Turn 17: Ready, steady, no!
Kaiba sackte erschöpft in seinem langen Konferenzsaal zusammen. Das Hologramm seines Weißen Drachen und der Nebel des Schattenreichs lösten sich derweil in Luft auf.
„Kaiba!!!“ Riefen zwei bekannte Stimmen voller Entsetzen. Mokuba und Seto sahen zur linken Tür, die sich gerade schloss.
„Ihr?“ Murmelte Kaiba nicht gerade freundlich und sah abwechselnd von Tea zu seinem Erzrivalen: Yugi.
Der kleine Jugendliche und seine brünette Begleiterin starrten schockiert Kaiba an, der entkräftet niederkniete und gebückt zu ihnen rüber sah, völlig außer Atem.
Bereits als sie seine Firma betreten hatten, und die Wachleute sowie das Empfangspersonal bewusstlos vorfanden, hatten sie einen furchtbaren Verdacht.
Dieser wurde ihnen jetzt offenbar bestätigt.
„Was ist passiert!?“ Fragte Yugi sofort voller Sorge und ging einen Schritt vor. Mokuba eilte zu ihm und versuchte die Situation kurz zu schildern.
„Da-da war eine Frau, sie hatte es auf meinem Bruder abgesehen und-!“ Stotterte er noch völlig aufgeregt, aber beruhigte sich mit der Zeit. Schließlich setzte er sogar eine zuversichtliche Mimik auf. „Aber Seto hat es ihr gezeigt!“
„Also hat man es auch auf Kaiba abgesehen...“ Sprach Tea schweren Herzens zu Yugi und blickte den langen Saal entlang zum zerbrochenen, weitflächigen Fenster.
„Oh!“ Sagte Mokuba, als er ihre neugierigen Blicke bemerkte.
„Das ist beim Duell passiert...“ Erklärte er und hatte in gewisser Hinsicht Mitleid. „...sie wurde durch den Angriff aus dem Raum geschleudert...“
„So einen Sturz kann sie unmöglich überlebt haben!“ Schoss es aus dem Mädchen heraus. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und murmelte: „Wie schrecklich...“
„Hmpf!“ Kaiba fand nun wieder die Kraft, sich aufzurichten. „Diese Närrin ist selber schuld, immerhin wusste sie, mit wem sie sich anlegte.“
Kalt blickte er zu den anderen hinüber und behielt dabei Yugi im Visier. „Was treibt euch hierher?“
„Wir müssen dich um einen Gefallen bitten, Kaiba!“ Antwortete Yugi darauf, doch kam gar nicht erst weiter zum Zuge.
„Ich habe keine Zeit für euch!“ Wurden er und Tea angemotzt. „Jemand will meine Firma ruinieren und ich muss herausfinden wer!“
„Darum geht es auch.“ Versuchte es Tea auf diplomatische Weise und stellte sich zu Yugi und Mokuba. „Yugi wurde auch von jemandem attackiert. Deine Firma zeichnet doch jedes Duell auf. Wenn wir Seymour, so heißt der Angreifer, und seine Dueldisk orten könnten...“
„Verstehe.“ Gab Kaiba ihnen knapp zu verstehen und lächelte scheinheilig. „Aber die Antwort lautet nein. Verschwindet aus meiner Firma und belästigt mich nicht mit euren Vorschwörungstheorien.“
„Das ist kein Hirngespinst!“ Protestierte Tea, der es langsam zu bunt wurde. Wütend riss sie ihre geballten Fäuste nach und beugte sich vor. „Du musst doch selbst einsehen, dass eine Verbindung zwischen Yugis Angreifer und deinem gibt, womöglich sind es die, die deinen Ruf schädigen, Kaiba! Selbst Pegasus ist irgendwie in die Sache verstrickt!“
„Ah?“ Kaibas Augen spreizten sich für einen kurzen Moment, als er den Namen des Erfinders von Duel Monsters erfuhr.
„Es stimmt, er hat Seymours Karten gemacht.“ Yugi versuchte möglichst ruhig auf Kaiba einzureden und wandte sich an Mokuba. „Wie hieß diese Frau? Hat sie vielleicht irgendeine Bemerkung fallen lassen?“
„Hmm...“ Der Junge mit seinem pelzig, schwarzen Haar, das bis zur Hüfte reichte, hielt sich nachdenklich das Kinn. „Der Name liegt mir auf der Zunge. Sie... hieß... ich erinnere mich einfach nicht.“
Tea und Yugi warfen sich sofort viel sagende Blicke zu. ((Dann war es vermutlich ein Schattenspiel, welches die Erinnerungen raubt.)) Überlegte der König der Spiele. ((Kaiba hat gewonnen, aber... was passiert nun mit ihr?))
„Sonst irgendetwas?“ Beharkte Tea den Jungen derweil weiter.
„Nichts...“ Doch dann erinnerte sich Mokuba an etwas. „Wartet! Die Seele meines Bruders, sie wollte sie ins Reich der Schatten verbannen. Und es war die Rede von 7 Auserwählten und einer neuen Ära, wenn diese fallen...“
„So ein Schwachsinn! Mokuba, du glaubst doch nicht etwa an diesen Unsinn?“ Fuhr Kaiba seinen Bruder ärgerlich an.
„Nein, Seto!“ Erwiderte der, jedoch nicht vollkommen von der eigenen Aussage überzeugt.
((Yugi und Kaiba... sind sie die Auserwählten?)) Musste sich Tea unwillkürlich fragen und versuchte es noch einmal. „Kaiba bitte! Wir müssen an die Daten von Yugis Duell! Vielleicht hilft es auch dir!“
Dieser sah sie einen Augenblick lang durch seine stechend blauen Augen an. „Also schön... Wenn ich dadurch endlich loswerden!“ Rümpfte er die Nase und kehrte den dreien den Rücken zu. „Kommt mit!“
Wenige Minuten später befanden sie sich in einem hellen, großen Raum. Auf dem Hinweg hatten Yugi und Tea zudem alles geschildert, was sie erlebt hatten, ebenso ihre Pläne.
Natürlich hielt er es für Unfug.
Vor ihnen erstreckten sich drei riesige, große Monitore, die an der Wand befestigt waren.
„Wow...“ Murmelte Tea und sah von links nach rechts all die Sekretärinnen an, die an kleinen Pulten um sie herum arbeiten. Alles war genau abgemessen, die Abstände zwischen den Pulten, die Reihen... dieser Raum machte wirklich etwas her.

Jedoch waren einige Sitze unbenutzt, da die Damen sich um die Versorgung der verletzten Personen kümmerten und deshalb innerhalb des Gebäudes unterwegs waren und Cassies Opfer zusammensammelten.
Kaiba führte die Gruppe schließlich zu einem großen Schaltpult, das sich leicht gebogen von einer Seite des Raums zur anderen befand und einige Schritte von den Monitoren entfernt war.
Er gab dort etwas auf einer Tastatur ein und wartete, bis der hellblau leuchtende Bildschirm vor seiner Nase etwas ausspuckte.
Die anderen blieben mit etwas Abstand zu Kaiba stehen und warteten.
Schließlich wurde auf dem mittleren Monitor links Yugis Bild eingeblendet, rechts verschiedene Daten zu seinem Deck.
Danach tauchte eine Liste von allen Personen auf, mit denen sich Yugi duelliert hatte. Auf die letzte jedoch stand nur die Seriennummer der Dueldisk, ein Name wurde offenbar nicht eingetragen.
„Wie seltsam...“ Meinte Tea dazu.
„Gleich haben wir eueren Angreifer.“ Spottete Kaiba, ohne rüber zu sehen und gab weiterhin etwas ein. Das erste Bild schwand und wurde von einem schemenhaften, in die Länge gezogenen Globus ersetzt, der auf blauem Hintergrund leuchtete.
„Wo immer sich dieser Seymour auch befindet, unsere Satteliten können ihn überall ausmachen.“ Protzte Mokuba stolz.
„Fast wie ein Überwachungssystem.“ Gab Tea sich darüber nicht so erfreut zu verstehen.
Gespannt warteten die drei auf ein Ergebnis. Doch zu ihrer Überraschung wurde inmitten des Globus folgende Nachricht in weißen Lettern eingeblendet: Duelist-ID 382-1888-192 unavailable.
„Was?“ Erschrak Tea.
„Unsere Satteliten können ihn nicht aufspüren.“ Kaiba konnte ein höhnisches Lachen nicht unterdrücken, da sie offenbar schwer von Begriff war.
Das brünette Mädchen versuchte es sofort mit einer eigenen Erklärung. „Vielleicht ist seine Dueldisk ausgeschaltet, ohne Energie. Wir sollten es später noch einmal probieren!“
„Unsinn!“ Schnarrte Kaiba verächtlich und wandte sich nun an die Gruppe. „Der Empfangschip arbeitet 24 Stunden am Tag, wenn es diese Dueldisk gäbe, würde ich sie finden.“
„Vielleicht wird das Signal gestört? In der Datenbank ist Seymours Dueldisk jedenfalls zu finden.“ Sagte Yugi, der annahm, dass jener Mann natürlich nicht aufgespürt werden wollte.
„Wie dem auch sein, ich kann euch nicht helfen.“ Schloss Kaiba damit die Sache für ihn ab. „Nun verschwindet und lasst mich in Ruhe.“
„Und Pegasus?“ Tea verzweifelte langsam am Egoismus des Firmenleiters. „Willst du denn gar nichts tun?“
„Hmm...“ Kaiba verzog das Gesicht.
Kurzerhand holte er ein Handy aus der Innentasche seines weißen Mantels und wählte flink eine Nummer. Als er sich den Apparat ans Ohr hielt, musste er die erleichterten Gesichter der drei sehen und schnaufte grimmig.
Dann hörte er, wie auf der anderen Seite jemand den Anruf in Empfang nahm.
„Hallöchen~ dies ist die Zentrale von Industrial Illusions oder knapp I², welche hübsche Angelegenheit dürfen wir beide den regeln?“ Tönte die Stimme einer schmierigen Sekretärin.
((Ich hatte die Nummer von Pegasus gewählt.)) Wurde der junge Mann regelrecht überrumpelt, welcher erwartet hatte, dass die geächtete Person persönlich ans Telefon ging. „Ich will Pegasus sprechen, sofort!“ Verlangte er dann forsch.
„Ohhhhhh, das wollen viele~!“ Kicherte die Dame. „Durch den Umzug nach ~Deis~...“ Kaiba stellte kurz fest, dass die Tonlage der Sekretärin wesentlich tiefer und brummiger ertönte, sich aber gleich wieder fing. „...ich meine ~Dice~, hihihi, ist unser herzensguter Präsident leider sehr beschäftigt.“
„Meine Name ist Seto Kaiba!“ Regte der sich fürchterlich auf. „Sparen Sie mir diese jämmerlichen Ausreden und verbinden Sie mich mit ihm!“
„Ich bedaure, er hat im Moment keine Zeit~“
„Machen Sie sich über mich lustig?!“ Entflammte der Zorn in Seto, welcher derweil der Gruppe den Rücken zuwandte, da sie verwirrt zu ihm rüberstarrten.
„Aber nicht doch, Schätzchen... wie könnte ich~? Aber wie ich sagte, unser Präsident ist nicht erreichbar. Kann ich etwas ausrichten?“ Wurde er übertrieben freundlich gefragt.
„Dass er sie feuern soll!“ Platzte Kaiba der Kragen und legte auf.
Mit einem Ruck drehte er sich um.
„Von wegen nicht erreichbar... der wird sich wundern! Yugi, komm mit!“ Befahl er und schritt auf Mokuba, Tea und Yugi zu.
„Was hast du vor?“ Wollte der von Kaiba wissen, während dieser aufgebracht an ihm vorbeirauschte.
„Wenn Pegasus nicht ans Telefon geht, werden wir ihm eben persönlich einen Besuch abstatten.“
Das schockierte den kleinen Kerl dann doch etwas.
„Aber Joey und Tristan...“ Rief er Kaiba hinterher.
„Ich habe nicht vor, auf deine kleinen Freunde zu warten, besonders nicht auf Wheeler!“ Spottete Kaiba und hielt kurz an. „Ihr wolltet doch unbedingt meine Hilfe, nun habt ihr sie! Wenn Pegasus dahinter steckt, zerquetsche ich ihn.“ Symbolisch ballte Kaiba eine Faust und starrte den Arm zornig an. Tea zuckte mit den Schultern und tauschte mit Yugi fragende Blicke aus.
Joey und Tristan würden erst in ein paar Stunden los fliegen, wenn Kaiba mit dem Jet flog, wären sie vermutlich schneller.
„Also schön...“ Sprach Yugi mit einem mulmigen Gefühl im Magen.
„Dennoch frage ich mich...“ Überlegte Kaiba, während die anderen zu ihm aufschlossen. „...warum Pegasus nach Dice umgezogen ist? Wie dem auch sei, beeilt euch!“
„Dice, richtig...“ Erinnerte sich Yugi, da sie selber schon einmal bei Pegasus angerufen hatten, bevor sie Flugtickets bestellten, damals war er ebenfalls nicht erreichbar. ((Irgendetwas stimmt da doch nicht...))
- wenige Momente vorher in einem dunklen Raum -
Genüsslich wurde ein Glas mit Weißwein zu krustigen, bleichen Lippen geführt. Nach einem Schluck wurde es zurück auf den schlichten Holztisch, neben der Kristallkugel mit dem Rubinsplitter darauf, abgesetzt.
„Damit wäre die Unfähigkeit meiner Untergebenen bewiesen.“ Murmelte er unerfreut.
Kathea lehnte, wie schon zuvor, an die Wand neben dem Ausgang und starrte auf das schlichte Bett auf der gegenüberliegenden Seite. Ihre Gedanken kreisten sich um die Tatsache, dass sie noch nicht einen Auserwählten zu Fall gebracht hatten.
„Cassie, diese schwache Hexe... ihre Magie hatte nicht einmal Wirkung auf Kaiba!“ Fluchte sie dann unerwartet. „Sein Gedächtnis blieb fast vollkommen unberührt, was nützt es uns, wenn er nur ihren Namen vergisst?!“
Der Meister saß wie üblich an seinem Arbeitstisch und schüttelte den Kopf. Sein blassblondes, dünnes Haar schwenkte dabei von einer zur anderen Seite.
„Besinne dich. Unser Zauber ist nur eine Illusion. Dank der schwachen Seele der Menschen, durchschauen sie unsere Magie nicht. Aber Seto Kaiba, der nicht an den Zauber glaubt, in dessen Brust das Herz eines Auserwählten steckt...“
„Du meinst, wenn man nicht dran glaubt, funktioniert es nicht?“ Erkundigte sich Kathea, die dies zum ersten Mal hörte. Ihre bisherigen Opfer wurden allesamt von der Welt vergessen, weshalb die Erläuterung ihres Gebieters sie umso mehr überraschte.
„Viele Faktoren spielen eine Rolle bei unserer Täuschung.“ Erklärte der Mann ruhig. „Cassie ist eine Hexe, doch ihre Fähigkeiten, Erinnerungen zu beeinflussen, sind äußerst gering. Sie haben einen Effekt bei Kaiba erzielt, doch nur einen geringen... sein ignorantes Herz hat ihn zusätzlich geschützt.“
„Jeder, der mit der Macht der Erinnerungen in Kontakt steht, kann sich auch nach der Anwendung an seine Opfer erinnern. Die Macht des Benutzers beeinflusst das Ergebnis, das ist, was er sagte...“ Wiederholte Kathea das, was sie als erstes gelernt hatte, als sie sich ihrem Herrn anschloss und für ihn arbeitete. „Was wirst du jetzt wegen Cassie unternehmen...? Ihr eigener Zauber ist auf sie zurückgefallen, alle haben das arme Mädchen vergessen, sogar sie selbst...“ Kicherte sie gespielt mitleidsvoll und ging dann in ein fieses Lachen über. „Hätte Greg sie nicht gerettet, wäre sie in den Tod gestürzt. Ihre Seele jedoch ist nun im Reich der Schatten, ohne Erinnerungen, ohne... Identität.“
„Sie wird eine zweite Chance erhalten.“ Entschied der Meister jedoch für Kathea völlig unerwartet.
„Was!?“ Schrie diese und stieß sich sofort von der Wand ab. Sie fasste sich stöhnend an das schwarze, wellige Haar und schüttelte ungläubig den Kopf. „Warum zeigst du soviel Gnade mit diesen Versagern?“
„Weil...“ Nun musste er leise, aber beständig lachen. „...sie schwach sind. Aber genau das ist, was sie gleichzeitig so stark macht, verstehst du, Kathea?“
Sie reagierte nur knapp, „Nein.“, und ging langsam auf den Mann zu. Sie stützte sich an der Lehne des Stuhls ab und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Willst du Cassies Seele etwa schänden?“
„Hahahah...“ Die schmalen Lippen bildeten ein erfreutes Grinsen. „Ein bisschen Schmerz hat noch niemandem geschadet. Er ist es, der mich antreibt... und so soll er auch meinen Dienern Kraft geben. Hahahahahah...“
„Und wir sieht es mit deinem Plan aus, was... Yugis Spielgruppe angeht?“ Fragte sie dann und schaute in die Kristallkugel. Dort sah sie, wie Kaiba inmitten seiner Sekretärinnen mit Yugi, Tea und Mokuba sprach.
„Diese Narren... Zyxx hat sie nach Dice gelockt, genau wie ich es wollte. Dort...“
„Ich sehe schon, du hast alles unter Kontrolle.“ Schloss sie die Sache ab und wandte sich von ihrem Herrn ab.
„Oh, da wäre noch eine Sache.“ Meinte sie im Weggehen und hielt schließlich vor der massiven Holztür an. „Ich habe da ein Opfer in Livington gefunden, von dem ich stark ausgehe, dass er ein Auserwählter ist.“
„Nur zu... aber vergiss dein Hauptziel nicht.“ Wurde sie ermahnt.
„Natürlich nicht.“ Lachte sie eitel. „Wir finden sie schon, deine kleine Gespielin...“
- eine Stunde später in Anjas Zimmer -
Nick stand im Türrahmen und sah betrübt zu ihr rüber. Das Mädchen selbst nahm aus ihrem Kleiderschrank, der gegenüber vom Schreibtisch stand, ihre Dueldisk aus dem obersten Fach hervor.
Auf dem Bett lag ihr fertiger Koffer, denn sie war abreisebereit, während Nicks Gepäck unten vor der Haustür wartete.
„Willst du einfach so gehen, und ihr nicht Bescheid sagen?“ Versuchte er, das Mädchen zur Vernunft zu bringen.
„Ich schreib nen Zettel, okay!?“ Bellte sie ihn an und schnallte sich das Gerät um den rechten Arm. Dabei sah sie ihn finster an, als sie bemerkte, wie er wieder Einspruch erheben wollte.
„Trotzdem wird sie krank vor Sorge sein! Anja, das ist-“
„Sie würde mich nie gehen lassen, ich hab Hausarrest! Unser Flug geht in sechs Stunden!“ Zum Glück war Anjas Mutter gerade arbeiten, sonst würden sie sich wohl nicht einfach mit einem Taxi zum Flughafen davonstehlen können.
„Wenn sie mitkriegt, dass du abgehauen bist, wirst du nie wieder Tageslicht sehen...“ Gluckste die dunkelblonde Bohnenstange, jedoch immer noch besorgt. „Dann werden wir nie ausgehen können, hehe.“
„NICK!!!“
Anja huschte an ihm vorbei und schnappte sich den Koffer auf ihrem Bett.
„Sie wird mich eh nicht vermissen, ihre Tochter, die nur Ärger macht!“ Redete Anja trübselig vor sich hin und sah dann Nick in die Augen.
„Worauf wartest du noch, mach den Weg frei!“
Und dann kamen sie schließlich nach einigen Verzögerungen - Nick hatte anstatt Klamotten nur Comichefte mitgenommen - im gigantischen Eingangsbereich des Flughafens von Livington an.
Trotzdem waren sie ganze drei Stunden zu früh, aber Anja wollte nicht riskieren, doch von ihrer Mum erwischt zu werden. Schuldgefühle hatte sie keine, eher tat sie es aus Trotz, da sie ihren Hausarrest als völlig übertrieben empfand. Dennoch hatte sie ihrer Mutter auf Anraten von Nick jenen Zettel geschrieben, der eher voller Anschuldigen als Entschuldigungen war.
„Ob die anderen wohl schon hier sind? Wo warten sie wohl?“ Überlegte das Mädchen, während sie durch die hohe Halle ging.
„Hier bin ich, hehe!?“ Gluckste Nick hinter ihr.
Anja stöhnte nur, da ihr dämlicher Begleiter ihre Nerven strapazierte und blickte sich um.
Weiter rechts, einen gebogenen und breiten Gang entlang, ging es wohl zu ihrem Flug, doch natürlich müssten sich vorher durch die Gepäckkontrolle und alles.
So viele Leute wanderten hier umher, per Rolltreppen ging es ins nächste Stockwerk und regelmäßig gab es Bildschirme mit den aktuellen Flügen an den verschiedensten Stellen.
„Komm.“ Bat sie Nick und so drängten sie sich durch die Menschenmasse nach rechts durch, wo nach etwa hundert Metern besagter Gang anfing.
Nachdem ihre Koffer überprüft worden und weiter verschickt wurden, damit sie im Flugzeug gelagert werden, mussten beide in einen Wartesaal.
Er war eine Art Unterbrechung im Gang, als kastenförmige Lounge aufgebaut und mit einer großen Frontscheibe versehen, die einen Blick auf die Startbahn gewährte, wo ihre Maschine und einige weitere bereits warteten.
Dennoch blieb den beiden viel Zeit.
Außer zwei langen Reihen mit beidseitigen Sitzplätzen, standen in den Ecken nur ein paar künstliche Pflanzen. Es war praktisch ausgestorben hier, dennoch gab es bereits drei anwesende Personen.
„Immerhin sind wir nicht die einzigen.“ Sagte Anja erleichtert, weil es ihr komisch vorkommen würde, nur mit Nick zu warten.
„Hmm?“ Ertönte eine bekannte Stimme. „Das ist Anja... und Nick.“
In der vordersten Reihe saßen die drei Personen am Rand, mit Blick auf die draußen stehenden Flugzeuge. Eine von ihnen sprang auf und drehte sich zu ihnen um.
„Kyon?“ Anja musste erstaunt mit den Augen blinzeln. „Schon so früh hier?“ Wollte sie wissen, während Nick und sie auf ihn zukamen. Er grinste erheitert.
„Jop, lieber etwas früher hier sein. Aber ich glaub, ich hab’s übertrieben.“
Nachdem sich die drei die Hände gegeben hatten, führte Kyon sie zu den zwei anderen Personen.
„Marik, schön dich wieder zu sehen, hehehe.“ Gluckste Nick zu dem gebräunten jungen Mann, der ebenfalls aufgestanden war und sie strahlend empfing.
„Danke. Wie ich sehe ist Kyon nicht der einzige, der auf Nummer sicher geht.“
„Hehehe, Anja wäre am liebsten noch vor Sonnenaufgang hier gewesen.“ Das blonde Mädchen schmollte auf die Aussage ihres besten Freundes hin und sah schräg rüber zur letzten Person, die jedoch noch die Aussicht genoss.
Außer langen, schwarzen Haaren konnte Anja deshalb nicht viel erkennen. Offenbar gehörte das andere Mädchen nicht zur Gruppe dazu, denn Ishizus Haar war glatter.
„Kommt deine Schwester nicht mit?“ Erkundigte sie sich dann bei Marik.
„Nein.“ Antwortete der nachdenklich und setzte sich auf einen der Plätze, mit dem Rücken zu der Jugendlichen. Anja ließ sich neben ihn auf einer der metallischen Sitzschalen der Bank fallen, wobei Kyon und Nick sich den beiden gegenüber setzten. „Sie ist bereits heute Morgen nach Ägypten zurückgeflogen. Ich soll euch grüßen lassen, meine Schwester vertraut euch von ganzem Herzen. Ihrer Meinung nach wäre sie keine Hilfe.“
„Fremden zu vertrauen ist sehr naiv.“ Nuschelte Anja grimmig und bemerkte, wie Nick schon die ganze Zeit Marik anstarrte. Sie schwieg jedoch dazu.
„Gab es noch eine Vision oder so was?“ Erkundigte sie sich stattdessen weiter bei dem blassblonden Ägypter.
„Nein, nichts.“
Das Mädchen grübelte ein wenig. ((Ob Ishizu auch von Athena weiß? Ich habe ihnen nichts davon erzählt...)) Irgendwie verspürte sie das Bedürfnis, es weiterhin geheim zu halten.
„Was machen wir jetzt?“ Fragte Kyon gut gelaunt in die Runde. „Hat jemand Lust auf ein Duell?“
Anja musste passen und schwenkte dankend ablehnend die rechte Hand, stattdessen versank sie tiefer in der unbequemen Sitzmöglichkeit und starrte die dunkelgraue Wand der Lounge an.
„Hehehe, immer doch...“ Nick sprang sofort auf.
„Grrrr...“
„Hmm?“ Anja hatte ein genervtes Zähneknirschen vernommen und drehte sich um. Es kam von der Person, die hinter Marik saß und den Kopf nach unten neigte.
„Stimmt was nicht?“ Fragte die Blondine freundlich und bekam den Schreck ihres Lebens.
„Natürlich stimmt was nicht, du dumme Pute! Wie könnt ihr nur diesen Vollidioten mitnehmen, ich glaube ich spinne! Wetten ich muss mich übergeben, wenn der sich duelliert!? Allein sein Geruch lässt mir die Tränen in die Augen steigen!!“
Das andere, schwarzhaarige Mädchen und Anja waren beide aufgesprungen.
Entsetzt blickte Anja in ein paar giftgrüner Augen, die sie nahezu auffraßen vor Missmut.
„Ta-ta-tatjana!?“ Unwillkürlich zeigte sie mit zitterndem Arm auf ihre Erzfeindin.
„Wie sie leibt und lebt.“ Antwortete Kyon von seinem Platz aus. „Ich wollte es dir vorher schon sagen, aber...“
„Was machst du denn hier!?“ Ignorierte Anja ihn völlig und musterte ihre Mitschülerin.

Wäre die Sitzbank nicht und trennte die beiden, hätte die Blondine Tatjana schon längst angefallen.
„Wonach sieht das wohl aus, Hohlbirne?“ Reagierte die schnöde. „Ich komme mit.“
„Kyon!? Was macht sie hier? Ich meine- was macht SIE HIER!?“ Wandte sich das Mädchen nun doch an den brünetten Jugendlichen.
„Schön, dass du mich doch bemerkt hast.“ Sagte der eingeschnappt. Nick derweil rief ihm zu: „Anja ist heute etwas schwer von Begriff, das gibt sich schon.“, bevor er von einem Schlag auf den Hinterkopf niedergestreckt wurde und den Boden küsste.
„Sie ist die von neulich, mit dem übergebliebenen Ticket.“ Erklärte Kyon und hatte Mitleid mit Nick, der von einem aufgeschnellten Marik hoch gehievt werden musste. „Aber Ishizu wusste, wie sehr du Tatjana ‚magst’, deswegen sollte es erstmal ein Geheimnis bleiben. Hätte ja keiner ahnen können, dass du schon so früh hier bist.“
„Verstehe, ihr wolltet verhindern, dass ich sie hier rausprügle!“ Entflammte Anjas Hass auf das andere Mädchen noch weiter. „Aber Pech für euch, noch ist genug Zeit! Schafft sie mir vom Hals!!!“
„Hach...“ Stöhnte ihre Erzfeindin, die das alberne Benehmen gar nicht für voll nahm. „Mein Gepäck ist längst im Flieger. Du kannst mich nicht mehr davonjagen.“
Anja machte auf dem Absatz Kehrt und blökte nun Tatjana an. „Und wie ich das kann, wetten!?“
„Wenn hier jemand das Weite suchen muss, dann allein er!“ Hielt die dagegen und zeigte auf Nick, der immer noch von Marik gehalten wurde. „Er riecht, als habe er tagelang nicht geduscht! Das ist schlecht für meinen Teint!“
„Ich zeig dir gleich, was schlecht für deinen Teint ist, du-!“ Anja reichte ihr eine geballte Faust rüber, die jedoch unbeeindruckt beiseite geschoben wurde.
„Spiel dich nicht so auf! Du wirst ja wohl einsehen, dass ich die bessere Wahl für so ein wichtiges Unterfangen bin.“ Meinte Tatjana von sich selbst überzeugt. „Hat dieser Trottel überhaupt auch nur ein Duell gewonnen?“
Auf die Frage hin konnte die Blondine nicht so schnell mit einer kecken Antwort aufwarten. „Äh- also-!“
„Wie ich’s mir dachte.“ Triumphierte Tatjana. „Bye bye Nick, wir werden dich bestimmt ... nicht ... vermissen!“
„Schluss jetzt!“ Erbost sprang Kyon von seinem Sitz auf. „Ihr benehmt euch wie Kleinkinder. Selbst Nick ist da erwachsener...“ Versuchte er die Situation zu schlichten und sah zu genanntem Kerl rüber, der gerade mit dem Finger in der Nase bohrte und grinste, bevor er stolz deren Inhalt am Finger kleben hatte und rumzeigte.
„Ah... vergesst den letzten Satz am besten.“ Schämte sich Kyon für Nick.
„Ich weigere mich, Tatjana zu akzeptieren!“ Brüllte Anja aus vollem Halse.
„Und ich weigere mich, Nick zu akzeptieren!“
Beide Mädchen sahen stechend scharf in Kyons Augen, der unter dem Druck nach einer Lösung suchte.
„Streiten sich die beiden oft?“ Fragte Marik, der Nick mittlerweile losgelassen hatte, aber immer noch hinter diesem wartete.
„Oft? Immer...“ Gluckste der und brachte seinen Gesprächspartner zu einem hoffnungslosen Seufzer.
„Ich hab’s!“ Kam Kyon da eine Idee. „Duelliert euch doch um eine Entscheidung!“
„Dann will ich meinen Platz aber selber verteidigen!“ Packte Nick der Ehrgeiz.
„Wir schicken dir deinen Koffer zurück, wenn wir in Dice angekommen sind...“ Zeigte sich Anja sofort pessimistisch und fiel schmollend in ihren Sitz zurück.
Tatjana jedoch zeigte sich über die Idee sehr erfreut.
„Also von mir aus.“ Sagte sie zwar etwas abweisend, rieb sich in Gedanken jedoch schon die Hände. ((Einfacher geht’s kaum!))
„Ah...“ Stöhnte Marik nur.
Kurze Zeit später standen sich Nick und Tatjana im hinteren Teil des Raums, wo es nach rechts und links zu den weiterführenden Gängen ging und es keine Sitzmöglichkeiten gab, gegenüber.
„Wieso sie... wieso nicht Ishizu?“ Jammerte Anja, zwischen Kyon und Marik, aus der Ferne.
Die drei Verbliebenen saßen nun auf der äußersten Bank und verfolgten von da das Geschehen gespannt.
„Meine Schwester meinte, dass Tatjana eine wichtige Rolle spielen würde. Auch sie kam in einer ihrer Visionen vor.“
„Och nööööööööö...“ Ließ Anja den Kopf hängen.
„Mach dir nichts draus, ich mag Nick auch lieber.“ Versuchte Kyon sie aufzuheitern.
Gleichzeitig warfen der große Blonde und die leicht pummelige Tatjana ihre Dueldisks an und schrieen: „Duell!“
[Nick: 4000LP Tatjana: 4000LP]
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, mir auch nur einen Lebenspunkt abziehen zu können?“ Spottete die Tochter eines bekannten Arztes aus vollem Munde.
Doch genau dieser wurde ihr zum Verhängnis, da Nick die Gelegenheit nutzte, um neben seinem Startblatt noch eine sechste Karte zu ziehen.
„Hey, es heißt ‚Lady’s first’!“ Empörte sich Tatjana und zuckte mordlustig mit den Fingern, wobei ihre Hände auf die Bohnenstange zeigten. „Leg die Karte wieder weg, oder es gibt ein Unglück!“
„Wo keine Lady ist, kann der Nick auch anfangen.“ Grinste der schelmisch und begutachtete seine Handkarten unter den wütenden Protesten und Bekundungen seiner Gegnerin, sie sei eine Lady, er habe keine Ahnung. ((Au super, das Glück ist mir hold!))
„Ich rufe einen meiner Drachis in verdeckter Position und setze drei Karten als Rückendeckung! Da kommst du nie dran vorbei, hehe!“ Protzte er großmäulig.
„Ach ja!?“ Reagierte Tatjana provoziert davon und riss eine Karte von ihrem Deck. „Nimm den Mund nur nicht so voll, du Schwachkopf!“
„Die ist ja ganz schön von sich überzeugt.“ Stellte Kyon trocken fest. „Los Nick, lass dir das nicht gefallen!“ Feuerte er zu Anjas Zufriedenheit ihren besten Freund an.
„Hmpf!“ Ihre spitze Nase rümpfend, zeigte Tatjana nun eine der Karten auf ihrer Hand vor. „Dieses Monster nennt sich Harpyien-Königin! Und wenn ich Ihre Majestät ablege, darf ich mir als königliches Souvenir die Feldmagie Jagdgründe der Harpyien von meinem Deck suchen!“
Mit einem Satz war die Karte im Friedhof verschwunden.
Als Tatjana den gesuchten Zauber aus ihrem Kartenstapel gefunden hatte, schoss das Seitenfach ihrer Dueldisk aus, in dem genau Platz für die Karte war. Als diese eingelegt wurde, verwandelte sich der Boden untere ihren Füßen in eine steppenartige Ebene.
Außer ein paar kleinen Felsen war die Umgebung weitestgehend flach, die Wände des Flughafens selbst, sowie der restliche Aufbau jedoch veränderten sich nicht weiter.
„Nun wird es Zeit für meine Süßen! Komm herbei, Harpyie 1 (ATK/1300)!“ Plapperte Tatjana selbstverliebt und legte das Monster auf den Apparat an ihrem Arm.
Unter schrillem Geschrei huschte aus dem Nichts eine Frau auf, an dessen Armen sich lange, grüne Federn befanden und ihr so zum Schweben verhalfen.
„Wow, sie spielt Harpyien, genau wie Mai Valentine!“ Staunte Kyon nicht schlecht, Marik nickte anerkennend.
„Hahahaha...“ Hielt sich das Mädchen bei diesem Vergleich die Hand vor den Mund und kicherte. „Die große Mai ist mein Vorbild! Aber mein Style unterscheidet sich etwas von ihrem!“
„Ich finde, im Herzen seid ihr beide genauso blond.“ Gluckste Nick fröhlich.
„Was war das!?“ Hallte es aus zwei in Rage gebrachten Mündern gleichzeitig.
„Ich spiele perfekt!“
„Hast du was gegen Blondinen!?“ Übertönte Anja Tatjana noch in ihrer Wut. Nick schüttelte sofort panisch den Kopf und entschuldigte sich für seinen Ausrutscher.
Dann gab Tatjana der Harpyie mit dem rotpinken Haar eine Anweisung: „Vernichte jetzt die mittlere seiner verdeckten Karten!“
Kreischend zischte ihr Monster wie ein Pfeil zu Nick und ließ im Vorbeiflug ihre krallenbesetzten Beine hinunterschnellen, welche die genannte Karte zerrissen. Dann kehrte es stolz wirkend zu Tatjana zurück und hielt sich einen der ebenfalls krallenbesetzten Arme vors Gesicht.
„Sakuretsu-Rüstung!“ Jammerte Nick entsetzt.
„Was denkst du, warum es Jagdgründe der Harpyien heißt?“ Stichelte Tatjana zufrieden. „Wenn eine beschwören wird, machen sie sich über alle erdenklichen Zauber- oder Fallenkarten her und zerstören sie!“
„Richtige Raubvögel!“ Brummte der große Blonde, welcher nie zuvor Tatjanas Deck gesehen hatte.
„Er kennt sich nicht in Mythologie-Dingen aus.“ Entschuldigte sich Anja bei Kyon und Marik, die sich wunderten, warum Nick eine Tatsache feststellte. „Und auch sonst nirgendwo...“ Lästerte sie weiter.
„Aha...“ Murmelte der Jugendliche mit dem Wuschelhaar. „Ich hoffe nur, er hat die Viecher im Griff!“
Harpyie 1 (ATK/1300 zu 1800)
„Hey, wieso wird sie stärker?“ Beschwerte sich Nick derweil.
„Weißt du denn gar nichts?“ Erregt von soviel Unkenntnis, stemmte Tatjana die Arme in die Hüften und sah ihn finster an.
„Zwei Boni wirken auf sie! Der erste kommt von meiner Harpyie selber, denn sie verstärkt Monster der Gattung Wind um 300 Angriffspunkte!“ Erklärte sie gezwungenermaßen. „Zusätzlich greift mein Feldzauber ihr unter die Arme und gibt beiden Werten noch mal 200 drauf, aber das nur bei Vogelwesen!“
„Was soll’s?“ Gluckste Nick, den das nicht weiter zu stören schien.
„Nimm mich gefälligst ernst!“ Giftete Tatjana und stieß förmlich die nächsten zwei Zauberkarten in ihre Dueldisk. „Aber dir werd ich den nötigen Respekt noch beibringen!“
Die aktivierten Karten hießen beide ‚Vornehmer Egotist’ und stellten den Kopf Harpyie dar, wie er in einem Kaleidoskop immer wieder gespiegelt wurde in alle Richtungen.
Marik sah diese Karten erschrocken an.
„Damit kann sie ihre Harpyien multiplizieren!“ Rief er und erinnerte sich noch das Battle City-Viertelfinale, wo damals seine dunkle Hälfte es mit Mai Valentine zutun hatte.
„Genau!“ Prahlte Tatjana selbstverliebt. „Jetzt erblicken Harpyie 2 und 3 das Licht der Welt! Kommt, ihr Süßen!“
Bevor Nick reagieren konnte, blies ihm ein scharfer Wind entgegen. Aus einem Reflex hinaus hielt er die Arme vors Gesicht und wandte sich ein wenig vom Feld ab.
Durch seine Augenwinkel sah er nur noch zwei weitere dieser fürchterlichen Weiber, eine mit stachliger, blauer Mähne und ein Rotschopf mit eleganter Kurzhaarfrisur, wie sie auf ihn zu schossen und sich mit ihren Krallenbeinen jeweils eine der gesetzten Karten schnappten und diese zerstörten.
„Ruf der Gejagten... und Superverjüngung...“ Trauerte der Große seiner Falle und der Schnellzauberkarte hinterher.
Die Harpyien schwebten derweil als Gruppe vor Tatjana.
Harpyie 1, 2 und 3 je (ATK/1300 zu 1800)
„Die nimmt ihn ja richtig auseinander.“ Stellte Kyon besorgt fest.
Anja schüttelte hoffnungslos den Kopf. „Was denkst du, warum sie an unserer Schule so beliebt ist...? Kchhhhh...“
Sie selber hatte einmal gegen Tatjana gespielt und wurde praktisch auf dieselbe Weise fertig gemacht wie Nick. Eigentlich konnte sie ihm also nichts verübeln und dennoch erwartete sie, dass ihre Erzfeindin gefälligst geschlagen wird.
„Na dann wollen wir mal.“ Murmelte die heimtückisch vor sich hin. „Welche meiner Süßen hat denn das Vergnügen? Hmm... Harpyie 2, du darfst!“
Der Rotschopf huschte gackernd hervor und schlug mit dem Arm nach der verdeckten Monsterkarte, sodass sich drei fette Risse darin befanden.
Daraus erhob sich ein rötliches Ungetüm mit drei Schwingen auf dem Rücken. Es saß auf einer großen Schatzkiste und umklammerte sie mit seinen dünnen Pranken, während der Rest seines schmalen Körpers nach vorne gebeugt war und Tatjana anknurrte.
„Flipp!“ Strahlte Nick zufrieden. „Wenn Guardian of the Treasure Chest (DEF/1200) aufgedeckt wird, ziehe ich eine Karte. Wird er außerdem im Kampf-!“
„Von wegen, das lass ja stecken, du Versager!“ Fauchte seine Gegnerin und strich durch ihr pechschwarzes, leicht welliges Haar. „Die Spezialität meiner Harpyie 2 sind nämlich Monster mit Flippeffekten! Und wenn sie diese zerstört, werden ihre Effekte unwirksam!“
„Das heißt keine neue Karte für mich?“ Polterte Nick entsetzt und ließ den Kopf hängen, als Tatjana ihm dies mit weit hochgezogenen Mundwinkeln bestätigte.
„Und jetzt die beiden anderen!“ Rief sie dann voller Vorfreude.
Die anderen zwei Harpyien brausten durch die Luft und umzingelten Nick, umkreisten ihn mit höhnischem Gelächter.
„Ah- hey! Nicht-ah!“ Er duckte sich, seinen Kopf schützend, vor den Schlägen der Monster und schloss die Augen.
„Genau, knie nieder vor deiner Meisterin.“ Spottete Tatjana über ihn.
[Nick: 400LP Tatjana: 4000LP]
„Oh mein Gott!“ Platzte es aus Kyon heraus. „Wie kann man im ersten Zug des Gegners schon so in Rückstand geraten?“
„Ich bin überrascht, dass er nicht längst verloren hat.“ Schmollte Anja weiter, die ihre Träume schon längst unfreiwillig begraben hatte.
Marik seinerseits sagte: „Es ist noch zu früh zum Aufgeben. In jedem steckt das Potential, eine aussichtslose Situation zu überwinden.“
„Er ist aber nicht der König der Spiele...“ Nuschelte Anja ziemlich schwer verständlich. Daraufhin musste der Ägypter den Kopf schütteln, da er hinterfragte, wie gut die beiden denn wirklich befreundet waren.
„So leicht gebe ich nicht auf!“ Präsentierte sich Nick tapfer und stand wieder. Die Harpyien hatten sich zu ihrer Herrin zurückgezogen, die nur über den Eifer ihres Gegners lachen konnte.
„Solltest du aber, denn sonst wird es nur noch peinlicher! Selbst Anja sieht das so, stimmt’s?“
Die sah weg, als man sie fragte.
„Sie gibt es nur nicht zu. Naja, ist ja auch egal...“ Wandte sich Tatjana wieder an Nick. „Ich setze eine Karte verdeckt und lasse dich gnädigerweise einen weiteren Zug machen.“ Dabei blickte sie ihre letzte Handkarte an, die dritte Kopie von Vornehmer Egotist. ((Hätte ich gewusst, dass er so ein schwaches Monster benutzt, hätte ich sie eingesetzt. Naja, dann wird sie mir eben später noch aushelfen.)) Sie kicherte leise.
Mit sich ausstreckenden und wieder zurückziehenden Fingern kam Nicks Hand seiner Dueldisk näher, bis er mit geschlossenen Augen und einem Ruck die nächste Karte zog.
„Heute muss mein Glückstag sein!“ Jubelte er und spielte den Zauber sofort aus. „Crucial Hierarchy!“
Aus seinem Deck schoben sich zwei Karten hervor, sie hießen ‚Meteordrache’ und ‚Höhlendrache’. Nick nahm die beiden und legte sie auf den Friedhof, ehe er erklärte: „Dadurch schicke ich zwei Drachen auf den Friedhof, damit ich für dieses Baby keine Tribute mehr zahlen brauch!“ Mit voller Wucht klatschte er seine Lieblingskarte auf die Dueldisk.
Ein schriller Schrei ertönte hinter ihm und schon einen Moment später hob der Schwarze Rotaugendrache (ATK/2400) vom Boden ab.
„Yieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeekkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkks!“
„Was hat Tatjana denn?“ Wunderte sich Kyon immer mehr über dieses nervige und zickige Mädchen.
„Nick wieder mit seinem Drachen! Wem hat er den denn gestohlen!?“ Prustete die los und hielt sich den Bauch vor Lachen.
Da platzte Anja der Kragen. „Lass ihn endlich in Frieden, du Pisskuh!“ Sie sprang auf und schob sich langsam die Ärmel ihres weißen T-Shirts hoch. „Gleich wird dir das Lachen vergehen!!!“
„Anja, beruhig dich wieder!“ Versuchte Kyon sie, zur Vernunft zu bringen.
„Diese dumme Ziege! Was hat Nick dir eigentlich getan, hä? Nur weil er nicht deinen Vorstellungen entspricht, ist er ein schlechterer Mensch? Sind wir das alle!?“
„Ne-nein-“
„Dann halt deine verdammte Fresse, sonst hau ich dir eines Tages was drauf, klar!?“
Von soviel Aggression überrumpelt, gab Tatjana mit einem sehr knappen Nicken zu verstehen, dass sie sich erst einmal benehmen würde.
Dieser plötzliche Ausbruch hatte sie innerlich regelrecht beeindruckt und nicht nur das, denn diesmal war Tatjana ohne ihre Clique unterwegs, was bedeutete, dass sie auch niemand in Schutz nehmen konnte. Ihr Herz pochte so schnell...
Noch völlig verärgert, ließ sich Anja in den harten Sitz zurückfallen und verschränkte die Arme schnaufend. Die Jungs neben ihr waren so beeindruckt, oder vielleicht fürchteten sie sich auch nur, dass es ihnen die Sprache verschlug.
„Man man man, immer diese Unterbrechungen.“ Nick war heiter wie eh und je. „Na dann stellen wir mein Glück mal auf die Probe! Ich aktiviere Super Dice Box!“
Vor ihm materialisierte sich ein dunkelblauer, recht großer Würfel, dessen Kanten schwarz gefärbt waren. Anstatt Augen, waren lediglich dunkle Fragezeichen auf der Oberfläche abgebildet.
„Geht das wieder los...“ Seufzte Anja argwöhnisch und schüttelte ungläubig den Kopf. „Hier kommt die Karte, die ihm das Duell ruiniert.“
„Was meinst du?“ Erkundigte sich Kyon.
„Nicks Deck ist eine Mischung aus Drachen und Glücksspiel. Während seine Monster ziemlich zuverlässig sind... nunja, sein Glück ist es nicht...“
„Aha.“ Baff wandte sich der Jugendliche wieder dem Duell zu.
„Hehehehe... jetzt wird dreimal gewürfelt.“ Kündigte Nick stolz an. „Und für jedes Ergebnis aktiviert meine Zauberkiste einen besonderen Effekt!“
Der Gegenstand begann prompt, sich zu schütteln. Innendrinnen hörte man vermehrtes Rascheln, denn in dem großen Würfel befanden sich viele kleinere.
Dann flackerte das erste Ergebnis auf dem Kasten: 6.
„Das ist schlecht!“ Stöhnte Nick traurig. „Mein Monster verliert jetzt für jeden Würfelwurf, der in dieser Runde gemacht wurde, 100 Punkte...“
Schwarzer Rotaugendrache (ATK/2400 zu 2300)
„Fängt ja toll an!“ Rümpfte Anja die Nase. Jedoch raschelte es bereits erneut, als sich die Kiste zu schütteln anfing und diesmal formten sich die Fragezeichen zu einer 2.
„Juhu!“ Nick erhob sein Haupt, „Eine neue Karte für mich!“, und zog hastig.
Das letzte Ergebnis wurde bereits angezeigt, eine 1.
„Wahooooooo!“ Der Junge zog die Zauberkarte aus seiner Dueldisk und fügte sie seinem Blatt hinzu. „Damit darf ich meine Super Dice Box nächste Runde wieder verwenden!“
„Sieh an.“ Tatjana schnalzte mit den Lippen. „Dann lass mal sehen, was du jetzt vorhast!“
Breit grinsend schwenkte der Kerl seinen Arm aus. „Na was wohl? Attacke auf Harpyie... äh...“
Seine Blicke huschten zuerst zu der mit dem langen, pinkfarbenen Haar, dann zum orangeroten Biest und schließlich rüber zu der mit der blauen Mähne. Offenbar konnte er sich nicht entscheiden.
„Greif die hässlichste an, ganz rechts!“ Damit meinte er letztere. „Infernofeuersturm!“
Rotauge lud kurz eine schwarzrote Magmakugel in seinem Maul auf, bevor er diese bereit zum Abschuss machte.
„Halt!“ Schrie Tatjana eifrig. „Verdeckte Falle aktivieren, Wasserchor!“
Die Harpyien fingen an, sanfte Melodien in einer unverständlichen Sprache zu singen.
Harpyie 1, 2 und 3 je (ATK/1800 zu 2300)
„Was geht denn hier ab!?“ Entsetzt stellte Nick fest, dass sein Drache und die angegriffene Harpyie gleichstark waren.
„Wenn zwei Monster desselben Namens auf dem Feld verweilen, erhalten beide einen Kraftschub von 500!“ Tatjana genoss das ungläubige Gesicht ihres Gegners.
Es war zu spät, die Attacke war befohlen.
Mit voller Wucht wurde die Feuerkugel auf die blauhaarige Harpyie abgefeuert. Diese verbannte in der Luft zu einem Häufchen Asche, das vor Tatjana nieder rieselte.
[Nick: 400LP Tatjana: 3900LP]
Schwarzer Rotaugendrache (ATK/2300 zu 2400)
Das Gesicht von Anjas Erzfeindin war praktisch eingefroren.
Über die karge Erde der Jagdgründe war von Nicks Seite aus ein kleiner, blauer Würfel angerollt gekommen, geworfen von einer kleinen Fee die neben Nick schwebte. Er zeigte kurz vor Aufprall des Angriffs eine 1 an.
„Hehe, gut, dass ich Anmutiger Würfel nachgezogen hab!“ Gab der Große an und zeigte das Victoryzeichen, während der Schnellzauber vor ihm aufgeklappt stand. „Zwar nur 100 Extrapunkte, aber genug um dein dämliches Weib zu vernichten!“
Tatjana ihrerseits zitterte förmlich am ganzen Leibe. ((Jemand wie er... hat mir... Lebenspunkte abgezogen... mir!?!))
Derweil stürzte der Schwarze Rotaugendrache entkräftet hinter Nick zu Boden und ächzte. Dieser drehte sich sofort erschrocken um.
„Was ist mit dir, komm wieder hoch...!“ Gab sich der verzweifelt und umarmte den langen Hals der schwarzen Bestie, um ihn aufzuraffen, vergebens.
„Von allen Harpyien musstest du ausgerechnet die dritte vernichten, welche deinen Drachen ein paar Züge angriffsuntauglich macht! Nick, du bist und bleibst ein Depp!“ Schnauzte Anja gar nicht erfreut.
„Das kann er doch nicht wissen...“ Wollte Kyon ihn verteidigen, wurde aber selber angefahren.
„Was er weiß ist aber, dass Harpyie 1 einen Power-Bonus vermittelt! Aber nein!“
„Sei doch nicht immer so gemein zu allen.“ Schoss es aus dem Jungen daraufhin heraus.
Wütend schnaufend ignorierte das Mädchen ihn daraufhin.
„Es tut mir leid...“ Murmelte sie kurze Zeit später. „...es ist nur... ach nichts...“
Kyon fragte sich, was mit ihr los war. Als er sie das erste Mal im Park traf, war sie zwar auch eigenwillig, aber im späteren Verlauf des Tages hatte er sie als nette, herzige Person kennen gelernt.
((Vielleicht ist es die Aufregung?)) Fragte er sich und wunderte sich ebenfalls darüber, warum die beiden Mädchen sich so anzickten.
„End Phase!“ Lenkte ihn dann Nicks Ruf ab.
Da dieser nur noch seine Super Dice Box auf der Hand hielt, konnte er nur zwangsläufig seinen Zug beenden.
Die Wirkungen von jener Karte und Anmutiger Würfel hoben sich nun gegenseitig auf und der Schwarze Rotaugendrache behielt seine Grund-Stärke (ATK/2400).
„...wenn mir jemand wie du auch nur einen Punkt abzieht...“ Knirschte Tatjana gefährlich leise mit den Zähnen und führte ihre Hand zum Deck. „...dann bleibt mir nichts anderes übrig...“ Ohne die neu gezogene Karte auch nur anzusehen, steckte sie die andere aus ihrem Blatt in die Dueldisk. „...als dich so in den Boden zu stampfen, dass du nie wieder in meine Augen sehen kannst, ohne daran zu denken...“
Vornehmer Egotist sprang vor ihr auf und zeigte seine Wirkung.
Alle waren gespannt darauf, was Tatjana zu sagen hatte. Doch zunächst nahm sie eine Harpyien-Schwestern-Karte von ihrem Deck und rief sie auf.
Drei weitere Harpyien betraten sofort das Feld, schwebten nah beieinander und waren die jeweiligen Abbilder der einzelnen Harpyien, nur dass die Schwestern ein Goldharnisch als Rüstung trugen (ATK/1950).
„...dann wirst du wirklich daran denken...“ Dann hob sie ihren Kopf und grinste gut gelaunt. „...wie toll und vorbildlich ich doch spiele!“ ((3
Ihr Wasserchor hingegen zersprang, da man auch bei der Beschwörung der Harpyien-Schwestern eine Zauber- oder Fallenkarte vernichten musste.
Harpyie 1 und 2 (ATK/2300 zu 1800)
Die drei anderen schauten dumm aus der Wäsche, als sie das so freudig verkündete.
„Ich hätte mit ner fiesen Beleidigung gerechnet.“ Sagte Kyon, worauf Marik nickte und Anja bestätigte: „Ich auch... das ist völlig untypisch für sie!“
((Idioten!)) Brodelte die Duellantin innerlich. ((Natürlich wollte ich dieses Subjekt beleidigen, aber mein Gesicht ist viel zu schön, um geschlagen zu werden!))
„Hihihi.“ Kicherte sie dann süßlich. „Menschen ändern sich, nicht wahr?“ ((3
„Als ob.“ Brummte Anja nur für die beiden Jungs verständlich.
„Jedenfalls... leider, leider, LEIDER ist dieses Duell vorbei. Dabei hat es soooooooooolchen~ Spaß gemacht.“
Harpyien-Schwestern (ATK/1950 zu 2150 zu 2450)
„Oh nein! Durch die ganzen Boni...!“ Anja sprang auf, als sie die kalte Wahrheit erwischte. „Nick, tu was, schnell!“
„Ich weiß nicht wie!“ Jammerte der seinerseits.
„Das Ding ist im Kasten, hihihi.“ Gackerte Tatjana stolz. „Harpyien-Schwestern, krallt euch sein Rotauge!“
Obwohl Nick sich den drei Furien in den Weg stellte und verzweifelt seine Arme ausstreckte, manövrierten sie sich locker an ihm vorbei und piesackten den schwarzen Drachen mit ihren Krallen, bis er schmerzerfüllt aufschrie und zersprang.
[Nick: 350LP Tatjana: 3900LP]
„Whahdahaaa!“ Schrie der große Blonde im Angesicht der anderen beiden Harpyien, die sich nun auf ihn stürzten und ihn beharkten.
„Es ist aus!“ Strahle Tatjana über beide Backen und zeigte mit dem Daumen nach unten. „Schwache Verstellung, Loser! Macht ihn alle, meine Süßen!“
Je eine der Harpyien griff mit ihren Klauenfüßen einen von Nicks Armen und zusammen hoben sie ihn langsam in die Höhe.
„Wahhhhhhhhhh! Ich will runter~!“ Klagte der und starrte in die Tiefe.
„Das ist knapp ein Meter...“ Stöhnte Anja, die das Schauspiel leid war.
„Dein Wunsch ist mir Befehl!“ Flötete ihre schwarzhaarige Mitschülerin und wies die Harpyien an, den ‚Trottel’ fallen zu lassen.
Dieser landete prompt zum zweiten Mal im Verlaufe des Tages auf die Fresse.
[Nick: 0LP Tatjana: 3900LP]
Beschämt hielt sich Anja die Hand vor den Kopf und sah weg.
Der erdige Boden verwandelte sich wieder in glatten, hellgrauen Marmor, die Monsterhologramme verschwanden.
„Haha, ich hab gewonnen!“ Machte sich Tatjana über ihren Gegner lustig und zeigte mit dem Finger auf ihn. „Geh nach Hause, und zwar’n bisschen plötzlich!“
Nick sah mit tränenden Augen auf. „Das kannst du nicht machen! Ich...“
Als er jedoch sah, wie der Gesichtsausdruck des Mädchens von Hohn zu einer getroffenen Miene wechselte, verstummte er.
„Wenn ich es gewesen wäre und verloren hätte...“ Sagte sie ungewohnt niedergeschlagen und mied den Blick der anderen, indem sie sich umwandte. „...würde keiner nur eine Anstalt machen und sich für mich einsetzen. Oder?“
Anja musste sich eingestehen, dass Tatjana damit Recht hatte. Kyon zuckte unsicher mit den Schultern, Marik hingegen fand offenbar nicht die richtigen Worte.
„Naja, der Stinker kann bleiben... sonst hast du ja gar keine Freunde hier...“ Stichelte Tatjana schlagartig heiter in Anjas Richtung und grinste.
„Tatjana...“ Murmelte die und verstand nicht, warum ihre einstmalige Freundin das tat. „...danke.“
„Bild dir nicht zuviel ein!“ Wurde sie da schon angefaucht. „Ich mache das hauptsächlich deshalb, weil Ishizu es so angeordnet hat! Wenn es nach MIR ginge, dann würde er...!“
Anja sprang erzürnt aus ihrem Sitzplatz auf.
„War ja auch zu schön, um wahr zu sein, dass DU mal nett bist!“
Doch die Blondine wurde von lautem Applaus unterbrochen. Schockiert bemerkte sie, wie sich bereits einige weitere Leute hier versammelt hatten und dem Duell beigewohnt hatten.
„Danke, danke, danke!“ Verneigte sich Nick. „Will jemand ein Autogramm? Ihr Hübschen vielleicht, hehe!?“ Fragte er in eine Gruppe von jungen Damen, die schlagartig an ihm vorbeizogen.
„Als ob.“ Sprudelte es aus Tatjana und Anja gleichzeitig heraus, wodurch beide sich nur finster ansahen. Jedoch hatte letztere ihre Erzfeindin trotzdem durchschaut.
((Auch wenn sie’s nie zugeben würde, sie hat doch nette Seiten.)) Dachte Anja zufrieden. ((Aber nur ein paar klitzekleine!))
Als sie sich in der Lounge weiter umsah, musste sie feststellen, dass die letzte Person der Reisegruppe immer noch fehlte.
„Wo Mark wohl steckt?“ Wunderte sie sich mit einem Hauch von Sorge.
„Es ist noch viel Zeit.“ Sagte Kyon neben ihr, der mittlerweile seinen Nintendo DS gezückt hatte und im Sitzen zockte. „Der wird schon auftauchen.“
„Oh? Was spielst du denn?“ Anja glotzte im Stehen über den Bildschirm hinweg.
„Before Calamity.“ Antwortete der konzentriert.
„Ein Duelmonsters Game? Du kriegst wohl nie genug davon, was?“ Lachte Anja fröhlich und setzte sich wieder neben ihn.
Irgendwie war sie so nervös, dass sie weder stillsitzen konnte und auf der anderen Seite nichts mit sich anzufangen wusste.
„Sag mal Marik...“ Begann sie dann leicht bedrückt. „Wird es sehr gefährlich werden? Unsere Reise?“
„Sag nicht, du hast dir darüber keine Gedanken gemacht, du Niete?“ Fauchte Tatjana herüber, die sich an die Wand gelehnt hatte und Anja, Kyon sowie Marik im Blickfeld behielt, während Nick durch die Lounge huschte und allen seine Autogramme aufschwatzen wollte.
„Natürlich, du blöde Kuh!“ Hallte es ihr entgegen, doch die Lautstärke senkte sich gleich wieder. „...aber kann es sein, dass wir...? Ich meine...“
„Sterben?“ Marik verstand die Sorge des Mädchens. „Wer weiß. Aber ich lasse nicht zu, dass es soweit kommt.“ Versuchte er, ihr die Furcht zu nehmen.
„Danke...“ Kam es aus ihrem Mund, dennoch ließ sie den Kopf hängen. ((Wenn wir der Attentäterin von Pegasus gegenüberstehen... werde ich sie bekämpfen!))
Entschloss Anja sich.
Turn 18 - Intruder
Während Anja und der Rest der Gruppe nun endlich im Flieger saßen und Dice anpeilten, waren Yugi, Kaiba, Tea und Mokuba bereits mit einem Privatjet ebenfalls auf den Weg zu Pegasus’ neuem Firmensitz. Allerdings hatte sich jemand an Board geschlichen und wollte sowohl Kaiba, als auch Yugi töten. Der Name war Liana, doch sie...
Nicks Deckliste
Tatjanas Deckliste
„Kaiba!!!“ Riefen zwei bekannte Stimmen voller Entsetzen. Mokuba und Seto sahen zur linken Tür, die sich gerade schloss.
„Ihr?“ Murmelte Kaiba nicht gerade freundlich und sah abwechselnd von Tea zu seinem Erzrivalen: Yugi.
Der kleine Jugendliche und seine brünette Begleiterin starrten schockiert Kaiba an, der entkräftet niederkniete und gebückt zu ihnen rüber sah, völlig außer Atem.
Bereits als sie seine Firma betreten hatten, und die Wachleute sowie das Empfangspersonal bewusstlos vorfanden, hatten sie einen furchtbaren Verdacht.
Dieser wurde ihnen jetzt offenbar bestätigt.
„Was ist passiert!?“ Fragte Yugi sofort voller Sorge und ging einen Schritt vor. Mokuba eilte zu ihm und versuchte die Situation kurz zu schildern.
„Da-da war eine Frau, sie hatte es auf meinem Bruder abgesehen und-!“ Stotterte er noch völlig aufgeregt, aber beruhigte sich mit der Zeit. Schließlich setzte er sogar eine zuversichtliche Mimik auf. „Aber Seto hat es ihr gezeigt!“
„Also hat man es auch auf Kaiba abgesehen...“ Sprach Tea schweren Herzens zu Yugi und blickte den langen Saal entlang zum zerbrochenen, weitflächigen Fenster.
„Oh!“ Sagte Mokuba, als er ihre neugierigen Blicke bemerkte.
„Das ist beim Duell passiert...“ Erklärte er und hatte in gewisser Hinsicht Mitleid. „...sie wurde durch den Angriff aus dem Raum geschleudert...“
„So einen Sturz kann sie unmöglich überlebt haben!“ Schoss es aus dem Mädchen heraus. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und murmelte: „Wie schrecklich...“
„Hmpf!“ Kaiba fand nun wieder die Kraft, sich aufzurichten. „Diese Närrin ist selber schuld, immerhin wusste sie, mit wem sie sich anlegte.“
Kalt blickte er zu den anderen hinüber und behielt dabei Yugi im Visier. „Was treibt euch hierher?“
„Wir müssen dich um einen Gefallen bitten, Kaiba!“ Antwortete Yugi darauf, doch kam gar nicht erst weiter zum Zuge.
„Ich habe keine Zeit für euch!“ Wurden er und Tea angemotzt. „Jemand will meine Firma ruinieren und ich muss herausfinden wer!“
„Darum geht es auch.“ Versuchte es Tea auf diplomatische Weise und stellte sich zu Yugi und Mokuba. „Yugi wurde auch von jemandem attackiert. Deine Firma zeichnet doch jedes Duell auf. Wenn wir Seymour, so heißt der Angreifer, und seine Dueldisk orten könnten...“
„Verstehe.“ Gab Kaiba ihnen knapp zu verstehen und lächelte scheinheilig. „Aber die Antwort lautet nein. Verschwindet aus meiner Firma und belästigt mich nicht mit euren Vorschwörungstheorien.“
„Das ist kein Hirngespinst!“ Protestierte Tea, der es langsam zu bunt wurde. Wütend riss sie ihre geballten Fäuste nach und beugte sich vor. „Du musst doch selbst einsehen, dass eine Verbindung zwischen Yugis Angreifer und deinem gibt, womöglich sind es die, die deinen Ruf schädigen, Kaiba! Selbst Pegasus ist irgendwie in die Sache verstrickt!“
„Ah?“ Kaibas Augen spreizten sich für einen kurzen Moment, als er den Namen des Erfinders von Duel Monsters erfuhr.
„Es stimmt, er hat Seymours Karten gemacht.“ Yugi versuchte möglichst ruhig auf Kaiba einzureden und wandte sich an Mokuba. „Wie hieß diese Frau? Hat sie vielleicht irgendeine Bemerkung fallen lassen?“
„Hmm...“ Der Junge mit seinem pelzig, schwarzen Haar, das bis zur Hüfte reichte, hielt sich nachdenklich das Kinn. „Der Name liegt mir auf der Zunge. Sie... hieß... ich erinnere mich einfach nicht.“
Tea und Yugi warfen sich sofort viel sagende Blicke zu. ((Dann war es vermutlich ein Schattenspiel, welches die Erinnerungen raubt.)) Überlegte der König der Spiele. ((Kaiba hat gewonnen, aber... was passiert nun mit ihr?))
„Sonst irgendetwas?“ Beharkte Tea den Jungen derweil weiter.
„Nichts...“ Doch dann erinnerte sich Mokuba an etwas. „Wartet! Die Seele meines Bruders, sie wollte sie ins Reich der Schatten verbannen. Und es war die Rede von 7 Auserwählten und einer neuen Ära, wenn diese fallen...“
„So ein Schwachsinn! Mokuba, du glaubst doch nicht etwa an diesen Unsinn?“ Fuhr Kaiba seinen Bruder ärgerlich an.
„Nein, Seto!“ Erwiderte der, jedoch nicht vollkommen von der eigenen Aussage überzeugt.
((Yugi und Kaiba... sind sie die Auserwählten?)) Musste sich Tea unwillkürlich fragen und versuchte es noch einmal. „Kaiba bitte! Wir müssen an die Daten von Yugis Duell! Vielleicht hilft es auch dir!“
Dieser sah sie einen Augenblick lang durch seine stechend blauen Augen an. „Also schön... Wenn ich dadurch endlich loswerden!“ Rümpfte er die Nase und kehrte den dreien den Rücken zu. „Kommt mit!“
Wenige Minuten später befanden sie sich in einem hellen, großen Raum. Auf dem Hinweg hatten Yugi und Tea zudem alles geschildert, was sie erlebt hatten, ebenso ihre Pläne.
Natürlich hielt er es für Unfug.
Vor ihnen erstreckten sich drei riesige, große Monitore, die an der Wand befestigt waren.
„Wow...“ Murmelte Tea und sah von links nach rechts all die Sekretärinnen an, die an kleinen Pulten um sie herum arbeiten. Alles war genau abgemessen, die Abstände zwischen den Pulten, die Reihen... dieser Raum machte wirklich etwas her.

Jedoch waren einige Sitze unbenutzt, da die Damen sich um die Versorgung der verletzten Personen kümmerten und deshalb innerhalb des Gebäudes unterwegs waren und Cassies Opfer zusammensammelten.
Kaiba führte die Gruppe schließlich zu einem großen Schaltpult, das sich leicht gebogen von einer Seite des Raums zur anderen befand und einige Schritte von den Monitoren entfernt war.
Er gab dort etwas auf einer Tastatur ein und wartete, bis der hellblau leuchtende Bildschirm vor seiner Nase etwas ausspuckte.
Die anderen blieben mit etwas Abstand zu Kaiba stehen und warteten.
Schließlich wurde auf dem mittleren Monitor links Yugis Bild eingeblendet, rechts verschiedene Daten zu seinem Deck.
Danach tauchte eine Liste von allen Personen auf, mit denen sich Yugi duelliert hatte. Auf die letzte jedoch stand nur die Seriennummer der Dueldisk, ein Name wurde offenbar nicht eingetragen.
„Wie seltsam...“ Meinte Tea dazu.
„Gleich haben wir eueren Angreifer.“ Spottete Kaiba, ohne rüber zu sehen und gab weiterhin etwas ein. Das erste Bild schwand und wurde von einem schemenhaften, in die Länge gezogenen Globus ersetzt, der auf blauem Hintergrund leuchtete.
„Wo immer sich dieser Seymour auch befindet, unsere Satteliten können ihn überall ausmachen.“ Protzte Mokuba stolz.
„Fast wie ein Überwachungssystem.“ Gab Tea sich darüber nicht so erfreut zu verstehen.
Gespannt warteten die drei auf ein Ergebnis. Doch zu ihrer Überraschung wurde inmitten des Globus folgende Nachricht in weißen Lettern eingeblendet: Duelist-ID 382-1888-192 unavailable.
„Was?“ Erschrak Tea.
„Unsere Satteliten können ihn nicht aufspüren.“ Kaiba konnte ein höhnisches Lachen nicht unterdrücken, da sie offenbar schwer von Begriff war.
Das brünette Mädchen versuchte es sofort mit einer eigenen Erklärung. „Vielleicht ist seine Dueldisk ausgeschaltet, ohne Energie. Wir sollten es später noch einmal probieren!“
„Unsinn!“ Schnarrte Kaiba verächtlich und wandte sich nun an die Gruppe. „Der Empfangschip arbeitet 24 Stunden am Tag, wenn es diese Dueldisk gäbe, würde ich sie finden.“
„Vielleicht wird das Signal gestört? In der Datenbank ist Seymours Dueldisk jedenfalls zu finden.“ Sagte Yugi, der annahm, dass jener Mann natürlich nicht aufgespürt werden wollte.
„Wie dem auch sein, ich kann euch nicht helfen.“ Schloss Kaiba damit die Sache für ihn ab. „Nun verschwindet und lasst mich in Ruhe.“
„Und Pegasus?“ Tea verzweifelte langsam am Egoismus des Firmenleiters. „Willst du denn gar nichts tun?“
„Hmm...“ Kaiba verzog das Gesicht.
Kurzerhand holte er ein Handy aus der Innentasche seines weißen Mantels und wählte flink eine Nummer. Als er sich den Apparat ans Ohr hielt, musste er die erleichterten Gesichter der drei sehen und schnaufte grimmig.
Dann hörte er, wie auf der anderen Seite jemand den Anruf in Empfang nahm.
„Hallöchen~ dies ist die Zentrale von Industrial Illusions oder knapp I², welche hübsche Angelegenheit dürfen wir beide den regeln?“ Tönte die Stimme einer schmierigen Sekretärin.
((Ich hatte die Nummer von Pegasus gewählt.)) Wurde der junge Mann regelrecht überrumpelt, welcher erwartet hatte, dass die geächtete Person persönlich ans Telefon ging. „Ich will Pegasus sprechen, sofort!“ Verlangte er dann forsch.
„Ohhhhhh, das wollen viele~!“ Kicherte die Dame. „Durch den Umzug nach ~Deis~...“ Kaiba stellte kurz fest, dass die Tonlage der Sekretärin wesentlich tiefer und brummiger ertönte, sich aber gleich wieder fing. „...ich meine ~Dice~, hihihi, ist unser herzensguter Präsident leider sehr beschäftigt.“
„Meine Name ist Seto Kaiba!“ Regte der sich fürchterlich auf. „Sparen Sie mir diese jämmerlichen Ausreden und verbinden Sie mich mit ihm!“
„Ich bedaure, er hat im Moment keine Zeit~“
„Machen Sie sich über mich lustig?!“ Entflammte der Zorn in Seto, welcher derweil der Gruppe den Rücken zuwandte, da sie verwirrt zu ihm rüberstarrten.
„Aber nicht doch, Schätzchen... wie könnte ich~? Aber wie ich sagte, unser Präsident ist nicht erreichbar. Kann ich etwas ausrichten?“ Wurde er übertrieben freundlich gefragt.
„Dass er sie feuern soll!“ Platzte Kaiba der Kragen und legte auf.
Mit einem Ruck drehte er sich um.
„Von wegen nicht erreichbar... der wird sich wundern! Yugi, komm mit!“ Befahl er und schritt auf Mokuba, Tea und Yugi zu.
„Was hast du vor?“ Wollte der von Kaiba wissen, während dieser aufgebracht an ihm vorbeirauschte.
„Wenn Pegasus nicht ans Telefon geht, werden wir ihm eben persönlich einen Besuch abstatten.“
Das schockierte den kleinen Kerl dann doch etwas.
„Aber Joey und Tristan...“ Rief er Kaiba hinterher.
„Ich habe nicht vor, auf deine kleinen Freunde zu warten, besonders nicht auf Wheeler!“ Spottete Kaiba und hielt kurz an. „Ihr wolltet doch unbedingt meine Hilfe, nun habt ihr sie! Wenn Pegasus dahinter steckt, zerquetsche ich ihn.“ Symbolisch ballte Kaiba eine Faust und starrte den Arm zornig an. Tea zuckte mit den Schultern und tauschte mit Yugi fragende Blicke aus.
Joey und Tristan würden erst in ein paar Stunden los fliegen, wenn Kaiba mit dem Jet flog, wären sie vermutlich schneller.
„Also schön...“ Sprach Yugi mit einem mulmigen Gefühl im Magen.
„Dennoch frage ich mich...“ Überlegte Kaiba, während die anderen zu ihm aufschlossen. „...warum Pegasus nach Dice umgezogen ist? Wie dem auch sei, beeilt euch!“
„Dice, richtig...“ Erinnerte sich Yugi, da sie selber schon einmal bei Pegasus angerufen hatten, bevor sie Flugtickets bestellten, damals war er ebenfalls nicht erreichbar. ((Irgendetwas stimmt da doch nicht...))
- wenige Momente vorher in einem dunklen Raum -
Genüsslich wurde ein Glas mit Weißwein zu krustigen, bleichen Lippen geführt. Nach einem Schluck wurde es zurück auf den schlichten Holztisch, neben der Kristallkugel mit dem Rubinsplitter darauf, abgesetzt.
„Damit wäre die Unfähigkeit meiner Untergebenen bewiesen.“ Murmelte er unerfreut.
Kathea lehnte, wie schon zuvor, an die Wand neben dem Ausgang und starrte auf das schlichte Bett auf der gegenüberliegenden Seite. Ihre Gedanken kreisten sich um die Tatsache, dass sie noch nicht einen Auserwählten zu Fall gebracht hatten.
„Cassie, diese schwache Hexe... ihre Magie hatte nicht einmal Wirkung auf Kaiba!“ Fluchte sie dann unerwartet. „Sein Gedächtnis blieb fast vollkommen unberührt, was nützt es uns, wenn er nur ihren Namen vergisst?!“
Der Meister saß wie üblich an seinem Arbeitstisch und schüttelte den Kopf. Sein blassblondes, dünnes Haar schwenkte dabei von einer zur anderen Seite.
„Besinne dich. Unser Zauber ist nur eine Illusion. Dank der schwachen Seele der Menschen, durchschauen sie unsere Magie nicht. Aber Seto Kaiba, der nicht an den Zauber glaubt, in dessen Brust das Herz eines Auserwählten steckt...“
„Du meinst, wenn man nicht dran glaubt, funktioniert es nicht?“ Erkundigte sich Kathea, die dies zum ersten Mal hörte. Ihre bisherigen Opfer wurden allesamt von der Welt vergessen, weshalb die Erläuterung ihres Gebieters sie umso mehr überraschte.
„Viele Faktoren spielen eine Rolle bei unserer Täuschung.“ Erklärte der Mann ruhig. „Cassie ist eine Hexe, doch ihre Fähigkeiten, Erinnerungen zu beeinflussen, sind äußerst gering. Sie haben einen Effekt bei Kaiba erzielt, doch nur einen geringen... sein ignorantes Herz hat ihn zusätzlich geschützt.“
„Jeder, der mit der Macht der Erinnerungen in Kontakt steht, kann sich auch nach der Anwendung an seine Opfer erinnern. Die Macht des Benutzers beeinflusst das Ergebnis, das ist, was er sagte...“ Wiederholte Kathea das, was sie als erstes gelernt hatte, als sie sich ihrem Herrn anschloss und für ihn arbeitete. „Was wirst du jetzt wegen Cassie unternehmen...? Ihr eigener Zauber ist auf sie zurückgefallen, alle haben das arme Mädchen vergessen, sogar sie selbst...“ Kicherte sie gespielt mitleidsvoll und ging dann in ein fieses Lachen über. „Hätte Greg sie nicht gerettet, wäre sie in den Tod gestürzt. Ihre Seele jedoch ist nun im Reich der Schatten, ohne Erinnerungen, ohne... Identität.“
„Sie wird eine zweite Chance erhalten.“ Entschied der Meister jedoch für Kathea völlig unerwartet.
„Was!?“ Schrie diese und stieß sich sofort von der Wand ab. Sie fasste sich stöhnend an das schwarze, wellige Haar und schüttelte ungläubig den Kopf. „Warum zeigst du soviel Gnade mit diesen Versagern?“
„Weil...“ Nun musste er leise, aber beständig lachen. „...sie schwach sind. Aber genau das ist, was sie gleichzeitig so stark macht, verstehst du, Kathea?“
Sie reagierte nur knapp, „Nein.“, und ging langsam auf den Mann zu. Sie stützte sich an der Lehne des Stuhls ab und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Willst du Cassies Seele etwa schänden?“
„Hahahah...“ Die schmalen Lippen bildeten ein erfreutes Grinsen. „Ein bisschen Schmerz hat noch niemandem geschadet. Er ist es, der mich antreibt... und so soll er auch meinen Dienern Kraft geben. Hahahahahah...“
„Und wir sieht es mit deinem Plan aus, was... Yugis Spielgruppe angeht?“ Fragte sie dann und schaute in die Kristallkugel. Dort sah sie, wie Kaiba inmitten seiner Sekretärinnen mit Yugi, Tea und Mokuba sprach.
„Diese Narren... Zyxx hat sie nach Dice gelockt, genau wie ich es wollte. Dort...“
„Ich sehe schon, du hast alles unter Kontrolle.“ Schloss sie die Sache ab und wandte sich von ihrem Herrn ab.
„Oh, da wäre noch eine Sache.“ Meinte sie im Weggehen und hielt schließlich vor der massiven Holztür an. „Ich habe da ein Opfer in Livington gefunden, von dem ich stark ausgehe, dass er ein Auserwählter ist.“
„Nur zu... aber vergiss dein Hauptziel nicht.“ Wurde sie ermahnt.
„Natürlich nicht.“ Lachte sie eitel. „Wir finden sie schon, deine kleine Gespielin...“
- eine Stunde später in Anjas Zimmer -
Nick stand im Türrahmen und sah betrübt zu ihr rüber. Das Mädchen selbst nahm aus ihrem Kleiderschrank, der gegenüber vom Schreibtisch stand, ihre Dueldisk aus dem obersten Fach hervor.
Auf dem Bett lag ihr fertiger Koffer, denn sie war abreisebereit, während Nicks Gepäck unten vor der Haustür wartete.
„Willst du einfach so gehen, und ihr nicht Bescheid sagen?“ Versuchte er, das Mädchen zur Vernunft zu bringen.
„Ich schreib nen Zettel, okay!?“ Bellte sie ihn an und schnallte sich das Gerät um den rechten Arm. Dabei sah sie ihn finster an, als sie bemerkte, wie er wieder Einspruch erheben wollte.
„Trotzdem wird sie krank vor Sorge sein! Anja, das ist-“
„Sie würde mich nie gehen lassen, ich hab Hausarrest! Unser Flug geht in sechs Stunden!“ Zum Glück war Anjas Mutter gerade arbeiten, sonst würden sie sich wohl nicht einfach mit einem Taxi zum Flughafen davonstehlen können.
„Wenn sie mitkriegt, dass du abgehauen bist, wirst du nie wieder Tageslicht sehen...“ Gluckste die dunkelblonde Bohnenstange, jedoch immer noch besorgt. „Dann werden wir nie ausgehen können, hehe.“
„NICK!!!“
Anja huschte an ihm vorbei und schnappte sich den Koffer auf ihrem Bett.
„Sie wird mich eh nicht vermissen, ihre Tochter, die nur Ärger macht!“ Redete Anja trübselig vor sich hin und sah dann Nick in die Augen.
„Worauf wartest du noch, mach den Weg frei!“
Und dann kamen sie schließlich nach einigen Verzögerungen - Nick hatte anstatt Klamotten nur Comichefte mitgenommen - im gigantischen Eingangsbereich des Flughafens von Livington an.
Trotzdem waren sie ganze drei Stunden zu früh, aber Anja wollte nicht riskieren, doch von ihrer Mum erwischt zu werden. Schuldgefühle hatte sie keine, eher tat sie es aus Trotz, da sie ihren Hausarrest als völlig übertrieben empfand. Dennoch hatte sie ihrer Mutter auf Anraten von Nick jenen Zettel geschrieben, der eher voller Anschuldigen als Entschuldigungen war.
„Ob die anderen wohl schon hier sind? Wo warten sie wohl?“ Überlegte das Mädchen, während sie durch die hohe Halle ging.
„Hier bin ich, hehe!?“ Gluckste Nick hinter ihr.
Anja stöhnte nur, da ihr dämlicher Begleiter ihre Nerven strapazierte und blickte sich um.
Weiter rechts, einen gebogenen und breiten Gang entlang, ging es wohl zu ihrem Flug, doch natürlich müssten sich vorher durch die Gepäckkontrolle und alles.
So viele Leute wanderten hier umher, per Rolltreppen ging es ins nächste Stockwerk und regelmäßig gab es Bildschirme mit den aktuellen Flügen an den verschiedensten Stellen.
„Komm.“ Bat sie Nick und so drängten sie sich durch die Menschenmasse nach rechts durch, wo nach etwa hundert Metern besagter Gang anfing.
Nachdem ihre Koffer überprüft worden und weiter verschickt wurden, damit sie im Flugzeug gelagert werden, mussten beide in einen Wartesaal.
Er war eine Art Unterbrechung im Gang, als kastenförmige Lounge aufgebaut und mit einer großen Frontscheibe versehen, die einen Blick auf die Startbahn gewährte, wo ihre Maschine und einige weitere bereits warteten.
Dennoch blieb den beiden viel Zeit.
Außer zwei langen Reihen mit beidseitigen Sitzplätzen, standen in den Ecken nur ein paar künstliche Pflanzen. Es war praktisch ausgestorben hier, dennoch gab es bereits drei anwesende Personen.
„Immerhin sind wir nicht die einzigen.“ Sagte Anja erleichtert, weil es ihr komisch vorkommen würde, nur mit Nick zu warten.
„Hmm?“ Ertönte eine bekannte Stimme. „Das ist Anja... und Nick.“
In der vordersten Reihe saßen die drei Personen am Rand, mit Blick auf die draußen stehenden Flugzeuge. Eine von ihnen sprang auf und drehte sich zu ihnen um.
„Kyon?“ Anja musste erstaunt mit den Augen blinzeln. „Schon so früh hier?“ Wollte sie wissen, während Nick und sie auf ihn zukamen. Er grinste erheitert.
„Jop, lieber etwas früher hier sein. Aber ich glaub, ich hab’s übertrieben.“
Nachdem sich die drei die Hände gegeben hatten, führte Kyon sie zu den zwei anderen Personen.
„Marik, schön dich wieder zu sehen, hehehe.“ Gluckste Nick zu dem gebräunten jungen Mann, der ebenfalls aufgestanden war und sie strahlend empfing.
„Danke. Wie ich sehe ist Kyon nicht der einzige, der auf Nummer sicher geht.“
„Hehehe, Anja wäre am liebsten noch vor Sonnenaufgang hier gewesen.“ Das blonde Mädchen schmollte auf die Aussage ihres besten Freundes hin und sah schräg rüber zur letzten Person, die jedoch noch die Aussicht genoss.
Außer langen, schwarzen Haaren konnte Anja deshalb nicht viel erkennen. Offenbar gehörte das andere Mädchen nicht zur Gruppe dazu, denn Ishizus Haar war glatter.
„Kommt deine Schwester nicht mit?“ Erkundigte sie sich dann bei Marik.
„Nein.“ Antwortete der nachdenklich und setzte sich auf einen der Plätze, mit dem Rücken zu der Jugendlichen. Anja ließ sich neben ihn auf einer der metallischen Sitzschalen der Bank fallen, wobei Kyon und Nick sich den beiden gegenüber setzten. „Sie ist bereits heute Morgen nach Ägypten zurückgeflogen. Ich soll euch grüßen lassen, meine Schwester vertraut euch von ganzem Herzen. Ihrer Meinung nach wäre sie keine Hilfe.“
„Fremden zu vertrauen ist sehr naiv.“ Nuschelte Anja grimmig und bemerkte, wie Nick schon die ganze Zeit Marik anstarrte. Sie schwieg jedoch dazu.
„Gab es noch eine Vision oder so was?“ Erkundigte sie sich stattdessen weiter bei dem blassblonden Ägypter.
„Nein, nichts.“
Das Mädchen grübelte ein wenig. ((Ob Ishizu auch von Athena weiß? Ich habe ihnen nichts davon erzählt...)) Irgendwie verspürte sie das Bedürfnis, es weiterhin geheim zu halten.
„Was machen wir jetzt?“ Fragte Kyon gut gelaunt in die Runde. „Hat jemand Lust auf ein Duell?“
Anja musste passen und schwenkte dankend ablehnend die rechte Hand, stattdessen versank sie tiefer in der unbequemen Sitzmöglichkeit und starrte die dunkelgraue Wand der Lounge an.
„Hehehe, immer doch...“ Nick sprang sofort auf.
„Grrrr...“
„Hmm?“ Anja hatte ein genervtes Zähneknirschen vernommen und drehte sich um. Es kam von der Person, die hinter Marik saß und den Kopf nach unten neigte.
„Stimmt was nicht?“ Fragte die Blondine freundlich und bekam den Schreck ihres Lebens.
„Natürlich stimmt was nicht, du dumme Pute! Wie könnt ihr nur diesen Vollidioten mitnehmen, ich glaube ich spinne! Wetten ich muss mich übergeben, wenn der sich duelliert!? Allein sein Geruch lässt mir die Tränen in die Augen steigen!!“
Das andere, schwarzhaarige Mädchen und Anja waren beide aufgesprungen.
Entsetzt blickte Anja in ein paar giftgrüner Augen, die sie nahezu auffraßen vor Missmut.
„Ta-ta-tatjana!?“ Unwillkürlich zeigte sie mit zitterndem Arm auf ihre Erzfeindin.
„Wie sie leibt und lebt.“ Antwortete Kyon von seinem Platz aus. „Ich wollte es dir vorher schon sagen, aber...“
„Was machst du denn hier!?“ Ignorierte Anja ihn völlig und musterte ihre Mitschülerin.

Wäre die Sitzbank nicht und trennte die beiden, hätte die Blondine Tatjana schon längst angefallen.
„Wonach sieht das wohl aus, Hohlbirne?“ Reagierte die schnöde. „Ich komme mit.“
„Kyon!? Was macht sie hier? Ich meine- was macht SIE HIER!?“ Wandte sich das Mädchen nun doch an den brünetten Jugendlichen.
„Schön, dass du mich doch bemerkt hast.“ Sagte der eingeschnappt. Nick derweil rief ihm zu: „Anja ist heute etwas schwer von Begriff, das gibt sich schon.“, bevor er von einem Schlag auf den Hinterkopf niedergestreckt wurde und den Boden küsste.
„Sie ist die von neulich, mit dem übergebliebenen Ticket.“ Erklärte Kyon und hatte Mitleid mit Nick, der von einem aufgeschnellten Marik hoch gehievt werden musste. „Aber Ishizu wusste, wie sehr du Tatjana ‚magst’, deswegen sollte es erstmal ein Geheimnis bleiben. Hätte ja keiner ahnen können, dass du schon so früh hier bist.“
„Verstehe, ihr wolltet verhindern, dass ich sie hier rausprügle!“ Entflammte Anjas Hass auf das andere Mädchen noch weiter. „Aber Pech für euch, noch ist genug Zeit! Schafft sie mir vom Hals!!!“
„Hach...“ Stöhnte ihre Erzfeindin, die das alberne Benehmen gar nicht für voll nahm. „Mein Gepäck ist längst im Flieger. Du kannst mich nicht mehr davonjagen.“
Anja machte auf dem Absatz Kehrt und blökte nun Tatjana an. „Und wie ich das kann, wetten!?“
„Wenn hier jemand das Weite suchen muss, dann allein er!“ Hielt die dagegen und zeigte auf Nick, der immer noch von Marik gehalten wurde. „Er riecht, als habe er tagelang nicht geduscht! Das ist schlecht für meinen Teint!“
„Ich zeig dir gleich, was schlecht für deinen Teint ist, du-!“ Anja reichte ihr eine geballte Faust rüber, die jedoch unbeeindruckt beiseite geschoben wurde.
„Spiel dich nicht so auf! Du wirst ja wohl einsehen, dass ich die bessere Wahl für so ein wichtiges Unterfangen bin.“ Meinte Tatjana von sich selbst überzeugt. „Hat dieser Trottel überhaupt auch nur ein Duell gewonnen?“
Auf die Frage hin konnte die Blondine nicht so schnell mit einer kecken Antwort aufwarten. „Äh- also-!“
„Wie ich’s mir dachte.“ Triumphierte Tatjana. „Bye bye Nick, wir werden dich bestimmt ... nicht ... vermissen!“
„Schluss jetzt!“ Erbost sprang Kyon von seinem Sitz auf. „Ihr benehmt euch wie Kleinkinder. Selbst Nick ist da erwachsener...“ Versuchte er die Situation zu schlichten und sah zu genanntem Kerl rüber, der gerade mit dem Finger in der Nase bohrte und grinste, bevor er stolz deren Inhalt am Finger kleben hatte und rumzeigte.
„Ah... vergesst den letzten Satz am besten.“ Schämte sich Kyon für Nick.
„Ich weigere mich, Tatjana zu akzeptieren!“ Brüllte Anja aus vollem Halse.
„Und ich weigere mich, Nick zu akzeptieren!“
Beide Mädchen sahen stechend scharf in Kyons Augen, der unter dem Druck nach einer Lösung suchte.
„Streiten sich die beiden oft?“ Fragte Marik, der Nick mittlerweile losgelassen hatte, aber immer noch hinter diesem wartete.
„Oft? Immer...“ Gluckste der und brachte seinen Gesprächspartner zu einem hoffnungslosen Seufzer.
„Ich hab’s!“ Kam Kyon da eine Idee. „Duelliert euch doch um eine Entscheidung!“
„Dann will ich meinen Platz aber selber verteidigen!“ Packte Nick der Ehrgeiz.
„Wir schicken dir deinen Koffer zurück, wenn wir in Dice angekommen sind...“ Zeigte sich Anja sofort pessimistisch und fiel schmollend in ihren Sitz zurück.
Tatjana jedoch zeigte sich über die Idee sehr erfreut.
„Also von mir aus.“ Sagte sie zwar etwas abweisend, rieb sich in Gedanken jedoch schon die Hände. ((Einfacher geht’s kaum!))
„Ah...“ Stöhnte Marik nur.
Kurze Zeit später standen sich Nick und Tatjana im hinteren Teil des Raums, wo es nach rechts und links zu den weiterführenden Gängen ging und es keine Sitzmöglichkeiten gab, gegenüber.
„Wieso sie... wieso nicht Ishizu?“ Jammerte Anja, zwischen Kyon und Marik, aus der Ferne.
Die drei Verbliebenen saßen nun auf der äußersten Bank und verfolgten von da das Geschehen gespannt.
„Meine Schwester meinte, dass Tatjana eine wichtige Rolle spielen würde. Auch sie kam in einer ihrer Visionen vor.“
„Och nööööööööö...“ Ließ Anja den Kopf hängen.
„Mach dir nichts draus, ich mag Nick auch lieber.“ Versuchte Kyon sie aufzuheitern.
Gleichzeitig warfen der große Blonde und die leicht pummelige Tatjana ihre Dueldisks an und schrieen: „Duell!“
[Nick: 4000LP Tatjana: 4000LP]
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, mir auch nur einen Lebenspunkt abziehen zu können?“ Spottete die Tochter eines bekannten Arztes aus vollem Munde.
Doch genau dieser wurde ihr zum Verhängnis, da Nick die Gelegenheit nutzte, um neben seinem Startblatt noch eine sechste Karte zu ziehen.
„Hey, es heißt ‚Lady’s first’!“ Empörte sich Tatjana und zuckte mordlustig mit den Fingern, wobei ihre Hände auf die Bohnenstange zeigten. „Leg die Karte wieder weg, oder es gibt ein Unglück!“
„Wo keine Lady ist, kann der Nick auch anfangen.“ Grinste der schelmisch und begutachtete seine Handkarten unter den wütenden Protesten und Bekundungen seiner Gegnerin, sie sei eine Lady, er habe keine Ahnung. ((Au super, das Glück ist mir hold!))
„Ich rufe einen meiner Drachis in verdeckter Position und setze drei Karten als Rückendeckung! Da kommst du nie dran vorbei, hehe!“ Protzte er großmäulig.
„Ach ja!?“ Reagierte Tatjana provoziert davon und riss eine Karte von ihrem Deck. „Nimm den Mund nur nicht so voll, du Schwachkopf!“
„Die ist ja ganz schön von sich überzeugt.“ Stellte Kyon trocken fest. „Los Nick, lass dir das nicht gefallen!“ Feuerte er zu Anjas Zufriedenheit ihren besten Freund an.
„Hmpf!“ Ihre spitze Nase rümpfend, zeigte Tatjana nun eine der Karten auf ihrer Hand vor. „Dieses Monster nennt sich Harpyien-Königin! Und wenn ich Ihre Majestät ablege, darf ich mir als königliches Souvenir die Feldmagie Jagdgründe der Harpyien von meinem Deck suchen!“
Mit einem Satz war die Karte im Friedhof verschwunden.
Als Tatjana den gesuchten Zauber aus ihrem Kartenstapel gefunden hatte, schoss das Seitenfach ihrer Dueldisk aus, in dem genau Platz für die Karte war. Als diese eingelegt wurde, verwandelte sich der Boden untere ihren Füßen in eine steppenartige Ebene.
Außer ein paar kleinen Felsen war die Umgebung weitestgehend flach, die Wände des Flughafens selbst, sowie der restliche Aufbau jedoch veränderten sich nicht weiter.
„Nun wird es Zeit für meine Süßen! Komm herbei, Harpyie 1 (ATK/1300)!“ Plapperte Tatjana selbstverliebt und legte das Monster auf den Apparat an ihrem Arm.
Unter schrillem Geschrei huschte aus dem Nichts eine Frau auf, an dessen Armen sich lange, grüne Federn befanden und ihr so zum Schweben verhalfen.
„Wow, sie spielt Harpyien, genau wie Mai Valentine!“ Staunte Kyon nicht schlecht, Marik nickte anerkennend.
„Hahahaha...“ Hielt sich das Mädchen bei diesem Vergleich die Hand vor den Mund und kicherte. „Die große Mai ist mein Vorbild! Aber mein Style unterscheidet sich etwas von ihrem!“
„Ich finde, im Herzen seid ihr beide genauso blond.“ Gluckste Nick fröhlich.
„Was war das!?“ Hallte es aus zwei in Rage gebrachten Mündern gleichzeitig.
„Ich spiele perfekt!“
„Hast du was gegen Blondinen!?“ Übertönte Anja Tatjana noch in ihrer Wut. Nick schüttelte sofort panisch den Kopf und entschuldigte sich für seinen Ausrutscher.
Dann gab Tatjana der Harpyie mit dem rotpinken Haar eine Anweisung: „Vernichte jetzt die mittlere seiner verdeckten Karten!“
Kreischend zischte ihr Monster wie ein Pfeil zu Nick und ließ im Vorbeiflug ihre krallenbesetzten Beine hinunterschnellen, welche die genannte Karte zerrissen. Dann kehrte es stolz wirkend zu Tatjana zurück und hielt sich einen der ebenfalls krallenbesetzten Arme vors Gesicht.
„Sakuretsu-Rüstung!“ Jammerte Nick entsetzt.
„Was denkst du, warum es Jagdgründe der Harpyien heißt?“ Stichelte Tatjana zufrieden. „Wenn eine beschwören wird, machen sie sich über alle erdenklichen Zauber- oder Fallenkarten her und zerstören sie!“
„Richtige Raubvögel!“ Brummte der große Blonde, welcher nie zuvor Tatjanas Deck gesehen hatte.
„Er kennt sich nicht in Mythologie-Dingen aus.“ Entschuldigte sich Anja bei Kyon und Marik, die sich wunderten, warum Nick eine Tatsache feststellte. „Und auch sonst nirgendwo...“ Lästerte sie weiter.
„Aha...“ Murmelte der Jugendliche mit dem Wuschelhaar. „Ich hoffe nur, er hat die Viecher im Griff!“
Harpyie 1 (ATK/1300 zu 1800)
„Hey, wieso wird sie stärker?“ Beschwerte sich Nick derweil.
„Weißt du denn gar nichts?“ Erregt von soviel Unkenntnis, stemmte Tatjana die Arme in die Hüften und sah ihn finster an.
„Zwei Boni wirken auf sie! Der erste kommt von meiner Harpyie selber, denn sie verstärkt Monster der Gattung Wind um 300 Angriffspunkte!“ Erklärte sie gezwungenermaßen. „Zusätzlich greift mein Feldzauber ihr unter die Arme und gibt beiden Werten noch mal 200 drauf, aber das nur bei Vogelwesen!“
„Was soll’s?“ Gluckste Nick, den das nicht weiter zu stören schien.
„Nimm mich gefälligst ernst!“ Giftete Tatjana und stieß förmlich die nächsten zwei Zauberkarten in ihre Dueldisk. „Aber dir werd ich den nötigen Respekt noch beibringen!“
Die aktivierten Karten hießen beide ‚Vornehmer Egotist’ und stellten den Kopf Harpyie dar, wie er in einem Kaleidoskop immer wieder gespiegelt wurde in alle Richtungen.
Marik sah diese Karten erschrocken an.
„Damit kann sie ihre Harpyien multiplizieren!“ Rief er und erinnerte sich noch das Battle City-Viertelfinale, wo damals seine dunkle Hälfte es mit Mai Valentine zutun hatte.
„Genau!“ Prahlte Tatjana selbstverliebt. „Jetzt erblicken Harpyie 2 und 3 das Licht der Welt! Kommt, ihr Süßen!“
Bevor Nick reagieren konnte, blies ihm ein scharfer Wind entgegen. Aus einem Reflex hinaus hielt er die Arme vors Gesicht und wandte sich ein wenig vom Feld ab.
Durch seine Augenwinkel sah er nur noch zwei weitere dieser fürchterlichen Weiber, eine mit stachliger, blauer Mähne und ein Rotschopf mit eleganter Kurzhaarfrisur, wie sie auf ihn zu schossen und sich mit ihren Krallenbeinen jeweils eine der gesetzten Karten schnappten und diese zerstörten.
„Ruf der Gejagten... und Superverjüngung...“ Trauerte der Große seiner Falle und der Schnellzauberkarte hinterher.
Die Harpyien schwebten derweil als Gruppe vor Tatjana.
Harpyie 1, 2 und 3 je (ATK/1300 zu 1800)
„Die nimmt ihn ja richtig auseinander.“ Stellte Kyon besorgt fest.
Anja schüttelte hoffnungslos den Kopf. „Was denkst du, warum sie an unserer Schule so beliebt ist...? Kchhhhh...“
Sie selber hatte einmal gegen Tatjana gespielt und wurde praktisch auf dieselbe Weise fertig gemacht wie Nick. Eigentlich konnte sie ihm also nichts verübeln und dennoch erwartete sie, dass ihre Erzfeindin gefälligst geschlagen wird.
„Na dann wollen wir mal.“ Murmelte die heimtückisch vor sich hin. „Welche meiner Süßen hat denn das Vergnügen? Hmm... Harpyie 2, du darfst!“
Der Rotschopf huschte gackernd hervor und schlug mit dem Arm nach der verdeckten Monsterkarte, sodass sich drei fette Risse darin befanden.
Daraus erhob sich ein rötliches Ungetüm mit drei Schwingen auf dem Rücken. Es saß auf einer großen Schatzkiste und umklammerte sie mit seinen dünnen Pranken, während der Rest seines schmalen Körpers nach vorne gebeugt war und Tatjana anknurrte.
„Flipp!“ Strahlte Nick zufrieden. „Wenn Guardian of the Treasure Chest (DEF/1200) aufgedeckt wird, ziehe ich eine Karte. Wird er außerdem im Kampf-!“
„Von wegen, das lass ja stecken, du Versager!“ Fauchte seine Gegnerin und strich durch ihr pechschwarzes, leicht welliges Haar. „Die Spezialität meiner Harpyie 2 sind nämlich Monster mit Flippeffekten! Und wenn sie diese zerstört, werden ihre Effekte unwirksam!“
„Das heißt keine neue Karte für mich?“ Polterte Nick entsetzt und ließ den Kopf hängen, als Tatjana ihm dies mit weit hochgezogenen Mundwinkeln bestätigte.
„Und jetzt die beiden anderen!“ Rief sie dann voller Vorfreude.
Die anderen zwei Harpyien brausten durch die Luft und umzingelten Nick, umkreisten ihn mit höhnischem Gelächter.
„Ah- hey! Nicht-ah!“ Er duckte sich, seinen Kopf schützend, vor den Schlägen der Monster und schloss die Augen.
„Genau, knie nieder vor deiner Meisterin.“ Spottete Tatjana über ihn.
[Nick: 400LP Tatjana: 4000LP]
„Oh mein Gott!“ Platzte es aus Kyon heraus. „Wie kann man im ersten Zug des Gegners schon so in Rückstand geraten?“
„Ich bin überrascht, dass er nicht längst verloren hat.“ Schmollte Anja weiter, die ihre Träume schon längst unfreiwillig begraben hatte.
Marik seinerseits sagte: „Es ist noch zu früh zum Aufgeben. In jedem steckt das Potential, eine aussichtslose Situation zu überwinden.“
„Er ist aber nicht der König der Spiele...“ Nuschelte Anja ziemlich schwer verständlich. Daraufhin musste der Ägypter den Kopf schütteln, da er hinterfragte, wie gut die beiden denn wirklich befreundet waren.
„So leicht gebe ich nicht auf!“ Präsentierte sich Nick tapfer und stand wieder. Die Harpyien hatten sich zu ihrer Herrin zurückgezogen, die nur über den Eifer ihres Gegners lachen konnte.
„Solltest du aber, denn sonst wird es nur noch peinlicher! Selbst Anja sieht das so, stimmt’s?“
Die sah weg, als man sie fragte.
„Sie gibt es nur nicht zu. Naja, ist ja auch egal...“ Wandte sich Tatjana wieder an Nick. „Ich setze eine Karte verdeckt und lasse dich gnädigerweise einen weiteren Zug machen.“ Dabei blickte sie ihre letzte Handkarte an, die dritte Kopie von Vornehmer Egotist. ((Hätte ich gewusst, dass er so ein schwaches Monster benutzt, hätte ich sie eingesetzt. Naja, dann wird sie mir eben später noch aushelfen.)) Sie kicherte leise.
Mit sich ausstreckenden und wieder zurückziehenden Fingern kam Nicks Hand seiner Dueldisk näher, bis er mit geschlossenen Augen und einem Ruck die nächste Karte zog.
„Heute muss mein Glückstag sein!“ Jubelte er und spielte den Zauber sofort aus. „Crucial Hierarchy!“
Aus seinem Deck schoben sich zwei Karten hervor, sie hießen ‚Meteordrache’ und ‚Höhlendrache’. Nick nahm die beiden und legte sie auf den Friedhof, ehe er erklärte: „Dadurch schicke ich zwei Drachen auf den Friedhof, damit ich für dieses Baby keine Tribute mehr zahlen brauch!“ Mit voller Wucht klatschte er seine Lieblingskarte auf die Dueldisk.
Ein schriller Schrei ertönte hinter ihm und schon einen Moment später hob der Schwarze Rotaugendrache (ATK/2400) vom Boden ab.
„Yieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeekkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkks!“
„Was hat Tatjana denn?“ Wunderte sich Kyon immer mehr über dieses nervige und zickige Mädchen.
„Nick wieder mit seinem Drachen! Wem hat er den denn gestohlen!?“ Prustete die los und hielt sich den Bauch vor Lachen.
Da platzte Anja der Kragen. „Lass ihn endlich in Frieden, du Pisskuh!“ Sie sprang auf und schob sich langsam die Ärmel ihres weißen T-Shirts hoch. „Gleich wird dir das Lachen vergehen!!!“
„Anja, beruhig dich wieder!“ Versuchte Kyon sie, zur Vernunft zu bringen.
„Diese dumme Ziege! Was hat Nick dir eigentlich getan, hä? Nur weil er nicht deinen Vorstellungen entspricht, ist er ein schlechterer Mensch? Sind wir das alle!?“
„Ne-nein-“
„Dann halt deine verdammte Fresse, sonst hau ich dir eines Tages was drauf, klar!?“
Von soviel Aggression überrumpelt, gab Tatjana mit einem sehr knappen Nicken zu verstehen, dass sie sich erst einmal benehmen würde.
Dieser plötzliche Ausbruch hatte sie innerlich regelrecht beeindruckt und nicht nur das, denn diesmal war Tatjana ohne ihre Clique unterwegs, was bedeutete, dass sie auch niemand in Schutz nehmen konnte. Ihr Herz pochte so schnell...
Noch völlig verärgert, ließ sich Anja in den harten Sitz zurückfallen und verschränkte die Arme schnaufend. Die Jungs neben ihr waren so beeindruckt, oder vielleicht fürchteten sie sich auch nur, dass es ihnen die Sprache verschlug.
„Man man man, immer diese Unterbrechungen.“ Nick war heiter wie eh und je. „Na dann stellen wir mein Glück mal auf die Probe! Ich aktiviere Super Dice Box!“
Vor ihm materialisierte sich ein dunkelblauer, recht großer Würfel, dessen Kanten schwarz gefärbt waren. Anstatt Augen, waren lediglich dunkle Fragezeichen auf der Oberfläche abgebildet.
„Geht das wieder los...“ Seufzte Anja argwöhnisch und schüttelte ungläubig den Kopf. „Hier kommt die Karte, die ihm das Duell ruiniert.“
„Was meinst du?“ Erkundigte sich Kyon.
„Nicks Deck ist eine Mischung aus Drachen und Glücksspiel. Während seine Monster ziemlich zuverlässig sind... nunja, sein Glück ist es nicht...“
„Aha.“ Baff wandte sich der Jugendliche wieder dem Duell zu.
„Hehehehe... jetzt wird dreimal gewürfelt.“ Kündigte Nick stolz an. „Und für jedes Ergebnis aktiviert meine Zauberkiste einen besonderen Effekt!“
Der Gegenstand begann prompt, sich zu schütteln. Innendrinnen hörte man vermehrtes Rascheln, denn in dem großen Würfel befanden sich viele kleinere.
Dann flackerte das erste Ergebnis auf dem Kasten: 6.
„Das ist schlecht!“ Stöhnte Nick traurig. „Mein Monster verliert jetzt für jeden Würfelwurf, der in dieser Runde gemacht wurde, 100 Punkte...“
Schwarzer Rotaugendrache (ATK/2400 zu 2300)
„Fängt ja toll an!“ Rümpfte Anja die Nase. Jedoch raschelte es bereits erneut, als sich die Kiste zu schütteln anfing und diesmal formten sich die Fragezeichen zu einer 2.
„Juhu!“ Nick erhob sein Haupt, „Eine neue Karte für mich!“, und zog hastig.
Das letzte Ergebnis wurde bereits angezeigt, eine 1.
„Wahooooooo!“ Der Junge zog die Zauberkarte aus seiner Dueldisk und fügte sie seinem Blatt hinzu. „Damit darf ich meine Super Dice Box nächste Runde wieder verwenden!“
„Sieh an.“ Tatjana schnalzte mit den Lippen. „Dann lass mal sehen, was du jetzt vorhast!“
Breit grinsend schwenkte der Kerl seinen Arm aus. „Na was wohl? Attacke auf Harpyie... äh...“
Seine Blicke huschten zuerst zu der mit dem langen, pinkfarbenen Haar, dann zum orangeroten Biest und schließlich rüber zu der mit der blauen Mähne. Offenbar konnte er sich nicht entscheiden.
„Greif die hässlichste an, ganz rechts!“ Damit meinte er letztere. „Infernofeuersturm!“
Rotauge lud kurz eine schwarzrote Magmakugel in seinem Maul auf, bevor er diese bereit zum Abschuss machte.
„Halt!“ Schrie Tatjana eifrig. „Verdeckte Falle aktivieren, Wasserchor!“
Die Harpyien fingen an, sanfte Melodien in einer unverständlichen Sprache zu singen.
Harpyie 1, 2 und 3 je (ATK/1800 zu 2300)
„Was geht denn hier ab!?“ Entsetzt stellte Nick fest, dass sein Drache und die angegriffene Harpyie gleichstark waren.
„Wenn zwei Monster desselben Namens auf dem Feld verweilen, erhalten beide einen Kraftschub von 500!“ Tatjana genoss das ungläubige Gesicht ihres Gegners.
Es war zu spät, die Attacke war befohlen.
Mit voller Wucht wurde die Feuerkugel auf die blauhaarige Harpyie abgefeuert. Diese verbannte in der Luft zu einem Häufchen Asche, das vor Tatjana nieder rieselte.
[Nick: 400LP Tatjana: 3900LP]
Schwarzer Rotaugendrache (ATK/2300 zu 2400)
Das Gesicht von Anjas Erzfeindin war praktisch eingefroren.
Über die karge Erde der Jagdgründe war von Nicks Seite aus ein kleiner, blauer Würfel angerollt gekommen, geworfen von einer kleinen Fee die neben Nick schwebte. Er zeigte kurz vor Aufprall des Angriffs eine 1 an.
„Hehe, gut, dass ich Anmutiger Würfel nachgezogen hab!“ Gab der Große an und zeigte das Victoryzeichen, während der Schnellzauber vor ihm aufgeklappt stand. „Zwar nur 100 Extrapunkte, aber genug um dein dämliches Weib zu vernichten!“
Tatjana ihrerseits zitterte förmlich am ganzen Leibe. ((Jemand wie er... hat mir... Lebenspunkte abgezogen... mir!?!))
Derweil stürzte der Schwarze Rotaugendrache entkräftet hinter Nick zu Boden und ächzte. Dieser drehte sich sofort erschrocken um.
„Was ist mit dir, komm wieder hoch...!“ Gab sich der verzweifelt und umarmte den langen Hals der schwarzen Bestie, um ihn aufzuraffen, vergebens.
„Von allen Harpyien musstest du ausgerechnet die dritte vernichten, welche deinen Drachen ein paar Züge angriffsuntauglich macht! Nick, du bist und bleibst ein Depp!“ Schnauzte Anja gar nicht erfreut.
„Das kann er doch nicht wissen...“ Wollte Kyon ihn verteidigen, wurde aber selber angefahren.
„Was er weiß ist aber, dass Harpyie 1 einen Power-Bonus vermittelt! Aber nein!“
„Sei doch nicht immer so gemein zu allen.“ Schoss es aus dem Jungen daraufhin heraus.
Wütend schnaufend ignorierte das Mädchen ihn daraufhin.
„Es tut mir leid...“ Murmelte sie kurze Zeit später. „...es ist nur... ach nichts...“
Kyon fragte sich, was mit ihr los war. Als er sie das erste Mal im Park traf, war sie zwar auch eigenwillig, aber im späteren Verlauf des Tages hatte er sie als nette, herzige Person kennen gelernt.
((Vielleicht ist es die Aufregung?)) Fragte er sich und wunderte sich ebenfalls darüber, warum die beiden Mädchen sich so anzickten.
„End Phase!“ Lenkte ihn dann Nicks Ruf ab.
Da dieser nur noch seine Super Dice Box auf der Hand hielt, konnte er nur zwangsläufig seinen Zug beenden.
Die Wirkungen von jener Karte und Anmutiger Würfel hoben sich nun gegenseitig auf und der Schwarze Rotaugendrache behielt seine Grund-Stärke (ATK/2400).
„...wenn mir jemand wie du auch nur einen Punkt abzieht...“ Knirschte Tatjana gefährlich leise mit den Zähnen und führte ihre Hand zum Deck. „...dann bleibt mir nichts anderes übrig...“ Ohne die neu gezogene Karte auch nur anzusehen, steckte sie die andere aus ihrem Blatt in die Dueldisk. „...als dich so in den Boden zu stampfen, dass du nie wieder in meine Augen sehen kannst, ohne daran zu denken...“
Vornehmer Egotist sprang vor ihr auf und zeigte seine Wirkung.
Alle waren gespannt darauf, was Tatjana zu sagen hatte. Doch zunächst nahm sie eine Harpyien-Schwestern-Karte von ihrem Deck und rief sie auf.
Drei weitere Harpyien betraten sofort das Feld, schwebten nah beieinander und waren die jeweiligen Abbilder der einzelnen Harpyien, nur dass die Schwestern ein Goldharnisch als Rüstung trugen (ATK/1950).
„...dann wirst du wirklich daran denken...“ Dann hob sie ihren Kopf und grinste gut gelaunt. „...wie toll und vorbildlich ich doch spiele!“ ((3
Ihr Wasserchor hingegen zersprang, da man auch bei der Beschwörung der Harpyien-Schwestern eine Zauber- oder Fallenkarte vernichten musste.
Harpyie 1 und 2 (ATK/2300 zu 1800)
Die drei anderen schauten dumm aus der Wäsche, als sie das so freudig verkündete.
„Ich hätte mit ner fiesen Beleidigung gerechnet.“ Sagte Kyon, worauf Marik nickte und Anja bestätigte: „Ich auch... das ist völlig untypisch für sie!“
((Idioten!)) Brodelte die Duellantin innerlich. ((Natürlich wollte ich dieses Subjekt beleidigen, aber mein Gesicht ist viel zu schön, um geschlagen zu werden!))
„Hihihi.“ Kicherte sie dann süßlich. „Menschen ändern sich, nicht wahr?“ ((3
„Als ob.“ Brummte Anja nur für die beiden Jungs verständlich.
„Jedenfalls... leider, leider, LEIDER ist dieses Duell vorbei. Dabei hat es soooooooooolchen~ Spaß gemacht.“
Harpyien-Schwestern (ATK/1950 zu 2150 zu 2450)
„Oh nein! Durch die ganzen Boni...!“ Anja sprang auf, als sie die kalte Wahrheit erwischte. „Nick, tu was, schnell!“
„Ich weiß nicht wie!“ Jammerte der seinerseits.
„Das Ding ist im Kasten, hihihi.“ Gackerte Tatjana stolz. „Harpyien-Schwestern, krallt euch sein Rotauge!“
Obwohl Nick sich den drei Furien in den Weg stellte und verzweifelt seine Arme ausstreckte, manövrierten sie sich locker an ihm vorbei und piesackten den schwarzen Drachen mit ihren Krallen, bis er schmerzerfüllt aufschrie und zersprang.
[Nick: 350LP Tatjana: 3900LP]
„Whahdahaaa!“ Schrie der große Blonde im Angesicht der anderen beiden Harpyien, die sich nun auf ihn stürzten und ihn beharkten.
„Es ist aus!“ Strahle Tatjana über beide Backen und zeigte mit dem Daumen nach unten. „Schwache Verstellung, Loser! Macht ihn alle, meine Süßen!“
Je eine der Harpyien griff mit ihren Klauenfüßen einen von Nicks Armen und zusammen hoben sie ihn langsam in die Höhe.
„Wahhhhhhhhhh! Ich will runter~!“ Klagte der und starrte in die Tiefe.
„Das ist knapp ein Meter...“ Stöhnte Anja, die das Schauspiel leid war.
„Dein Wunsch ist mir Befehl!“ Flötete ihre schwarzhaarige Mitschülerin und wies die Harpyien an, den ‚Trottel’ fallen zu lassen.
Dieser landete prompt zum zweiten Mal im Verlaufe des Tages auf die Fresse.
[Nick: 0LP Tatjana: 3900LP]
Beschämt hielt sich Anja die Hand vor den Kopf und sah weg.
Der erdige Boden verwandelte sich wieder in glatten, hellgrauen Marmor, die Monsterhologramme verschwanden.
„Haha, ich hab gewonnen!“ Machte sich Tatjana über ihren Gegner lustig und zeigte mit dem Finger auf ihn. „Geh nach Hause, und zwar’n bisschen plötzlich!“
Nick sah mit tränenden Augen auf. „Das kannst du nicht machen! Ich...“
Als er jedoch sah, wie der Gesichtsausdruck des Mädchens von Hohn zu einer getroffenen Miene wechselte, verstummte er.
„Wenn ich es gewesen wäre und verloren hätte...“ Sagte sie ungewohnt niedergeschlagen und mied den Blick der anderen, indem sie sich umwandte. „...würde keiner nur eine Anstalt machen und sich für mich einsetzen. Oder?“
Anja musste sich eingestehen, dass Tatjana damit Recht hatte. Kyon zuckte unsicher mit den Schultern, Marik hingegen fand offenbar nicht die richtigen Worte.
„Naja, der Stinker kann bleiben... sonst hast du ja gar keine Freunde hier...“ Stichelte Tatjana schlagartig heiter in Anjas Richtung und grinste.
„Tatjana...“ Murmelte die und verstand nicht, warum ihre einstmalige Freundin das tat. „...danke.“
„Bild dir nicht zuviel ein!“ Wurde sie da schon angefaucht. „Ich mache das hauptsächlich deshalb, weil Ishizu es so angeordnet hat! Wenn es nach MIR ginge, dann würde er...!“
Anja sprang erzürnt aus ihrem Sitzplatz auf.
„War ja auch zu schön, um wahr zu sein, dass DU mal nett bist!“
Doch die Blondine wurde von lautem Applaus unterbrochen. Schockiert bemerkte sie, wie sich bereits einige weitere Leute hier versammelt hatten und dem Duell beigewohnt hatten.
„Danke, danke, danke!“ Verneigte sich Nick. „Will jemand ein Autogramm? Ihr Hübschen vielleicht, hehe!?“ Fragte er in eine Gruppe von jungen Damen, die schlagartig an ihm vorbeizogen.
„Als ob.“ Sprudelte es aus Tatjana und Anja gleichzeitig heraus, wodurch beide sich nur finster ansahen. Jedoch hatte letztere ihre Erzfeindin trotzdem durchschaut.
((Auch wenn sie’s nie zugeben würde, sie hat doch nette Seiten.)) Dachte Anja zufrieden. ((Aber nur ein paar klitzekleine!))
Als sie sich in der Lounge weiter umsah, musste sie feststellen, dass die letzte Person der Reisegruppe immer noch fehlte.
„Wo Mark wohl steckt?“ Wunderte sie sich mit einem Hauch von Sorge.
„Es ist noch viel Zeit.“ Sagte Kyon neben ihr, der mittlerweile seinen Nintendo DS gezückt hatte und im Sitzen zockte. „Der wird schon auftauchen.“
„Oh? Was spielst du denn?“ Anja glotzte im Stehen über den Bildschirm hinweg.
„Before Calamity.“ Antwortete der konzentriert.
„Ein Duelmonsters Game? Du kriegst wohl nie genug davon, was?“ Lachte Anja fröhlich und setzte sich wieder neben ihn.
Irgendwie war sie so nervös, dass sie weder stillsitzen konnte und auf der anderen Seite nichts mit sich anzufangen wusste.
„Sag mal Marik...“ Begann sie dann leicht bedrückt. „Wird es sehr gefährlich werden? Unsere Reise?“
„Sag nicht, du hast dir darüber keine Gedanken gemacht, du Niete?“ Fauchte Tatjana herüber, die sich an die Wand gelehnt hatte und Anja, Kyon sowie Marik im Blickfeld behielt, während Nick durch die Lounge huschte und allen seine Autogramme aufschwatzen wollte.
„Natürlich, du blöde Kuh!“ Hallte es ihr entgegen, doch die Lautstärke senkte sich gleich wieder. „...aber kann es sein, dass wir...? Ich meine...“
„Sterben?“ Marik verstand die Sorge des Mädchens. „Wer weiß. Aber ich lasse nicht zu, dass es soweit kommt.“ Versuchte er, ihr die Furcht zu nehmen.
„Danke...“ Kam es aus ihrem Mund, dennoch ließ sie den Kopf hängen. ((Wenn wir der Attentäterin von Pegasus gegenüberstehen... werde ich sie bekämpfen!))
Entschloss Anja sich.
Turn 18 - Intruder
Während Anja und der Rest der Gruppe nun endlich im Flieger saßen und Dice anpeilten, waren Yugi, Kaiba, Tea und Mokuba bereits mit einem Privatjet ebenfalls auf den Weg zu Pegasus’ neuem Firmensitz. Allerdings hatte sich jemand an Board geschlichen und wollte sowohl Kaiba, als auch Yugi töten. Der Name war Liana, doch sie...
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Tatjanas Deckliste
-Aska- - 28. Jul, 12:25