese Frau vernichten! Sie ist Schuld an unserer Lage!“ Erklärte Raquel. „Darum biete ich dir meine Hilfe an! Vertrau mir!“ Erneut hielt der Mann seine Hand vor Matt, um ihm aufzuhelfen. Hoffung war, was er brauchte...
Langsam griffen die Finger des Jungen nach denen seines Ebenbilds, und als sie sich berührten, zuckte Matt zusammen.
Absolute Kälte durchströmte ihn. Er würde es bereuen.
Es war falsch! Er war seine eigene Hoffnung, sein Leben war seine Hoffnung!
„Nein...“ Murmelte er und zog schnell die Hand wieder weg, zu Raquels Überraschung. Langsam nahm er die blutende Hand vom Boden und schaffte es, mit einem Fuß wieder festen Halt zu gewinnen.
„Nein... ich bin stärker...“ Sagte er leise und fuhr in seiner gebückten Haltung langsam hoch. „Stärker als du! Stärker als Raquel!“ Wandte er seine Worte aber an Gardenia. Er würde diese Gestalt mit seinem Aussehen nicht beachten, denn das war genau, was sie wollte.
Entschlossen starrte er zu der braunhaarigen Frau hinüber. Sie seufzte.
„Wenn du doch endlich verstehen würdest...“
„Ich verstehe sehr wohl! Ihr schert euch kein bisschen um mich! Ihr wollt nur die Macht, die in mir ist, für eure verdammten Ziele! Aber die kriegt niemand! Eher bringe ich mich um!“ Fauchte er voller Zorn. „Na los, bring es zu einem Ende! Töte mich! Anders wirst du niemals Gewalt über mich haben! Und du schon gar nicht!“ Schrie er und zeigte auf den Geist vor sich, der ihn die ganze Zeit über plagte. Dieser löste sich, etwas undeutlich rufend, schließlich auf.
Schwer atmend sah Matt hinab auf den Grund, das verdorrte Gras, den Staub. Er hatte es geschafft... vorerst. Fast hätte er seine Existenz verloren, weil er aus der Hilflosigkeit heraus seinem Feind vertrauen wollte. Aber er hatte seine finstere Seite vertrieben, bloß für wie lange?
„Es ist noch dein Zug.“ Sprach Gardenia, die offenbar von der Zuversicht ihres Gegners ins Wanken geriet. Denn sie wusste, er hatte Recht. Ihre Hoffnungen hatte sie darin gelegt, Raquels Kräfte zu erwecken und Matts Persönlichkeit so im Keim zu ersticken. Niemals hätte sie damit gerechnet, dass Herz und Wille des Jungen so stark sind.
„Wie ich mir dachte...“ Murmelte Matt und spuckte etwas Blut an den Rand des Feldes, das dunkle Rot lief ihm den Mundwinkel hinab, wurde aber mit dem Handrücken sofort weggewischt. „Die große Gardenia ist machtlos!“
Dieser Worte ließen sie geschockt erzittern, denn sie wurden voller Zuversicht gesprochen.
„Ich werde dir zeigen, wie man das richtig macht! Mein letzter Zug naht, und er wird dich vernichten!“ Schrie Matt mit Feuereifer, griff nach seiner Dueldisk, ((Jetzt gilt’s! Alles oder nichts!)), und zog ausholend.
Keines seiner Monster würde ihm helfen können, denn zwei Angriffe waren einer zu viel.
Kein Zauber würde jetzt in der Lage sein, seinen angekündigten Sieg sofort in die Tat umsetzen.
Also musste er auf eine Falle vertrauen. Welche dies war, würde er sehen... oder auch nicht.
Als er die Karte zwischen Mittel- und Zeigefinger langsam umdrehte, erkannte er schon den hellvioletten Rand des Stücks Pappe. Also wirklich eine Falle. Aber welche?
Er würde es erst herausfinden, wenn die Zeit reif war und setzte sie, ohne weiter nachzusehen. Dieses bisschen Spannung wollte er sich aufheben.
„End Phase!“ Brüllte er. ((Mal sehen, wie dir deine eigene Medizin bekommt, Gardenia. Hellsehen... Schicksal lesen... pah! Ich entscheide, wann Schluss ist!))
Obwohl er nicht wusste, ob er das richtige Timing erwischen würde, war er äußerlich die Ruhe selbst. Selbst seine Gedanken kühlten langsam ab, er besann sich und atmete regelmäßig, nicht zu tief ein und aus.
„So sei es.“ Gardenia war verwirrt.
Sie konnte es nicht lesen, sein Schicksal. Lag es daran, dass er darauf vertraute und es seinen Weg gehen ließ? Was immer er ausgespielt hatte, sie konnte nicht sagen, was es war. Dennoch, ihre Chancen auf einen Sieg stiegen nur. Raquel könnte sie auch in der Lichterhalle zur Vernunft bringen, der erste Schritt war bereits erfolgreich getan.
„Mach dich bereit!“ Rief sie dann ehrgeizig. „The Dark Ruler, beende das Duell mit einem direkten Angriff!!!“
Die Drachenköpfe streckten sich nach vorne und luden beide Feuerstrahlen in ihren Mäulern auf. Matt sah dem entgegen, er war bereit.
Wenn er gleich oder zumindest bald aufhören würde, er selbst zu sein... würden zumindest die Erinnerungen an ihn bestehen bleiben. Das brachte ihn zum Lächeln.
((Ich bin... ich.))
Dann hüllte ihn nur noch ein rotes Licht ein, Flammen loderten um seine Spielfeldseite.
Im Inferno drückte er den Knopf des Slots seiner Fallenkarte.
((Ich setze all meine Hoffnungen in diese Karte!)) Dachte er und schloss die Augen.
Nichts passierte.
Scheinbar war sie nutzlos.
Außerhalb des Feuers sah Gardenia gespannt, ob sich etwas tat.
„Dein Schicksal war eben vorherbestimmt...“ Meinte sie und dachte an Matt. Doch dann erschrak sie.
Es passierte doch etwas, Matt spürte die Aufregung am ganzen Leibe.
Das Feuer wurde in eine Mauer vor ihm ein gesogen, welche auch die Feuerstrahlen absorbierte und die Energie sammelte.
Der Junge stand da, geschunden, aber immer noch bei Bewusstsein und er selbst.
„Das ist unmöglich!“ Schrie Gardenia.
„Nichts ist unmöglich, wenn man Vertrauen hat!“ Rief Matt ihr energisch zu. „Die Karte, die mir den Arsch retten wird, nennt sich Dimensionsmauer!!! Sie reflektiert bei einem Angriff den Kampfschaden!!!“
„Nein! Das darf nicht sein!!!“ Polterte Gardenia. Sie sah ihre Handkarten an, doch war machtlos.
„Jetzt werde ich dir mal was erzählen!“ Sagte Matt hämisch, aber auch mit ernstem Unterton, während die Energie der Angriffe sich vor ihm entlang der Mauer sammelte. Gardenia sah verwirrt auf.
„Diese Wand trennt uns, weil du nur deine eigenen, selbstsüchtigen Ziele verfolgst!!! Ich bin zwar kein Heiliger, aber zumindest habe ich noch gewisse Werte, die ich verteidige!“
Als Gardenia ihn ansah, verschlug es ihm die Sprache. Sie sah so unendlich traurig aus, als hätte man gerade ihr Herz gebrochen.
„Ist es denn falsch, für eine Heimat zu kämpfen?“ Fragte sie mit erstickter Stimme. „Habe ich... vergessen, was ein Leben wert ist?“
„Die Frage kannst nur du dir beantworten.“ Antwortete Matt gewissenhaft.
Die Frau schloss die Augen.
Als sie sie wieder öffnete, war ihr Gesicht eine wutverzerrte Fratze, aus deren Augen die Tränen stiegen. „Selbst wenn, es gibt keinen anderen Weg! Raquel, wir haben uns nicht das letzte Mal gesehen!“
„Ah!“ Doch ehe Matt ein weiteres Wort sagen konnte, wurde der Angriff von The Dark Ruler reflektiert und auf Gardenia geschleudert.
Matt sprintete aggressiv los und wollte sie aufhalten, doch die Frau ging in einer Explosion unter.
„Wenn wir uns das nächste Mal treffen, wirst du wieder du selbst werden, Raquel!“ Sagte sie leise und hoffnungsvoll, aber innerlich gebrochen. „Für unsere Heimat!“
[Matt: 2600LP Gardenia: 0LP]
Als sich der Qualm verzog, was sie weg. Matt sah sich um, auf der Suche nach ihr, doch umsonst. Sein Herz hämmert wild in der Brust, das war viel zu knapp.
Eine kurze Weile hielt er inne, ohne sich über etwas den Kopf zu zerbrechen.
Aber er hatte es ihr gezeigt, und diesem Raquel! Dennoch fühlte er sich miserabel, denn sie war entkommen...
Erschöpft zitterte der Junge am ganzen Leibe, auf der linken Straßenseite nahe dem Pub kam er zum Stehen.
Er bemerkte, wie sich der finstere Bannkreis aufzulösen begann. Etwas hinter ihm klirrte und so wandte er sich zum Friseursalon.
Die Scherben der Innenseite flogen durch die Luft und setzten sich zusammen, dann als Ganzes klinkten sie sich in die kaputte Scheibe ein. Es wirkte am Ende wie neu, als wäre Matt nie hindurch geflogen.
Der Schwarzhaarige fiel auf die Knie.
Sie war weg, geflüchtet. Diese verdammte Hexe, er hasste sie mehr als je zuvor. Dabei hatte er alles gegeben.
Matt wusste es nicht, was er von allem was sie sagte halten soll. Anja... war sie wirklich tot? Dass Gardenia von dem Zauber wusste, deutete wirklich darauf hin. ((Das darf nicht sein...))
Wie er sich wünschte, dass sie verrecken würde! Wenn er sie jemals wieder sah, so würde er definitiv dafür sorgen!
Eine Weile sah er den wiederhergestellten Asphalt unter seinen blutenden Händen an, atmete tief durch. Der Bannkreis war längst gänzlich verschwunden, es hupte laut.
Ein Auto blieb vor ihm stehen, hätte ihn beinahe angefahren. Doch dies bemerkte er gar nicht, seine Gedanken waren auf eine Sache gerichtet, der er zuvor keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
((Meine Erinnerungen und Kräfte von damals wurden versiegelt. Aber eins verstehe ich nicht... warum diese Tabithar? Wer ist sie?)) Schon seit Gardenia ihn davon erzählte, dachte er immer wieder nach.
Dann traf es ihn wie ein Schlag. Dieser fremde Name ließ ihn sofort das Bild einer bestimmten Person vor Augen sehen. ((Könnte sie damit Tara gemeint haben? Das-das... sie hatte uns beide „geprüft“! Vielleicht...))
Er stoppte seine Gedanken, als ihm bewusst wurde, wie abwegig und zugleich einleuchtend das Ganze war. Sein Atem ging schneller.
Matt konnte es nicht fassen. Es war so unwirklich, das konnte einfach nicht sein. Das Mädchen, dass er seit seiner Kindheit kannte, wie konnte sie...?
((Tara ist... Tabithar...?)) Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. Dafür musste es eine andere Erklärung geben und doch gab es keine. ((Wenn sie um mich herum ist, bin ich ich. Sie ist mein Siegel... und ich ihres.......?))
Alle seltsamen Dinge, die jemals um ihn herum passiert waren, fanden dann statt, wenn Tara nicht in seiner Nähe war. Schon als Kind hatte er ab und zu kleine Tiere aus purer Willenskraft töten können. Bisher glaubte er an Zufälle, doch nun... ((Dieser Raquel... anfangs konnte er nur über Träume in meine Gedankenwelt eintauchen. Aber seit Gardenia mich und Tara herausgefordert hat... passierten immer krassere Dinge, ich sah die andere Welt und- scheiße!)) Voller Wucht schlug er mit der blutigen Hand auf den Asphalt. ((Diese-! Was hat sie nur getan? Das wollte ich alles nicht wissen! NEIN! NEIN! NEIN!)) Wieder spritzte das Rot, als er permanent mit den Fäusten auf die Straße einschlug.
Plötzlich spürte er, wie man ihn unter den Armen hoch hievte. Verwirrt starrte er auf die Personen vor sich, die gerade aufgetaucht waren.
Ein erwachsener, blonder Mann stand vor Edna, Tara, Ryan und Strife, sah dabei äußerst erzürnt drein. „Junger Mann, wie lange gedenken Sie noch, die Straße zu blockieren?“
„Verzeihung!“ Erst jetzt realisierte er das Chaos, das er ausgelöst hatte. Jedoch war seine Entschuldigung halbherzig, denn ein viel größeres Chaos machte ihm zu schaffen.
Seine Freunde versuchten, den Ärger im Zaum zu halten und redeten besänftigend auf den Mann ein, argumentierten mit Matts Wunden. Der Kerl war aber trotzdem skeptisch.
Die ganze linke Fahrbahn war voll von angestauten Autos, die wegen ihm nicht vorankamen.
„Alles okay?! Du bist total blass, warum blutest du so, oh mein Gott, du musst zum Arzt! Wir haben überall nach dir gesucht, du warst auf einmal einfach weg, wir dachten, du wärst auf Klo gegangen, aber keiner hat dich weggehen sehen und Orion meinte, etwas hinge in der Luft und-“ Sprudelte die Sorge aus Taras Mund hinaus, während die drei anderen hinter ihr waren und ebenfalls blass waren, wohl aus Angst, ihm sei etwas geschehen.
Harris, der sich hinter Matt befand und ihm aufgeholfen hatte, machte ein angespanntes Gesicht.
„Ja, der Wicht hat gesagt, dass man dich in einem Bannkreis festgehalten hatte... sag mal, stimmt das?“
„...ja.“ Während der Londoner bereits wieder im Auto saß und die Jugendlichen die Straße freimachten, ließ Matt den Kopf hängen. Auf dem Bürgersteig blieb er vor dem Eingang des Pubs stehen. „Es war Gardenia. Sie ist wirklich hinter mir her. Aber ich hätte sie fast erwischt, sie hatte schon verloren, aber dann...“ Er wusste nicht, wie er sein Scheitern in Worte fassen sollte, deshalb kehrte er den anderen den Rücken zu. Irgendwie fühlte er sich, als habe er nichts erreicht. Er war fast immer noch so schlau wie vorher, hatte versagt.
„Erzähl uns all-“ Begann Tara. Ein grummelndes Geräusch kam aus Matts Richtung. Der hielt sich plötzlich den Bauch.
„Hunger?!“ Fing Edna an loszuprusten, obwohl sie es in dieser Situation für unangebracht hielt.
„Hey! Ich hab nen schweren Kampf hinter mir!!!“ Regte sich Matt auf und drehte sich zu seinem Freunden um.
„Zu schade, Orion verputzt gerade dein Essen.“ Meinte Harris schadensfroh.
„Was, wer? Etwa dieser ‚unsichtbare Freund’ von Strife...?“
„Genau der.“ Antwortete dieser und sah auf seine goldene Taschenuhr. „Mittlerweile dürfte er längst fertig sein. Und an eurer Stelle würde ich mich von Orion jetzt besser fern halten, er... pupst um diese Zeit ziemlich oft.“
„Das ist nicht fair!“ Mit tränenden Augen ließ der Schwarzhaarige den Kopf hängen.
Edna jedoch schlich sich grinsend hinter ihm und klopfte auf dessen Schultern. „Hey, natürlich haben wir an dich gedacht. Ich hab nicht alles aufgegessen, du kannst meine Reste haben.“ Strahlte sie heldenhaft.
„Edna, du bist die Beste.“ Ehe sie sich versah, drückte Matt das zierliche Mädchen fest an sich, sodass ihr fast die Augen raus quollen. Dabei wurde er von Harris und Strife ganz genau beobachtet. Letzter warf dann ein. „Aber Orion ist doch noch-“
„Was!? Meinst du, er-!!“ Edna wurde sofort losgelassen und torkelte erstmal gegen Tara und warf sie fast um.
„Mit Sicherheit nicht.“ Überlegte Strife.
„Renn Matt, oder dein Essen ist Geschichte!“ Harris konnte sich das Lachen kaum verkneifen, besonders als sein bester Kumpel die Tür aufriss und in den Pub stürmte. Kurze Zeit danach hörte man bis nach draußen: „Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeinnnnnnnnnnnnn! Lass das! Das ist meins! Wo-wo, das ist nicht... hey, lass die Finger von meinen Eiern--- AU! Dämliches Viech, wo versteckst du- AU! Das ist mein Teller!“ Der nächste Satz kam von Orion und konnte deshalb nur von Strife und Harris gehört werden. „Da hast du ihn!“
Dann schepperte es und Matt schrie. „AU.......“
Draußen war das Lachen kaum mehr zu bändigen. So unbeschwert war die Gruppe schon lange nicht mehr gewesen, und das trotz Gardenias Angriff.
Doch die Aussicht darauf, dass sie morgen schon früh aufstehen mussten, um mit dem Zug nach Paris zu fahren, trübte die Stimmung ein wenig.
Tara drehte sich um und starrte in den blauen Himmel. ((Ich hab sie gefühlt, Gardenia. Matt muss uns schnellstens erzählen, was zwischen ihm und ihr passiert ist... Und... Wer ist nur dieses traurige Mädchen... in meinen Gedanken?))
Turn 131 - The card
Während der Zugfahrt im Eurotunnel, welcher unter dem Ärmelkanal verlief und London mit Paris verband, bemerkte Matt, dass seine wertvollste Karte fehlte, „Spirit Guard - Ecel“. Nach verzweifelter Suche verdächtigte er erst Ryan und dann Strife des Diebstahls, sogar Orion, dessen Aussehen er nicht einmal kannte, zog er in Betracht. Doch trotz dieser Anschuldigungen fand sich die Gruppe schließlich in Paris wieder und sogleich spürten Strife und sein Schattengeist eine mächtige Aura...
Hier kniete er praktisch nieder vor der Mörderin zweier ihm wichtiger Menschen. Das konnte unmöglich sein! Anja war nicht die Person, die einfach so sterben würde.
((Niemals!)) „Ich glaube dir kein Wort!“ Schrie er Gardenia hasserfüllt an und fand die Kraft, wieder auf die Beine zu kommen.
„Es ist nicht so, als ob es mir nichts bedeutet, dass dieses Mädchen tot ist. Kein Kämpfer war in der Lage, es mit den beiden aufzunehmen, ein außergewöhnliches Herz, ein außergewöhnliches Schicksal.“ Erklärte sie mit Bedauern. „Aber sie stellte eine ernsthafte Bedrohung dar, doch... Aber du solltest wissen, nachdem Gineva Ruud dazu gebracht hat, sie zu küssen, ist der Zauber um die beiden verflogen.“ Matts Augen wurden größer und größer, als er dies erfuhr. „Anja wehrte sich bis zum Schluss, aber... ihr Körper löste sich auf, wie der ihres Liebsten. Zumindest sind sie gemeinsam verblasst, und müssen nicht die Qual ertragen, die wertvollste Person ihres Lebens zu vermissen...“ Beendete sie die Geschichte mit Bedacht, um es möglichst schmerzlos für ihn zu machen. Ihr war klar, dass dies natürlich nichts bringen würde...
Unmöglich konnte Gardenia das erfunden haben, dachte er und suchte nach irgendeinem Strohhalm, an den er sich klammern könnte. ((Es sei denn...))
Matt zitterte am ganzen Leibe. Ihm war so egal, dass Gineva offenbar eine Spionin Gardenias war. Alles war so egal, doch langsam formte sie in ihm ein Bedürfnis. Tränen fielen sein Gesicht hinab. ((Das... nein... nein...!))
Hass, Wut, alles was von seiner geschundenen Seele verfügbar war, würde er jetzt erstmal für diesen Wunsch einsetzen.
Was immer ihm die benötigte Kraft gab, egal woher dieser Energieschub in seinem Körper gerade herkam, er würde alles davon für den einzigen Zweck verwenden...
„Rache...!“ Knurrte er und blickte Gardenia in die Augen. Sein ganzes Gesicht war in Falten der Wut unterlegt, grenzenloser Wut. Er würde sie zerquetschen, bis der letzte Tropfen Blut aus ihrem Körper entschwunden war.
Doch alles was sie tat, war mitfühlend eine traurige Mimik zu ziehen. „Deine Gefühle sind zu verständlich. Nimm diese Gelegenheit wahr, Matt, und räche deine verlorenen Freunde. Du bist am Zug, denn bald kannst du es nicht mehr.“ Wenn ihr Raquel zurückkehrt...
Sich das nicht zweimal sagen lassend, riss der Junge förmlich die Karte von seinem Deck.
Er stand Arcana Force XV - The Devil (ATK/2500) und einer verdeckten Karte gegenüber, selber hatte er nur den Spielfeldzauber draußen. Sein Plan von vorhin jedoch würde er weiterhin ausführen können.
„Du wirst es bereuen, all diese Verbrechen getan zu haben! Heute ist dein letzter Tag auf Erden, ich werde dein Henker und Richter sein!“ Brüllte er wie ein Löwe.
„Meine Sünden im Kampf gegen einen noch größeren Sünder, lieber Raquel...“ Nuschelte Gardenia allerdings nur. Matt überhörte sie jedoch einfach in seinem Zorn.
„Ich aktiviere Wiedergeburt! Damit belebe ich Gladiator Beast Torax (ATK/1400) von meinem Friedhof!“
Bereits einen Augenblick später tauchte der Kugelfisch gähnend aus einer Wasserlache am Boden auf. „Nun ist es wieder Zeit für eine Evolution!!! Steige in den Rang der Elite auf, Torax!!!“
Mit einem tiefen Brummen blies sich das Monster auf und wurde größer und runder, bald schon überragte es Matt und stellte eine unüberwindbare Hürde dar. Seine Schuppen nahmen einen blassblauen Ton an, der Dreizack verschwand aus seinen Händen.
Place of Evolution - Training Field: [5]
„Elite Gladiator Torax (ATK/1400)!“ Rief Matt gedämpft durch die enorme Körpermasse des Gladiators zu Gardenia rüber. „Dadurch ziehe ich sofort drei Karten!“
Somit besaß er nun vier auf der Hand, genau wie er es sich vorgestellt hatte.
Elite Gladiator Torax (ATK/1400 zu 2400)
„Da ich noch kein Monster normal beschworen habe, hole ich dies sofort nach und rufe Gladiator Beast Secutor (ATK/400)!“ Doch noch bevor das erste Monster auftauchte, erschien an Matts Seite ein Tiger, dessen Körper durch eine Rüstung geschützt wurde, welche mit orangefarbenen und blauen Wellen geprägt war. Kurz darauf tauchte der echsenartige Gladiator auf. „Sobald ich ein Gladiator Beast kontrolliere, kann ich auch Test Tiger (ATK/600) beschwören. Und wenn ich diesen nun opfere und Secutor zurück ins Deck schicke, darf ich einen weiteres Gladiator Beast aus meinem Deck rufen, dieser erhält zudem seinen Effekt!“
Gardenia war nicht überrascht von Matts hastiger Spielweise. Ihr war klar, dass er sie so schnell wie möglich vernichten wollte, aber soweit würde sie es nicht kommen lassen.
((Was immer du tust, du wirst scheitern...)) Dabei sah sie entspannt zu ihrer Dueldisk. ((Hier lauert eine Dunkelheit, die deiner ebenbürtig ist.))
Die Frau konnte natürlich nicht sehen, welches Monster Matt aus seinem Deck gerufen hatte. Es war ein ebenholzfarbenes Pferd, das auf den Hinterbeinen stand und eine Peitsche schwang.
„Gladiator Beast Darius (ATK/1700)!“ Benannte Matt es.
Place of Evolution - Training Field: [6]
„Seine Fähigkeit ruft einen toten Gladiator zurück auf mein Feld!“ Aus einer Wasserfontäne schoss Murmillo, der blaue Fisch mit den Hochdruckdüsen auf den Schultern.
Elite Gladiator Torax (ATK/1400 zu 2600)
Gladiator Beast Darius (ATK/1700 zu 2900)
Gladiator Beast Murmillo (ATK/800 zu 2000)
„Jetzt besitze ich drei mächtige Monster!“ Verlautete er schließlich mit arroganter Stimme. „Schluss mit deinen Spielchen! Torax, vernichte The Devil!!!“
Aus den geschwollenen Lippen des Gladiators schoss ein dünner Wasserstrahl, der sich jedoch locker durch den Körper des Tentakelwesens bohrte und es so zerstörte.
„Ugh!“ Stöhnte Gardenia.
[Matt: 2600LP Gardenia: 3900LP]
„Das war’s aber noch lange nicht! Der nächste bitte...“ Lachte der Junge schadensfroh.
Gardenia sah sich um, doch konnte keine Angriffsquelle ausmachen. Es war ihr dennoch zu ruhig.
Bis sie bemerkte, dass unter ihren Füßen Wasser hoch quoll, mitten aus dem Bürgersteig.
Doch die Erkenntnis kam zu spät.
Eine gewaltige Wassersäule stieß unter ihr hervor und hob sie gut einen halben Meter in die Höhe, nahm ihr die Luft zum Atmen. Dennoch schloss sie im Wasser ruhig ihre Augen und sammelte sich, nur leichte Luftbläschen kamen aus ihrer Nase hervor.
((Wenn du denkst, dass ich ersticken werde, täuscht du dich...)) Dachte sie energisch und öffnete ihre blauen Augen, die noch mehr strahlten, als sowieso schon. Das Wasser wurde zu allen Seiten weggedrückt und sie landete elegant auf dem Trockenen.
[Matt: 2600LP Gardenia: 1900LP]
„War das alles?“ Provozierte sie Matt. „Raquel, ich erwarte mehr von dir.“
„Zur Hölle, HALT-DEIN-MAUL!!!“
Der Duellant schwang seinen Arm aus und schrie: „Darius, ich will sie bluten sehen! Hör erst auf, wenn sie tot ist! LOS, räche Anja und Ruud!!!“ Ihm kamen fast die Tränen, als er den Befehl gab... er würde sie nie wieder sehen...
„Nun zeigst du dein wahres Gesicht.“ Hörte Matt seine eigene Stimme, und doch war nicht er es, der sprach. Raquel stand in seiner strahlend weißen Rüstung hinter ihm und sah ziemlich zufrieden aus. Während Darius in die Höhe sprang, um seinen Angriff auszuführen, wandte Matt sich abrupt um. „Verschwinde!“
„Mitnichten.“ Lehnte sein altertümliches Spiegelbild die Aufforderung kühl ab. „Du spielst ein Spiel, dass du unmöglich gewinnen kannst. Gardenia kann jeden deiner Züge vorhersehen. Lass mich die Sache übernehmen...“
„Wa-was?!“ Matt wusste gar nicht, was ihn mehr schockierte. Dass man ihm Hilfe anbot, oder dass diese von ihm so sehr gehasste Frau angeblich dieselbe Gabe hat wie jener Nero, der damals dem Professor half. Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Vergiss es! Als ob ich auf einen so billigen Trick reinfallen würde!“
„Aber du fürchtest dich... dass es wahr ist.“ Lässig schritt Raquel auf Matt zu. „Du kennst diese Situation, diese Machtlosigkeit.“ Der wich zurück. Vor ihm blieb der Ritter stehen. „Sieh her!“
Verwirrt drehte Matt sich um.
Darius war in der Zwischenzeit auf den Kopf Torax’ gesprungen und schleuderte seine lange Peitsche, an deren Ende ein kleiner Bolzen befestigt war, direkt hinab zu der Frau.
Da schepperte etwas. Matt wusste natürlich nicht, was das war, doch Raquel legte seine leicht durchsichtige Hand auf die Schulter des Jungen.
„Deine Kreatur ist gescheitert. Wenn du sie wirklich loswerden willst... lass mich das übernehmen. Denn es ist allein meine Angelegenheit...“ Mit diesen Worten verschwand er einfach.
Wie bestellt und nicht abgeholt, blieb Matt stehen. Irgendwie machte ihn das Angebot nervös, besonders da es so unlogisch war. ((Die beiden sind Bekannte... warum sollte er sie... kacke!)) Er bemerkte, dass er sich viel zu sehr verunsichern ließ.
„Bist du endlich besiegt?“ Schrie er aufgebracht in Gardenias Richtung.
„Ich fürchte, dies verneinen zu müssen.“
Matt biss sich auf die Lippe, als er das hörte. „Was hast du getan!?“
„Es gibt eine Arcana Force-Karte, die einmalig Kampfschaden annullieren kann. Genannt wird sie Arcana Force XIV - Temperance, die Mäßigung. Deine grenzenlose Wut, die dich drängt, mich zu töten, scheiterte an diesem Monster, dass ich nur von meiner Hand abwerfen musste, um dir entgegen zu wirken.“
((Wie Tara sagte... sie hat scheinbar für alles eine Antwort. Verdammt, hat dieser Scheißkerl etwa Recht?)) Dieses Gefühl der Unsicherheit wuchs ungewollt an. ((Nein! Selbst wenn, ich gehe lieber unter, als mir von dem helfen zu lassen! Das ist eine ganz linke Falle!))
„Ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte!“ Knurrte der Junge und erklärte weiter: „Darius ins Deck zurück zu schicken wäre fatal, denn dann würde Murmillo ebenfalls gehen! Dessen Effekt ist nebenbei blockiert durch Darius, wodurch ich auch ihn nicht zurückschicken kann! Wenn ich aber in jedem Falle umtauschen muss, ist Elite Gladiator Torax! Er ruft mir ein neues Gladiator Beast, ich wähle Laquari (ATK/1800 zu 2100)!!!“
Der Riesenkugelfisch löste sich auf und an seiner Stelle stand nun wieder der Tigerkämpfer mit seinem Feuerring um den Körper.
Place of Evolution - Training Field: [7]
Gladiator Beast Laquari (ATK/2100 zu 3500)
Gladiator Beast Darius (ATK/1700 zu 3100)
Gladiator Beast Murmillo (ATK/800 zu 2200)
((Durch meine Feldzauber wird selbst eines meiner schwachen Monster nun zum absoluten Tier! Egal was sie ruft, ich vernichte es!))
„Ich habe keine andere Wahl, wie es scheint. Dieser Zug wird dir all die Hoffnungen auf eine eigene Zukunft nehmen! Du bist nur ein ungewolltes Wesen, entstanden durch den Verrat, den Raquels treuester Freund begann!“ Rief Gardenia über alle Maße aufgebracht.
„Ach ja? Das will ich sehen!“ Entgegnete Matt entschlossen. Doch die Frau lächelte unscheinbar, schier hoffnungsvoll.
((Sein Wille wird schwächer. Wenn ich ihn weiter angreife, wird Raquel schon bald genug Nährboden haben, um Matts Bewusstsein zu verdrängen! Ich verstehe nicht, wie er überhaupt jemals ein eigenes gewinnen konnte. Ist Dawners Macht so groß gewesen?)) Vor ihr sah sie das Bild eines schwarzen Ritters, ihr den Rücken zugekehrt. ((Dir haben wir es zu verdanken, dass unsere Welt ein Trümmerhaufen ist! Dir habe ich es zu verdanken, dass auch meine Zukunft...!)) Es war nicht zuletzt die Rage, die sie all die Jahre über antrieb und ihr soeben die Tränen in die Augen steigen ließ. Allein die Suche nach Raquels neuem Körper verschlang soviel Zeit, soviel Zeit in der sie sich nach den simpelsten Dingen sehnte.
Und dann musste Gardenia auch darüber hinaus sogar feststellen, dass dieser vermaledeite Dawner auch noch ein ausgeklügeltes Siegel um Raquel und Tabithar mit seinem letzten Atemzug errichtet haben musste. Wie sie ihn dafür hasste! Aber sie hatte einen Vorteil: sie lebte noch!
Gardenia war entschlossen, das Siegel zu brechen und ihre Welt mit Raquel zusammen wieder aufleben zu lassen, hier! Die Prinzessin von Zheben, Tabithar, würde sie durch eine List töten, sobald Raquel zurück war. Für sie hatte Gardenia keine Verwendung, schließlich könnte sie durch ihre Liebe zu Raquel alles in Gefahr bringen, schlimmer noch, dann hätte sich seit damals nichts verändert und der wahre Kampf wäre umsonst...
„Wird das heute noch was? Oder hast du Schiss bekommen?“ Erkundigte sich Matt großmäulig und riss Gardenia aus den Gedanken an die Vergangenheit und Zukunft.
„Du wirst gleich eine Furcht verspüren, wie sie noch nie da gewesen war...“ Entgegnete die Frau schließlich und zog.
„Pah!“
„Ich sehe sie vor mir, die Finsternis.“
„Mach die Augen auf, Mädel!“ Scherzte Matt böswillig. Seine Gegnerin reagierte mit einem Seufzer. „Du bist es, dessen Augen geöffnet werden müssen. Nun sieh her... meine verdeckte Falle, Arcana Diviner!“
((Ghh... die hab ich glatt vergessen.)) Erinnerte sich der Junge. „Was bewirkt die jetzt!?“
„Ich werde die Zukunft vorhersagen... dabei nenne ich den Namen des nächsten Arcana Force-Monsters, das sich auf meinem Deck befindet. Erliege ich einem Irrtum, so wird es auf den Friedhof geschickt... doch stimmt die Vermutung, so wird es ohne Beschränkung aufgerufen.“
„Ahja...“
„Ich entscheide mich für Arcana Force EX - The Dark Ruler!“
((Verdammt, die hat doch was vor...))
Gardenia nahm derweil die erste Karte von ihrem Deck auf und präsentierte sie: Arcana Call, eine Falle. Die nächste war ebenfalls kein Monster, sondern nur der Spielfeldzauber Light Barrier. Doch als die Frau ihren Zeigefinger auf die nun oberste Karte ihres Decks lag, lächelte sie finster.
Über Matts Körper ging ein kalter Schauder. Kein Zweifel, sie hatte richtig geraten.
„Nun erscheine, Arcana Force EX - The Dark Ruler (ATK/4000)!“
Das Gras unter Matts Füßen verdorrte in Sekundenschnelle und zerfiel teilweise zu Staub. Die dunkle Umgebung verfinsterte sich noch mehr. Aus den Fenstern der umliegenden Gebäude leuchtete ein rötliches Licht.
Im Einklang dazu stieg ein bulliges Wesen herab, schwarze Panzerung mit zwei langen Hälsen an den Schultern. Es waren zwei Drachenköpfe, die es dort besaß und welche es sehr bedrohlich gestalteten. Zudem besaß das Monster zwei dünne Schlangenschwänze und mächtige Krallen, in gebückter Haltung stand es vor Gardenia.
„Sagte ich nicht, dass sie in die Zukunft sehen kann?“ Hörte Matt seine eigene Stimme im Ohr. „Ich habe dich gewarnt. Jetzt ist es zu spät.“
„Sei leise!“ Befahl Matt Raquel und suchte verwirrt nach ihm, dieser aber hielt sich nirgendwo sichtbar auf. „Sie hat nur richtig geraten!“
„Nun, wie drücke ich es am besten aus. Gardenia kennt die Zukunft nur begrenzt. Sie kann Schicksale aller Menschen lesen, die mit ihr verkehren. Natürlich nicht absolut akkurat, da das Schicksal sich ändern kann...“ Als Matt hörte, wie hoch geschwollen Raquel redete, wollte er wieder losschreien, aber dann zwang die Neugier ihn, den verhassten Kerl ausreden zu lassen. „...dennoch sieht sie genau, dass du dich erinnern wirst, wer du warst. Entweder hier oder später... also gib auf und lass mich das regeln!“
Das hätte Matt auch gleich kommen sehen können. „LASS-MICH-ENDLICH-IN-RUHE!“ Schrie er, wobei Gardenia mitleidig über den Jungen lachte, der scheinbar die Kontrolle über sich verlor. Als er sie bemerkte, versuchte er hastig, die Situation zu überspielen.
„Ich meine dich!!! Nett... aber ein paar Punkte beeindrucken mich nicht! Geh lieber nachhause!“
„Ich habe kein Zuhause!“ Antwortete sie getroffen, sodass Matt eine Sekunde sogar etwas wie Mitgefühl verspürte, nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Situation, nur um sich dann aber daran zu erinnern, wie sie es sich zurückholen wollte.
„Dein Monster beeindruckt mich trotzdem nicht.“ Sagte er verhalten mit leichten Schuldgefühlen.
„Gewiss...“ Die brünette Dame gewann ihre Fassung wieder, denn über den Kopf des finsteren Herrschers drehte sich seine eigene Miniaturkarte. Ihre eigenen Gefühle durften sie nicht übermannen.
„Ach der Müll wieder... Halt an!“ Laberte Matt gelangweilt dazwischen, um ihren Stimmungswechsel mit einem eigenen zu übergehen. Das Bild der Karte zeigte nach unten, also die umgekehrte Position.
„Wie ich es erwartet habe... nun sieh her! Ich attackiere deinen Murmillo!“
„Trauriger Versuch, wirklich... ich lass mich weder von dir, diesem Freak noch von irgendwelchen Monstern unterkriegen lassen! Ich hab auch ne Falle, Battle Strategy of the Gladiator Beast!“ Zwar musste er seine letzte Handkarte, Gladiator Beast Hoplomus, zurück ins Deck mischen, aber das war es wert! „Damit zerstöre ich das angreifende Monster!“
Es knallte unerwartet plötzlich.
So heftig, dass Matt glaubte, taub zu werden. Die Luft erbebte förmlich von der gewaltigen Explosion, die vor Gardenia stattfand. Sie selbst war von einer Rauchwolke eingehüllt.
Doch dabei blieb es nicht.
„Wa-!“ Noch ehe Matt weiter denken konnte, explodierte der schwarze Funken auf seiner Spielfeldseite, der eben erst erschienen war, und schleuderte ihn über mehrere Meter direkt durch das Fenster des Friseursalons auf der anderen Straßenseite.
Noch ganz verwirrt, lag Matt in den Scherben vor einem der Stühle und sah hinüber zu Gardenia, die aus dem Qualm wieder auftauchte und zurückhaltend lachte.
Nebenbei bemerkte der Junge die vielen Schnitte an den Unterarmen und an den Händen, Blut floss. Auch sein Gesicht hatte auf der Stirn einen langen Kratzer abbekommen. Das Rot lief über eines seiner Augen.
„Mir scheint, du hast die Situation unterschätzt.“ Sprach Gardenia seelenruhig. „Es mag stimmen, dass du The Dark Ruler zerstört hast, doch in seiner umgekehrten Position nimmt er alles auf dem Feld Existierende mit sich, sollte dies passieren.“
Matt stockte der Atem. Nicht etwa, weil er alles verloren hatte.
Nein, das Schlimmste war, dass hinter Gardenia ein Schatten auftauchte. Nicht irgendein Schatten, sondern der des eben erst vernichteten Dark Rulers.
Das Monster stand, über seinem Kopf drehte sich die eigene Karte.
„Es... wie? WIE!?“ Brauste er auf, kam mit leichtem Schwindelgefühl auf die Beine und sprang aus dem zertrümmerten Fenster des Friseursalons. Er musste seine Schritte bremsen, als sich Gardenias Monster erhob und eine Druckwelle von sich gab. Es schwebte nun einige Meter in der Luft.
„Das kann nicht sein...“ Kraftlos sank er in die Knie und stützte sich vorne über.
„Deine eigene Besessenheit von einem eigenen Willen hat dich übersehen lassen, dass Arcana Diviner eine dauerhafte Falle war!“
„War sie?“ Er sah irritiert auf.
„Dem ist so! Wird sie vernichtet, wenn das gewählte Monster sich auf dem Feld befindet, reißt sie es in den Tod! “ Selbstbewusst starrte die Frau hoch zu ihrer Karte. „Doch wenn es sich anders verhält, und das gewählte Monster sich auf dem Friedhof oder auf der Hand befindet, während Arcana Diviner eliminiert wird, so ruft sie es ohne Beschwörungsbedingungen auf!“
„So kam es wieder... durch meine Unachtsamkeit... aber das hätte doch nichts geändert...“ Resignierte der Duellant und ließ den Kopf hängen.
„Ja.“ Antwortete Gardenia nur, die ihrem Ziel immer näher kam.
„Stopp...“ Sagte Matt schwach, dem einfiel, dass sich die Karte noch drehte. Diesmal zeigte das Bild nach oben.
„Dadurch kann The Dark Ruler zweimal angreifen... jedoch hast du noch eine Runde Zeit, eine Runde der Hoffnung.“ Erklärte Gardenia sanft.
Matt blickte zu ihr und war verwirrt. „Es ist immer noch deine Battle Phase... du kannst mich angreifen?“
„Eben nicht, dies verbietet Arcana Diviner. Dein letzter Zug bricht an.“
Nichts würde sie aufhalten können. Matt war am Ende, es war nur eine Frage der Zeit, bis Raquel die Oberhand gewann. Kaltherzig starrte sie auf ihn herab, der Tag auf den sie seit Ewigkeiten wartete, war endlich gekommen. Selbst das Mitleid mit dieser Kreatur würde sie nicht davon abbringen können.
Ungeduld wäre jetzt jedoch fatal, mahnte sie sich.
„Verdammt...“ Flüsterte Matt derweil leise vor sich hin und schlug mit der blutigen Faust auf den verdorrten und staubigen Grasboden. „Verdammt...“ Noch einmal. „Verdammt!“ Immer wieder reagierte er sich so ab, das Rot spritzte leicht in alle Richtungen.
Wieder am Boden. Wieder so schwach, unfähig etwas zu tun. Er hatte es schon lange eingesehen, er war nicht, wofür er sich so lange Zeit gehalten hatte. Schulchampion... leere Worte!
((Das kann nicht das Ende sein!))
„Das ist es nicht, wenn du-!“ Begann Raquel wieder, welcher schlagartig, durchsichtig wie er war, vor Matt niederkniete und ihm seine Hand reichte.
„Niemals! Eher sterbe ich, als von dir Hilfe anzunehmen!“ Wurde er jedoch angefaucht und mit voller Wucht schlug der schwarzhaarige Junge mit seinem anderen Arm durch den Ritter hindurch.
„Raquel!“ Mahnend schaute Gardenia zu ihm hinüber.
„Nenn mich nicht so, verdammte Scheiße!“ Regte sich ihr Gegner sofort auf.
Ihre Blicke gingen durch Matts altertümliches Ebenbild hindurch. Dieses sah die Frau kurz ohne Mimik an und blickte danach wieder rüber zu Matt.
„Sie wird uns beide zu ihren Sklaven machen, wenn du jetzt nicht handelst.“
„Was?“ Matt sah nur herab, sah das Blut von seiner Stirn hinab laufen.
„Ich will diese Frau vernichten! Sie ist Schuld an unserer Lage!“ Erklärte Raquel. „Darum biete ich dir meine Hilfe an! Vertrau mir!“ Erneut hielt der Mann seine Hand vor Matt, um ihm aufzuhelfen. Hoffung war, was er brauchte...
Langsam griffen die Finger des Jungen nach denen seines Ebenbilds, und als sie sich berührten, zuckte Matt zusammen.
Absolute Kälte durchströmte ihn. Er würde es bereuen.
Es war falsch! Er war seine eigene Hoffnung, sein Leben war seine Hoffnung!
„Nein...“ Murmelte er und zog schnell die Hand wieder weg, zu Raquels Überraschung. Langsam nahm er die blutende Hand vom Boden und schaffte es, mit einem Fuß wieder festen Halt zu gewinnen.
„Nein... ich bin stärker...“ Sagte er leise und fuhr in seiner gebückten Haltung langsam hoch. „Stärker als du! Stärker als Raquel!“ Wandte er seine Worte aber an Gardenia. Er würde diese Gestalt mit seinem Aussehen nicht beachten, denn das war genau, was sie wollte.
Entschlossen starrte er zu der braunhaarigen Frau hinüber. Sie seufzte.
„Wenn du doch endlich verstehen würdest...“
„Ich verstehe sehr wohl! Ihr schert euch kein bisschen um mich! Ihr wollt nur die Macht, die in mir ist, für eure verdammten Ziele! Aber die kriegt niemand! Eher bringe ich mich um!“ Fauchte er voller Zorn. „Na los, bring es zu einem Ende! Töte mich! Anders wirst du niemals Gewalt über mich haben! Und du schon gar nicht!“ Schrie er und zeigte auf den Geist vor sich, der ihn die ganze Zeit über plagte. Dieser löste sich, etwas undeutlich rufend, schließlich auf.
Schwer atmend sah Matt hinab auf den Grund, das verdorrte Gras, den Staub. Er hatte es geschafft... vorerst. Fast hätte er seine Existenz verloren, weil er aus der Hilflosigkeit heraus seinem Feind vertrauen wollte. Aber er hatte seine finstere Seite vertrieben, bloß für wie lange?
„Es ist noch dein Zug.“ Sprach Gardenia, die offenbar von der Zuversicht ihres Gegners ins Wanken geriet. Denn sie wusste, er hatte Recht. Ihre Hoffnungen hatte sie darin gelegt, Raquels Kräfte zu erwecken und Matts Persönlichkeit so im Keim zu ersticken. Niemals hätte sie damit gerechnet, dass Herz und Wille des Jungen so stark sind.
„Wie ich mir dachte...“ Murmelte Matt und spuckte etwas Blut an den Rand des Feldes, das dunkle Rot lief ihm den Mundwinkel hinab, wurde aber mit dem Handrücken sofort weggewischt. „Die große Gardenia ist machtlos!“
Dieser Worte ließen sie geschockt erzittern, denn sie wurden voller Zuversicht gesprochen.
„Ich werde dir zeigen, wie man das richtig macht! Mein letzter Zug naht, und er wird dich vernichten!“ Schrie Matt mit Feuereifer, griff nach seiner Dueldisk, ((Jetzt gilt’s! Alles oder nichts!)), und zog ausholend.
Keines seiner Monster würde ihm helfen können, denn zwei Angriffe waren einer zu viel.
Kein Zauber würde jetzt in der Lage sein, seinen angekündigten Sieg sofort in die Tat umsetzen.
Also musste er auf eine Falle vertrauen. Welche dies war, würde er sehen... oder auch nicht.
Als er die Karte zwischen Mittel- und Zeigefinger langsam umdrehte, erkannte er schon den hellvioletten Rand des Stücks Pappe. Also wirklich eine Falle. Aber welche?
Er würde es erst herausfinden, wenn die Zeit reif war und setzte sie, ohne weiter nachzusehen. Dieses bisschen Spannung wollte er sich aufheben.
„End Phase!“ Brüllte er. ((Mal sehen, wie dir deine eigene Medizin bekommt, Gardenia. Hellsehen... Schicksal lesen... pah! Ich entscheide, wann Schluss ist!))
Obwohl er nicht wusste, ob er das richtige Timing erwischen würde, war er äußerlich die Ruhe selbst. Selbst seine Gedanken kühlten langsam ab, er besann sich und atmete regelmäßig, nicht zu tief ein und aus.
„So sei es.“ Gardenia war verwirrt.
Sie konnte es nicht lesen, sein Schicksal. Lag es daran, dass er darauf vertraute und es seinen Weg gehen ließ? Was immer er ausgespielt hatte, sie konnte nicht sagen, was es war. Dennoch, ihre Chancen auf einen Sieg stiegen nur. Raquel könnte sie auch in der Lichterhalle zur Vernunft bringen, der erste Schritt war bereits erfolgreich getan.
„Mach dich bereit!“ Rief sie dann ehrgeizig. „The Dark Ruler, beende das Duell mit einem direkten Angriff!!!“
Die Drachenköpfe streckten sich nach vorne und luden beide Feuerstrahlen in ihren Mäulern auf. Matt sah dem entgegen, er war bereit.
Wenn er gleich oder zumindest bald aufhören würde, er selbst zu sein... würden zumindest die Erinnerungen an ihn bestehen bleiben. Das brachte ihn zum Lächeln.
((Ich bin... ich.))
Dann hüllte ihn nur noch ein rotes Licht ein, Flammen loderten um seine Spielfeldseite.
Im Inferno drückte er den Knopf des Slots seiner Fallenkarte.
((Ich setze all meine Hoffnungen in diese Karte!)) Dachte er und schloss die Augen.
Nichts passierte.
Scheinbar war sie nutzlos.
Außerhalb des Feuers sah Gardenia gespannt, ob sich etwas tat.
„Dein Schicksal war eben vorherbestimmt...“ Meinte sie und dachte an Matt. Doch dann erschrak sie.
Es passierte doch etwas, Matt spürte die Aufregung am ganzen Leibe.
Das Feuer wurde in eine Mauer vor ihm ein gesogen, welche auch die Feuerstrahlen absorbierte und die Energie sammelte.
Der Junge stand da, geschunden, aber immer noch bei Bewusstsein und er selbst.
„Das ist unmöglich!“ Schrie Gardenia.
„Nichts ist unmöglich, wenn man Vertrauen hat!“ Rief Matt ihr energisch zu. „Die Karte, die mir den Arsch retten wird, nennt sich Dimensionsmauer!!! Sie reflektiert bei einem Angriff den Kampfschaden!!!“
„Nein! Das darf nicht sein!!!“ Polterte Gardenia. Sie sah ihre Handkarten an, doch war machtlos.
„Jetzt werde ich dir mal was erzählen!“ Sagte Matt hämisch, aber auch mit ernstem Unterton, während die Energie der Angriffe sich vor ihm entlang der Mauer sammelte. Gardenia sah verwirrt auf.
„Diese Wand trennt uns, weil du nur deine eigenen, selbstsüchtigen Ziele verfolgst!!! Ich bin zwar kein Heiliger, aber zumindest habe ich noch gewisse Werte, die ich verteidige!“
Als Gardenia ihn ansah, verschlug es ihm die Sprache. Sie sah so unendlich traurig aus, als hätte man gerade ihr Herz gebrochen.
„Ist es denn falsch, für eine Heimat zu kämpfen?“ Fragte sie mit erstickter Stimme. „Habe ich... vergessen, was ein Leben wert ist?“
„Die Frage kannst nur du dir beantworten.“ Antwortete Matt gewissenhaft.
Die Frau schloss die Augen.
Als sie sie wieder öffnete, war ihr Gesicht eine wutverzerrte Fratze, aus deren Augen die Tränen stiegen. „Selbst wenn, es gibt keinen anderen Weg! Raquel, wir haben uns nicht das letzte Mal gesehen!“
„Ah!“ Doch ehe Matt ein weiteres Wort sagen konnte, wurde der Angriff von The Dark Ruler reflektiert und auf Gardenia geschleudert.
Matt sprintete aggressiv los und wollte sie aufhalten, doch die Frau ging in einer Explosion unter.
„Wenn wir uns das nächste Mal treffen, wirst du wieder du selbst werden, Raquel!“ Sagte sie leise und hoffnungsvoll, aber innerlich gebrochen. „Für unsere Heimat!“
[Matt: 2600LP Gardenia: 0LP]
Als sich der Qualm verzog, was sie weg. Matt sah sich um, auf der Suche nach ihr, doch umsonst. Sein Herz hämmert wild in der Brust, das war viel zu knapp.
Eine kurze Weile hielt er inne, ohne sich über etwas den Kopf zu zerbrechen.
Aber er hatte es ihr gezeigt, und diesem Raquel! Dennoch fühlte er sich miserabel, denn sie war entkommen...
Erschöpft zitterte der Junge am ganzen Leibe, auf der linken Straßenseite nahe dem Pub kam er zum Stehen.
Er bemerkte, wie sich der finstere Bannkreis aufzulösen begann. Etwas hinter ihm klirrte und so wandte er sich zum Friseursalon.
Die Scherben der Innenseite flogen durch die Luft und setzten sich zusammen, dann als Ganzes klinkten sie sich in die kaputte Scheibe ein. Es wirkte am Ende wie neu, als wäre Matt nie hindurch geflogen.
Der Schwarzhaarige fiel auf die Knie.
Sie war weg, geflüchtet. Diese verdammte Hexe, er hasste sie mehr als je zuvor. Dabei hatte er alles gegeben.
Matt wusste es nicht, was er von allem was sie sagte halten soll. Anja... war sie wirklich tot? Dass Gardenia von dem Zauber wusste, deutete wirklich darauf hin. ((Das darf nicht sein...))
Wie er sich wünschte, dass sie verrecken würde! Wenn er sie jemals wieder sah, so würde er definitiv dafür sorgen!
Eine Weile sah er den wiederhergestellten Asphalt unter seinen blutenden Händen an, atmete tief durch. Der Bannkreis war längst gänzlich verschwunden, es hupte laut.
Ein Auto blieb vor ihm stehen, hätte ihn beinahe angefahren. Doch dies bemerkte er gar nicht, seine Gedanken waren auf eine Sache gerichtet, der er zuvor keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
((Meine Erinnerungen und Kräfte von damals wurden versiegelt. Aber eins verstehe ich nicht... warum diese Tabithar? Wer ist sie?)) Schon seit Gardenia ihn davon erzählte, dachte er immer wieder nach.
Dann traf es ihn wie ein Schlag. Dieser fremde Name ließ ihn sofort das Bild einer bestimmten Person vor Augen sehen. ((Könnte sie damit Tara gemeint haben? Das-das... sie hatte uns beide „geprüft“! Vielleicht...))
Er stoppte seine Gedanken, als ihm bewusst wurde, wie abwegig und zugleich einleuchtend das Ganze war. Sein Atem ging schneller.
Matt konnte es nicht fassen. Es war so unwirklich, das konnte einfach nicht sein. Das Mädchen, dass er seit seiner Kindheit kannte, wie konnte sie...?
((Tara ist... Tabithar...?)) Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. Dafür musste es eine andere Erklärung geben und doch gab es keine. ((Wenn sie um mich herum ist, bin ich ich. Sie ist mein Siegel... und ich ihres.......?))
Alle seltsamen Dinge, die jemals um ihn herum passiert waren, fanden dann statt, wenn Tara nicht in seiner Nähe war. Schon als Kind hatte er ab und zu kleine Tiere aus purer Willenskraft töten können. Bisher glaubte er an Zufälle, doch nun... ((Dieser Raquel... anfangs konnte er nur über Träume in meine Gedankenwelt eintauchen. Aber seit Gardenia mich und Tara herausgefordert hat... passierten immer krassere Dinge, ich sah die andere Welt und- scheiße!)) Voller Wucht schlug er mit der blutigen Hand auf den Asphalt. ((Diese-! Was hat sie nur getan? Das wollte ich alles nicht wissen! NEIN! NEIN! NEIN!)) Wieder spritzte das Rot, als er permanent mit den Fäusten auf die Straße einschlug.
Plötzlich spürte er, wie man ihn unter den Armen hoch hievte. Verwirrt starrte er auf die Personen vor sich, die gerade aufgetaucht waren.
Ein erwachsener, blonder Mann stand vor Edna, Tara, Ryan und Strife, sah dabei äußerst erzürnt drein. „Junger Mann, wie lange gedenken Sie noch, die Straße zu blockieren?“
„Verzeihung!“ Erst jetzt realisierte er das Chaos, das er ausgelöst hatte. Jedoch war seine Entschuldigung halbherzig, denn ein viel größeres Chaos machte ihm zu schaffen.
Seine Freunde versuchten, den Ärger im Zaum zu halten und redeten besänftigend auf den Mann ein, argumentierten mit Matts Wunden. Der Kerl war aber trotzdem skeptisch.
Die ganze linke Fahrbahn war voll von angestauten Autos, die wegen ihm nicht vorankamen.
„Alles okay?! Du bist total blass, warum blutest du so, oh mein Gott, du musst zum Arzt! Wir haben überall nach dir gesucht, du warst auf einmal einfach weg, wir dachten, du wärst auf Klo gegangen, aber keiner hat dich weggehen sehen und Orion meinte, etwas hinge in der Luft und-“ Sprudelte die Sorge aus Taras Mund hinaus, während die drei anderen hinter ihr waren und ebenfalls blass waren, wohl aus Angst, ihm sei etwas geschehen.
Harris, der sich hinter Matt befand und ihm aufgeholfen hatte, machte ein angespanntes Gesicht.
„Ja, der Wicht hat gesagt, dass man dich in einem Bannkreis festgehalten hatte... sag mal, stimmt das?“
„...ja.“ Während der Londoner bereits wieder im Auto saß und die Jugendlichen die Straße freimachten, ließ Matt den Kopf hängen. Auf dem Bürgersteig blieb er vor dem Eingang des Pubs stehen. „Es war Gardenia. Sie ist wirklich hinter mir her. Aber ich hätte sie fast erwischt, sie hatte schon verloren, aber dann...“ Er wusste nicht, wie er sein Scheitern in Worte fassen sollte, deshalb kehrte er den anderen den Rücken zu. Irgendwie fühlte er sich, als habe er nichts erreicht. Er war fast immer noch so schlau wie vorher, hatte versagt.
„Erzähl uns all-“ Begann Tara. Ein grummelndes Geräusch kam aus Matts Richtung. Der hielt sich plötzlich den Bauch.
„Hunger?!“ Fing Edna an loszuprusten, obwohl sie es in dieser Situation für unangebracht hielt.
„Hey! Ich hab nen schweren Kampf hinter mir!!!“ Regte sich Matt auf und drehte sich zu seinem Freunden um.
„Zu schade, Orion verputzt gerade dein Essen.“ Meinte Harris schadensfroh.
„Was, wer? Etwa dieser ‚unsichtbare Freund’ von Strife...?“
„Genau der.“ Antwortete dieser und sah auf seine goldene Taschenuhr. „Mittlerweile dürfte er längst fertig sein. Und an eurer Stelle würde ich mich von Orion jetzt besser fern halten, er... pupst um diese Zeit ziemlich oft.“
„Das ist nicht fair!“ Mit tränenden Augen ließ der Schwarzhaarige den Kopf hängen.
Edna jedoch schlich sich grinsend hinter ihm und klopfte auf dessen Schultern. „Hey, natürlich haben wir an dich gedacht. Ich hab nicht alles aufgegessen, du kannst meine Reste haben.“ Strahlte sie heldenhaft.
„Edna, du bist die Beste.“ Ehe sie sich versah, drückte Matt das zierliche Mädchen fest an sich, sodass ihr fast die Augen raus quollen. Dabei wurde er von Harris und Strife ganz genau beobachtet. Letzter warf dann ein. „Aber Orion ist doch noch-“
„Was!? Meinst du, er-!!“ Edna wurde sofort losgelassen und torkelte erstmal gegen Tara und warf sie fast um.
„Mit Sicherheit nicht.“ Überlegte Strife.
„Renn Matt, oder dein Essen ist Geschichte!“ Harris konnte sich das Lachen kaum verkneifen, besonders als sein bester Kumpel die Tür aufriss und in den Pub stürmte. Kurze Zeit danach hörte man bis nach draußen: „Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeinnnnnnnnnnnnn! Lass das! Das ist meins! Wo-wo, das ist nicht... hey, lass die Finger von meinen Eiern--- AU! Dämliches Viech, wo versteckst du- AU! Das ist mein Teller!“ Der nächste Satz kam von Orion und konnte deshalb nur von Strife und Harris gehört werden. „Da hast du ihn!“
Dann schepperte es und Matt schrie. „AU.......“
Draußen war das Lachen kaum mehr zu bändigen. So unbeschwert war die Gruppe schon lange nicht mehr gewesen, und das trotz Gardenias Angriff.
Doch die Aussicht darauf, dass sie morgen schon früh aufstehen mussten, um mit dem Zug nach Paris zu fahren, trübte die Stimmung ein wenig.
Tara drehte sich um und starrte in den blauen Himmel. ((Ich hab sie gefühlt, Gardenia. Matt muss uns schnellstens erzählen, was zwischen ihm und ihr passiert ist... Und... Wer ist nur dieses traurige Mädchen... in meinen Gedanken?))
Turn 131 - The card
Während der Zugfahrt im Eurotunnel, welcher unter dem Ärmelkanal verlief und London mit Paris verband, bemerkte Matt, dass seine wertvollste Karte fehlte, „Spirit Guard - Ecel“. Nach verzweifelter Suche verdächtigte er erst Ryan und dann Strife des Diebstahls, sogar Orion, dessen Aussehen er nicht einmal kannte, zog er in Betracht. Doch trotz dieser Anschuldigungen fand sich die Gruppe schließlich in Paris wieder und sogleich spürten Strife und sein Schattengeist eine mächtige Aura...
-Aska- - 17. Jul, 14:22