Turn 132: The escape - Part I
„Dann kann der wahre Kampf ja beginnen!“ Verlautete Edna, nachdem sie ihre letzte Handkarte gesetzt und Isaac mit einem leeren Feld zurückgelassen hatte.
„Das war nur das Vorspiel!?“ Ryan war sichtlich schockiert, doch Harris fasste ihm auf die Schulter und nickte bloß stumm. „Wow...“ Musste der rothaarige Kartenverkäufer staunen.
„Schön, dass du’s eingesehen hast!“ Rief Isaac dem Mädchen hinüber. ((So ein Mist, ich stecke echt in der Klemme! Wenn doch nur ihr dummer Drache nicht wäre. Wie oft sie ihn wohl noch recyceln wird? Mir muss was einfallen!))
Unsicher legte er die Hand an die Dueldisk...
((Wenn ich jetzt Müll ziehe, bin ich die komplette Lachnummer.)) Schweiß lief Isaac über die Stirn.
Er sah durch die verschiedenen Eiszapfen, die einen regelrechten Palast um ihn und Edna gebildet hatten, rüber zu der Gruppe von Jugendlichen, die abseits seiner Gegnerin standen.
Allen voran war da der rothaarige Strife, der giftig zu ihm rüberstierte und ein böswilliges Lächeln auf den Lippen hatte.
Denn die Situation des Blonden war wahrlich nicht berauschend.
Er stand zwei Monstern ungeschützt gegenüber, Ednas Frost-und-Flammen-Drache (ATK/2300) konnte sogar ohne Kämpfe Monster vernichten und die Schneemagierin, Cold Enchanter (ATK/1600), war immerhin auch noch da.
((Aber nein, das reicht ja noch nicht! Ihr Feldzauber und die verdeckte Karte können mir ganz schnell gefährlich werden, wenn ich nicht aufpasse.)) Außerdem besaß sie noch den dauerhaften Zauber Perma Frost, der mit Icicle Kingdom eine gute Kombo ergab.
Aber er gab nicht so schnell auf, sagte sich Isaac im Gedanken. Er wollte unbedingt, dass sich dieser komische Kerl, Strife, da hinten bei ihm entschuldigte.
„Wenn du noch länger deine Hand auf dem Deck hältst, wird es als Aufgabe gewertet!“ Hallte die Stimme des dunkelhäutigen Mädchens zu ihm rüber und riss ihn aus seinen Überlegungen.
„Äh ja klar!“ Stotterte er, riss die neue Karte von seinem Deck und hoffte, dass sie ihm etwas bringen würde, war sie schließlich seine einzige.
„Hmm...“ Überlegte er vor sich hin, zumindest konnte er sie ausspielen. Der grüne Zauber in seinen Händen jedoch war keine Absicherung für die Zukunft. Wenn er jetzt versagte, würde Edna eiskalt zuschlagen und ihn vernichten. Da würde ihm auch die aktuelle Führung des Duells nicht weiterhelfen.
[Edna: 1600LP Isaac: 1900LP]
„Okay, packen wir’s an!“ Sprach er zu sich und seinem Deck, legte die Zauberkarte schließlich in die mittlere Zone seiner Dueldisk ein.
Vor ihm sprang ein Hologramm der Karte auf und zeigte eine Gruppe von schemenhaften Leuten, alle zusammen heldenhaft posierten.
„Zeit für die Legendary Formation!“
Der Kartenverkäufer Ryan, der zusammen mit Strife und Harris dem Duell beiwohnte, musste erstaunt aufsehen.
„Das hat er gezogen? Dann hoffen wir mal, dass er sein Deck gut kennt.“ Sagte er gespannt.
„Hmpf!“ Schnaubte Strife nur, der heute ganz offensichtlich in Streitlaune war, hatte er sich immerhin mit Isaac UND Harris angelegt. Doch diesmal schwieg er, was letzteren besonders froh machte.
„Was immer es ist, Edna wird damit klarkommen.“ Sagte der langgewachsene, gut statuierte Typ lässig.
„Ich nenne jetzt drei Namen, die zu meinen Legendary Heroes gehören und nehme danach fünf Karten von meinem Deck ab und zeige sie...“ Erklärte derweil der Blonde kühl.
Sein Äußeres war in der Tat besonders, trug er immerhin eine Stahlkette als Modeaccessoire um den Hals, passend zum schwarzen Shirt. „...je nachdem, wie viele der genannten Helden sich unter den fünf Karten befinden, werden verschiedene Effekte wirksam.“
Edna schien mäßig beeindruckt.
Kampfbereit stand sie im Schnee, der das Spielfeld umzogen hatte und die Basis für ihren Eispalast bildete. Im Hintergrund des Champ de Mars erstreckte sich in der Schönheit der Abenddämmerung der Eiffelturm.
„Los geht’s!“ Rief Isaac und ließ sich seine innere Unsicherheit nicht anmerken. „Ich vertraue auf die Helden von Spira! Tidus, Wakka, Auron!“
„Die Chancen, dass er richtig rät, sind nicht gerade hoch.“ Sagte Ryan und kratzte sich am Kopf. „Zumindest ein Treffer ist vorstellbar.“
„Wenn dieser tugendlose Strolch mit allen drei Vermutungen Recht hat, verzehre ich einen Besen!“ Strife kniff die braunen Augen regelrecht zusammen, als Isaac die fünf Karten abhob und ausfächerte.
Als vergrößerte Hologramme waren sie später aneinander gereiht für alle sichtbar.
Legendary Hero Lulu (Monster/Effekt)
Necron (Falle/Dauerhaft)
Lebensstrom (Zauber/Dauerhaft)
Legendary Hero Auron (Monster/Effekt)
Legendary Hero Tidus (Monster/Normal)
Zuerst erleichtert, traf Edna der Schock dann doch noch. „Zwei Richtige!“ Sprudelte es fassungslos aus ihr hinaus. „Das grenzt fast an Hellsehen!!“
„Richtig hellsehen kann ich nur, wenn’s um Fußball geht.“ Wich der Jugendliche geschmeichelt aus, welcher leicht errötete und im Inneren diesen riesigen Triumph verspürte. Er war wieder im Rennen!
„Jetzt kommt herbei!“ Strahlend legte er die beiden Monster auf die Dueldisk. „Jedes Monster, das ich richtig benannt habe, wird beschworen!“ Erklärte er ganz knapp für die anderen.
Zuerst erschien das normale Monster vor ihm.
Ein Blondschopf war er, genau wie Isaac und zudem trug er in einer Hand einen Einhänder ganz aus Wasser bestehend.
Legendary Hero Tidus (ATK/2900)
Neben dem sportlich gekleideten, jungen Mann tauchte ein schon etwas reiferer Geselle auf
Das rabenschwarze Haar färbte sich an den Schläfen schon gräulich. Der Schwertkämpfer, der seine lange Klinge über die Schulter gebuckelt hatte, vermittelte allein durch seine konzentrierte Haltung gehörigen Respekt.
Legendary Hero Auron (ATK/3400)
„Was zum Teufel!?“ Schoss es aus einer entsetzten Edna heraus.
Isaac steckte zufrieden schmunzelnd, die übrigen Karten unter sein Deck zurück.
„Gleich zwei so große Brocken... oh nein!“ Strife rechnete den Schaden durch, den Edna bei einer Auseinandersetzung erleiden könnte und kam dabei zu einer ernüchternden Erkenntnis. „Wenn sie nichts tut, wird Edna-Mäuschen diese Runde nicht überstehen!“
„Babygirl lässt sich nicht so einfach ausstechen! Zweifel’ gefälligst nicht an ihr!“ Motzte Harris neben Strife.
„Hört endlich auf, mir diese bescheuerten Spitznamen zu geben, oder ich geb euch mal welche!“ Edna war ziemlich angepisst vom Benehmen der zwei Streithähne.
„Alles, mein reizender Engel.“ Schwärmte Strife verträumt, obwohl es der Ausdruck ‚gereizt’ besser traf.
„Isaac, bitte mach weiter!“ Flehte Edna ihren Gegner regelrecht an, nur um den zwei liebestollen Trotteln zu entkommen.
„Okay!“ Rief der sofort. „Auron, räum den Frost-und-Flammen-Drachen (ATK/2300) aus dem Weg!“
Ungewöhnlich geschwind und doch elegant hastete der Schwertkrieger durch den Eiszapfenpalast und sprang schließlich von einer Seite zur anderen immer höher, ohne auf den quer liegenden Eisbalken auszurutschen, bis er die Höhe des doppelköpfigen Drachens erreicht hatte, der über Edna schwebte.
Der rote Edelmantel flatterte wild, als Auron mit seiner Waffe ausholte, um mit einem Hieb gleich beide Häupter des Drachens abzuschlagen.
„Jetzt!“ Brüllten Isaac und Edna gleichzeitig, doch nur letztere behielt ihre Fassung.
„Was!?“ Erschrak der Blonde, wohingegen die verdeckte Karte auf der Spielfeldseite des Mädchens aufsprang.
Sie benannte die Karte lautstark „Snow Crystal Wall!“, und schwang den Arm aus.
Ihr Drache in der Luft, als auch Cold Enchanter am Boden, lösten sich zusammen in einem Wirrwarr an Schneeflocken auf, die anwuchsen und eine Barriere im Palast schafften, die Auron nicht durchdringen konnte.
Zwar rammte er sein Schwert in die Mauer aus Eiskristallen, doch rutschte er damit knarrend immer weiter in die Tiefe, bis seine Füße wieder auf den Boden landeten.
„Was’n hier los?“ Staunte Isaac nicht schlecht. „Die Karte kommt mir bekannt vor. Ist das nicht die, die vorhin auf den Friedhof landete?“
„Genau, aber ich habe mehr als eine davon im Deck!“ Bestätigte Edna die Annahme und erklärte gleich weiter: „Deine Battle Phase ist leider vorbei!“
Langsam zog sich die Barriere in den Boden zurück. Isaacs Held war längst wieder an seinem alten Platz und wartete neben Tidus.
„Deine Monster sind aber auch weg.“ Meinte der Jugendliche immer noch recht verwirrt.
„Dazu komme ich gleich!“
„Von mir aus...“ Murrte er dann und setzte einen entschlossenen Blick auf. „Du bist dran!“
Jubel von der Zuschauertraube um sie herum ertönte, aber besonders die drei anderen Gruppenmitglieder feuerten Edna lautstark an.
Die errötete ein wenig und nahm die oberste Karte ihres Decks auf.
((Oh!)) Erstaunt blickte sie den White Night Dragon an, ein Stufe 8-Tributmonster.
Gleichzeitig wirbelten um das Mädchen wunderschöne Schneeflocken, die eine angenehme Brise über das Feld schickten.
Snow Crystal Wall: [3]
„Huh!?“ Musste Isaac erstaunt gucken. „Sind das... Counter?“
„Jap!“ Reagierte Edna gut gelaunt. „Wie du sicher weißt, habe ich meine Wasser-Monster geopfert, um mit Snow Crystal Wall deine Battle Phase nichtig zu machen. Und für jedes geopferte Monster gab es einen Eis-Counter für meine Falle.“
„Also bleibt sie auf dem Spielfeld...“ Schlussfolgerte Isaac, dem das nicht weiter aufgefallen war.
„Ganz recht. Und pro Standby Phase kommt eine weiterer Counter dazu, weswegen wir also momentan bei drei sind.“ Dann verwandelte sich das erfreute Lächeln in eine entschlossene Mimik. „Jetzt fragst du dich sicher, wofür die gedacht sind...“
„Nö, eigentlich nicht...“ Kam Isaac ihr zuvor und verschränkte pfeifend die Arme hinter seinem Kopf. „Interessiert mich nicht die Bohne.“
„Sollte es aber!“ Keifte Edna sogleich aufgebracht, da Isaac offenbar lieber die Zuschauerinnen anglotzte, anstatt sich für das Duell zu interessieren. „Denn wenn ich Counter entferne, kann ich alle Monster, die mit dem feuchten Geschlecht zutun haben, einfach ohne Tribut aufrufen!“
„Hab ich grad feuchtes Geschlecht gehört!?“ Staunte Isaac plötzlich.
„Häh!?“ Dann erwiderte sie mit Schamesröte im Gesicht: „Ich habe feuchtes Element gesagt!!!“
„Hab mich wohl verhört...“ Pfiff der Junge dann unschuldig und spähte weiter ins Publikum.
Snow Crystal Wall: [3 zu 1]
Sich langweilend, lugte der Blondschopf dennoch aus einem Auge hinüber zu Edna, die voller Elan eines ihrer Lieblingsmonster auf die Dueldisk schmetterte.
„Wie dem auch sein! Komm hervor, mein White Night Dragon (ATK/3000)!“
Teile des Eispalasts zersplitterten und fügten sich in der Luft zu einem neuen Wesen zusammen. Der Körper ganz aus Eis gemacht, schlank und lang, peitschte der spitze Schweif des Drachens über das Spielfeld, während das Ungetüm majestätisch schrie und in einer weißen Aura aufleuchtete.
White Night Dragon (ATK/3000 zu 3200)
„Jetzt hat sie auch ein mächtiges Monster draußen!“ Strahle Strife glücklich, auch die anderen beiden Jungs ließen sich von ihrem schönen und tödlichen Monster beeindrucken.
„Das muss wohl ihre Ass-Karte sein.“ Analysierte Ryan ihr Deck.
Für Harris war selbstverständlich: „Natürlich ist sie das!“
„Aber dieser Isaac...“ Sprach Ryan in einem leiseren Ton weiter, den nur die anderen beiden verstanden. „...gibt es neue Anzeichen für seine Herkunft, Strife?“
„Nein.“ Reagierte der leicht gereizt.
„Es müssen stärkere Emotionen her!“ Schaltete sich plötzlich Orion ein, der unerwartet auf Harris’ Schulter stand und den Blondschopf aus der Ferne betrachtete, wie er beim Anblick des Eisdrachens merklich zusammenzuckte. „Der Kerl hatte einen starken Gefühlsausbruch, der seine Aura für Strife lesbar gemacht hat.“
„War das bei mir und dem Putzteufel genauso?“ Erkundigte sich Harris mit einem frechen Grinsen im Gesicht, das den Briten zur Weißglut trieb.
„Nenn mich nicht so! Ich bin nun mal gewissenhaft, was Sauberkeit angeht! Da ist übrigens ein kleiner Fleck vom Mittagessen an deinem Mundwinkel!“ Sofort zückte Strife ein weißes Taschentuch und verging sich an Harris’ Gesicht.
„La-lass das!“ Schubste der ihn weg und rieb sich die Wange.
„Ja.“ Antwortete Orion derweil auf die letzte Frage hin. „Ihr zwei Pappnasen konntet euch nicht riechen und da Strife ein schlechter Verlierer ist, ist er am Ende erwacht!“
„Ich bin kein schlechter Verlierer!“ Protestierte der Adelssohn getroffen. „Das hatte ganz sicher andere Hintergründe!“
Doch man ignorierte ihn.
„Das heißt... er muss auch so eine Art... Emotionsschub kriegen?“ Meinte Harris nachdenklich und zeigte rüber zu Isaac, der gerade von Edna erfuhr, dass jeder Eis-Counter auf Snow Crystal Wall Aqua-Monster sowie Kreaturen des Attributs Wasser um 200 Angriffspunkte stärkte.
„Schnellchecker!“ Spottete Orion auf seiner Schulter und grunzte schelmisch. „Die sieben Säulen, die Auserwählten, die für das Gleichgewicht der Erde sorgen... repräsentieren starke Gefühle! Rot ist ein Sinnbild für Liebe, aber auch Kampfgeist und dergleichen.“
„Also Kampfgeist hat er allemal!“ Harris wusste jedoch nicht recht, wie man so einen Gefühlsausbruch erzwingen sollte und meinte daher: „Warten wir ab, was passiert.“
„Selbst mit dem Punkteschub ist dein Monster schwächer als meins!“ Sagte derweil Isaac voller Zuversicht zu Edna.
„Hmpf! Für deinen Legendary Hero Tidus (ATK/2900) reicht’s trotzdem allemal! Attacke!“
Mit seinen eisigen Schwingen entfachte der White Night Dragon einen heftigen Schneesturm, der geradewegs auf den Helden zusteuerte.
Auron wich rechtzeitig zur Seite aus, doch für den blonden Schwertkämpfer war es einfach zu spät. Er wurde in den Wirbel mitgerissen und löste sich in kleinen, farbigen Materieteilchen auf.
[Edna: 1600LP Isaac: 1600LP]
„Gleichstand!“ Jubelte Edna mit sich zufrieden. „He-hey! Was machst du da!?“
Ihre Beschwerde war damit begründet, dass Isaac achtlos nach seinem Deck griff und eine Karte zog. Dann bemerkte er ihre Empörung und erklärte knapp: „Legendary Formations Effekt, wenn ich zweimal richtig geraten hab! Wird eines der beschworenen Monster vom Feld entfernt, ziehen wir beide ne Karte. Also los, beeil dich, ich will in mein Hotel zurück!“
„Ist ja gut!“ Grummelte das Mädchen genervt und setzte die neue Karte sogleich verdeckt. „End Phase!“
„Oh nein!“ Erinnerte sich Isaac prompt, als er feststellte, wie sich Ednas Drache auflöste und ihn ein starker, eiskalter Wind erfasste.
Seine Haare und Kleidung flatterten heftig, der Jugendliche wurde trotz schützend vor sich gehaltenen Armen durch den Schnee geschoben und verlor fast den Halt.
[Edna: 800LP Isaac: 350LP]
„Icicle Kingdom und Perma Frost!“ Murmelte er vor sich hin, als der Sturm vorüber war.
„Genau, da ich nur ein Wasser-Monster besaß, konnte ich es opfern und dir die Hälfte seiner Verteidigungskraft von den Lebenspunkten abziehen!“ Wiederholte das Mädchen es noch mal für alle. „Danach kann ich einfach dank Perma Frost 800 Lebenspunkte zahlen, um meine White Night Dragon zurück in den Verteidigungsmodus zu rufen (DEF/2500)!“
Mit grellem Gebrüll tauchte der eisblaue Drache einen Moment später wieder über dem Spielfeld auf.
„Du bist chancenlos gegen eine Expertin wie mich!“ Konnte es sich Edna einfach nicht verkneifen, anzugeben.
Isaac jedoch verzog das Gesicht, „Noch ist nicht aller Tage Abend!“, und riss die nächste Karte von seinem Deck.
Snow Crystal Wall: [2]
White Night Dragon (ATK/3200 zu 3400)
Etwas enttäuscht musste er feststellen, dass sich dieselbe Zauberkarte nun zum zweiten Mal auf seinem Blatt befand. ((Was will ich mit den beiden?)) Ärgerte er sich ein wenig, wo er doch auf nichts anderes ausweichen konnte.
„Ist eh nicht so wichtig...“ Murmelte er und schwang seinen Arm aus. „Mach dich für deine Niederlage bereit! Auron, Attacke mit Banishing Blade!“
Der Held nahm einen Schluck aus einem kugelrunden Krug, der an einem Gurt seines roten Mantels hing und prustete die Flüssigkeit auf seine lange Klinge, um die sich drei Runenringe zu kreisen begannen.
„Was soll das heißen!?“ Fragte Edna nicht gerade gut gelaunt, während Auron seine Waffe mit beiden Händen in die Höhe schwang.
„Ganz einfach!“ Meinte Isaac argwöhnisch. „Aurons Angriff ist ein Defense-Breaker!“
„Das heißt Schaden durch die Verteidigung hinweg!“ Erkannte seine Gegnerin den Effekt wieder und stolperte zurück.
„Genau!“
Auron schwang seine Waffe nun in Richtung des Drachens in der Luft und schleuderte drei schwarzrote Energiesphären auf ihn.
Edna jedoch aktivierte geistesgegenwärtig ihre verdeckte Falle. „Early Winter!“
Aus dem Rücken des Eisdrachens heraus wuchs ein quadratischer, ziemlich wuchtiger Eiswürfel mit kugelrunden, blauen Augen und drückte mit seinem Gewicht den Drachen so weit nach unten, damit der Angriff des Helden über seinen Kopf hinweg schoss.
White Night Dragon (DEF/2500 - ATK/3400 zu 3800)
Ice Cube-Beast (ATK/0 zu 400)
„Was geht denn hier ab?“ Isaac kratzte sich verwundert am Kopf.
„Meine Falle natürlich! Sie wechselt die Position aller Wasser-Monster und ruft dann ein solches von meinem Friedhof oder der nächsten Dimension zurück, solange es dieselbe Stufe besitzt, wie die Anzahl an Monstern, die geswitcht wurden! Gestatten? Ice Cube-Beast (1)!“ So schnell würde sie nicht aufgeben, dachte Edna und legte die zuvor entfernte Kreatur auf die Dueldisk. Ganz im Gegenteil, jetzt begann es, spannend zu werden.
„Hmm, anscheinend eine weitere deiner Karten, die Power-Boosts verteilt!“ Stellte Isaac fest und bekam ein Nicken als Antwort. „So ein Pech! Denn jetzt gibt es ein Replay und ich greife einfach diesen Eiswürfel an! Los Auron, diesmal mit Tornado!“
Der Held begann, sich mit seiner Klinge im Kreis zu drehen und wirbelte so Schnee auf, den er als Windhose direkt auf den Drachen und das Gebilde auf seinen Rücken schleuderte.
„Jetzt bist du genau in meine Falle gelaufen!“ Triumphierte Edna. „White Night Dragon, beschütze Ice Cube-Beast!“
„Was!? Aber-!“ Isaac verstand nicht.
„Nix aber!“ Meinte Edna und nahm Perma Frost aus ihrer Dueldisk. „Wenn ich eine solche Karte auf den Friedhof lege, mache ich damit automatisch White Night Dragon zum Ziel deines Angriffs!“
Damit verschwand die Karte vom Spielfeld.
„Wie unfair!“ Schrie der Blonde erzürnt, der sich das anders vorgestellt hatte.
„Wow, Edna hat das alles geplant gehabt!“ Schoss es aus Ryan heraus. „Sie hat ihr Deck wirklich gut unter Kontrolle!“
Harris jubelte bereits: „Das war’s für Isaac!“
Der White Night Dragon setzte sich gegen den näher kommenden Angriff zur Wehr, indem er aus seinem Maul eine ebenfalls starke Windhose auf den Boden abfeuerte, die von dort aus den ganzen Eispalast zerstörte und wie in einem Zweikampf gegen Aurons Attacke ankämpfte.
Immer weiter wurde diese zurückgedrängt und langsam bekam Isaac Muffesausen, wich im Angesicht des kühlen Windes zusammen mit seinem Helden immer weiter zurück.
((Das gibt’s doch nicht, ich verliere!)) Ärgerte er sich und konnte auf der anderen Seite undeutlich durch die Attacken Edna sehen, wie sie sich bereits vor dem Publikum verbeugte und winkte. ((Sei nicht so überheblich!))
Mit einem Satz rammte er seine beiden Schnellzauberkarten in die Dueldisk. ((Ich lass mich nicht so leicht abschieben!)) „Sturmangriff, Auron!“
Die genannten Karten sprangen vor ihm in die Höhe. „Jetzt!“ Feuerte Isaac sein Monster an.
Dieser rannte todesmutig los, nutzte die Wirbelstürme als Möglichkeit, in die Luft zu gelangen und wirbelte dann in einem Salto mit ausgestreckter Klinge langsam auf den White Night Dragon zu.
„Das gibt’s nicht!“ Brach es aus Ednas siegessschierer Fassade hervor. „NEIN!“
Einen Moment nicht aufgepasst, und es war passiert.
Ihr Drache wurde einfach in zwei Hälften geschnitten und fiel zu Boden. Gleichzeitig setzte Auron genau vor ihr auf und starrte sie wie ein Lehrer an, der mit seinem Schüler unzufrieden war.
„Yieks!“ Kreischte das Mädchen und fiel vor Schreck auf den Hosenboden, konnte ihren Blick nicht von dem Mann in roter Robe abwenden, wie er mit dem Schwert auf dem Rücken gebuckelt vor ihr stand.
„Edna!!!“ Schallten die Stimmen ihrer Freunde zu ihr herüber.
[Edna: 0LP Isaac: 350LP]
„Ich hab... verloren?“ Bemerkte sie etwas verzögert und benommen, während sie ihre Dueldisk vor sich hielt und die Lebenspunkteanzeige anstarrte.
Dann sah sie auf, Harris, Ryan und Strife hatten sich um sie gestellt. Auron verschwand, sowie die Überreste ihres Eispalasts und die anderen Hologramme.
Der Schnee schmolz und hinterließ wieder die schöne, dunkelgrüne Wiese.
„Sturmangriff ist eine Zauberkarte, die Legendary Heros um je 500 Angriffspunkte für jedes deiner Monster stärkt.“ Plapperte Ryan sofort begeistert los. „Er hat die Karte gleich zweimal eingesetzt und Auron auf 5400 Angriffspunkte gebracht, ist das zu fassen?“
Doch Edna achtete nicht auf ihn, eigentlich war ihr die Niederlage auch egal. Ihr Blick lag, nach vorn gerichtet, auf Isaac.
Dem wurde von einigen Leuten aus der Menschentraube gratuliert. Sie umrandeten ihn, machten Fotos und verlangten nach Autogrammen. Verlegen rieb er sich den blonden Kopf und ging den Wünschen seiner neu gewonnenen Fans nach.
Das Mädchen schloss lächelnd die Augen. ((Wenn ich nicht so unvorsichtig gewesen wäre, hätte ich da stehen können... aber ich glaube, es ist besser so.))
„Was machen die für einen Aufstand, nur wegen dem!?“ Empörte sich Strife jedoch sofort und stemmte ärgerlich die Arme in die Hüften. „Edna hat ebenso gut gespielt!“
„Komm runter, gönn ihm den Sieg.“ Versuchte Harris, seinen Rivalen etwas zu besänftigen.
Miesepetrig rümpfte der mit verschränkten Armen die Nase und sah in eine andere Richtung.
Edna musste kichern, da Strife urkomisch aussah, wenn er wütend war.
Jedoch bemerkte sie dann, wie Isaac langsam auf die vier zuschritt.
Harris und Ryan gingen nahezu achtungsvoll zur Seite, als sich der Blonde vor das Mädchen stellte und ihr die Hand reichte.
„Gut gespielt, das war das schwerste Duell meines Lebens.“ Meinte er anerkennend.
„Kann ich von mir nicht behaupten!“ Antwortete sie keck, wenn auch ehrlich, ergriff aber dennoch seine Hand und ließ sich von ihm hochziehen.
„Mit solchen Karten wie denen von unserem Fotomodell hier kann doch jedes Kleinkind gewinnen!“ Tönte Strife eifersüchtig in die Richtung des Blonden, der darauf aber nur mit einem gequälten Lächeln reagierte.
„Halt die Klappe...“ Brummte er träge.
„Die Legendary Heroes sind bekannt dafür, dass man sie leicht spielen kann.“ Ryan ließ es sich natürlich nicht nehmen, sofort altklug sein Wissen mit allen zu teilen.
Isaac reagierte darauf lässig mit einem Schuss Humor.
„Deshalb spiele ich sie, weil ich da nicht viel falsch machen kann und die Effekte kapiere.“ Dann fügte er aber noch gewissenhaft hinzu: „Ich bin nicht so sehr der Duel Monsters-Freak. Edna ist die professionellere Duellantin, habe halt nur besser gezogen.“
„Schön, dass du es einsiehst!“ Lachte die und stieß mit ihrem Zeigefinger auf seine Brust, die der Jugendliche sich überrascht hielt.
„Egal!“ Der Blick des Blondschopfs fokussierte sich auf den Briten, der immer noch etwas entfernt von den anderen stand. „Ich hab gewonnen, also entschuldige dich, klar!?“
„Nie im Leben!“ Schoss ihm die Antwort sogleich entgegen.
„Hey, wir hatten eine Abmachung!!!“
((Wow, wenn sich Isaac einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, gibt er nicht mehr nach, ehe er sich durchgesetzt hat.)) Musste Edna derweil schmunzelnd feststellen. ((So ein Dickkopf.))
Doch davon ließ sich Strife nicht beeindrucken: „...der ich nie zugestimmt habe!“
„Arroganter Lackaffe!“ Entglitt es dem aufbrausenden Isaac, der sich regelrecht nach vorne beugte, als würde er jeden Moment wie ein Stier auf den Briten losstürmen.
„Niveau sieht nur von unten aus wie Arro-!“
„Wow, haben wir hier nen zweiten Harris oder was?“ Scherzte Edna und klopfte Isaac kräftig auf den Rücken, der fiel allerdings, geschockt von diesem Vergleich, vorne über aufs Gesicht.
„Ignoriert mich gefälligst nicht andauernd!!!“ Platzte Strife nebenbei der Kragen.
„Du entschuldigst dich jetzt für deine Worte und hilfst Isaac hier auf!“ Gab das Mädchen jedoch im strengen Ton an und deutete auf den Jungen vor ihren Füßen.
„Aber ich hab ihn nicht mal umgewor-!“
Als er jedoch Harris sah, wie er sich neben Edna stellte, blieb ihm glatt die Luft weg.
„Sicher? Denk an ihn hier...“ Grinste er überlegen.
Orion wurde tatsächlich als Druckmittel eingesetzt, denn Strifes kleiner Freund wurde von Harris wie ein Stück Gummi auseinander gezogen und malträtiert.
„Tu, was man dir sagt! Oder hast du deine guten Manieren vergessen?“ Konnte sich der große Rotschopf diesen Spaß nicht verkneifen, hielt den Schattengeist schön nach vorne und zog weiter an ihm. Kleine Kullertränchen stiegen aus dessen Augen.
„Strife hilf mir, dieser %&$§#*/ tut mir weh!“ Jammerte er und schwor dann noch zornig Rache: „Wenn ich frei bin, wird jeder von deinem kleinen Pe- AUAAAAAAAHAHAHA!“
Errötet vor Scham und Wut zog Harris nun noch kräftiger. „Du kleines, freches Biest, was wolltest du gerade sagen!?“
„Du tust ihm weh!“ Ließ sich Strife von der Qual seines kleinen Freundes mitreißen. „Lass ihn los... ich tu’s ja...“
„Wenn du irgend’nen Mist erzählst, blüht dir was!“ Drohte der Folterknecht dann seinem Opfer und warf es im hohen Bogen hinter sich weg.
„RAAAAAAAACHEEEEEEEEEEEEEEEE!“ Wurde Orions Rumgefluche im Flug immer leiser, bis er Meter entfernt dumpf auf der Wiese landete. „...ompf!“
Zeitgleich hatte sich Strife vor Isaac niedergekniet, der diesen die ganze Zeit über skeptisch betrachtete und strecke ganz vorsichtig seine linke Hand vor sich aus.
„Ich bitte a-aufrichtig um Verzeihung...“ Bracht er es kaum übers Herz, sich mit dem Bände sprechenden, grimmigen Gesicht zu entschuldigen.
Der Liegende fackelte nicht lange, packte die schmale Hand und ehe sich der Brite versah, wurde er rücklings auf den Rasen geschleudert, während Isaac sich elegant erhob und grinsend seine Kleidung abklopfte.
„Entschuldigung angenommen. Aber nur, weil ich nicht noch mehr Streit will.“ Wurde Strife dann schief angesehen.
„Ich liege... liege im Gra-gra-gra-“
„Gras, ja.“ Vervollständigte Isaac schmunzelnd den Satz.
„Wie kannst du es wagen!?!?!?!?!?!?!“ Mit einem Sprung war Strife auf den Beinen und stampfte bedrohlich schnaufend auf den Jugendlichen zu. „Dieser Anzug hat ein Vermögen gekostet, wenn da Grasflecken drauf sind, dann schwöre ich bei Gott-!“
„Deine Schuhe sind dreckig.“ Entschärfte Harris die Situation kurzerhand.
„Was!? Oh nein, nicht auch noch die!“
Sofort bückte sich der Engländer und putzte penibel genau seine edlen, schwarzen Herrenschuhe mit einem feinen, weißen Taschentuch.
Edna stupst Isaac laut lachend in die Seite und flüsterte verschwörerisch in sein Ohr. „Sei nett zu ihm, er ist unser Goldesel.“
„Wa-!? Ich werde dem sicher nicht den Arsch küssen! Was interessiert mich das überhaupt!?“
Dazu führte Harris an: „Er würde dich auch gar nicht ranlassen, zu viele Bakterien an deinem Mund.“, und lachte.
„Habe ich Bakterien gehört?“ Quiekte Strife entsetzt. „Orion, das Desinfektionsmittel! ... Orion? OOOOOOOORIIIIIIIIONNN!?“
Der Schattengeist jedoch lag meterweit entfernt KO im Gras.
„Nie ist er da, wenn man ihn mal braucht!“ Schimpfte Strife sauer und war bemüht, den Dreck zu entfernen, ohne sein Taschentuch schmutzig zu machen.
Während sich auch Ryan und Harris den Bauch vor Lachen halten mussten, wurde Edna nachdenklicher und wandte sich an Isaac.
„Nun, ich halte auch mein Versprechen. Treffen wir uns morgen, ja?“
„Oh!“ Erinnerte sich Isaac daran, dass das dunkelhäutige Mädchen ihm angeboten hatte, zusammen irgendwo Kaffee zu trinken. „K-klar.“ Sagte er verlegen und ein wenig Röte stieg in sein sonst eher blasses Gesicht.
„Wie wär’s mit dem ‚Le Service à la Mère’? Dort war ich erst gestern mit meiner Klasse. Ist schön da, die haben allerlei Kuchen.“ Bot er an.
„Okay, ich denke da finden wir schon irgendwie hin.“ Lachte sie freundlich, wurde dann aber wieder gewissenhafter. „Aber darum geht es uns weniger. Sieh mal, der Grund, warum wir dich duellieren sehen wollten...“
Dann begann sie, Matts Geschichte so detailliert wie möglich zu erklären...
- im Hotel -
Tara und Matt waren zurück auf ihrem Zimmer.
Der Junge lag auf seinem Bett, dass nahe der Tür war und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Vor sich hindösend, war ihm wohl bewusst, dass er die ganze Zeit über angestarrt wurde.
Die Blondine saß an einem Tisch, der vor einem großen Fenster stand und sah besorgt rüber zu ihrem Klassenkameraden. Ein Seufzer entglitt ihr und sie blätterte wieder gedankenlos durch die Modezeitschrift, die sie sich von Zuhause mitgenommen hatte.
((Warum... ist es so ausgegangen?)) Dachte sie betrübt.
Die Szene im Bahnhof ging ihr nicht aus dem Kopf, wie konnte sie auch? Und dennoch brachte Tara kein Wort über die Lippen, sie wusste einfach nicht, was sie sagen könnte. Matt musste von sich aus den nächsten Schritt tun.
Der hatte sich derweil von Tara weggedreht und starrte auf die Zimmertür. Sein Blick wanderte weiter über die hellorange Tapete des Zimmers, zu seinem Nachttisch. Draußen war es schon dunkel, die letzten Spuren des Abendrots waren bereits dabei, zu verblassen.
Aber nur das Licht von Taras Lampe brannte, seine oder Ednas waren nicht angeschaltet.
Noch immer hatte er sich nicht beruhigt und doch fühlte er sich zumindest ein wenig besser.
((Habe ich... die richtige Entscheidung getroffen?)) Ging es durch seinen Kopf.
Im Schutze eines Getränkeautomaten standen sie.
Matt hatte Taras Arme gepackt und sah eindringlich in ihre Augen. Das Mädchen machte sich möglichst klein, ihr war die Situation sichtlich unangenehm.
Der Schwarzhaarige schloss die Augen und versuchte mit bebender Stimme zu erklären.
„Ich bin... nicht... nur ich...“ Sagte er und blickte die Marmorwand des Bahnhofs an, deren grauer Ton durch weiße und schwarze Punkte aufgelockert wurde. Ziemlich undeutlich und unscheinbar sah er seine eigene Reflektion darin.
„Wie meinst du... das?“ Tara verstand nicht, was er ihr sagen wollte. Obwohl Matt fester ihre Arme umpackte, schrie sie nicht auf oder bat ihn, nicht so grob zu sein.
Seine Anspannung merkte das Mädchen ihm an und wollte ihn nicht durch ihre Reaktionen aus der Fassung bringen.
„Damals... in der... Militärbasis. Da hat er mich gerettet... der...“
„Schweig!“ Donnerte es plötzlich von seinem Ebenbild an der Wand. Es hatte sich schlagartig in einen ritterlichen, jungen Mann verwandelt, der ansonsten genauso aussah wie Matt.
„Wer hat dich gerettet?“ Hakte Tara neugierig und einfühlsam zugleich nach.
Doch der Junge starrte gebannt die Wand an und lauschte dem, was nur er vernehmen konnte.
„Wenn du jetzt die Wahrheit über uns preisgibst, wirst du dir keinen Gefallen tun!“ Erklärte Raquel aufgebracht und sah, entgegen Matts Bewegungen, Tara an.
„Denkst du, dieses Mädchen wird schweigen, wenn sie erfährt, wie gefährlich wir sind? Und was wird sie dazu sagen, wenn sie erfährt, welch Gelüsten du nachgegangen bist?!“
„Halt’s Maul!“ Schoss es aus Matt heraus.
In dem Moment riss sich Tara los und stolperte zwei Schritte zurück. Voller Angst und Unverständnis blickte sie Matt in die Augen, der gar nicht mehr wahrzunehmen schien, dass sie existierte.
„Was...?“ Kam es ganz leise und gebrochen aus ihrem Mund hervor.
„Eh- Tara!“ Erst jetzt bemerkte Matt seinen Fehler und streckte den Arm nach ihr aus. „Tut mir leid, ich- es-!“ Doch sie wich weiter von ihm weg.
„Was ist nur in letzter Zeit mit dir los?“ Begann sie nun und zeigte offen ihr Unverständnis gegenüber seinem Handeln. „Du bist nur noch schlecht drauf, schreist uns an und behandelst uns nicht wie wir es als deine Freunde verdient hätten!“ Klagte sie bitter.
„Aber das hat... das hat seine Gründe!“ Beteuerte er und ignorierte die Franzosen, die neugierig an den beiden vorbeigingen und sie dabei anstarrten.
„Welche!?“ Sprudelte es aus Tara heraus, die lauter wurde. „Du redest nie über dich! Aber wenn du schon so verschlossen bist, dann lass deine Frustration nicht an uns aus!“
„Siehst du?“ Hallte es gleichzeitig von Raquels Seite wieder. „Würde sie dich wirklich verstehen? Wenn du ihr erstmal eröffnest, was Gardenia noch so alles erzählt hat, glaubst du, dass sie normal weiterleben kann? Denkst du, deine anderen Freunde könnten das?“
„Misch dich nicht ein! Nicht jetzt...“ Zischte Matt zur Wand, doch Tara verstand dies sichtlich falsch und empörte sich weiter.
„Ich mische mich nicht ein! Ich wollte mich nie einmischen!“ Brach es mit erstickter Stimme aus ihr raus. „Vielleicht hätte nicht andauernd fragen sollen, was mit dir los ist! Aber... aber...!“
„So war das nicht gemeint!“ Langsam verlor der Junge seinen Kopf und sah abwechselnd in hohem Tempo zwischen seinem Spiegelbild in den Marmorfliesen und Tara hin und her. „Ich weiß, es ist schwer mit mir und vor allem, es- aber glaub mir, ich wollte dich nicht anschreien!“
„Aber du tust es!“ Kamen bei ihr schließlich die ersten Tränen, die sie sofort mit dem Ärmel ihrer Jeansjacke wegwischte.
„Wein doch nicht...“ Hilflos wollte er sie in den Arm nehmen, doch Raquel hielt ihn davon ab.
„Wenn du die Sache nicht noch schlimmer machen willst, schweig lieber.“ Erklärte er ernst. „Du bist die Waffe, aber für deine Freunde ebenso eine wichtige Person! Und dir ist klar, was alles mit euch allen passieren kann, solltest du dein loses Mundwerk nicht halten?“
Matt schwieg und sah nur Tara an, wie sie sich die Augen ausheulte. Diese Schuldgefühle fraßen ihn regelrecht auf, aber Raquels Einwand war nicht unbegründet.
((Es ist besser... wenn sie es nicht weiß... wenn keiner es weiß... das ist meine Angelegenheit.)) Er fasste einen Entschluss. ((Ich darf sie und die anderen nicht da hineinziehen. Sie sollen mich... möglichst... unbeschwert in Erinnerung behalten.))
Obwohl es so befremdlich für ihn war, ging er langsam, fast wie ferngesteuert, auf Tara zu und schloss sie schließlich in seine Arme.
Sie lehnte sich an seine Schulter und schluchzte ein paar Mal, während er ihr sanft über den Kopf streichelte.
„Ist nicht so wichtig gewesen, was ich sagen wollte.“ Erklärte er versöhnlich. „Ich stehe einfach im Moment etwas neben mir. Niemals würde ich euch...“
„Ich weiß...“ Schluchzte sie noch und rieb sich die Augen. „Trotzdem...“
„Ja, aber ich gebe mein Bestes, nicht mehr so grob zu euch zu sein. Verzeih mir, Tara.“ Flüsterte in ihr Ohr und ließ sie los, auch wenn er es nicht wollte. Aber jetzt mit seinen Gefühlen für sie anzufangen, erschien ihm unpassend. Dazu fehlte ihm die Kraft.
Tara rieb sich noch einmal die Augen und bemerkte, wie Matt noch einmal zurück zu der Stelle starrte, wo er eben noch stand.
Raquels Spiegelbild war verschwunden, aber dem Jugendlichen war klar, dass es von jetzt an nur noch schlimmer werden würde. Taras Anwesenheit schien den Terraner offenbar nur noch willkürlich zu bannen.
Trotzdem musste er vor den anderen gute Miene zu bösem Spiel machen, damit zumindest die anderen nicht noch mehr Ärger hatten als nötig.
„Wollen wir jetzt die Tickets kaufen gehen?“ Wandte er sich an sie.
„Ah, stimmt...“ Erinnerte sie sich immer noch leicht mitgenommen und sah sich um. „Wir müssen ja bald nach Hamburg.“
„Ja, lass uns weitersuchen nach einem Verkäufer.“ Forderte er sie besser gelaunt auf.
„Okay...“ Brach nun auch Taras Lächeln wieder aus ihrem geknickten Gesicht hervor und doch blieb die Unsicherheit in ihr, was Matt anging.
((Verzeih mir, Tara. Aber es ist besser, wenn du nicht zuviel über unsere Vergangenheit weißt.)) Dachte Matt bedauernd und schritt an ihr vorbei, bis sie ihm folgte...
Turn 132: The escape - Part II
„Das war nur das Vorspiel!?“ Ryan war sichtlich schockiert, doch Harris fasste ihm auf die Schulter und nickte bloß stumm. „Wow...“ Musste der rothaarige Kartenverkäufer staunen.
„Schön, dass du’s eingesehen hast!“ Rief Isaac dem Mädchen hinüber. ((So ein Mist, ich stecke echt in der Klemme! Wenn doch nur ihr dummer Drache nicht wäre. Wie oft sie ihn wohl noch recyceln wird? Mir muss was einfallen!))
Unsicher legte er die Hand an die Dueldisk...
((Wenn ich jetzt Müll ziehe, bin ich die komplette Lachnummer.)) Schweiß lief Isaac über die Stirn.
Er sah durch die verschiedenen Eiszapfen, die einen regelrechten Palast um ihn und Edna gebildet hatten, rüber zu der Gruppe von Jugendlichen, die abseits seiner Gegnerin standen.
Allen voran war da der rothaarige Strife, der giftig zu ihm rüberstierte und ein böswilliges Lächeln auf den Lippen hatte.
Denn die Situation des Blonden war wahrlich nicht berauschend.
Er stand zwei Monstern ungeschützt gegenüber, Ednas Frost-und-Flammen-Drache (ATK/2300) konnte sogar ohne Kämpfe Monster vernichten und die Schneemagierin, Cold Enchanter (ATK/1600), war immerhin auch noch da.
((Aber nein, das reicht ja noch nicht! Ihr Feldzauber und die verdeckte Karte können mir ganz schnell gefährlich werden, wenn ich nicht aufpasse.)) Außerdem besaß sie noch den dauerhaften Zauber Perma Frost, der mit Icicle Kingdom eine gute Kombo ergab.
Aber er gab nicht so schnell auf, sagte sich Isaac im Gedanken. Er wollte unbedingt, dass sich dieser komische Kerl, Strife, da hinten bei ihm entschuldigte.
„Wenn du noch länger deine Hand auf dem Deck hältst, wird es als Aufgabe gewertet!“ Hallte die Stimme des dunkelhäutigen Mädchens zu ihm rüber und riss ihn aus seinen Überlegungen.
„Äh ja klar!“ Stotterte er, riss die neue Karte von seinem Deck und hoffte, dass sie ihm etwas bringen würde, war sie schließlich seine einzige.
„Hmm...“ Überlegte er vor sich hin, zumindest konnte er sie ausspielen. Der grüne Zauber in seinen Händen jedoch war keine Absicherung für die Zukunft. Wenn er jetzt versagte, würde Edna eiskalt zuschlagen und ihn vernichten. Da würde ihm auch die aktuelle Führung des Duells nicht weiterhelfen.
[Edna: 1600LP Isaac: 1900LP]
„Okay, packen wir’s an!“ Sprach er zu sich und seinem Deck, legte die Zauberkarte schließlich in die mittlere Zone seiner Dueldisk ein.
Vor ihm sprang ein Hologramm der Karte auf und zeigte eine Gruppe von schemenhaften Leuten, alle zusammen heldenhaft posierten.
„Zeit für die Legendary Formation!“
Der Kartenverkäufer Ryan, der zusammen mit Strife und Harris dem Duell beiwohnte, musste erstaunt aufsehen.
„Das hat er gezogen? Dann hoffen wir mal, dass er sein Deck gut kennt.“ Sagte er gespannt.
„Hmpf!“ Schnaubte Strife nur, der heute ganz offensichtlich in Streitlaune war, hatte er sich immerhin mit Isaac UND Harris angelegt. Doch diesmal schwieg er, was letzteren besonders froh machte.
„Was immer es ist, Edna wird damit klarkommen.“ Sagte der langgewachsene, gut statuierte Typ lässig.
„Ich nenne jetzt drei Namen, die zu meinen Legendary Heroes gehören und nehme danach fünf Karten von meinem Deck ab und zeige sie...“ Erklärte derweil der Blonde kühl.
Sein Äußeres war in der Tat besonders, trug er immerhin eine Stahlkette als Modeaccessoire um den Hals, passend zum schwarzen Shirt. „...je nachdem, wie viele der genannten Helden sich unter den fünf Karten befinden, werden verschiedene Effekte wirksam.“
Edna schien mäßig beeindruckt.
Kampfbereit stand sie im Schnee, der das Spielfeld umzogen hatte und die Basis für ihren Eispalast bildete. Im Hintergrund des Champ de Mars erstreckte sich in der Schönheit der Abenddämmerung der Eiffelturm.
„Los geht’s!“ Rief Isaac und ließ sich seine innere Unsicherheit nicht anmerken. „Ich vertraue auf die Helden von Spira! Tidus, Wakka, Auron!“
„Die Chancen, dass er richtig rät, sind nicht gerade hoch.“ Sagte Ryan und kratzte sich am Kopf. „Zumindest ein Treffer ist vorstellbar.“
„Wenn dieser tugendlose Strolch mit allen drei Vermutungen Recht hat, verzehre ich einen Besen!“ Strife kniff die braunen Augen regelrecht zusammen, als Isaac die fünf Karten abhob und ausfächerte.
Als vergrößerte Hologramme waren sie später aneinander gereiht für alle sichtbar.
Legendary Hero Lulu (Monster/Effekt)
Necron (Falle/Dauerhaft)
Lebensstrom (Zauber/Dauerhaft)
Legendary Hero Auron (Monster/Effekt)
Legendary Hero Tidus (Monster/Normal)
Zuerst erleichtert, traf Edna der Schock dann doch noch. „Zwei Richtige!“ Sprudelte es fassungslos aus ihr hinaus. „Das grenzt fast an Hellsehen!!“
„Richtig hellsehen kann ich nur, wenn’s um Fußball geht.“ Wich der Jugendliche geschmeichelt aus, welcher leicht errötete und im Inneren diesen riesigen Triumph verspürte. Er war wieder im Rennen!
„Jetzt kommt herbei!“ Strahlend legte er die beiden Monster auf die Dueldisk. „Jedes Monster, das ich richtig benannt habe, wird beschworen!“ Erklärte er ganz knapp für die anderen.
Zuerst erschien das normale Monster vor ihm.
Ein Blondschopf war er, genau wie Isaac und zudem trug er in einer Hand einen Einhänder ganz aus Wasser bestehend.
Legendary Hero Tidus (ATK/2900)
Neben dem sportlich gekleideten, jungen Mann tauchte ein schon etwas reiferer Geselle auf
Das rabenschwarze Haar färbte sich an den Schläfen schon gräulich. Der Schwertkämpfer, der seine lange Klinge über die Schulter gebuckelt hatte, vermittelte allein durch seine konzentrierte Haltung gehörigen Respekt.
Legendary Hero Auron (ATK/3400)
„Was zum Teufel!?“ Schoss es aus einer entsetzten Edna heraus.
Isaac steckte zufrieden schmunzelnd, die übrigen Karten unter sein Deck zurück.
„Gleich zwei so große Brocken... oh nein!“ Strife rechnete den Schaden durch, den Edna bei einer Auseinandersetzung erleiden könnte und kam dabei zu einer ernüchternden Erkenntnis. „Wenn sie nichts tut, wird Edna-Mäuschen diese Runde nicht überstehen!“
„Babygirl lässt sich nicht so einfach ausstechen! Zweifel’ gefälligst nicht an ihr!“ Motzte Harris neben Strife.
„Hört endlich auf, mir diese bescheuerten Spitznamen zu geben, oder ich geb euch mal welche!“ Edna war ziemlich angepisst vom Benehmen der zwei Streithähne.
„Alles, mein reizender Engel.“ Schwärmte Strife verträumt, obwohl es der Ausdruck ‚gereizt’ besser traf.
„Isaac, bitte mach weiter!“ Flehte Edna ihren Gegner regelrecht an, nur um den zwei liebestollen Trotteln zu entkommen.
„Okay!“ Rief der sofort. „Auron, räum den Frost-und-Flammen-Drachen (ATK/2300) aus dem Weg!“
Ungewöhnlich geschwind und doch elegant hastete der Schwertkrieger durch den Eiszapfenpalast und sprang schließlich von einer Seite zur anderen immer höher, ohne auf den quer liegenden Eisbalken auszurutschen, bis er die Höhe des doppelköpfigen Drachens erreicht hatte, der über Edna schwebte.
Der rote Edelmantel flatterte wild, als Auron mit seiner Waffe ausholte, um mit einem Hieb gleich beide Häupter des Drachens abzuschlagen.
„Jetzt!“ Brüllten Isaac und Edna gleichzeitig, doch nur letztere behielt ihre Fassung.
„Was!?“ Erschrak der Blonde, wohingegen die verdeckte Karte auf der Spielfeldseite des Mädchens aufsprang.
Sie benannte die Karte lautstark „Snow Crystal Wall!“, und schwang den Arm aus.
Ihr Drache in der Luft, als auch Cold Enchanter am Boden, lösten sich zusammen in einem Wirrwarr an Schneeflocken auf, die anwuchsen und eine Barriere im Palast schafften, die Auron nicht durchdringen konnte.
Zwar rammte er sein Schwert in die Mauer aus Eiskristallen, doch rutschte er damit knarrend immer weiter in die Tiefe, bis seine Füße wieder auf den Boden landeten.
„Was’n hier los?“ Staunte Isaac nicht schlecht. „Die Karte kommt mir bekannt vor. Ist das nicht die, die vorhin auf den Friedhof landete?“
„Genau, aber ich habe mehr als eine davon im Deck!“ Bestätigte Edna die Annahme und erklärte gleich weiter: „Deine Battle Phase ist leider vorbei!“
Langsam zog sich die Barriere in den Boden zurück. Isaacs Held war längst wieder an seinem alten Platz und wartete neben Tidus.
„Deine Monster sind aber auch weg.“ Meinte der Jugendliche immer noch recht verwirrt.
„Dazu komme ich gleich!“
„Von mir aus...“ Murrte er dann und setzte einen entschlossenen Blick auf. „Du bist dran!“
Jubel von der Zuschauertraube um sie herum ertönte, aber besonders die drei anderen Gruppenmitglieder feuerten Edna lautstark an.
Die errötete ein wenig und nahm die oberste Karte ihres Decks auf.
((Oh!)) Erstaunt blickte sie den White Night Dragon an, ein Stufe 8-Tributmonster.
Gleichzeitig wirbelten um das Mädchen wunderschöne Schneeflocken, die eine angenehme Brise über das Feld schickten.
Snow Crystal Wall: [3]
„Huh!?“ Musste Isaac erstaunt gucken. „Sind das... Counter?“
„Jap!“ Reagierte Edna gut gelaunt. „Wie du sicher weißt, habe ich meine Wasser-Monster geopfert, um mit Snow Crystal Wall deine Battle Phase nichtig zu machen. Und für jedes geopferte Monster gab es einen Eis-Counter für meine Falle.“
„Also bleibt sie auf dem Spielfeld...“ Schlussfolgerte Isaac, dem das nicht weiter aufgefallen war.
„Ganz recht. Und pro Standby Phase kommt eine weiterer Counter dazu, weswegen wir also momentan bei drei sind.“ Dann verwandelte sich das erfreute Lächeln in eine entschlossene Mimik. „Jetzt fragst du dich sicher, wofür die gedacht sind...“
„Nö, eigentlich nicht...“ Kam Isaac ihr zuvor und verschränkte pfeifend die Arme hinter seinem Kopf. „Interessiert mich nicht die Bohne.“
„Sollte es aber!“ Keifte Edna sogleich aufgebracht, da Isaac offenbar lieber die Zuschauerinnen anglotzte, anstatt sich für das Duell zu interessieren. „Denn wenn ich Counter entferne, kann ich alle Monster, die mit dem feuchten Geschlecht zutun haben, einfach ohne Tribut aufrufen!“
„Hab ich grad feuchtes Geschlecht gehört!?“ Staunte Isaac plötzlich.
„Häh!?“ Dann erwiderte sie mit Schamesröte im Gesicht: „Ich habe feuchtes Element gesagt!!!“
„Hab mich wohl verhört...“ Pfiff der Junge dann unschuldig und spähte weiter ins Publikum.
Snow Crystal Wall: [3 zu 1]
Sich langweilend, lugte der Blondschopf dennoch aus einem Auge hinüber zu Edna, die voller Elan eines ihrer Lieblingsmonster auf die Dueldisk schmetterte.
„Wie dem auch sein! Komm hervor, mein White Night Dragon (ATK/3000)!“
Teile des Eispalasts zersplitterten und fügten sich in der Luft zu einem neuen Wesen zusammen. Der Körper ganz aus Eis gemacht, schlank und lang, peitschte der spitze Schweif des Drachens über das Spielfeld, während das Ungetüm majestätisch schrie und in einer weißen Aura aufleuchtete.
White Night Dragon (ATK/3000 zu 3200)
„Jetzt hat sie auch ein mächtiges Monster draußen!“ Strahle Strife glücklich, auch die anderen beiden Jungs ließen sich von ihrem schönen und tödlichen Monster beeindrucken.
„Das muss wohl ihre Ass-Karte sein.“ Analysierte Ryan ihr Deck.
Für Harris war selbstverständlich: „Natürlich ist sie das!“
„Aber dieser Isaac...“ Sprach Ryan in einem leiseren Ton weiter, den nur die anderen beiden verstanden. „...gibt es neue Anzeichen für seine Herkunft, Strife?“
„Nein.“ Reagierte der leicht gereizt.
„Es müssen stärkere Emotionen her!“ Schaltete sich plötzlich Orion ein, der unerwartet auf Harris’ Schulter stand und den Blondschopf aus der Ferne betrachtete, wie er beim Anblick des Eisdrachens merklich zusammenzuckte. „Der Kerl hatte einen starken Gefühlsausbruch, der seine Aura für Strife lesbar gemacht hat.“
„War das bei mir und dem Putzteufel genauso?“ Erkundigte sich Harris mit einem frechen Grinsen im Gesicht, das den Briten zur Weißglut trieb.
„Nenn mich nicht so! Ich bin nun mal gewissenhaft, was Sauberkeit angeht! Da ist übrigens ein kleiner Fleck vom Mittagessen an deinem Mundwinkel!“ Sofort zückte Strife ein weißes Taschentuch und verging sich an Harris’ Gesicht.
„La-lass das!“ Schubste der ihn weg und rieb sich die Wange.
„Ja.“ Antwortete Orion derweil auf die letzte Frage hin. „Ihr zwei Pappnasen konntet euch nicht riechen und da Strife ein schlechter Verlierer ist, ist er am Ende erwacht!“
„Ich bin kein schlechter Verlierer!“ Protestierte der Adelssohn getroffen. „Das hatte ganz sicher andere Hintergründe!“
Doch man ignorierte ihn.
„Das heißt... er muss auch so eine Art... Emotionsschub kriegen?“ Meinte Harris nachdenklich und zeigte rüber zu Isaac, der gerade von Edna erfuhr, dass jeder Eis-Counter auf Snow Crystal Wall Aqua-Monster sowie Kreaturen des Attributs Wasser um 200 Angriffspunkte stärkte.
„Schnellchecker!“ Spottete Orion auf seiner Schulter und grunzte schelmisch. „Die sieben Säulen, die Auserwählten, die für das Gleichgewicht der Erde sorgen... repräsentieren starke Gefühle! Rot ist ein Sinnbild für Liebe, aber auch Kampfgeist und dergleichen.“
„Also Kampfgeist hat er allemal!“ Harris wusste jedoch nicht recht, wie man so einen Gefühlsausbruch erzwingen sollte und meinte daher: „Warten wir ab, was passiert.“
„Selbst mit dem Punkteschub ist dein Monster schwächer als meins!“ Sagte derweil Isaac voller Zuversicht zu Edna.
„Hmpf! Für deinen Legendary Hero Tidus (ATK/2900) reicht’s trotzdem allemal! Attacke!“
Mit seinen eisigen Schwingen entfachte der White Night Dragon einen heftigen Schneesturm, der geradewegs auf den Helden zusteuerte.
Auron wich rechtzeitig zur Seite aus, doch für den blonden Schwertkämpfer war es einfach zu spät. Er wurde in den Wirbel mitgerissen und löste sich in kleinen, farbigen Materieteilchen auf.
[Edna: 1600LP Isaac: 1600LP]
„Gleichstand!“ Jubelte Edna mit sich zufrieden. „He-hey! Was machst du da!?“
Ihre Beschwerde war damit begründet, dass Isaac achtlos nach seinem Deck griff und eine Karte zog. Dann bemerkte er ihre Empörung und erklärte knapp: „Legendary Formations Effekt, wenn ich zweimal richtig geraten hab! Wird eines der beschworenen Monster vom Feld entfernt, ziehen wir beide ne Karte. Also los, beeil dich, ich will in mein Hotel zurück!“
„Ist ja gut!“ Grummelte das Mädchen genervt und setzte die neue Karte sogleich verdeckt. „End Phase!“
„Oh nein!“ Erinnerte sich Isaac prompt, als er feststellte, wie sich Ednas Drache auflöste und ihn ein starker, eiskalter Wind erfasste.
Seine Haare und Kleidung flatterten heftig, der Jugendliche wurde trotz schützend vor sich gehaltenen Armen durch den Schnee geschoben und verlor fast den Halt.
[Edna: 800LP Isaac: 350LP]
„Icicle Kingdom und Perma Frost!“ Murmelte er vor sich hin, als der Sturm vorüber war.
„Genau, da ich nur ein Wasser-Monster besaß, konnte ich es opfern und dir die Hälfte seiner Verteidigungskraft von den Lebenspunkten abziehen!“ Wiederholte das Mädchen es noch mal für alle. „Danach kann ich einfach dank Perma Frost 800 Lebenspunkte zahlen, um meine White Night Dragon zurück in den Verteidigungsmodus zu rufen (DEF/2500)!“
Mit grellem Gebrüll tauchte der eisblaue Drache einen Moment später wieder über dem Spielfeld auf.
„Du bist chancenlos gegen eine Expertin wie mich!“ Konnte es sich Edna einfach nicht verkneifen, anzugeben.
Isaac jedoch verzog das Gesicht, „Noch ist nicht aller Tage Abend!“, und riss die nächste Karte von seinem Deck.
Snow Crystal Wall: [2]
White Night Dragon (ATK/3200 zu 3400)
Etwas enttäuscht musste er feststellen, dass sich dieselbe Zauberkarte nun zum zweiten Mal auf seinem Blatt befand. ((Was will ich mit den beiden?)) Ärgerte er sich ein wenig, wo er doch auf nichts anderes ausweichen konnte.
„Ist eh nicht so wichtig...“ Murmelte er und schwang seinen Arm aus. „Mach dich für deine Niederlage bereit! Auron, Attacke mit Banishing Blade!“
Der Held nahm einen Schluck aus einem kugelrunden Krug, der an einem Gurt seines roten Mantels hing und prustete die Flüssigkeit auf seine lange Klinge, um die sich drei Runenringe zu kreisen begannen.
„Was soll das heißen!?“ Fragte Edna nicht gerade gut gelaunt, während Auron seine Waffe mit beiden Händen in die Höhe schwang.
„Ganz einfach!“ Meinte Isaac argwöhnisch. „Aurons Angriff ist ein Defense-Breaker!“
„Das heißt Schaden durch die Verteidigung hinweg!“ Erkannte seine Gegnerin den Effekt wieder und stolperte zurück.
„Genau!“
Auron schwang seine Waffe nun in Richtung des Drachens in der Luft und schleuderte drei schwarzrote Energiesphären auf ihn.
Edna jedoch aktivierte geistesgegenwärtig ihre verdeckte Falle. „Early Winter!“
Aus dem Rücken des Eisdrachens heraus wuchs ein quadratischer, ziemlich wuchtiger Eiswürfel mit kugelrunden, blauen Augen und drückte mit seinem Gewicht den Drachen so weit nach unten, damit der Angriff des Helden über seinen Kopf hinweg schoss.
White Night Dragon (DEF/2500 - ATK/3400 zu 3800)
Ice Cube-Beast (ATK/0 zu 400)
„Was geht denn hier ab?“ Isaac kratzte sich verwundert am Kopf.
„Meine Falle natürlich! Sie wechselt die Position aller Wasser-Monster und ruft dann ein solches von meinem Friedhof oder der nächsten Dimension zurück, solange es dieselbe Stufe besitzt, wie die Anzahl an Monstern, die geswitcht wurden! Gestatten? Ice Cube-Beast (1)!“ So schnell würde sie nicht aufgeben, dachte Edna und legte die zuvor entfernte Kreatur auf die Dueldisk. Ganz im Gegenteil, jetzt begann es, spannend zu werden.
„Hmm, anscheinend eine weitere deiner Karten, die Power-Boosts verteilt!“ Stellte Isaac fest und bekam ein Nicken als Antwort. „So ein Pech! Denn jetzt gibt es ein Replay und ich greife einfach diesen Eiswürfel an! Los Auron, diesmal mit Tornado!“
Der Held begann, sich mit seiner Klinge im Kreis zu drehen und wirbelte so Schnee auf, den er als Windhose direkt auf den Drachen und das Gebilde auf seinen Rücken schleuderte.
„Jetzt bist du genau in meine Falle gelaufen!“ Triumphierte Edna. „White Night Dragon, beschütze Ice Cube-Beast!“
„Was!? Aber-!“ Isaac verstand nicht.
„Nix aber!“ Meinte Edna und nahm Perma Frost aus ihrer Dueldisk. „Wenn ich eine solche Karte auf den Friedhof lege, mache ich damit automatisch White Night Dragon zum Ziel deines Angriffs!“
Damit verschwand die Karte vom Spielfeld.
„Wie unfair!“ Schrie der Blonde erzürnt, der sich das anders vorgestellt hatte.
„Wow, Edna hat das alles geplant gehabt!“ Schoss es aus Ryan heraus. „Sie hat ihr Deck wirklich gut unter Kontrolle!“
Harris jubelte bereits: „Das war’s für Isaac!“
Der White Night Dragon setzte sich gegen den näher kommenden Angriff zur Wehr, indem er aus seinem Maul eine ebenfalls starke Windhose auf den Boden abfeuerte, die von dort aus den ganzen Eispalast zerstörte und wie in einem Zweikampf gegen Aurons Attacke ankämpfte.
Immer weiter wurde diese zurückgedrängt und langsam bekam Isaac Muffesausen, wich im Angesicht des kühlen Windes zusammen mit seinem Helden immer weiter zurück.
((Das gibt’s doch nicht, ich verliere!)) Ärgerte er sich und konnte auf der anderen Seite undeutlich durch die Attacken Edna sehen, wie sie sich bereits vor dem Publikum verbeugte und winkte. ((Sei nicht so überheblich!))
Mit einem Satz rammte er seine beiden Schnellzauberkarten in die Dueldisk. ((Ich lass mich nicht so leicht abschieben!)) „Sturmangriff, Auron!“
Die genannten Karten sprangen vor ihm in die Höhe. „Jetzt!“ Feuerte Isaac sein Monster an.
Dieser rannte todesmutig los, nutzte die Wirbelstürme als Möglichkeit, in die Luft zu gelangen und wirbelte dann in einem Salto mit ausgestreckter Klinge langsam auf den White Night Dragon zu.
„Das gibt’s nicht!“ Brach es aus Ednas siegessschierer Fassade hervor. „NEIN!“
Einen Moment nicht aufgepasst, und es war passiert.
Ihr Drache wurde einfach in zwei Hälften geschnitten und fiel zu Boden. Gleichzeitig setzte Auron genau vor ihr auf und starrte sie wie ein Lehrer an, der mit seinem Schüler unzufrieden war.
„Yieks!“ Kreischte das Mädchen und fiel vor Schreck auf den Hosenboden, konnte ihren Blick nicht von dem Mann in roter Robe abwenden, wie er mit dem Schwert auf dem Rücken gebuckelt vor ihr stand.
„Edna!!!“ Schallten die Stimmen ihrer Freunde zu ihr herüber.
[Edna: 0LP Isaac: 350LP]
„Ich hab... verloren?“ Bemerkte sie etwas verzögert und benommen, während sie ihre Dueldisk vor sich hielt und die Lebenspunkteanzeige anstarrte.
Dann sah sie auf, Harris, Ryan und Strife hatten sich um sie gestellt. Auron verschwand, sowie die Überreste ihres Eispalasts und die anderen Hologramme.
Der Schnee schmolz und hinterließ wieder die schöne, dunkelgrüne Wiese.
„Sturmangriff ist eine Zauberkarte, die Legendary Heros um je 500 Angriffspunkte für jedes deiner Monster stärkt.“ Plapperte Ryan sofort begeistert los. „Er hat die Karte gleich zweimal eingesetzt und Auron auf 5400 Angriffspunkte gebracht, ist das zu fassen?“
Doch Edna achtete nicht auf ihn, eigentlich war ihr die Niederlage auch egal. Ihr Blick lag, nach vorn gerichtet, auf Isaac.
Dem wurde von einigen Leuten aus der Menschentraube gratuliert. Sie umrandeten ihn, machten Fotos und verlangten nach Autogrammen. Verlegen rieb er sich den blonden Kopf und ging den Wünschen seiner neu gewonnenen Fans nach.
Das Mädchen schloss lächelnd die Augen. ((Wenn ich nicht so unvorsichtig gewesen wäre, hätte ich da stehen können... aber ich glaube, es ist besser so.))
„Was machen die für einen Aufstand, nur wegen dem!?“ Empörte sich Strife jedoch sofort und stemmte ärgerlich die Arme in die Hüften. „Edna hat ebenso gut gespielt!“
„Komm runter, gönn ihm den Sieg.“ Versuchte Harris, seinen Rivalen etwas zu besänftigen.
Miesepetrig rümpfte der mit verschränkten Armen die Nase und sah in eine andere Richtung.
Edna musste kichern, da Strife urkomisch aussah, wenn er wütend war.
Jedoch bemerkte sie dann, wie Isaac langsam auf die vier zuschritt.
Harris und Ryan gingen nahezu achtungsvoll zur Seite, als sich der Blonde vor das Mädchen stellte und ihr die Hand reichte.
„Gut gespielt, das war das schwerste Duell meines Lebens.“ Meinte er anerkennend.
„Kann ich von mir nicht behaupten!“ Antwortete sie keck, wenn auch ehrlich, ergriff aber dennoch seine Hand und ließ sich von ihm hochziehen.
„Mit solchen Karten wie denen von unserem Fotomodell hier kann doch jedes Kleinkind gewinnen!“ Tönte Strife eifersüchtig in die Richtung des Blonden, der darauf aber nur mit einem gequälten Lächeln reagierte.
„Halt die Klappe...“ Brummte er träge.
„Die Legendary Heroes sind bekannt dafür, dass man sie leicht spielen kann.“ Ryan ließ es sich natürlich nicht nehmen, sofort altklug sein Wissen mit allen zu teilen.
Isaac reagierte darauf lässig mit einem Schuss Humor.
„Deshalb spiele ich sie, weil ich da nicht viel falsch machen kann und die Effekte kapiere.“ Dann fügte er aber noch gewissenhaft hinzu: „Ich bin nicht so sehr der Duel Monsters-Freak. Edna ist die professionellere Duellantin, habe halt nur besser gezogen.“
„Schön, dass du es einsiehst!“ Lachte die und stieß mit ihrem Zeigefinger auf seine Brust, die der Jugendliche sich überrascht hielt.
„Egal!“ Der Blick des Blondschopfs fokussierte sich auf den Briten, der immer noch etwas entfernt von den anderen stand. „Ich hab gewonnen, also entschuldige dich, klar!?“
„Nie im Leben!“ Schoss ihm die Antwort sogleich entgegen.
„Hey, wir hatten eine Abmachung!!!“
((Wow, wenn sich Isaac einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, gibt er nicht mehr nach, ehe er sich durchgesetzt hat.)) Musste Edna derweil schmunzelnd feststellen. ((So ein Dickkopf.))
Doch davon ließ sich Strife nicht beeindrucken: „...der ich nie zugestimmt habe!“
„Arroganter Lackaffe!“ Entglitt es dem aufbrausenden Isaac, der sich regelrecht nach vorne beugte, als würde er jeden Moment wie ein Stier auf den Briten losstürmen.
„Niveau sieht nur von unten aus wie Arro-!“
„Wow, haben wir hier nen zweiten Harris oder was?“ Scherzte Edna und klopfte Isaac kräftig auf den Rücken, der fiel allerdings, geschockt von diesem Vergleich, vorne über aufs Gesicht.
„Ignoriert mich gefälligst nicht andauernd!!!“ Platzte Strife nebenbei der Kragen.
„Du entschuldigst dich jetzt für deine Worte und hilfst Isaac hier auf!“ Gab das Mädchen jedoch im strengen Ton an und deutete auf den Jungen vor ihren Füßen.
„Aber ich hab ihn nicht mal umgewor-!“
Als er jedoch Harris sah, wie er sich neben Edna stellte, blieb ihm glatt die Luft weg.
„Sicher? Denk an ihn hier...“ Grinste er überlegen.
Orion wurde tatsächlich als Druckmittel eingesetzt, denn Strifes kleiner Freund wurde von Harris wie ein Stück Gummi auseinander gezogen und malträtiert.
„Tu, was man dir sagt! Oder hast du deine guten Manieren vergessen?“ Konnte sich der große Rotschopf diesen Spaß nicht verkneifen, hielt den Schattengeist schön nach vorne und zog weiter an ihm. Kleine Kullertränchen stiegen aus dessen Augen.
„Strife hilf mir, dieser %&$§#*/ tut mir weh!“ Jammerte er und schwor dann noch zornig Rache: „Wenn ich frei bin, wird jeder von deinem kleinen Pe- AUAAAAAAAHAHAHA!“
Errötet vor Scham und Wut zog Harris nun noch kräftiger. „Du kleines, freches Biest, was wolltest du gerade sagen!?“
„Du tust ihm weh!“ Ließ sich Strife von der Qual seines kleinen Freundes mitreißen. „Lass ihn los... ich tu’s ja...“
„Wenn du irgend’nen Mist erzählst, blüht dir was!“ Drohte der Folterknecht dann seinem Opfer und warf es im hohen Bogen hinter sich weg.
„RAAAAAAAACHEEEEEEEEEEEEEEEE!“ Wurde Orions Rumgefluche im Flug immer leiser, bis er Meter entfernt dumpf auf der Wiese landete. „...ompf!“
Zeitgleich hatte sich Strife vor Isaac niedergekniet, der diesen die ganze Zeit über skeptisch betrachtete und strecke ganz vorsichtig seine linke Hand vor sich aus.
„Ich bitte a-aufrichtig um Verzeihung...“ Bracht er es kaum übers Herz, sich mit dem Bände sprechenden, grimmigen Gesicht zu entschuldigen.
Der Liegende fackelte nicht lange, packte die schmale Hand und ehe sich der Brite versah, wurde er rücklings auf den Rasen geschleudert, während Isaac sich elegant erhob und grinsend seine Kleidung abklopfte.
„Entschuldigung angenommen. Aber nur, weil ich nicht noch mehr Streit will.“ Wurde Strife dann schief angesehen.
„Ich liege... liege im Gra-gra-gra-“
„Gras, ja.“ Vervollständigte Isaac schmunzelnd den Satz.
„Wie kannst du es wagen!?!?!?!?!?!?!“ Mit einem Sprung war Strife auf den Beinen und stampfte bedrohlich schnaufend auf den Jugendlichen zu. „Dieser Anzug hat ein Vermögen gekostet, wenn da Grasflecken drauf sind, dann schwöre ich bei Gott-!“
„Deine Schuhe sind dreckig.“ Entschärfte Harris die Situation kurzerhand.
„Was!? Oh nein, nicht auch noch die!“
Sofort bückte sich der Engländer und putzte penibel genau seine edlen, schwarzen Herrenschuhe mit einem feinen, weißen Taschentuch.
Edna stupst Isaac laut lachend in die Seite und flüsterte verschwörerisch in sein Ohr. „Sei nett zu ihm, er ist unser Goldesel.“
„Wa-!? Ich werde dem sicher nicht den Arsch küssen! Was interessiert mich das überhaupt!?“
Dazu führte Harris an: „Er würde dich auch gar nicht ranlassen, zu viele Bakterien an deinem Mund.“, und lachte.
„Habe ich Bakterien gehört?“ Quiekte Strife entsetzt. „Orion, das Desinfektionsmittel! ... Orion? OOOOOOOORIIIIIIIIONNN!?“
Der Schattengeist jedoch lag meterweit entfernt KO im Gras.
„Nie ist er da, wenn man ihn mal braucht!“ Schimpfte Strife sauer und war bemüht, den Dreck zu entfernen, ohne sein Taschentuch schmutzig zu machen.
Während sich auch Ryan und Harris den Bauch vor Lachen halten mussten, wurde Edna nachdenklicher und wandte sich an Isaac.
„Nun, ich halte auch mein Versprechen. Treffen wir uns morgen, ja?“
„Oh!“ Erinnerte sich Isaac daran, dass das dunkelhäutige Mädchen ihm angeboten hatte, zusammen irgendwo Kaffee zu trinken. „K-klar.“ Sagte er verlegen und ein wenig Röte stieg in sein sonst eher blasses Gesicht.
„Wie wär’s mit dem ‚Le Service à la Mère’? Dort war ich erst gestern mit meiner Klasse. Ist schön da, die haben allerlei Kuchen.“ Bot er an.
„Okay, ich denke da finden wir schon irgendwie hin.“ Lachte sie freundlich, wurde dann aber wieder gewissenhafter. „Aber darum geht es uns weniger. Sieh mal, der Grund, warum wir dich duellieren sehen wollten...“
Dann begann sie, Matts Geschichte so detailliert wie möglich zu erklären...
- im Hotel -
Tara und Matt waren zurück auf ihrem Zimmer.
Der Junge lag auf seinem Bett, dass nahe der Tür war und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Vor sich hindösend, war ihm wohl bewusst, dass er die ganze Zeit über angestarrt wurde.
Die Blondine saß an einem Tisch, der vor einem großen Fenster stand und sah besorgt rüber zu ihrem Klassenkameraden. Ein Seufzer entglitt ihr und sie blätterte wieder gedankenlos durch die Modezeitschrift, die sie sich von Zuhause mitgenommen hatte.
((Warum... ist es so ausgegangen?)) Dachte sie betrübt.
Die Szene im Bahnhof ging ihr nicht aus dem Kopf, wie konnte sie auch? Und dennoch brachte Tara kein Wort über die Lippen, sie wusste einfach nicht, was sie sagen könnte. Matt musste von sich aus den nächsten Schritt tun.
Der hatte sich derweil von Tara weggedreht und starrte auf die Zimmertür. Sein Blick wanderte weiter über die hellorange Tapete des Zimmers, zu seinem Nachttisch. Draußen war es schon dunkel, die letzten Spuren des Abendrots waren bereits dabei, zu verblassen.
Aber nur das Licht von Taras Lampe brannte, seine oder Ednas waren nicht angeschaltet.
Noch immer hatte er sich nicht beruhigt und doch fühlte er sich zumindest ein wenig besser.
((Habe ich... die richtige Entscheidung getroffen?)) Ging es durch seinen Kopf.
Im Schutze eines Getränkeautomaten standen sie.
Matt hatte Taras Arme gepackt und sah eindringlich in ihre Augen. Das Mädchen machte sich möglichst klein, ihr war die Situation sichtlich unangenehm.
Der Schwarzhaarige schloss die Augen und versuchte mit bebender Stimme zu erklären.
„Ich bin... nicht... nur ich...“ Sagte er und blickte die Marmorwand des Bahnhofs an, deren grauer Ton durch weiße und schwarze Punkte aufgelockert wurde. Ziemlich undeutlich und unscheinbar sah er seine eigene Reflektion darin.
„Wie meinst du... das?“ Tara verstand nicht, was er ihr sagen wollte. Obwohl Matt fester ihre Arme umpackte, schrie sie nicht auf oder bat ihn, nicht so grob zu sein.
Seine Anspannung merkte das Mädchen ihm an und wollte ihn nicht durch ihre Reaktionen aus der Fassung bringen.
„Damals... in der... Militärbasis. Da hat er mich gerettet... der...“
„Schweig!“ Donnerte es plötzlich von seinem Ebenbild an der Wand. Es hatte sich schlagartig in einen ritterlichen, jungen Mann verwandelt, der ansonsten genauso aussah wie Matt.
„Wer hat dich gerettet?“ Hakte Tara neugierig und einfühlsam zugleich nach.
Doch der Junge starrte gebannt die Wand an und lauschte dem, was nur er vernehmen konnte.
„Wenn du jetzt die Wahrheit über uns preisgibst, wirst du dir keinen Gefallen tun!“ Erklärte Raquel aufgebracht und sah, entgegen Matts Bewegungen, Tara an.
„Denkst du, dieses Mädchen wird schweigen, wenn sie erfährt, wie gefährlich wir sind? Und was wird sie dazu sagen, wenn sie erfährt, welch Gelüsten du nachgegangen bist?!“
„Halt’s Maul!“ Schoss es aus Matt heraus.
In dem Moment riss sich Tara los und stolperte zwei Schritte zurück. Voller Angst und Unverständnis blickte sie Matt in die Augen, der gar nicht mehr wahrzunehmen schien, dass sie existierte.
„Was...?“ Kam es ganz leise und gebrochen aus ihrem Mund hervor.
„Eh- Tara!“ Erst jetzt bemerkte Matt seinen Fehler und streckte den Arm nach ihr aus. „Tut mir leid, ich- es-!“ Doch sie wich weiter von ihm weg.
„Was ist nur in letzter Zeit mit dir los?“ Begann sie nun und zeigte offen ihr Unverständnis gegenüber seinem Handeln. „Du bist nur noch schlecht drauf, schreist uns an und behandelst uns nicht wie wir es als deine Freunde verdient hätten!“ Klagte sie bitter.
„Aber das hat... das hat seine Gründe!“ Beteuerte er und ignorierte die Franzosen, die neugierig an den beiden vorbeigingen und sie dabei anstarrten.
„Welche!?“ Sprudelte es aus Tara heraus, die lauter wurde. „Du redest nie über dich! Aber wenn du schon so verschlossen bist, dann lass deine Frustration nicht an uns aus!“
„Siehst du?“ Hallte es gleichzeitig von Raquels Seite wieder. „Würde sie dich wirklich verstehen? Wenn du ihr erstmal eröffnest, was Gardenia noch so alles erzählt hat, glaubst du, dass sie normal weiterleben kann? Denkst du, deine anderen Freunde könnten das?“
„Misch dich nicht ein! Nicht jetzt...“ Zischte Matt zur Wand, doch Tara verstand dies sichtlich falsch und empörte sich weiter.
„Ich mische mich nicht ein! Ich wollte mich nie einmischen!“ Brach es mit erstickter Stimme aus ihr raus. „Vielleicht hätte nicht andauernd fragen sollen, was mit dir los ist! Aber... aber...!“
„So war das nicht gemeint!“ Langsam verlor der Junge seinen Kopf und sah abwechselnd in hohem Tempo zwischen seinem Spiegelbild in den Marmorfliesen und Tara hin und her. „Ich weiß, es ist schwer mit mir und vor allem, es- aber glaub mir, ich wollte dich nicht anschreien!“
„Aber du tust es!“ Kamen bei ihr schließlich die ersten Tränen, die sie sofort mit dem Ärmel ihrer Jeansjacke wegwischte.
„Wein doch nicht...“ Hilflos wollte er sie in den Arm nehmen, doch Raquel hielt ihn davon ab.
„Wenn du die Sache nicht noch schlimmer machen willst, schweig lieber.“ Erklärte er ernst. „Du bist die Waffe, aber für deine Freunde ebenso eine wichtige Person! Und dir ist klar, was alles mit euch allen passieren kann, solltest du dein loses Mundwerk nicht halten?“
Matt schwieg und sah nur Tara an, wie sie sich die Augen ausheulte. Diese Schuldgefühle fraßen ihn regelrecht auf, aber Raquels Einwand war nicht unbegründet.
((Es ist besser... wenn sie es nicht weiß... wenn keiner es weiß... das ist meine Angelegenheit.)) Er fasste einen Entschluss. ((Ich darf sie und die anderen nicht da hineinziehen. Sie sollen mich... möglichst... unbeschwert in Erinnerung behalten.))
Obwohl es so befremdlich für ihn war, ging er langsam, fast wie ferngesteuert, auf Tara zu und schloss sie schließlich in seine Arme.
Sie lehnte sich an seine Schulter und schluchzte ein paar Mal, während er ihr sanft über den Kopf streichelte.
„Ist nicht so wichtig gewesen, was ich sagen wollte.“ Erklärte er versöhnlich. „Ich stehe einfach im Moment etwas neben mir. Niemals würde ich euch...“
„Ich weiß...“ Schluchzte sie noch und rieb sich die Augen. „Trotzdem...“
„Ja, aber ich gebe mein Bestes, nicht mehr so grob zu euch zu sein. Verzeih mir, Tara.“ Flüsterte in ihr Ohr und ließ sie los, auch wenn er es nicht wollte. Aber jetzt mit seinen Gefühlen für sie anzufangen, erschien ihm unpassend. Dazu fehlte ihm die Kraft.
Tara rieb sich noch einmal die Augen und bemerkte, wie Matt noch einmal zurück zu der Stelle starrte, wo er eben noch stand.
Raquels Spiegelbild war verschwunden, aber dem Jugendlichen war klar, dass es von jetzt an nur noch schlimmer werden würde. Taras Anwesenheit schien den Terraner offenbar nur noch willkürlich zu bannen.
Trotzdem musste er vor den anderen gute Miene zu bösem Spiel machen, damit zumindest die anderen nicht noch mehr Ärger hatten als nötig.
„Wollen wir jetzt die Tickets kaufen gehen?“ Wandte er sich an sie.
„Ah, stimmt...“ Erinnerte sie sich immer noch leicht mitgenommen und sah sich um. „Wir müssen ja bald nach Hamburg.“
„Ja, lass uns weitersuchen nach einem Verkäufer.“ Forderte er sie besser gelaunt auf.
„Okay...“ Brach nun auch Taras Lächeln wieder aus ihrem geknickten Gesicht hervor und doch blieb die Unsicherheit in ihr, was Matt anging.
((Verzeih mir, Tara. Aber es ist besser, wenn du nicht zuviel über unsere Vergangenheit weißt.)) Dachte Matt bedauernd und schritt an ihr vorbei, bis sie ihm folgte...
Turn 132: The escape - Part II
-Aska- - 19. Aug, 13:59